Illian Sagenschneider muss gestehen: Er steckt in einem Dilemma – kaum ein Monat ist ungünstiger für Ernährungstipps als dieser! Und normalerweise lässt er sein Umfeld in der Vorweihnachtszeit damit auch gänzlich in Ruhe. Wirklich… Man möchte sich ja gerade jetzt nicht in puncto Essen belehren lassen – oder womöglich noch Veränderungen vornehmen müssen – es ist eh schon stressig genug im Dezember! Aber da eben noch ein Artikel für dieses Jahr fehlt, muss er wohl… Nun gut, er versucht es mal ganz vorsichtig – mit einer kleinen Geschichte.

Ich denke gern an die Zeit zurück, als es oft schon im Dezember so kalt war, dass die Straßen am Heiligabend von einer feinen, dünnen Schneeflockenschicht bedeckt waren. In der das Wohnzimmer schon seit Tagen auf geheimnisvolle Weise abgeschlossen war und ich es kaum erwarten konnte, dass es endlich Heiligabend wurde! Selbst den Kirchenbesuch fand ich dann toll. Dieses gotische Gewölbe im Kerzenlicht, der große Chor auf der Empore, der mehrstimmig „Menschen, die Ihr wart verloren“ sang, all die Bäume und die aufgebaute Krippe im Hintergrund …

Ich mochte diese Atmosphäre sehr. Am Ende sangen wir alle gemeinsam „O du fröhliche“ und wünschten uns draußen vor der Kirche alles Gute für die Feiertage. Es war schön, auf dem nach Nach-Hause-Weg durch den Schnee zu stapfen, der die Straßen und das Licht so ganz veränderte. Und wenn dann endlich der Moment kam, an dem sich die Wohnzimmertür öffnete und den im Halbdunkel stehenden, glitzernden Weihnachtsbaum mit all den bunten Geschenken und den Süßigkeiten drum herum preisgab und schließlich der magische Klang der alten Akkordzither meiner Mama „Leise rieselt der Schnee“ anstimmte, dann – ja, dann war es Weihnachten!

Der süße Geschmack von Geborgenheit

Wir haben viel gesungen damals. Mama und Papa haben sich gerade mit diesem Abend immer sehr viel Mühe gegeben. Oft durfte ich bis spät in die Nacht in einer Wohnzimmerecke mit meinem neuen Lego oder Playmobil spielen. Dazu gab es unendlich viele Dominosteine, Bratäpfel und Schokolade. Ich war wirklich glücklich in diesen Momenten. All diese alten Erinnerungen – untrennbar zusammengeschmolzene Eindrücke aus Bildern, Klängen, Düften, Freude und süßem Geschmack geben mir noch heute ein ganz starkes Gefühl – das Gefühl von Geborgenheit und Zuhause.

Nun, all das ist lange her. Mit erwachsenen Augen sieht man viele Dinge anders. Und einiges verliert seinen Zauber. Mit Lego spiele ich nur noch selten (ich gebe zu, ab und an kaufe ich mir noch heimlich etwas Star Wars Lego) und ich musste feststellen, dass die Adventszeit für einen Erwachsenen deutlich uncooler ist als für ein Kind. Richtig schwierig wird das Ganze aber, wenn man irgendwann so etwas wie eine „Ernährungsumstellung“ macht. Wenn man feststellt, dass isolierter Fabrikzucker vielleicht kein harmloses Produkt ist und man etwas weniger von dem Zeug essen will. Kurzum, mein erstes Weihnachten ohne Dominosteine und Lebkuchen war eine Katastrophe! Und dabei habe ich mir wirklich viel Mühe gegeben: Ich hatte frische, echte Kakaoschoten gekauft, aus Rohkostkakaobutter eigene Pralinen gezaubert und dazu teure, frische Litschis und türkische Feigen von einem Tropenfruchtspezialversand organisiert. Zu trinken gab es Kokossaft und Palmnektar. Aber trotzdem war ich enttäuscht. Es war nicht dasselbe wie früher. Es fühlte sich nicht wie Weihnachten an. Und es hat eine Weile gedauert, bis ich richtig verstanden habe, warum …

