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Interview mit Dr. Mohammed Heidari

Ist der Islam eine friedliche Religion? Worum geht es bei den aktuellen Konflikten wirklich? Interview mit dem Islamwissenschaftler Dr. Mohammed Heidari.

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Es scheint, der Westen hat im IS das perfekte Feindbild gefunden. Eine schwarze, unheimliche Macht, die wie aus dem finstersten Mittelalter entsprungen scheint und in ihrem bestialischen Wahnsinn unwillkürlich Gefühle von Angst und Grauen hervorruft. Der IS, so liest man es im Internet, wirkt auf viele Menschen fast wie das personifizierte Böse.

Der Schuldige ist schnell ausgemacht: Der Islam. Eine Religion, die spätestens seit dem 11.September von unseren Medien längst eine Aura des Unheimlichen, Bedrohlichen, Fanatischen bekommen hat und immer wieder in Zusammenhang mit unbarmherziger Gewalt gestellt wird. Ist das wirklich der Islam?

Die Probleme des Islam

Der Islam, so scheint es, birgt tatsächlich einige Probleme: Das zweifelhafte Vorbild ihres Propheten, der mit seinen blutigen Kriegen und Sex-Sklavinnen fast wie eine Antithese zu Jesus Christus erscheint.

Dann der Koran, der voll ist mit Aufforderungen zur Gewalt gegen Ungläubige, pointiert in der mittlerweile berühmten Sure Sure 9,5: „Tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet“ – aber auch an hunderten anderen Stellen, die in schockierender Weise zu brutaler Gewalt gegen Andersgläubige aufrufen. Auch theologische Spitzfindigkeiten können wohl nicht wegdiskutieren: Gewalt ist integraler Bestandteil des Koran, Krieg sogar heilig. Ein guter Muslim ist vielen Suren nach nur der, der für seinen Glauben bereit ist, in den Krieg gegen die Ungläubigen zu ziehen. Dass dabei entgegen aller oft vorgebrachten Beteuerungen mit Dschihad kein spiritueller, innerer Kampf gemeint ist, wird schon dadurch deutlich, dass die Alten und Gehlahmen von dieser Regel ausgenommen sind.(Sure 4:95).

Reden darf man darüber kaum. Muslime, so scheint es manchmal, haben wenig kritische Selbstdistanz und auch keinen sehr ausgeprägten Sinn für Humor, wenn es um ihre Religion geht: Wer Mohammed-Karikaturen zeichnet, wird zum Tode verurteilt und ist selbst im Westen mit Mordanschlägen bedroht. Oder wird, wie der Comedian Dieter Nuhr von Muslimen verklagt. Politisch darf man schon gar nicht darüber sprechen, scharfe Islam-Kritiker wir Hamed Abdel-Samad, der den Islam als eine faschistische Ideologie bezeichnet, sind ihr Leben lang auf der Flucht. Ist eine freie Meinung im Islam nicht erlaubt?

Die vermummten Frauen, die absurden Reaktionen auf die Mohammed-Karikaturen, die Steinigungen im Iran. All das dominiert unsere Medien, und unser Bild des Islam. Aber ist dieses Bild realistisch? Und geht es wirklich um den Islam? Wir haben uns mit dem Islamwissenschaftler Dr. Mohammed Heidari unterhalten.

Herr Heidari, ist der Islam eine friedliche Religion?

Der Islam kann eine friedliche oder nicht-friedliche Religion sein – wie alle anderen Religionen auch. Nicht der Islam ist das Problem, sondern wie man mit dem Islam umgeht. Also wie gehen wir mit diesen Quellen-Texten um? Wollen wir uns buchstäblich daran halten? Oder sehen wir das in einem historischen Kontext und schalten unser Gehirn nicht ab? Der Koran und übrigens auch die Bibel haben natürlich Textstellen, die für uns heute, als humanistisch orientierte Menschen sehr problematisch sind. Wenn der Koran aber nicht als Vorgabe zur Handlung verstanden wird, sondern als Grundlage für Reflexion, dann sehe ich im Islam vor allem sehr viele friedliche Potenziale.

 

Aber ist es nicht gerade ein Merkmal des Islam, dass er den Koran als das direkte und unfehlbare Wort Gottes versteht, das direkte Führung in allen Fragen gibt?

Das ist nur eine Lesart des Islam. Leider Gottes wird diese Lesart in der Presse sehr verbreitet. Aber es gibt im Islam allein 4 sunnitische Richtungen und 4 schiitische Richtungen. Viele dieser Schulen sehen im Koran zwar ein offenbartes Wort Gottes, aber nicht in der Form, dass es nicht interpretierbar ist. Bei den Hanafiten, den Alewiten und vielen Shiiten gibt es großen Spielraum für Meinungsfreiheit und diese glauben nicht an eine wörtliche Umsetzung des Koran für alle Zeit, sondern sehen ihn historisch. Dass der Koran ausschließlich wörtlich zu deuten wäre, ist eine verzerrte Sichtweise des Koran und reduziert ihn auf leere Wörter.

Worum es doch dabei gehen muss, ist den spirituellen Kern einer Religion zu erkennen. Der islamische Dichter Rumi vergleicht den Islam mit einer Walnuss und sagt: Ich habe den Kern des Islams erkannt und die Schale können wir an Kühe und Esel verfüttern. Die Schale ist aber natürlich interessant für Menschen mit einer sehr flachen Sichtweise auf Religion.

 

Wie die Salafisten?

Ja. Das gilt auch für viele Menschen hier mit ihren Desintegrationserfahrungen – viele IS-Kämpfer kommen ja aus Europa. Das soll es nicht rechtfertigen, aber es ist eine Erklärung: Viele Menschen mit schmerzhaften Erfahrungen, persönlichen Problemen, Menschen die nach Anerkennung suchen, sind anfällig für diese flache Lesart des Islam. Die kann man dann mit der Schale des Islam füttern und gibt ihnen noch ein Schwert und eine Fahne und vermittelt ihnen so eine Schein-Identität und Größe und Macht. Und diese Ideologie legitimiert dann auch noch Gewalt und Vergewaltigungen, womit diese Menschen ihre Komplexe abreagieren. Diese Menschen sehen nur die Schale des Islam und sind durch einen religiösen Diskurs nicht mehr erreichbar. Sie haben kein Abstraktionsvermögen .

