Mentale Gesundheit ist wichtig. Jeder vierte Erwachsene erfüllt derzeit die theoretischen Kriterien einer psychischen Störung und jeder zweite glaubt sogar, von einem Burnout betroffen zu sein

von Laura Höntsch

Oft sehen wir den Menschen um uns herum nicht an, wie es ihnen innerlich geht oder welche Lasten ihre Schultern tragen. Freundlich lächeln, rund um die Uhr funktionieren und keine Schwächen zeigen – viele dieser Verhaltensweisen haben wir uns besonders im beruflichen Umfeld bis zur Perfektion antrainiert. Doch eben diese Tarnung unserer Sorgen und Ängste kann uns zum Verhängnis werden.

Der Blick hinter diese eigens erschaffene Mauer fällt oft schwer und eine psychische Erkrankung scheint bei oberflächlicher Betrachtung eines Menschen oft unvorstellbar. Fakt ist jedoch: Jeder vierte Erwachsene erfüllt innerhalb von nur einem Jahr die theoretischen Kriterien einer psychischen Störung. Jeder zweite glaubt sogar, von einem Burnout bedroht zu sein. Dabei ist ein gesunder Geist der Schlüssel für ein erfülltes Leben. Und obwohl das Thema immer mehr Menschen betrifft und in ihrem Leben beeinträchtigt, sprechen wir meist nur hinter vorgehaltener Hand über das mentale Wohlergehen. 

Bewusstsein für mentale Gesundheit schaffen

Sprechen wir von einem Burnout-Syndrom, meinen wir einen Zustand unerträglicher körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung, ausgelöst durch andauernde Überlastung und Stress. Ein Gefühl der Ausgebranntheit, der Leere und Kraftlosigkeit überschattet den Geist und schürt die Angst vor dem Versagen. Überforderung und die Sorge, den Erwartungen des Umfelds nicht gerecht werden zu können, macht sich breit. Für Betroffene ist diese Situation oft nur schwer zu begreifen und einzuordnen. Die Akzeptanz der individuellen Grenzen fällt in einer Gesellschaft schwer, die sich oft stärker an beruflichem Erfolg misst, als an zwischenmenschlichen Werten.

Dabei ist es zur Bewahrung des inneren Friedens und der Heilung des Geistes absolut essenziell, sich anderen Menschen anvertrauen und öffnen zu können. Hierfür ist es wichtig, die eigenen Probleme überhaupt erst als solche anzuerkennen. Als Gesellschaft können wir diesen Prozess unterstützen, indem wir das nötige Bewusstsein für die mentale Gesundheit schaffen.

Negative Einflüsse auf den Geist erkennen

Zunächst ist es wichtig, zu begreifen, was unseren Seelenfrieden angreift oder unseren Geist schwächt. Die Ursachen haben viele Gesichter, die es zu ergründen gilt.

Innere Ursachen

Die inneren Ursachen für mentale Probleme sind oft die Resultate unserer Vergangenheit. Ein zu schwaches Selbstbewusstsein, übermäßiger Ehrgeiz und zu hohe Selbstansprüche können unseren Geist angreifen. Ebenso die fehlende Fähigkeit, „Nein“ zu sagen oder den eigenen Selbstwert von beruflichen Erfolgen abhängig zu machen. Innere Ursachen lassen sich meist nur durch intensive Selbstreflexion oder mithilfe einer Therapie bekämpfen. Selbstliebe, ein starkes Selbstwertgefühl und die eigenen Bedürfnisse zu respektieren, sind der Schlüssel zu mentaler Gesundheit.

Äußere Ursachen

Mentale Probleme können ebenso auf aktuelle Lebensumstände zurückzuführen sein. Meist handelt es sich dabei um äußere Einflüsse wie eine stark eingeschränkte Selbstbestimmung, zu wenig Lob und Anerkennung oder ein mangelndes Gemeinschaftsgefühl im Arbeitsumfeld. Doch auch Ungerechtigkeiten und Konflikte sowie eine fehlende Work-Life-Balance können sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken. Was also können wir tun, um unsere mentale Gesundheit zu erhalten und einem drohenden Burnout vorzubeugen?

Körper und Geist vor dem Ausbrennen schützen

Um die mentale Gesundheit zu bewahren, ist es wichtig, Akzeptanz für die eigenen Grenzen zu schaffen. Überschreiten wir diese zu oft oder über einen längeren Zeitraum, werden Körper und Geist ausgebrannt. Positive Gefühle, Entspannung und Gelassenheit können dem vorbeugen. Mit genügend Schlaf und Bewegung, einer gesunden ausgewogenen Ernährung sowie regelmäßigen sozialen Kontakten schaffen wir einen Ausgleich zum stressigen Berufsalltag. Entspannungsübungen und Meditation können diese Wirkung Doch auch der Einfluss von Genussmitteln wie Kaffee oder Alkohol auf die mentale Gesundheit ist nicht zu unterschätzen. Viele Menschen erfahren durch den Verzicht ungeahnte Effekte auf Körper und Geist.

Gesunde Balance finden

Viele Menschen glauben, ihr Lebensglück in beruflichem Erfolg zu finden. Neben der tagtäglichen Überflutung des Geistes gerät die Wertschätzung der eigenen Bedürfnisse schnell in den Hintergrund. Umso bedeutsamer ist es, die Waage zwischen Beruflichem und Privatem regelmäßig auszurichten. Folgende Punkte können dabei helfen:

  1. Zeit für Pausen nehmen: Unsere Zeit ist das höchste Gut, das wir haben und sollte daher mit Bedacht eingeteilt werden. Pausen und Freizeit sollten dabei nicht zu kurz kommen, um dem Geist Raum zur Erholung zu geben. Dabei gilt es die privaten Bedürfnisse den kompletten Fokus einnehmen und sich nicht durch berufliche Ablenkungen stören zu lassen.
  2. Über Sorgen und Ängste sprechen: Immer wieder stoßen wir im Leben auf Situationen, die uns zu überwältigen drohen – sowohl beruflich als auch privat. Um unsere geistigen Blockaden zu lösen, kann es helfen, Herausforderungen oder Probleme anzusprechen. 
  3. „Nein“ sagen: Oft fällt es uns schwer, Bitten auszuschlagen. Zu groß die Angst zu enttäuschen oder den Anforderungen nicht gerecht zu werden. Dabei kann ein „Nein“ zu anderen auch ein „Ja“ zu uns selbst bedeuten.
  4. Eigene Bedürfnisse achten: Was macht uns wirklich glücklich? Neben den beruflichen Zielen sollten die privaten nicht verblassen. Es ist wichtig, das persönliche Wachstum nicht aus den Augen zu verlieren und die eigenen Träume zu verfolgen.
  5. Überschätze Dich nicht: Zu hoch gesteckte Ziele führen zu Unzufriedenheit, übermäßiger Ehrgeiz schwächt unseren Geist. Es ist wichtig, unsere Grenzen zu kennen und zu akzeptieren.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Wertschätzung des eigenen Geistes essenziell ist, um mentalen Erkrankungen vorzubeugen. Es sollte unsere tägliche Aufgabe sein, darauf achtzugeben, unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und anzuerkennen. Nur so können wir unseren Seelenfrieden auf Dauer schützen.

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