Schon als Mädchen erkannte ich, dass ich eine Gabe habe

Ich sah Menschen und spürte, dass sie bald sterben mussten, das erste Mal schon mit acht Jahren bei meiner Oma, die innerhalb von drei Monaten ihren Körper verließ. Dies ging mir auch mit anderen Menschen so, doch nach zwei Ermahnungen schwieg ich darüber. Eines Tages machte ich eine besondere Entdeckung: Ich sah die Menschen, auch aus meiner Familie, wie sie in Licht gehüllt erstrahlten und sich ins Ganze einreihten. Der Körper war abgestorben, aber das Bewusstsein blieb. Je älter ich wurde, umso klarer spürte ich und war auch nicht so traurig, wenn Menschen von mir gingen. Denn ich sah, dass etwas von ihnen ins Licht ging. Traurig machte mich, wenn Menschen vorher leiden mussten, ich betete für sie und bete noch heute.

Wenn es um schwierige Situationen ging, konnte ich immer auf meine Intuition hören und mich darauf einstellen. Ich hatte ein schwieriges Elternhaus, habe meine Mutter viele Nächte weinen gehört und versucht ihr Trost zu spenden. Heute ist mir klar, dass ich genau aus diesem Grund in diese Familie geboren wurde. Immer erfreute ich mich trotz aller Widrigkeiten am Leben. Mit 22 Jahren lag ich im Krankenhaus und war für mehrere Minuten auf der anderen Seite. Meiner Mutter und einem Arzt habe ich es zu verdanken, dass ich überlebte. Nach diesem Ereignis musste ich mein ganzes Leben umstellen, denn es forderte einen hohen gesundheitlichen Preis. Aber alle diese Handicaps stören mich nicht.

Mein Leben änderte sich schlagartig

Danach änderte sich auch mental mein Leben schlagartig, denn ich hatte eine wunderbare Erfahrung gemacht. Ich war umhüllt von einem angenehmen Licht, war so leicht und konnte den Frieden und die Stille spüren. Dieses Erlebnis war schön, unbeschreiblich und schwer zu erklären. Die Zurückholung von diesem Ort war schmerzvoll und unsanft. Durch eine tiefe Dunkelheit kam ich zurück ins Leben. Meine Erkenntnis daraus war, dass das Leben unsere Dunkelheit ist, wenn wir es nicht mit Liebe füllen.

Andere fragten mich oft: „Warum bist du nicht traurig“? Ich bin traurig darüber, dass wir nicht verstehen wollen, dass es ein Wunder ist, hier auf Erden zu sein. Wir haben alle unseren Weg und gehen ihn manchmal auch über Umwege. Auch ich akzeptierte meine Gabe erst spät – die Gabe des Handauflegens und der Einfühlsamkeit.
Schon immer habe ich mich um ältere Menschen und Kinder gekümmert und habe meine Großeltern, eine Hausbesitzerin und zum Schluss auch meine Mutter gepflegt. Die alte Dame drückte mir zum Abschied die Hand und lächelte. Es ist schön in die Augen eines anderen zu schauen, dessen Augen so hell und so tief leuchten, dass man die bedingungslose Liebe fühlen kann.

Meine Berufung ist es, einfach hier und für andere da zu sein. Ich lege Hände auf, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Ich möchte durch meine Arbeit und mein Leben zeigen, dass wir mit Mitgefühl und Menschlichkeit, Respekt und Liebe viel erreichen können. Ich begleite Menschen, ihren eigenen Weg zu gehen. Dass sie daran glauben, eine Urkraft in sich zu haben, und diese auch leben mit der Gewissheit, dass sie vom Ganzen getragen werden. Der Glaube und besonders das Fühlen, dass alles in Ordnung ist, egal was wir erfahren, und daraus das Wissen schöpfen, dass wir beschützt und aufgenommen sind im universellen Kreislauf. Das heißt für mich, das Leben zu lieben.


 

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