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Männer sind etwas Wunderbares, und ich liebe Männer. Sie dürfen auch schön sein.

In einem Workshop von Alan Lowen in England verbrachten Frauen und Männer einen Abschnitt voneinander getrennt. Am Ende mussten die Frauen ihren Raum verlassen, weil die Männer ihn für das Wiedersehen als Tempel mit Blumen und schönen Dingen schmückten. Die Männer saßen dann auf einer Seite, die Frauen auf der anderen. Sie traten in die Mitte und begrüßten sich wechselseitig. Wie alle anderen wollte auch ich meine Freude ausdrücken und sagte in meinem holprigen Englisch: I love men! Ich hätte nicht gedacht, dass diese drei einfachen Worte so ein großes Echo bei den Männern auslösen würden.
 
Ja ich liebe Männer und ärgere mich, wenn sie als entbehrlich angesehen werden oder von Kabarettistinnen wie den Missfits auf eine Art durch den Kakao gezogen werden, die umgekehrt als frauenfeindlich gälte: „Männer sind wie Wolken. Wenn sie sich morgens verzogen haben, kann es noch ein schöner Tag werden.“… Ob die Missfits – wie ich – brav und still sein mussten, wenn ihr Papa müde von der Arbeit nach Hause kam und in Ruhe seine Zeitung lesen wollte?

Als kleines Mädchen hatte ich Angst vor Männern. Erst als ich größer wurde, verlor sich die Angst. Mein Pate war für mich ein Märchenonkel, an den ich meine Wünsche richtete. Für meine Lehrer und den Pastor aus dem Konfirmandenunterricht schwärmte ich, weil sie in mir nicht nur das Mädchen, sondern auch die künftige Frau sahen.
Heute haben Männer für mich etwas Fesselndes. Es ist für mich etwas anderes, mit einem Mann zu reden als mit einer Frau. Wie Frauen fühlen, ist mir vertraut. Männer sind die „anderen“, die Fremden. Oft empfinde ich ihnen gegenüber noch eine gewisse Scheu. Vor allem vor einer Fähigkeit der Männer, die uns Frauen fehlt: Nämlich dass sie so deutlich – physisch – zeigen können, wenn sie eine Frau begehren. Mich überrascht es nicht, dass in Indien und anderen östlichen Ländern steinerne „Lingams“ als göttlich verehrt werden.

Erst kürzlich hatte ich in einer Gruppe zu den Männern näheren Kontakt als zu den meisten Frauen. Vielleicht kann ich selbstverständlicher mit jungen Männern umgehen, weil sie für mich – in der „dritten“ Lebenshälfte – keine potentiellen Liebhaber mehr sind. Aber obwohl sie meine Söhne sein könnten, ist doch mancher von ihnen der große Bruder, den ich nie hatte. Auch fühle ich mich gegenüber ihnen als Frau und spiele nicht die Mutterrolle. Früher hatte ich mit Frauen mehr Schwierigkeiten. Mag sein, weil ich als Älteste von meiner Schwester entthront wurde. Mein Bruder war kein Rivale mehr. Inzwischen liebe ich auch die Frauen und damit mich. Oft entsteht zwischen Frauen ein Selbstverständnis, das heterosexuelle Männer unter sich so nicht erleben.

Ich liebe auch deshalb Männer, weil in jedem von ihnen noch der kleine Junge steckt, der er einst war.
Als Mädchen wünschte ich mir immer Söhne. Mein jüngerer Bruder war in Tränen ausgebrochen, als meine Mutter einer Puppe einen neuen Kopf annähte. Bei meinen beiden inzwischen erwachsenen Söhnen hatte ich, als sie noch klein waren, das Gefühl, dass sie sensibler und weniger robust waren als Mädchen. Warum bringen wir den Jungen bei, tapfer zu sein? Warum sollen sie lernen, Helden zu sein und ihre Gefühle zu verbergen oder zu verleugnen?

