Wie ein Fotoshooting mit Luna Bürger Katja Marzahn in die Selbstliebe brachte…

Ein langer Sandstrand, der Sehnsuchtsschrei einer Möwe, ganz kleine Wellen, die das Ufer berühren. Ich rieche die Frische, den Seetang, das Salz, versinke im endlosen Horizont. Und fühle, wie sich etwas in mir weitet und ganz tief zur Ruhe kommt. Gleichzeitig kribbelt mein Bauch vor lauter Aufregung. Ich bin am Meer, meinem Herzensort, und es ist ein ganz besonderer Tag. „Schließe deine Augen“, sagt meine Begleiterin. „Geh in Kontakt mit Mutter Erde. Nimm die Geräusche wahr. … Fühle, was in dir ist. … Und dann verbinde dich mit der Braveheart Woman in dir.“ Was sich hier wie der Beginn einer Naturtherapie- oder Coaching-Session anhört, ist die Vorbereitung eines Fotoshootings. Ich lausche nach innen, spüre in meinen Körper hinein. Meine nackten Füße graben sich in den kühlen, festen Sand. Nach einem Gewitter in der Nacht ist er noch nass, der Strand menschenleer. Perfekt für das, was wir vorhaben! Ich habe mich nur ganz leicht geschminkt und freue mich darauf, nicht posieren oder mich verstellen zu müssen.

Stattdessen verleihe ich, mal still, mal überschwänglich, der grenzenlosen Freiheit Ausdruck, die ich hier wieder atme. Ich stürme ans Wasser, balanciere auf den Buhnen, hebe die Arme in die Luft. Immer wieder betätigt Luna den kaum hörbaren Auslöser. Der Himmel ist klar bis auf ein paar Wolkenfetzen. Das weiche Licht des frühen Augustmorgens hüllt uns ein.

Ich fühle mich sicher und aufgehoben

„Wie fühlst du dich gerade?“ fragt die Fotografin mit den honigblonden Haaren und dem sonnigen Lächeln dann. Ich spüre hinein: „Irgendwie spielerisch.“ Und so suchen wir aus den Lieblingskleidungsstücken, die ich mitgebracht habe, jenes aus, das zu dieser Stimmung passt. Und dann spielen wir! Mit einer aufgesammelten Blüte, Wasser und Sand, Körper und Bewegung … mit allem, was in mir ist und aus mir heraus will! Nur ich, ganz pur, die auf eine behutsam forschende Kameralinse trifft. Ich nehme Lunas aufs Wesentliche reduziertes Equipment kaum wahr. Es verschwindet hinter ihrer kraftvollen und ruhigen Präsenz, die mich immer wieder zurück in den gegenwärtigen Moment bringt. Freiheit im Flow oder Halt und Ermunterung? Achtsam erspürt Luna, was es gerade braucht, und kommuniziert stets wertschätzend und offen mit mir. So gelingt es ihr, einen Raum zu schaffen, in dem ich mich sicher und aufgehoben fühle. Sogar als die Hüllen von meinem Körper fallen und alle Masken von meinem Gesicht. Wer bin ich in meinem tiefsten Innern? Was empfinde ich in diesem Moment? Was will und brauche ich wirklich? Und traue ich mich, all das auch zum Ausdruck zu bringen?

Ich prob(ier)e es in diesem Shoot. Da ist die Befangenheit des jungen Mädchens, das sich so anders und manchmal hässlich fühlt. Die vor Begehren fast platzende Liebende, die so selten zurückgeliebt wurde. Aber auch die in sich ruhende, erfahrene Frau, die schon so viel bewältigt hat und nun bereit für die nächste Stufe ist. Bereit zum Aufblühen, zum Losfliegen! Sie will malen, performen, Bücher schreiben, die Menschen und die Erde heilen … sie will ein waches, freies, schöpferisches Leben! Ich springe ab und es macht nichts, dass ich nicht wie eine Tänzerin schwebe. Es macht nichts, dass der Sand heute nicht wie Zucker rieselt. Oder dass ich meinen Schmuck vergessen habe. Ich versuche immer wieder zuzulassen, dass ich selbst und dieser Augenblick nicht vollkommen – aber vielleicht gerade deshalb genau richtig sind. So wird das Agieren vor der Kamera zu einem Spiegel – oder einer Übung – für mein Leben.