Das gilt übrigens auch für den Großteil der westlichen Presse – die ist kaum interessiert an anderen Lesarten des Islam und propagiert immer nur die flache Version der Salafisten, saudischer Imame oder der Hisbollah. Dass für Millionen von Muslimen auch ganz andere Lesarten existieren, will niemand hören.

 

Wie groß schätzen Sie denn den Anteil der Muslime, die anderen, freiheitlichen Lesarten des Islam folgen?

85 Prozent. Das Problem ist, dass die 15 Prozent mit der radikalen Lesart über sehr viel Geld und Macht verfügen. Qatar, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi Arabien und auch Teile der sehr Führer-zentrierten Shiitischen Länder wie dem Iran – das sind nicht viel mehr als 15 Prozent aller Muslime, aber sie haben heute fast die gesamte islamische Welt als Geisel genommen.

Dadurch sind Reformen heute fast unmöglich geworden. Reformer wie Mahmud Muhammad Taha, der ähnlich argumentierte, wie sie es gerade von Rumi geschildert haben, wurde hingerichtet, weil auf den Abfall von der offiziellen Version des Islam in vielen Ländern die Todesstrafe steht.

Ja, die muslimische Intellektuelle hat es verpasst, eine zeitgemäße Form des Islam zu formulieren und zu verankern. Das Problem ist auch die Reduktion des Islam auf den Koran. Man kann den Koran eigentlich nicht verstehen, wenn man nicht den historisch-interpretativen Kontext kennt und die Kultur, die damit zusammenhängt. Es ist viel verlorengegangen. Man fühlt sich heute wie ein Archäologe, wenn man zum Beispiel Rumi liest. Viele Muslime haben kaum einen Überblick über vielfältigen Denkrichtungen und literarischen Schätze der Muslime, und sie kennen die Tiefe ihrer Kultur überhaupt nicht mehr. In dieser schnelllebigen Zeit kennen viele nur eine extrem reduzierte Version des Islam, die sich auf den Koran beschränkt und dort nicht mal Raum für Interpretation lässt.

 

Und die gültige Interpretation wird auch noch von oben vorgeschrieben…

Ja, das ist ein Merkmal von allen faschistoiden politisch motivierten Ideologien, dass es dabei ein Monopol auf Deutung zum Beispiel des Islam gibt. Und dieses Monopol wird im Falle des Islam durch Kapital manifestiert. Es ist auch zu hinterfragen, ob das internationale Kapital diesen Kulturkrieg nicht sogar will. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sind der Kulturkampf als Strategie und Islam als neues Feindbild essentiell geworden. Es ist der perfekte Krieg in Syrien für die Rüstungsindustrie, man hätte ihn nicht perfekter erfinden können.

 

Sie haben also das Gefühl, der Islam wird nur benutzt?

Ja. Das heißt nicht, dass die Muslime sich nicht um eine neue Interpretation des Islam bemühen müssen. Der Punkt ist nur, dass dies derzeit sehr wirksam verhindert wird.

 

Es ist den internationalen Eliten also sehr recht, dass der Islam sich radikalisiert?

Ja. Aber diese Interessen zu sehen, fällt scheinbar den Medien sehr schwer. Das vernetzte Denken ist da nicht sehr ausgeprägt, Wir haben ein neues Feindbild – und noch nie seit dem zweiten Weltkrieg war die Zustimmung für einen Krieg gegen diesen „Feind“ so groß.

 

Dabei hat der Westen diesen Feind selbst erschaffen. Es ist ja auch wichtig zu bedenken, dass der Westen diese ganzen Terrororganisationen mit gegründet, ausgebildet und ausgerüstet hat. Das war so im Fall der Taliban, von Al-Quaida und nun auch beim IS.

Ja, aber bitte jetzt nicht die Schuld auf Amerika schieben, das ist wieder so ein reduziertes Denken. Es gibt eine große Finanzelite in der islamischen Welt, die kein Interesse an einem humanistischen demokratieorientierten Islam hat. Denn so ein Islam hätte – gerade bei den Hanafiten insbesondere aber bei Schiiten – ein großes Potenzial dafür, nach sozialer Gerechtigkeit zu verlangen. Die islamische Welt ist aber geprägt von einem enormen Gefälle von Reich zu Arm und der radikale Islam ist ein gutes Mittel für die Eliten, diese Situation aufrecht zu erhalten.

 

Der Kulturkampf ist also gemacht?

Ja. Der Islam bietet sich geradezu an: Armut, junge Bevölkerung, mangelnde Aufklärung, Jahrzehnte von Regimes unter Alleinherrschern – das sind alles Faktoren, die diese Region zu einem Geschenk für geostrategische denkende Kreise und für die Lobbyisten der Öl- und Waffenindustrie macht. Es ist leicht, den Menschen in dieser Region eine Gehirnwäsche mit einem verzerrten Islam und damit eine Pseudo-Identität zu geben, und so eine brutale Ideologie aufzubauen, welche die primitivsten menschlichen Rechte nicht mehr achtet.

 

Aber der Islam eignet sich ja auch aus historischen Gründen: Er war seit seiner Entstehung mit Krieg verbunden. Mohammed selbst hat unzählige Kriege geführt, Raubüberfälle befehligt, Sex-Sklavinnen gehalten – das sind Dinge, die man in praktisch keiner anderen Religion schon in der Entstehungsphase findet.

