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Länder auf der ganzen Welt fangen an, die Wissenschaft des Wohlbefindens bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Nachrichten von der 5. Internationalen Konferenz über das Bruttonationalglück.

Die Glücksforschung erlebt einen Boom. Zu den Praktizierenden gehören Ökonomen, die glauben, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein zu begrenztes Werkzeug ist, um den Erfolg von Gesellschaften zu messen, Psychologen und Soziologen, die spüren, dass ihre Disziplinen sich zu sehr auf Neurosen und soziale Probleme konzentriert haben und nicht genug auf die darauf, welche Art von Maßnahmen und Aktivitäten tatsächlich zu glücklicheren Gesellschaften beitragen und politischen Führern, die wissen wollen, wie sie diese Erkenntnisse Nutzen können.

Während der 5. Internationalen Konferenz zum „Bruttonationalglück“ die im Dezember in Brasilien abgehalten wurde, konnten Glücks-Anhänger aus der ganzen Welt zusammenkommen und ihre Erkenntnisse über die praktische Anwendung der „Glücks-Wissenschaft“ vergleichen.

Die Wissenschaft des Glücks

Es überrascht nicht, dass die Wissenschaft festgestellt hat, dass ab einem bestimmten Mindesteinkommen, größeres Glück von starken und reichlich menschlichen Verbindungen, einem Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben und Beschäftigung, sinnvoller Arbeit, Gesundheit, einer grundlegenden wirtschaftlichen Sicherheit, Vertrauen in andere und in die Regierung und anderen Faktoren zusammenhängt, die alle weniger direkt mit monetärer Vergütung verbunden sind.

Ich war zu dieser Konferenz eingeladen, um über den Zusammenhang zwischen Arbeit (oder Überarbeitung), Gesundheit und Glück zu sprechen. Ich plädierte dafür, dass kürzere Arbeitszeiten für Glück, Gesundheit und langfristige Nachhaltigkeit entscheidend sind. Die Vereinigten Staaten, mit den längsten Arbeitszeiten in der industriellen Welt, erzielt bei der Berechnung der Freizeit, Langlebigkeit und der allgemeinen Gesundheit Werte weit unter denen der nordeuropäischen Länder, während der ökologische Fußabdruck fast doppelt so groß ist – Fakten, die eindeutig miteinander in Verbindung stehen.

Studien über Lebenszufriedenheit können nun regelmäßige Umfragedaten aus vielen Ländern vergleichen, wodurch es leichter ist, zu verstehen, wie wirtschaftliche und politische Entscheidungen das nationale Glück beeinflussen. In den letzten Jahren haben solche Umfragen übereinstimmend festgestellt, dass der höchste Grad der Zufriedenheit in Dänemark, Finnland, den Niederlanden und Schweden zu finden ist – Ländern mit einem starken Gefühl der sozialen Solidarität, großer Aufmerksamkeit auf einer Balance zwischen Arbeit und Leben, kleinen Einkommensunterschieden, hohen Steuern und starken sozialen Sicherheitsnetzen.

Diese Studien belegen außerdem, dass viele relativ einkommensschwache Länder wie Costa Rica und Kolumbien, ebenfalls eine hohe Lebenszufriedenheit aufweisen, was eine Gruppe von britischen Forschern dazu bewog, den „Happy Planet Index“ ins Leben zu rufen, der die Zufriedenheit mit dem Leben, die Lebenserwartung und den ökologischen Fußabdruck vergleicht, um eine Netto-Bewertung des Glücks zu schaffen. Viele sogenannte Entwicklungsländer befinden sich tatsächlich an der Spitze ihres Index.

