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Eine spirituelle Reise durch die ZeitThe long way homeDrogen, Therapien, Workshops – unser Autor Mushin J. Schilling benutzte jede Art von Hilfmitteln auf seiner Suche nach sich selbst. Die Auflösung der persönlichen Verwicklung sah dann allerdings ganz anders aus, als er gedacht hatte.
Dann las ich ein Buch von Franklin Merrell-Wolff, einem ehemaligen Mathematiker, den die Erleuchtung Mitte der 30er Jahre ereilt hatte: "The Philosophy of Consciousness without a Subject and an Object". Ein Buch, das meinen Verstand bediente und nach dessen Lektüre ich zu glauben begann, dass die im Osten so heiß gehandelte Erleuchtung auch für jemanden wie mich, einen philosophisch angehauchten Wahrheitsjunkie, eine echte Möglichkeit war. Ich beschloss, in diesem Leben erleuchtet zu werden, aber ... ich hatte eine Bedingung: Es musste in der Stadt geschehen, etwas, das Merrell-Wolff explizit nicht für möglich hielt. Aber wenn er Recht hatte, sagte ich mir, dann haben 60% der Weltbevölkerung keine Chance – und Erleuchtung wäre für uns alle nicht wirklich relevant. Also entweder in der Stadt oder gar nicht. Ein Tritt in den HinternUnd dann kamen die ersten Poona-Therapeuten in den Westen, machten aussergewöhnliche Dinge in großen Gruppen und gaben der gesamten Psycho- logie und Philosophie, die trotz der Human-Potentials-Bewegung noch immer ziemlich freudianisch und autoritär geprägt war, einen Tritt in den Allerwertesten. Ein Tritt, der bis heute nachwirkt und fast alle Therapieformen und spirituellen Methoden nachhaltig beeinflusst. Der Urgrund der ExistenzEin Jahr später lernte ich meinen Lehrer Michael Barnett kennen – den als Somendra bekannten einstigen Star von Bhagwans Sannyas-Bewegung. Spiritualität, die wirklich etwas bedeutete, sollte mir eine konkrete Erfahrung verschaffen – und das geschah auf meiner ersten Gruppe mit ihm. Plötzlich öffneten sich die Dimensionen erneut, an denen ich ein Jahrzehnt zuvor in meinen Drogenexperimenten – wie mir nun klar wurde – lediglich geschnuppert hatte. Ich fiel erstmals tief hinein in den "strahlenden subjekt- und objektlosen Raum", den undifferenzierten Urgrund der Existenz. "Esoterisches Zeug"Anfang der 90er erweiterten dann die Satsang-Bewegung, die Familienaufstellungen nach Hellinger und der prophezeite Weltuntergang zur Jahrtausendwende den bereits üppigen "Nudel- topf", an dem sich der spirituell Suchende laben konnte. Mitte der 90er ging mir das ganze esoterische "Zeugs" allerdings immer mehr auf den Senkel. Mir wurde schmerzlich bewusst, wie sehr die Suche nach Sinn und Spiritualität mit Geplapper und allerlei Schnickschnack vermischt ist. Aber das war erst der Anfang meiner ‚spirituellen Krise'. Nach und nach wurde mir klar, dass ich, wie die meisten anderen Menschen, eigentlich auf der Suche nach Trost war – denn wir waren verletzt vom Leben und unseren Beziehungen, auch von der offensichtlichen Ungerechtigkeit, Oberflächlichkeit und dem extremen Egoismus einer Welt, die offenbar nur an Beweisen, Wirtschaftlichkeit und Nützlichkeit des Lebens interessiert ist. Erleuchtung in der GroßstadtSo nahm ich einen Konflikt mit meinem spirituellen Lehrer zum Anlass, mich nicht nur von ihm und seiner Wild Goose Company abzuwenden, sondern ich fand die ganze Spiritualität schlicht zum Kotzen. Ich konnte keines der Bücher zum Thema aus meinem Schrank nehmen, ohne dass mir speiübel wurde. "Re-inkarnieren kann jeder", sagte ich damals einem Freund, "aber ich werde jetzt nur noch in-karnieren: Ich werde Fleisch; Materie und sonst nichts. Der Rest ist sowieso nur Gespinst – einfach nur eine Variante der Wirklichkeitsflucht, wie man sie auch bei Schrebergärtnern, Fußballvereinen oder Kirchgängern findet. Es hat mir was gebracht, solange es dauerte – und jetzt ist es vorbei." Reise von Moment zu MomentUnd nun enthüllte sich meine Reise bis zu diesem Moment auf ganz neue Art; der ganze spirituelle Weg, all die zahllosen Methoden – ich musste sie alle abhaken, bevor ich bereit war, die einfachste aller Wirklichkeiten zu akzeptieren: grundloses Dasein, zielloses Bewusstsein und pragmatisches Handeln. All meine vielen und teils radikalen Bemühungen und der Weg, den ich bis dahin gegangen war, hatten mich dahin gebracht, eine simple Wirklichkeit zu akzeptieren, die mir den Teppich ein für allemal unter den Füßen wegzog und mich zu Fall brachte.
Dieser Artikel wurde erstmals im Juli 2003 in SEIN veröffentlicht. Abb.: © Jürgen RognerAbb 2: Osho – für Psychonauten zu indisch
Autoren Info
Mushin J. Schilling, (54) leitete 30 Jahre lang Seminare, gründete eine spirituelle Gemeinschaft in Tschechien und schrieb mehrere Bücher über spirituelle Themen. Heute ist er "Collaboration Ecologist" und Mitbegründer des Internet-Portals Gaiaspace, das in Kürze auch öffentlich zugänglich sein wird. Er schafft Instrumente und 'Räume', die die Kommunikation und Zusammenarbeit an der Aufgabe fördern, vor der wir heute stehen: diesen Planeten und seine Gesellschaften zu neuer Blüte zu bringen. blog.mushin.eu wiki.mushin.eu Nachtrag (5 Jahre später) Erstaunlich, dachte ich, als ich diesen Artikel nach all den Jahren wieder las, wie sehr vieles davon noch stimmt – und wie viel weiter wir inzwischen sind. Die Spiritualität, wie ich sie heute lebe, ist eine pluralistische, die ohne 'kosmisches' oder spirituelles Zentrum des Universums auskommt (mehr darüber im Internet auf meinem Wiki). Ich sehe uns heute auf der Schwelle einer wirklich neuen Entwicklung, bei der es darum geht, dass wir uns gemeinsam unserer "kollektiven Buddhaschaft" bewusst werden, zusammen arbeiten und uns gemeinsam die Mühe geben – ohne Guru oder Heiland – jene Wirklichkeit herzustellen, von der zu träumen wir gewagt haben. http://www.mushin.deDas aktuelle Magazin
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Leser Kommentare:
Am 26. März. 2013 geschrieben von Wilfried
Hierzu unbedingt lesen: "Erleuchtung in Poona", das Tagebuch. Osho und Somendra werden darin ausführlich behandelt.
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