Und genau darüber müsste ein Diskurs stattfinden dürfen. Wir müssen uns ergebnisoffen fragen dürfen, was da passiert ist und wie wir das deuten. Es bringt nichts, wenn Muslime heute allen den Mund verbieten, die so etwas ansprechen. Aber es bringt genauso wenig, diese Dinge einfach zu pauschalisieren. Wir wissen heute zum Beispiel, dass es vor allem Christen waren, die den Muslimen geholfen haben, sich zu mobilisieren, weil sie damals den Muslimen Asyl gewährt haben im heutigen Äthiopien – ohne die Christen, Juden und auch ohne den Arianismus wäre der Islam niemals groß geworden. Sie haben Recht: Mohammed hat Kriege geführt. Aber wir müssen den historischen Kontext sehen, welche Gruppen und politischen Interessen, den Islam damals schon gefördert und benutzt haben. Mohammed war nur eine Person – allein hätte er den Krieg nicht führen können. Aber bestimmte Kräfte haben sofort erkannt: Da sind Potenziale.

 

Gerade nach Mohammeds Tod wurde der Islam ja von vielen politischen Kräften als Vorwand genommen, um eigentlich machtpolitische Interessen durchzusetzen.

Nicht nur nach seinem Tod! Schon zu Lebzeiten haben Machtinteressen eine Rolle gespielt. Wir müssen das alles versachlichen und die Emotion mal rausnehmen. Vor allem sollten wir uns fragen: Warum spielt der Islam seit den 90er Jahren plötzlich so eine große politische Rolle.

 

Und was sagen Sie?

Ich denke, es hat machtpolitisch mit dem Zerfall der Sowjetunion zu tun. Die Waffenindustrie brauchte neue Feindbilder. Das zweite ist, dass einige wenige Familien in der arabischen Welt quasi den gesamten Reichtum besitzen und die werden den nicht freiwillig abgeben.

 

Also wurde der Islam einerseits als Unterdrückungs-Instrument und andererseits als neues Feindbild installiert?

Ja. Das haben auch viele Geostrategen nach Huntington ganz öffentlich so empfohlen: Man sollte überall dort, wo sich wichtige Ressourcen außerhalb der westlichen Zugriffssphäre befinden, Chaos schaffen, damit keine demokratischen Systeme entstehen können, die mit dem Westen auf gleicher Augenhöhe über Rohstoff-Preise verhandeln könnten. Statt dessen sollte man dort autokratische Regimes installieren und bewaffnen, mit denen die Geschäfte abgewickelt werden können. Das ist ein geostrategisches Konzept. Es wurde nie zugelassen, dass in diesen Regionen wirklich das Volk entscheidet.

 

Das klärt vermutlich auch die Frage, warum Saudi-Arabien, das derzeit den radikalsten und brutalsten Islamismus der Welt vertritt der engste Verbündete der USA ist.

Ja sie sehen schon, dass die Zusammenhänge etwas komplexer sind. Allerdings hätte der Westen damit keine Chance, wenn nicht die Kapitalfront der arabischen Welt diese Strategie aus eigenen Interessen unterstützen würde. Es ist also klar, dass wir dieses Thema nicht auf den Koran reduzieren können.

Es ist auch interessant zu bemerken, dass fast alle Salafisten – auch die deutschen – in Saudi Arabien ihre Schulung bekommen. Das ist Gehirnwäsche. Und die kommen dann hier her und verbreiten diese Form von Islam, sehr platt, damit auch der einfachste Jugendliche auf der Sprache die Ideologie versteht.

 

Das ist also die Situation. Wie gehen wir jetzt damit um?

Es muss eine andere Seite des Islam gezeigt und verbreitet werden. Wenn sowohl die Salafisten als auch die Medien nur die radikale Seite des Islam zeigen, entsteht der Eindruck, das wäre der Islam – was es wiederum den Salafisten einfacher macht. Wir müssen gerade in Europa den Jugendlichen, den Familien und Lehrern die anderen Schulen des Islam zeigen. Ich habe ein Buch geschrieben, dass eine ganze andere Tradition des Islam zeigt – aber das findet kein Echo! Niemand will darüber berichten.

 

Woran liegt das?

Am Mainstream. Unsere Presse ist fast gleichgeschaltet.

 

Liegt das nicht aber auch an der Struktur des Islam, wo der Glaube viel von Imamen interpretiert wird? Wo sich also die Gläubigen nicht selbst den Glauben formen, sondern auf Autoritäten schauen, die ihnen sagen, was sie zu glauben haben?

Ehrlich gesagt: Ich habe bis zu meinem 23 Lebensjahr im Iran gelebt und habe dort so etwas nie erlebt. So etwas kam erst mit der Revolution – von außen!

 

Das ist mir auch neu – ich dachte, das hätte eine lange Tradition..

Schon, aber auf die hat doch niemand geachtet! Das war wie heute die konservativen Kräfte in der katholischen Kirche – die meisten Christen lachen sich doch darüber kaputt und lassen sich von denen nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben. Wenn das Öl-Geld und die Unterstützung des Westens nicht gewesen wären, hätten die machtpolitisch motivierten Prediger in der muslimischen Welt niemals so mächtig werden können.

 

Interessant. Wie kann dies nun wieder umgekehrt werden? Eine Reformation des Islam kann wohl derzeit nur aus dem Westen kommen, oder?

Ich sage Ihnen, was ich denke: Der Islam ist eigentlich kein Thema. Wir müssen es der islamischen Welt ermöglichen, demokratische Strukturen zu errichten. Die kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit dem Koran kommt dann von alleine.

 

Aber großen Zulauf erhält der IS doch aus dem Westen, wo wir genau solche Strukturen haben!

Ja, aber das hat wieder andere Ursachen. Ich nenne das Desintegrationserfahrungen. Und das wird jetzt schlimmer, denn die Muslime zum Beispiel in Deutschland sind immer in einer defensiv-Haltung, müssen sich ständig legitimieren. Dann schauen Sie sich die Arbeitslosen-Statistiken an: Wie viel Prozent der jungen Arbeitslose sind Muslime? 60 Prozent aller Sonderschüler sind Muslime. Am anderen Ende des Bildungsspektrums genau das selbe: Muslimische Menschen mit Hochschulabschluss finden keine Arbeit. Diese Menschen finden hier keinen Anschluss, bleiben isoliert und das ist eine der wichtigsten Ursachen für die Radikalisierung. Aber auch hier bitte vernetzt denken. Es gibt keine monokausale Erklärung für die Entstehung von IS.