Neue Prägung mit Liebe und Geduld

All diese wunderbaren Gefühle meiner Kindheit, all diese abgespeicherten Erinnerungen sind ganz stark mit meinem Essen von damals verbunden. Wenn ich nur den Hauch einer Chance für eine Veränderung in diesem Bereich haben möchte, muss ich mir das klarmachen. In dem Moment, in dem ich mir die Dominosteine und die Fabriksüßigkeiten wegnehme, nehme ich mir auch ein Stück weit diese Gefühle weg. Ein Stück „Zuhause“ fehlt dann – und das macht es so enttäuschend. Wie oft habe ich mich später noch im Supermarkt wiedergefunden und wieder Dominosteine gekauft, die mir im Grunde genommen schon viel zu süß waren. Die mir viel zu künstlich geschmeckt haben. Die mir nicht gut getan haben. Die ich aber trotzdem immer wieder haben wollte.

Denn jedes Mal, wenn ich diese Zartbitterschokolade mit Marzipan-Lebkuchenfüllung auf der Zunge hatte, war ich wieder der kleine Junge unterm Christbaum. All die schönen Erinnerungen dieser vergangenen Weihnachten sind dann schlagartig wieder da. Und gerade, wenn ich gestresst bin, tut das einfach nur gut! Ich habe schließlich aufgehört zu kämpfen. Gegen eine so starke Prägung verliere ich meist. Man kann die Vergangenheit nicht brachial verändern. Was ich aber tun kann, ist, dem Alten etwas Neues hinzuzufügen. Langsam, kontinuierlich und mit viel Liebe und Geduld. Bei mir gab es dann zusätzlich über viele Jahre Kokosnüsse, Litschis und selbstgemachte Schokoladenpralinen.

Ich lud Freunde und Familie ein – und zauberte Weihnachtsfeiern, so wie es meine Eltern damals für mich getan haben. Und was beim ersten Mal nicht funktioniert hat, klappt jetzt mittlerweile sogar wunderbar in umgekehrter Richtung: Jedes Mal, wenn ich nun Litschis esse, muss ich an Weihnachten denken! An all diese Feiern der letzten Jahre als Erwachsener. Ich habe etwas bei meinem Essen verändert und es bewusst mit besonders schönen Momenten kombiniert. So verbindet sich auch das Neue mit den schönen Erinnerungen. Irgendwann habe ich die meisten der alten Essgewohnheiten fallen lassen können. Einfach so – ohne zu kämpfen. Weil das neue Essen so stark und gut mit schönen Gefühlen und Momenten verknüpft war, dass es mir wieder ein Gefühl von Geborgenheit und Zuhause geben konnte. In diesem Sinne: Seien Sie nicht zu streng mit sich und Ihren alten Gewohnheiten und geben Sie ganz entspannt vielleicht dem einen oder anderem neuen Lebensmittel die Chance, eine Weihnachtserinnerung Ihrer Zukunft zu werden. Vor allem aber genießen Sie Ihr Festessen, was auch immer es sein mag …

Frohe Weihnachten Ihr Illian 

P.S.: Das Schokopralinenrezept maile ich auf Wunsch gerne zu.

Nächster Vortrag zum Thema „Alterungsprozesse und A.G.E.“ in Berlin: Fr, 12.1.2018, 19.30 Uhr.

Nächster Vortrag zum Thema „Mikrozirkulation & Gefäßtherapie“ in Berlin: Mi, 17.1.2018, 19.30 Uhr.
Die Vorträge sind kostenfrei.

Nächstes WE-Seminar von Abenteuer Ernährung in Berlin am Sa/So, 27./28.1.2018 jeweils 11-17.30 Uhr im „ZENTRUM“, Hagelberger Str. 12 in Kreuzberg

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