Bruttonationalglück

Ein Land, das Glück sehr ernst nimmt, ist Bhutan, das kleine Königreich im Himalaya, das die erste Bruttonationalglück-Konferenz veranstaltet hat. Im Jahre 1972 verkündete der König von Bhutan, das „Bruttonationalglück ist wichtiger als Bruttosozialprodukt.“

Seitdem hat Bhutan das Konzept in seiner Verfassung verankert und nach Wegen gesucht, es zu messen und anzuwenden. Karma Ura, der bhutanische Direktor des Center for Bhutan Studies und ein Redner auf der Konferenz, erklärte, dass Buthan im Laufe der Zeit neun Aspekte identifiziert haben, die als Faktoren in Analysen des Glücks eine Rolle spielen. Dazu gehören: das psychologische Wohlbefinden, Gesundheit, die Nutzung von Zeit (Work-Life-Balance), die Lebendigkeit von Gemeinschaften, Bildung, Bewahrung der Kultur, Umweltschutz, gute Regierungsführung und finanzielle Sicherheit.

Sie haben Fragebögen entwickelt, mit denen in regelmäßigen Umfragen unter dem Volk von Bhutan die Lebenszufriedenheit in jedem dieser Bereiche erhoben wird. Dazu gehören Fragen wie: Wie sicher fühlen Sie sich vor menschlichen Verletzungen? Selten? Gewöhnlich? Immer?

Bhutan verwendet dann die Ergebnisse dieser Fragebögen als Richtlinie für politische Strategien. Jede staatliche Entscheidung muss sich Gründen auf die Versicherung, dass sie die Lebenszufriedenheit nicht senkt – in der Tat sollte sie diese anheben. Eine solche Analyse führte die Regierung von Bhutan zum Beispiel zu der Entscheidung, der World Trade Organization (WTO) nicht beizutreten.

Bhutan Forschung, Bezugssystem, und die Ergebnisse können auf ihrer ausgezeichneten Website nachgelesen werden. Während das Land materiell zu den ärmsten der Welt gehört, haben die Bhutanesen ein relativ hohes Niveau des Bruttonationalglücks, vor allem auf dem Land und vor allem verglichen mit den Ressourcen, die sie verbrauchen.

Prozess der Neudefinition

Bhutan ist bei weitem nicht das einzige Land, in dem das Glück ein ernstes Gesprächsthema geworden ist. Diesen Herbst hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der vor zwei Jahren noch der Meister des Wirtschaftswachstums und der American-style-Wirtschaft war, damit Schlagzeilen gemacht, das er ein ganz anderes Lied gesungen hat: Er organisierte eine Kommission angeleitet von Nobelpreis-Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz und Amartya Sen, um erneut zu prüfen, wie Frankreich seinen Fortschritt misst. Die Kommission forderte, den Schwerpunkt auf Indikatoren wie Gesundheitszustand, den familiären Zusammenhalt und Freizeit zu legen, statt des aktuellen Schwerpunktes auf das BIP. Sarkozy setzte diese Vorschläge um und empfahl, dass diese auch von der Europäischen Gemeinschaft übernommen werden.

Im August veröffentlichte eine EU-Kommission einen Bericht namens „BIP und darüber hinaus: die Messung des Fortschritts in einer sich wandelnden Welt.“ Er empfiehlt eine genauere Berichterstattung über die wirtschaftliche Ungleichheit sowie die Entwicklung von sozialen und ökologischen Indikatoren, einschließlich einer umfassenden Messung der Umweltverantwortung, die Wasser-und Luftverschmutzung, Klimawandel und Energie, Biodiversität, Abfall, und die Ressourcennutzung umfassen würde.

John Hall, Leiter des „Global Project on Measuring the Progress of Societies“ – ein Projekt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), ratifiziert von 30 Staaten – berichtet, dass die OECD eine ganz neue Reihe von Indikatoren entwickelt, um die Fortschritte der Mitgliedstaaten zu beurteilen. Das neue „Global Project“ zielt auf die Erhebung von sogenannten „Best Practices“ ab – dass sind Sozial- und Wirtschaftsmaßnahmen, die erwiesenermaßen die Lebenszufriedenheit erhöhen.

Im Oktober brachte das 3. OECD World Forum in Busan, Südkorea, 2000 Wissenschaftler und Aktivisten aus mehr als 100 Ländern zusammen, um Maßnahmen zu in Betracht zu ziehen, die sich auf Glück statt auf Wirtschaftswachstum konzentrieren.

„Es ist jetzt eine richtige Bewegung“, erklärt Hall.

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