 

Selbst hier im Westen ist es heute schwierig, den Islam inhaltlich zu kritisieren. Nichtmal so etwas wie Mohammed-Karikaturen können sich westliche Medien leisten – aus Angst vor Anschlägen.

Ja, so arbeiten totalitäre Regimes. Sie haben so viel Angst vor selbstständigem Denken, dass jede Kritik im Keim erstickt wird. Das Christentum hatte das Glück, dass die Reform des Christentums damals von den Machthabern gewollt wurde. Und trotz aller Aufklärung gibt es bis heute radikale Christen – die hätten aber nie eine Chance. Eine Machtübernahme durch diese Sekten ist ausgeschlossen, weil eben die politisch und wirtschaftlich Mächtigen das nicht unterstützen würden. Beim Islam ist die Situation genau anders herum.

 

Ihr Fazit lautet dann also: Es geht eigentlich im Machtinteressen und der Islam wird nur benutzt, um bestimmte geopolitische Dinge durchzusetzen?

Das ist ein Punkt. Der zweite ist: Viele Muslime heute sind nicht mehr fähig zu kritischer Selbstreflexion – auch deshalb, weil sie sich so sehr gegen den Druck von Außen wehren müssen, dass Zweifel nicht zugelassen werden. Diese Selbstreflexion kann nur wiederkehren, wenn wir die große friedliche Tradition des Islam wieder betonen. Und das ist die Aufgabe der Muslime. Wenn die Muslime den Salafisten das Feld überlassen und sich verängstigt zurückziehen und nur heimlich zuhause darüber jammern, dann werden diese Verbrecher bald diktieren, wie Muslime künftig hier zu leben haben. Die Muslime müssen den Mut haben, eine andere Tradition des Islam zu zeigen. Die Muslime haben sich zu wenig gewehrt, zu wenig kritisiert.

 

Ist es denn möglich, dass eine humanistische Version des Islam eine Zukunft hat? Man müsste den Koran doch schon sehr verbiegen, oder?

Man kann alte Texte wie das alte Testament oder den Koran auch durch Reformen nicht wirklich mit modernen Menschenrechten vereinbar machen. Das sollten wir anerkennen. Aber solche alten Texte dürfen auch nicht mehr den Diskurs bestimmen. Es gibt heute mehr als den Koran und die Bibel – auch für Muslime. Und wenn in den Nachrichten ständig auf dem Koran rumgeritten wird und immer diese wörtliche Lesart propagiert wird, dann müssen sich die Muslime melden und klar machen, dass es andere Lesarten gibt. Dass man auch im Islam den Koran kritisch betrachten kann.

 

Wie realistisch ist denn das unter den gegebenen Umständen?

Ich bin pessimistisch – dass sage ich Ihnen ganz ehrlich, obwohl ich das eigentlich nicht sollte. Es gibt so viel gutes Potenzial in der Tradition des Islam. Die meisten Muslime sind sehr warme, werteorientierte Menschen, mit einer hohen Kultur des menschlichen Miteinanders, die ich in Europa sehr vermisse. Die meisten Muslime leben die Kultur der Barmherzigkeit und nun werden sie von ein paar Verrückten als unbarmherzige Religion dargestellt. Jeder, der mal in einem muslimischen Land war, wird ihnen das bestätigen: Herzlichkeit, Wärme, Fürsorge, Gastfreundschaft und Opferbereitschaft. Aber diese ganze Kultur wird nun durch den Dreck gezogen. Leider sind die wirklichen Muslime nicht organisiert, sie haben keine Lobby, sie machen keine Schlagzeilen. Diese Menschen tun mir wirklich leid und ich weiß, diese Muslime leiden, ihren Glauben so entstellt zu sehen.

 

Nun wird es für Muslime in Deutschland immer schwerer.

Ja. Es ist schon schwer. Gerade für Kinder und Jugendliche. Von ihren Eltern bekommen die meisten einen positiven Islam vermittelt: Barmherzigkeit, Nachsicht, Liebe, Zusammenhalt, Frieden. In den Medien sehen sie dann einen Islam, der tötet und Kriege führt. Das belastet die Kinder. Dazu kommt immer mehr Druck der Gesellschaft, sich zu positionieren. Das erzeugt Identitätskrisen und Ohnmachtsgefühle. Und einige Jugendliche rebellieren gegen ihre Eltern, weil der radikale Islam Identität und Klarheit vermittelt. Für muslimische Jugendliche in Deutschland gibt es kaum Identität: Die Nation fällt wegen fehlender Integration weg, nun auch noch die Religion, das ganze Wertesystem. Was bleibt denn da? Wir sind erwachsen, wir können uns kritisch hinterfragen und vielleicht auch eine Identität als Weltbürger finden. Aber diese Kinder und Jugendlichen sehnen sich nach Identität, sie wollen Symbole, Anerkennung.

 

Wie sehr erziehen denn Muslime zum kritischen Denken auch dem Koran gegenüber?

Mehr als wir denken. Viele Hinterfragen sogar, ob der Koran so überhaupt richtig zusammengesetzt ist, das traut sich heute nur keiner mehr zu sagen. Und bei den Alewiten und Hanafiten gibt es definitiv Meinungsbildung. Auch bei den Shiiten war das so, bis das Führer-zentriere System installiert wurde, wodurch die Vernunft abgeschaltet wurde. Es ist absurd, keiner darf heute mehr etwas hinterfragen. Auch die ganze historische Deutung greift zu kurz, es gibt viele Tabus. Warum soll man sich fünf mal am Tag waschen zum Beten? – Das war damals wichtig für die Hygiene. Warum die Bewegungen? – Es geht um sportliche Betätigung, wie beim Yoga! Warum soll man nicht mit der linken Hand essen? – Weil man sich damals nach jedem Stuhlgang mit fließendem Wasser und der linken Hand reinigte! Aber die Menschen verstehen das nicht, sie bleiben bei diesen Dingen kleben und verstehen den Sinn und Kontext nicht. Sie haben nur die Schale und schmeißen den Kern weg. Und dann sagt ein Jugendlicher mir: Du darfst das Glas nicht mit links halten. Und ich bin Linkshänder! Die verstehen das nicht. Wir brauchen also eine andere Perspektive, eine andere Lesart.