Als ich eine Zeitlang ohne Partner lebte, hatten viele Männer Angst vor meiner erotischen Ausstrahlung und ich mußte sie verstecken. Da lernte ich auf dem Abenteuerspielplatz, wo meine Söhne spielten, einen schwulen Mann kennen. Mit ihm und meinen Kindern machte ich meine erste Griechenlandreise, besuchte mit ihm eine Show von Romy Haag und Schwulenkneipen wie das „Andere Ufer“, das Café Lila u.a. Hier konnte ich mich Männern, die vor meiner Sexualität keine Angst hatten, als Mensch zeigen und sie umarmen. So fand ich mein Selbstwertgefühl wieder.

Ja, ich liebe Männer, auch wenn ich manchen von ihnen auf den Mond schiessen könnte.
Wenn ein Mann sich breitbeinig in der U-Bahn hinsetzt (das sind Männer jeder Farbe und Rasse, jeden Alters und Standes), fast zwei Plätze braucht und die Frauen neben ihm sich schmal machen müssen, würde ich ihm gern einen meiner Sprüche in die Hand drücken, traue mich aber doch nicht, es zu tun…

Es stört mich, dass in der Politik, im Management, in der Wissenschaft, und bei der Polizei immer noch in der Mehrzahl Männer arbeiten. Männer heizen als Konsumenten von Pornoheften und Pornofilmen, Besucher von Videotheken und Puffs eine riesige Industrie an.

Sind Männer wirklich immer wunderbar? Sind sie nicht manchmal zum Fürchten? Wie kann ich als Frau mit diesem widersprüchlichen Männerbild umgehen? Kann ich Männer trotzdem lieben?
Ich finde es gut, dass Softies nicht mehr „in“ und wieder selbstbewusste Männer gefragt sind. Aber warum sind Straftäter in der Mehrzahl Männer? Sie haben ihre ihnen von der Gesellschaft vermittelte Lektion gelernt und können handeln, ohne zu fühlen, was sie anderen Menschen antun. Junge Männer werden noch immer gezwungen, zu lernen, wie man als Soldat tötet. Gott sei Dank verweigern immer mehr Männer den Kriegsdienst, leisten Zivildienst und verrichten oft niedrige Arbeiten. Sie lernen bei der Pflege von alten Menschen, anders mit Vergänglichkeit und Tod umzugehen.

Obwohl viele Männer sich auf den Weg machen, sind bei den meisten kreativen, spirituellen, psychologischen, tantrischen Workshops und Trainings die Männer in der Minderzahl. Warum verleugnen noch so viele ihre eigentliche Stärke und haben Angst, sich einzulassen?

Ganz genau kann ich nicht sagen, warum ich – im Gegensatz zu vielen Geschlechts-genossinnen – Männer liebe. Vor allem mag ich die energetischen Schwingungen, die entstehen, wenn ich einen Mann berühre. Und schäkern ist zwischen Männern und Frauen einfach prickelnder als zwischen Menschen desselben Geschlechts…

Über den Autor

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Jg. 36, Autorin, verh., zwei Söhne, zwei Enkel, dem Sein mit Beiträgen seit 1999 verbunden, seit den siebziger Jahren auf dem spirituellen Weg. (Seminare u. a. bei Frank Natale, Life skills Training bei Markus Klepper, Frank Fiess, Tantraseminare, Energie-, Eros- und Essencia®-Training bei Michael Plesse/Gabrielle St. Clair.) Kenntnisse in Graphologie, Astrologie, Farbpsychologie.

2 Responses

    • Nila Sebastian
      Männer sind was Wunderbares

      Lieber Peter, ich weiß nicht wer du bist. Dein Kommentar, den du 14 Jahre nachdem der Text erschien, schriebst, hat mich erst heute erreicht. (19.9.15) Die Zeitschrift Brigitte bringt ein Magazin „Für die dritte Lebenshälfte“ he- raus. Da ich den Ausdruck in o.g. Artikel gebraucht habe, bin ich in meinen Dateien und auch bei Google auf die Suche gegangen.
      Vielleicht Meldest du dich ja einmal.
      Herzlichst Nila Sebastin

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