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Wo kommt unser Essen her?

Geht es um die Qualität eines Lebensmittels, scheint für die meisten Konsumenten die Frische das wichtigste Kriterium bei ihrer Kaufentscheidung zu sein. Ob der Bäcker an der Ecke oder der große Nahrungsmittelkonzern, einer Gehirnwäsche gleich beten sie uns das Mantra vor: Frische = Qualität. Fragt man nach, was wirklich drin ist im frischen Brötchen, in der frischen Milch, im frischen Salat, erhält man nur unzureichende oder gar keine Antworten. Wie lange werden Unternehmen sich diese Ignoranz noch leisten können? 

 

Schreibt man die seit Jahren zunehmende Forderung der Verbraucher nach mehr Transparenz fort, dann ist es weniger eine Frage der Zeit, sondern des politischen Willens, bis eine 100-prozentige Offenlegungspflicht über die Inhaltsstoffe, die Herkunft und die Qualität der Bestandteile eines Lebensmittels der zukünftige Standard sein wird. Dann werden nur diejenigen Unternehmen in der Zukunft bestehen können, die sich diesem Standard unterwerfen. Der junge, kritische Konsument ist durch die Meinungsmacht der sozialen Medien quasi zum Koproduzenten geworden. Er wird zunehmend die Anbaumethoden und die Arbeits- und Produktionsbedingungen durch seine lebensbejahende Kritik mitgestalten.

42 Prozent der Menschen hierzulande gehen mindestens einmal pro Jahr in ein Fast-Food-Restaurant. Die ZDF-Sendung WISO unterzog unlängst die beiden Marktführer McDonalds und BurgerKing einem Qualitätstest. Die Tester wollten in einer Münchner McDonalds-Filiale in Erfahrung bringen, woher das Fleisch für den BigMac stammt. Die Mitarbeiter im Verkauf wussten es nicht. Der Herstellercode auf dem Lieferkarton führte in das Zentrallager des Logistikers, der sämtliche deutschen Filialen des Marktführers beliefert. Niemand dort konnte Auskunft geben, wo die glücklichen Rinder aus der McDonalds-Werbung grasen. Die Spur führte schließlich weiter zum Hersteller der Fleischlinge. Aber auch dort wollte oder konnte niemand sagen, welche Schlachterei und welcher Mastbetrieb das Fleisch für McDonalds liefert. Man berief sich auf den Datenschutz. Auf der Website des Konzerns dagegen ist die Firmenwelt in bester Ordnung. Von Nachhaltigkeit und Verantwortung für die Umwelt ist die Rede. Vollmundig wird mit „Transparenz und überprüfbare(r) Rückverfolgbarkeit aller Produktionsstufen samt möglichem Arzneimitteleinsatz“ geworben. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Auch auf der Website von BurgerKing wird für Nachhaltigkeit, grünes Gewissen und Transparenz geworben: „Als globales Unternehmen sind wir uns unserer Verantwortung bewusst. Nicht nur gegenüber unseren Gästen, sondern auch gegenüber unseren Mitarbeitern und unserer Umwelt. Unsere Versorgungskette können wir komplett nachvollziehen und unsere Zutaten zu jedem Zeitpunkt an ihren Ursprungsort zurückverfolgen“. Nur davon weiß der Produzent der Bratlinge, die Fa. Inalca in Modena, Italien, nichts. Die Firma erteilt weder eine Drehgenehmigung noch gibt sie Auskünfte zur Herkunft des Fleisches. Transparenz? Fehlanzeige!

Das Berliner Stadtmagazin TIP veröffentlichte unlängst eine Reportage über das Berliner Bäckerhandwerk. Im Prinzip ein wohlmeinender Bericht über eine Zunft, die es schwer hat, sich gegen die neue Plage der Menschheit, die Backshops, durchzusetzen. Rein industriell gefertigte Teiglinge fragwürdiger Qualität „frisch“ aufgebacken ruinieren nicht nur die Preise, sondern bringen eine ganze Zunft um ihre Existenz. Kritik an der Berichterstattung des Stadtmagazins ist dennoch angebracht. Oberflächlich wird auch hier die Qualitätsfrage auf Frische, Genuss und Geschmack reduziert. Ist ein handwerklich gefertigtes Brötchen so viel besser, wenn nicht hinterfragt wird, welcher Qualität die Zutaten und die damit verbundenen Konsequenzen für Mensch und Natur sind?

Stellen wir hier einmal die nicht gestellten Fragen. Wo stammt das Getreide für das Mehl her und wie wurde es angebaut? Waren Pestizide und Herbizide im Spiel? Wie wurde der Boden gedüngt, auf dem das Korn wuchs? Wurde beim Anbau auf das Bodenleben geachtet, oder wird der Boden ohne Rücksicht auf kommende Generationen ausgelaugt? Bezieht der Bäcker nur Mehl, oder eine fertige Backmischung, oder kauft er das ganze Korn, das er selbst reinigt und kurz vor dem Backen frisch auf der eigenen Mühle mahlt? Der Unterschied: Frisch gemahlen bleiben die meisten der wertvollen Inhaltsstoffe erhalten. Welches Wasser verwendet der Bäcker für seinen Teig? Kommt es ungefiltert aus der Leitung, mitsamt den Medikamentenresten, die bekanntermaßen im Berliner Leitungswasser zu finden sind? Oder stammt das Wasser aus einem eigens gebohrten Tiefbrunnen, wird es gefiltert und energetisch aufgeladen, so wie es die Bäckerei Märkisches Landbrot, eine der größten Bio-Bäckereien in Berlin, praktiziert. Welche Backtriebmittel werden verwendet? Natürliche Sauerteige oder gentechnisch hergestellte Backhilfsmittel und Enzyme, wie sie selbst in Biobackwerk mittlerweile zu finden sind? Und schlussendlich, wie wird das Brot gebacken? Wird die nötige Hitze durch Strom, Gas oder gar in einem energiesparenden Holzbackofen erzeugt, wie ihn seit neuestem die UFA-Bäckerei in Tempelhof betreibt? Diese Art der Fragestellung ließe sich auf unendlich viele Produkte anwenden. Wir sollten diese Fragen öfter stellen.

Frisch war sie ja, die Pferdefleisch-Lasagne. Diesmal wurde kein Gammelfleisch gefunden. Liest man sich im Netz durch die Blogs zu diesem Thema, herrschen beißender Spott und schwarzer Humor vor. Wie etwa dieser besonders krasse Beitrag: „Pferdefleisch? Na wenn schon, Hauptsache frei von Jockeyfleisch.“ Uups! Ist das etwa die zukünftige neue Ekelgrenze? Frei von Bestandteilen menschlichen Ursprungs.  


Abb: © Sergiy Bykhunenko – Fotolia.com

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