 

Wir müssen die Nuss aus der Schale holen?

Ja. Und uns viel mehr an die einfachen Menschen wenden, die diesen Glauben jeden Tag leben.

 

Das Interview führte David Rotter

 

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Bild: Fadi El Binni cc-by-sa

 

Über den Autor

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gebürtiger Iraner mit deutscher Staatsbürgerschaft, Studium der Orientalistik, Islamwissenschaft, Friedenswissenschaft, Gründer der interkulturellen Bildungsinitiative Pro Dialog Köln, Dozententätigkeit an der Universität Köln, Berater- und Trainertätigkeit bei interkulturellen Qualitäts- und Kompentenzentwicklungsthemen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

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gebürtiger Iraner mit deutscher Staatsbürgerschaft, Studium der Orientalistik, Islamwissenschaft, Friedenswissenschaft, Gründer der interkulturellen Bildungsinitiative Pro Dialog Köln, Dozententätigkeit an der Universität Köln, Berater- und Trainertätigkeit bei interkulturellen Qualitäts- und Kompentenzentwicklungsthemen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

9 Responses

  1. C.Kappelmeister
    Schöner Beitrag, trotz schlecht recherchierte Fragen und Thesen

    Dass sich der Journalist nur oberflächlich, einseitig und unzureichend mit dem Islam beschäftigt hat, wird schon bei den einleitenden Sätzen klar. Ich hätte von der SEIN mehr erwartet. Vor allem bessere Recherche und Obkektivität. Das ist BILD-Niveau. Ich bin eigentlich entsetzt, dass eine Zeitschrift, die sich Spiritualität und Bewusstsein zuschreibt, solch einen UNBEWUSSTEN und einseitigen Journalisten über ein so vielfältiges und sensibles Thema schreiben lässt.
    Zum Glück hat Herr Heidari dad Interview mit seinen durchaus BEWUSSTEN Antworten gerettet.

    Antworten
  2. oller skeptiker

    google: Gender & Islam, Geschlechtergleichheit Islam

    Zwischen Diskriminierung und Geschlechtergleichheit: Frauen und Religionen

    Bundeszentrale für politische Aufklärung
    http://www.bpb.de/apuz/162388/frauen-und-religionen?p=all

    „Das Unbehagen in der Islamwissenschaft: ein klassisches Fach im Scheinwerfer der Medien und Politik“, herausgegeben von Abbas Poya,Maurus Reinkowski
    http://tinyurl.com/kulyxxu

    Islamischer Feminismus und Reformislam
    Wider die Politisierung des Koran!
    Muslimische Feministinnen wie Amina Wadud argumentieren mit dem Koran für Frauenrechte und gegen das Patriarchat. Doch leider verfallen einige Feministinnen in die Falle der Apologetik und laufen Gefahr, den Islam politisch zu instrumentalisieren, meint Nimet Seker in ihrem Kommentar.
    http://de.qantara.de/inhalt/islamischer-feminismus-und-reformislam-wider-die-politisierung-des-koran

    http://en.wikipedia.org/wiki/Gender_roles_in_Islam

    Women and Gender in Islam
    Historical Roots of a Modern Debate
    http://yalepress.yale.edu/book.asp?isbn=9780300055832

    http://www.zag.uni-freiburg.de/fff/zeitschrift/band17/ffs17_Rezensionen%20Hanafi_Gender-und-Islam.pdf

    Farhad Kazemi, „Gender, Islam, and Politics,“ Social Research, 67/2 (Summer 2000), pp. 455-474.
    http://coursesa.matrix.msu.edu/~fisher/HST451/Readings/Kazemi1.html

    Spirit Discipline: Gender, Islam and Hierarchies of Treatment in Northern Nigeria

    Antworten
  3. ... oller skeptker

    http://madrasah.de/leseecke/islam-allgemein/offener-brief-al-baghdadi-und-isis

    Offener Brief an al-Baghdadi und ISIS

    Anmerkung von Madrasah:

    >>Das von uns übersetzte Rechtsgutachten „Offener Brief an al-Baghdadi“ stellt ein Beispiel einer innerislamischen Reaktion auf die Verbrechen dar, die derzeit im Namen des Islam verübt werden. Die Übersetzung bedeutet nicht, dass wir mit jedem einzelnen Satz in diesem Schreiben einverstanden sind und diesen Brief in jeder Hinsicht für richtig halten. Die Übersetzung derartiger Publikationen ist ein Versuch, an einem Beispiel aufzuzeigen, wie stark und differenziert der Widerstand gegen die Ideologie der ISIS ist, auch wenn wir uns nicht unbedingt mit jedem Detail dieser Ausführung identifizieren. Man sollte es als ein Dokument im Meinungsspektrum islamischer Gelehrsamkeit sehen, nicht als die einzig gültige Rechtsauffassung des sunnitischen Islam.<< Offener Brief An Dr. Ibrāhīm ʿAwwād al-Badrī alias „Abū Bakr al-Baġdādī“ und An die Kämpfer und Anhänger des selbsternannten „Islamischen Staates“ Unterzeichnet von über 120 Gelehrten   Kurzfassung Der IS Übergeht 24 Verbote innerhalb des Islams.

    Antworten
  4. Anonymous

    schon merkwürdig, dass es nirgendwo Orginaltexte von Bin Laden oder dem IS Chef zu finden gibt…. dann nämlich ließe sich leichter vergleichen, was die denken!

