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Weltweit gibt es etwa 1000 Earthship Häuser. In Deutschland steht das erste vollständig aus Müll gebaute Haus seit Mai 2016 in Schloss Tempelhof, einer Gemeinschaft zwischen Stuttgart und Nürnberg.

 

Auf Schloss Tempelhof in Baden-Württemberg ist das Realität geworden, wovon viele Hausbesitzer träumen: Ein Haus, das sich selbst heizt, sein Wasser liefert und auch noch Essen produziert. Das sogenannte Earthship ist das erste seiner Art in Deutschland und wurde im vergangenen Jahr von der Gemeinschaft gebaut, einem Dorf zwischen Stuttgart und Nürnberg.

Entwickelt hat das Gebäudekonzept der US-Amerikaner Michael Reynolds schon vor 40 Jahren. Seitdem hilft er beim Bau solcher Gebäude auf der ganzen Welt mit. Die Häuser zeichnen sich durch geschlossene Energie- und Versorgungskreisläufe aus, bieten gute Möglichkeiten zur Lebensmittelproduktion, bereiten Regenwasser auf und generieren Strom- und Heizenergie aus Wind- und Solaranlagen. Im Wesentlichen besteht ein Earthship aus lokal verfügbaren, natürlichen, recycelten oder upgecycelten Baumaterialien. Als Baumaterial dienten unter anderem Altglas aus Hotels und Restaurants, alte Autoreifen von Altreifenhändlern und Werkstätten sowie Bruchfliesen aus Abbruchhäusern.

Die Gemeinschaft Schloss Tempelhof erhielt 2016 die Genehmigung für das erste Earthship

In Deutschland war eine Realisierung bisher am Baurecht gescheitert. Die Gemeinschaft Tempelhof hat es im Jahr 2015 dank wohlwollender Behörden und Ämter dennoch geschafft, eine Genehmigung zu erhalten. Einen Kompromiss mussten die Erbauer aber eingehen: Das Haus ist an die öffentliche Wasserversorgung und die Abwasserkanalisation angeschlossen. Das Trinkwasser muss aus hygienischen Gründen aus der Leitung kommen, Regenwasser wird aber für die Toilettenspülung und Waschmaschine genutzt. Über das begrünte Dach wird das Regenwasser gesammelt und in Zisternen gespeichert. Im September 2015 hat die Gemeinschaft mit dem Bau des Gebäudes begonnen und im Mai 2016 wurde das Earthship bereits fertiggestellt. Seitdem berichten die Bewohner auf ihrer Internet- und Facebookseite über das Zusammenleben und ihre Erfahrungen im Earthship.

Abgesehen von dem Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung funktioniert das Haus autark: Das lehmverputzte Gebäude wird passiv durch Solarwärme geheizt, die alten Autoreifen sind in den Wänden verbaut. Die aufgeschichteten und mit Erde befüllten Autoreifen dienen als thermaler Speicher. Frischluft wird durch Rohre im Erdwall geleitet und dabei vorgewärmt. Dieses komplexe System ersetzt die klassische Heizung.

Den benötigten Strom erzeugen Photovoltaik-Anlagen, der in Batterien gespeichert wird. Die südliche Seite des Earthship ist vollständig verglast. Dahinter verbirgt sich ein Gewächshaus, das die Luft mit Sauerstoff versorgt und in dem die Bewohner Kräuter, Obst und Gemüse anbauen. Zur Bewässerung wird gering verschmutztes Abwasser vom Duschen, Baden oder Händewaschen eingesetzt, nachdem es durch eine Filteranlage gelaufen ist.

Das Besondere am Earthship: Es kann auch von Laien gebaut werden, man muss kein Fachmann sein. In Tempelhof ist es als Gemeinschaftsprojekt angelegt, das von Architekten, Baufachleuten, den Behörden, Freiwilligen und natürlich den Bewohnern selbst umgesetzt wurde und immer noch wird. Das Motto ist „Learning by Doing“: Problemlösungen finden unmittelbar statt, Entscheidungen werden gemeinsam gefällt.

Anders als die meisten Earthships ist das Earthship in Tempelhof kein Einfamilienhaus, sondern bildet den zentralen Teil eines Wohnkomplexes für eine Gemeinschaft von 25 Menschen. Im Earthship gibt es ein Wohn- und Esszimmer, eine Küche und Duschen und Toiletten auf 155 Quadratmetern. Um das Earthship herum dienen Bauwagen und Jurten als Zimmer und Rückzugsorte für die Bewohner. Gekostet hat das Earthship um die 300.000 Euro. Das ist erschwinglicher Wohnraum, wenn man es durch 25 teilt. Den Großteil finanzierte die Gemeinschaft aus eigenen Mitteln, den Rest aus Spendengeldern.


Infos und Führungen unter

www.earthship-tempelhof.de

2 Responses

  1. The XX
    Ship the Earth to Mars

    Hallo!

    Erfreulich, dass es klappt, vor allem, weil Leute sich mit sowas auch mal was ausspinnen können, statt dem Einheitsbrei an deutscher Architektur.

    Wenn Leute sowas machen wollen bitte ich alle die Logiken von Bauvorschriften zu studieren, wenn oft gibt es kaum Vorlagen an denen sich Bauleute orientieren können. Ich hatte gerade ein Freakprojekt besucht wo die jüngeren Leute mit völliger Selbstsicherheit meinten, dass ihre Selbstverwaltung so ganz ohne Branschutzvorschriften auskommt. Und damit hatte ich dann doch ein Problem, auch wenn der Feuerwehr manchmal blöde Amtshilfe vorgeworfen werden kann, aber das ist politisch.

    Viel Spaß beim träumen und ausspinnen. Mein Lieblingsprojekt sind zwei zu einer verbauten Scheune in der Nähe von Giessen, mit Bibliothek drin und lauter Räumen zur eigentständigen Nutzung, eine sog. „Projektwerkstatt“.

    Oh, apropos:

    Baut euch Werkstätten auf, es gibt nichts besseres als gelebtes Interesse, Fachkunde und Solidarität!

    Ohne Werkstätten wo ich nicht mal sägen, bohren, schweissen kann, rockt vieles nicht, du kannst nich so viel improvisieren, reparieren, kosten sparen. Wäre doch super, ein spirituelles Zentrum in dem ohne Profitorientierung an x Sachen gebaut werden kann, dazu etwas sozialer Crossover, wie Extraförderung für Mädchen beispielsweise, ohne in die schlechteren Klischees von Waldorf abzugleiten…

    Antworten
  2. frank
    Hausbau

    Selbst Müll wird den
    Menschen jetzt für 300 000 Euro verkauft…Definitiv total überteuert…

    Trotz vieler gelöster Energiereaktivierungen …Da gibt es andere Architekten die

    zeigen wie es auch wirtschaftlich -finanziell besser geht .Siehe Blog )Ohne wieder Banken zu füttern ,abgesehen von der nur zum Schein getäuschten Gesellschaft-Geldschöpfung entsteht mit dem Buchungssatz …Das Elend der Welt…wie so oft in aufgeklärten Kreisen vermittelt u.mit vielen anderen Konzepten veröffentlicht…

    Antworten

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