    ========================================================================================================

    Ursula Günther
    Die Bedeutung des Islam im subsaharischen Afrika
    http://www.giga-hamburg.de/sites/default/files/openaccess/afrikajahrbuch/1998/giga_aj_1998_guenther.pdf

    Islam als Sündenbock
    Heft 3/2014, Angola
    DIE REGIERUNG ANGOLAS HAT ENDE 2013 ETLICHE RELIGIONSGEMEINSCHAFTEN VERBOTEN. & „Why Islam is Illegal in Angola“
    http://www.afrika-sued.org/archiv/heft32014/islamalssuendenbock/

    Sind Judentum und Christentum so gewalttätig wie der Islam?
    von Raymond Ibrahim
    Middle East Quarterly
    http://www.meforum.org/2435/sind-judentum-christentum-gewalttaetig-wie-islam

    =============================================

    Völkermord in Armenien
    Die Türkei muss sich mit ihrer Geschichte abfinden

    Mit ihrer versöhnlichen Geste gegenüber den Armeniern hat die türkische Regierung einen wichtigen Schritt getan. Vielen geht das aber nicht weit genug.
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-04/voelkermord-armenien-erdogan-tuerkei

    Die türkische Regierung leugnet den Völkermord an den Armeniern. Zwischen 1915 und 1917 wurde das älteste christliche Volk fast vollständig vernichtet.
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/integration/voelkermord-an-den-armeniern-das-letzte-was-ich-von-den-kindern-sah-1582205.html

    ==================================================

    Sklaverei im Islam

    Der Islam hat die Sklaverei in der Region seiner Entstehung als fest verankerte Institution vorgefunden und beibehalten. Mohammed und seine Zeitgenossen besaßen, erbeuteten, erwarben, verkauften und befreiten Sklaven oder benutzten Sklavinnen als Konkubinen.[1] Über die Jahrhunderte waren der Sklavenhandel und die Sklavenarbeit wichtige Wirtschaftsfaktoren in der islamischen Welt. Sie wurde erst durch die kolonialistische Einflussnahme der europäischen Staaten, die sich ab dem frühen 19. Jahrhundert bemerkbar machte, schrittweise in den meisten muslimischen Staaten abgeschafft.[2] Bis heute existieren aber in einzelnen islamischen Ländern sklaverei-ähnliche Rechtsverhältnisse fort.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_Islam

    ==========================================

    Hitlers Muslime: Die Geschichte einer unheiligen Allianz
    von Volker Koop

    HS 14271 Antisemitismus in muslimischen Gesellschaften
    Dozent: Prof. Dr. Gudrun Krämer
    Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und seine arabischen Übersetzungen

    Klaus M. Mallmann, Martin Cüppers: Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina, Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart Band8, Darmstadt 2006

    Stefan Wild: National Socialism in the Arab Near East between 1933 and 1939, in: Die Welt des Islams Band 25 Nr. 1/4 1985, S.126-173 (auch unter JStor)

    Stefan Wild: „Mein Kampf“ in arabischer Übersetzung, in: Die Welt des Islams, Band 9 1/4 1964,S.207-211René Wildangel: „Der größte Feind der Meinschheit“. Der Nationalsozialismus in der arabischenöffentlichen Meinung in Palästina während des zweiten Weltkriegs, in: Gerhard Höpp, Peter Wien,René Wildangel (Hg.): Blind für die Geschichte? Arabische Begegnungen mit demNationalsozialismus, Studien des Zentrums Moderner Orient Band 19, Berlin 2004, S.115-154

    Ägyptens Nazipartei stellt sich vor
    http://www.hagalil.com/archiv/2011/10/02/aegyptens-nazipartei/

    http://de.wikipedia.org/wiki/Mill%C3%AE_G%C3%B6r%C3%BC%C5%9F

    Millî Görüş (häufig auch Milli Görüş geschrieben; deutsch: Nationale Sicht) ist eine länderübergreifend aktive islamische Bewegung…
    Das Bundesamt für Verfassungsschutz kommt zu der Überzeugung, dass Millî Görüş ein antidemokratisches Staatsverständnis zeige sowie westliche Demokratien ablehne.[4][5]

    Antworten
  5. Midnightwalker

    „Sie haben also das Gefühl, der Islam wird nur benutzt?

    Ja. Das heißt nicht, dass die Muslime sich nicht um eine neue Interpretation des Islam bemühen müssen. Der Punkt ist nur, dass dies derzeit sehr wirksam verhindert wird.“

    (…)

    „Interessant. Wie kann dies nun wieder umgekehrt werden? Eine Reformation des Islam kann wohl derzeit nur aus dem Westen kommen, oder?“

    …. das wirkt etwas dahinschwadroniert, warum sollte „der westen“ (banker aus der city of london? meine oma, einwanderer mit gutem kontakt in die herkunftsländer ihrer familien?) das ändern? und warum vor allem, wer bin ich, einfachen leuten in afghanistan zu sagen wie sie denken sollen?

    und wie soll das aussehen, wenn der koran erklärt, es wäre das letzte statemant gottes? ich find den ansatz ja schon gut zu sagen, es sollen die brutalitäten innerhalb islamischer traditionen thematisiert werden, meinetwegen der innerafrikanische sklavenhandel, der mit grundlage für die verschiffung in die amerikas war…

    leider führt ihr solche punkte nicht weiter aus, es hindert euch doch kaum jemand mal längeren atem zu hohlen und ein größeres gespräch zu führen und anschließend niederzuschreiben, dauert halt länger, gibt aber vielen lesern was.

    bitte vergleicht die unterschiede zwischen der deutsch-europäischen reformation durch luther und calvin, und den differenzen zwischen sunni und schiia.

    es wäre nett, wenn ihr mehr stichworte vermitteln würdet, um selbst weiter zu recherchieren.

    seht mal, da war der panarabismus, aus dem die muslimbrüderschaft hervorging, die nicht nur adolf hitler als bruder, führer und ehrenmitglied führten sondern die grundlage für die hamas bildete.

    oder der faschistische mufti von jerusalem der die leute unter die kuffia, das palästinensertuch zwang,

    da war der völkermord an den armeniern in der türkei über den fatih akim seinen film „the cut“ veröffentlicht um an der nationalen identität der türkei zu kratzen, die diesen horror mit vielen kulturellen und juristischen tabus belegt,

    da waren die wechselnden kollonialmächte die erst in den 50er jahren abgeschüttelt worden sind, die gründung pakistans, da sind viele kämpfe in indonesien wo es unglaublich viele muslime gibt…

    insgesamt find ich es gut, dass endlich mal mehr religionstheorie in die „sein“ kommt. allerdings habe ich neulich mit jemanden aus amsterdam gesprochen, der mit dem journalisten und filmemacher theo van gogh zu tun hatte und in der straße lebte, wo theo vor jahren niedergestochen wurde.
    deswegen find ich die perpektive „wir erklären euch nicht-muslimen“ jetzt mal was „anderes“ etwas schwierig, denn bekanntermaßen erfolgt eine trennung schon darüber, dass man sich etwas herausnimmt.

    mir fällt das mangels kontakt mit leuten deren family aus dem türkei bspw. kommt auch schwer, ich kenne kaum welche, aber ich kann das auch sagen.

    ich glaub, dass einer der hauptknackpunkte eben nicht nur die leichter erhältlichen waffen waren und sind – das war auch in polen nach der wende so, dass da irre viel schlimmes passiert ist, sondern allgemein auch die weltweite armut, die die beste progaghanda ist. zinsen sind im islam nicht gestattet, aber ihr verliert kein wort über die spezifische wirtschaftsweise, es gibt sogar „Schari’a-konforme Investmentfonds“ / „Dow Jones Islamic Market Index“

    wir müssen lernen, dass islam erstmal nicht so säkularisiert funktioniert, wie wir das vielleicht gewohnt sind, ich meine ein unpersönliches wir, islam ist in vielen fällen erstmal staat, seelenlenkung, wirtschaftsweise, justiz in einem und nicht wie in den g20 staaten getrennt in formell unabhängige institutionen.

    ****fuck**** seht ihr, ich bin auch mit auf eure argumentation reingefallen, es gibt erst mal nur diese 20staaten +x die halbwegs demokratisch sind!
    und ihr und ich labern etwas über religion, statt über staatsaufbau, als ob das so fern läge! klaro ist vieles gescheitert und bedeutete parteilichkeit auf die ihr euch in der kürze nicht einlassen wollt und könnt. das würde den rahmen sprengen. aber ich befürchte, dass meinetwegen die besatzung der westsahara durch marokko bei euch entweder „religiös“ oder unter „große politik“ fungiert und das kann man euch schon ankreiden, dass ihr da so wenig dazwischen erklärt… nur mal zur erinnerung:

    „Der Islam. Eine Religion, die spätestens seit dem 11. September von unseren Medien eine Aura des Unheimlichen, Bedrohlichen, Fanatischen bekommen hat und immer wieder in Zusammenhang mit unbarmherziger Gewalt gestellt wird. Ist das wirklich der Islam?“

    >>> spannend wäre eine reihe zu religiös-politischen bewegungen, dann wäre der druck vielleicht raus, gefühlt allen lesern, gefühlt alles in einem interview präsentieren zu müssen.

    das war’s mit meinem kritik, weiter unten sind noch einige links zum weiterlesen:

    =====================================================

    das dreistufenmodell des neues indonesischen präsidenten gegen islamischen terror:
    http://www.heute.de/indonesien-ist-der-moderne-islam-sagt-der-neu-gewaehlte-praesident-joko-widodo-im-zdf-interview-35292644.html

    özan mutlu in der diskussion mit dem chef der polizeigewerksschaft
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2144318/Polizei-in-der-Multikulti-Falle%253F#/beitrag/video/2144318/Polizei-in-der-Multikulti-Falle%3F

    Migrant und schwul – na und?
    „Forum am Freitag“-Moderatorin Nazan Gökdemir trifft Bali Saygili.
    http://www.zdf.de/forum-am-freitag/muslime-und-die-homosexualitaet-29387060.html

    „Man wird nie Deutscher“, Ozan Ceyhun über sein Buch
    http://www.zdf.de/forum-am-freitag/man-wird-nie-deutscher-24994816.html

    Eine sexuelle Revolution für den Islam
    Geschlechterbeziehungen und Sexualität im Islam
    http://www.zdf.de/forum-am-freitag/eine-sexuelle-revolution-fuer-den-islam-5243206.html

    Eine sexuelle Revolution für den Islam – Geschlechterbeziehungen und Sexualität im Islam
    http://www.zdf.de/forum-am-freitag/eine-sexuelle-revolution-fuer-den-islam-5243206.html

    =================================================

    wer interesse an weiterführender literatur hat, sollte im netz nach englischen wissenschatflichen titeln suchen, es gibt viele bücher als pdf, an religiöser theorie, an sozialpolitischen texten oder über politische kämpfe

    bücher:
    Islamisch-politische Denker: Eine Einführung in die islamisch-politische Ideengeschichte, 28. März 2014
    von Farid Hafez

    Inside the Gender Jihad: Women’s Reform in Islam, 1. Oktober 2013
    von Amina Wadud

    Manifesto for Islamic Reform (Englisch) Taschenbuch – 1. April 2009
    von Edip Yuksel
    http://19.org/wp-content/uploads/2012/05/9780979671562-Text.pdf

    Quran: A Reformist Translation
    Martha Schulte-Nafeh

    faisal devji
    ———-
    „landscapes of jihad“
    „the terrorist in search of humanity“
    (vielleicht spannend weil der u.a. argumentiert, dass es offenbar vielen militanten muslimen nicht um politik im engeren sinne geht, sondern eine ethische gesellschaftliche ordnung)

    Radical Reform: Islamic Ethics and Liberation
    von Tariq Ramadan

    „Global Jihadism: Theory and Practice“ (Political Violence) (Englisch) Brachman Jarret

    zu guter letzt – wikipedia, damit die anderen leser so eine instantversion zum selber forschen haben:
    ————————–

    http://de.wikipedia.org/wiki/Religionswissenschaft
    Zu ihren Subdisziplinen zählen beispielsweise die Religionsgeschichte, Religionsphänomenologie, Religionssoziologie, Religionspsychologie, Religionsethnologie, Religionsökonomie, Religionsgeographie u. a.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialismus
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dekolonisation

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hadith
    http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Ethik
    http://de.wikipedia.org/wiki/Islamisches_Finanzwesen
    http://de.wikipedia.org/wiki/Islamisches_Bankwesen

    Säkularismus
    http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4kularismus
    http://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Deutschland
    http://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Frankreich

    http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Armeniern

    http://de.wikipedia.org/wiki/Muslimbr%C3%BCder
    http://de.wikipedia.org/wiki/Salafismus
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liberale_Bewegungen_im_Islam
    http://de.wikipedia.org/wiki/Islamkritik
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Islamkonferenz
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kairoer_Erkl%C3%A4rung_der_Menschenrechte_im_Islam

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zentralrat_der_Ex-Muslime

    http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumzision
    http://de.wikipedia.org/wiki/Giordano-Bruno-Stiftung#Koordinierungsrat_s.C3.A4kularer_Organisationen

    Antworten
  6. Raoul Braus

    @Ali danke für dein Interesse das freut Uns und Herrn Heidari sehr!
    hier ein Link zum Buch „Willst Du wahrlich Frieden, bereite Dich auf den Frieden vor“
    http://pro-dialog-koeln.de/index.php/publikationen-shop/product/view/1/25

    Danke für eure unterstützenden Kommentare!

    Antworten
  7. Ali

    „Ich habe ein Buch geschrieben, das eine ganze andere Tradition des Islam zeigt – aber das findet kein Echo! Niemand will darüber berichten.“

    Ich hätte mich über bisschen mehr Werbung gefreut, hab bei einer kurzen Recherche nichts gefunden. Dieses Buch würde mich sehr interessieren.

    Antworten
  8. Roland Heine

    Ich bin sehr froh, dass es Dr. Heidari gelingt die liebevolle Seite seiner Religion hervorzuheben.
    Nichts anderes habe ich in meinem Umfeld bisher erlebt. Warmherzige, liebevolle Menschen. Und ich weiß wovon ich spreche. Ich lebe und arbeite mit meiner Familie in Berlin-Neukölln. Und dasselbe habe ich auch in anderen Städten erlebt. Hamburg, Düsseldorf. Es muss sich doch jeder einfach mal fragen, durch wen er bisher in seinem Leben Böses erfahren hat. Ich hatte noch nie ernstzunehmenden Ärger mit Muslimen. Aber schon einigen Ärger mit anderen zwielichtigen Gestalten. Und die Nachbarn und Arbeitskollegen, die sich als Muslime geroutet haben, waren immer freundlich zu mir.
    Was wir starten müssen ist eine Initiative der Freundschaft und Herzlichkeit mit allen unseren Mitmenschen in dieser unseren globalisierten Welt. Als weitere Zielgruppe fallen mir da spontan die ach so bösen Russen ein. Da sehr ich das genau so. Lasst uns jetzt und sofort damit starten den Frieden in die unmittelbare Umwelt zu tragen. Das sorgt auf jeden Fall dafür, dass wir uns alle nicht in 20 Jahren in einem nächsten Krieg wiederfinden, den wir alle nicht wollten.

    Antworten
  9. Maik

    Dr. Heidari mag durchaus humanistische Ansichten vertreten, stellt aber mit seiner Position in der islamischen Welt eine absolute Ausnahmeerscheinung dar, sowohl mit seiner Position als auch als (gutmeinender) Intelektueller. Gerade wenn sich muslimische Politiker privat (und gerade nicht in den deutschen Medien äußern) wird ein ganz anderes Bild sichtbar:

    „Die Europäer glauben, daß die Muslime nur zum Geldverdienen nach Europa gekommen sind. Aber Allah hat einen anderen Plan“
    Necmettin Erbakan, stellvertretender Ministerpräsident der Türkei, April 2001: Bayr. Verfassungsschutzbericht 2001, S. 147

    Ibrahim El-Zayat, Präsident der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V., (IGD)
    „Durch die Gnade Allahs leben wir in einem der reichsten Länder der Erde. Das ist eine große Barmherzigkeit von Allah uns gegenüber, aber ebenso eine riesige Verantwortung… Dieses Land ist unser Land, und es ist unsere Pflicht, es positiv zu verändern. Mit der Hilfe Allahs werden wir es zu unserem Paradies auf der Erde machen, um es der islamischen Ummah (Weltgemeinde) und der Menschheit insgesamt zur Verfügung zu stellen. Allah hat euch zu Erben gesetzt über die Ungläubigen, über ihre Äcker und Häuser, über all ihre Güter und alle Lande, in denen ihr Fuß fassen werdet”.

    Vural Öger, “Deutsch”-Türke, Inhaber von Öger-Tours, für die SPD im Europa-Parlament sitzend, erklärte bei einem Essen mit seinen türkischen Freunden gegenüber der größten türkischen Zeitung “Hürriyet”:
    Im Jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann beiungefähr 20 Millionen liegen. Das, was Kamuni Sultan Süleyman mit der Belagerung Wiens 1529 begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen, verwirklichen.“

    „Man muss offen sagen, die Religion des Islam erlaubt die Integration nicht. Ein Muslim darf sich einem Nichtmuslimen nicht fügen. Wenn er in der Diaspora lebt, dann ist das eine Notsituation, und er kann sich absondern. Das besagt die normale Religion und nicht die fundamentalistische Variante.“
    Bassam Tibi, Politikwissenschaftler, Quelle: FOCUS 29/2005

    Islamkritiker Bassam Tibi: „Wer sich in der Islam-Diaspora Europas auskennt, weiß, dass nicht nur die Islamisten von einem islamischen, von der Scharia beherrschten Europa träumen; auch orthodoxe Moslems tun dies und rechnen Europa durch demographische Islamisierung durch Migration zum Dar al-Islam/Haus des Islam.
    “Quelle: www.welt.de/print-welt/article391253/ Euro-pa_droht_eine_Islamisierung.

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