Annehmen des eigenen Körpers

Genau das scheint Teil des Konzepts von Luna Bürger zu sein, die sich seit jeher für die vielen Facetten gelebter Spiritualität und weiblicher Selbstermächtigung begeistert – und dies nun auch in ihre Art zu fotografieren einfließen lässt. Im Februar 2019 entwickelte die junge Frau ihre „Braveheart Woman“-Fotosessions, mittels derer sie andere Frauen im (Aus-) Leben ihrer wahren Weiblichkeit bestärken möchte: mutig, ursprünglich und frei im Selbstausdruck und beim Verfolgen des ureigenen Herzensweges. Die Pfade der Frauen sind so individuell wie sie selbst, ihre Themen aber ähneln sich, berichtet Luna. Es geht um Urvertrauen und das Lauschen auf die Intuition. Um das Annehmen des eigenen Körpers oder das gesunde Setzen von Grenzen in Beziehungen. Um die Wiederentdeckung der „Wilden Frau“ und Verbundenheit mit Mutter Erde …

Dennoch fragt Luna in ihrem Vorbereitungsgespräch jede von ihr begleitete Frau wieder ganz neu und offen: „Was ist für dich eine „Braveheart Woman“? Die Antwort darauf macht jedes Shooting anders und neu. Auch in die Gestaltung meiner Session lässt Luna einfließen, was sie in unserem Zoom-Telefonat vor zwei Wochen erfragt hat: Gefühle, mit denen ich mich schwertue, meine Stärken und Herausforderungen, Krafttiere und Lieblingslandschaften … und die Ängste und Erwartungen bezüglich des Shoots. Da ich mich von Wasser und besonders vom Meer magisch angezogen fühle, beschließen wir für die Session an die Ostseeküste zu fahren. Luna fotografiert am liebsten an einem persönlichen Kraftort der Porträtierten (auch wenn das für eine oder jede von beiden mit Reisen verbunden ist), immer jedoch draußen in der Natur, da diese eine Interaktion mit den Elementen erlaubt und die Frau in Kontakt mit ihrer eigenen Natürlichkeit und Wildheit bringt.

Die Unsicherheit da sein lassen

Strand, Düne, Brandung, Wald: Während meiner zweistündigen Session variieren wir immer wieder die Umgebung und die dazu passende Kleidung. Mit jedem neuen Outfit gehe ich in eine neue äußere, aber auch neue innere Landschaft. Und immer wieder in eine neue Unsicherheit.

Luna hatte mich jedoch angeregt, sie als natürlichen Teil meiner „Braveheart Woman“ zu begreifen. Und jetzt hilft die Fotografin mir, diese Unsicherheit auch zu fühlen, sie einfach da sein zu lassen, bis ich sie irgendwann vergesse und immer freier agiere. Weil ich auch hier, vor der Kamera, einfach ich selbst sein darf, steigen Emotionen auf, die Luna sensibel wahrnimmt und auf ihren Bildern auch einzufangen vermag. Als ich mich ärgere, dass die Feuchtigkeit des Sandes eines der Kleidungsstücke, das ich anziehen wollte, hässlich durchnässt hat, fordert sie mich auf, in den Ärger hineinzuspüren und ihm Ausdruck zu verleihen. Erst zögere ich. Doch dann brülle und schreie ich, lasse es einfach raus – wie ich es sehr lange nicht mehr getan habe. Als die Wut verebbt ist, überrollt mich eine Welle von Traurigkeit. Ich schaue aufs Meer, versinke in Erinnerungen, Tränen benetzen meine Wange. Leise und respektvoll fotografiert Luna weiter. „Sag Bescheid, wenn’s dir zu viel wird“, raunt sie mir zu. Ich fühle mich verwundbar, aber zutiefst gesehen. Und als sie mir nach einer Weile anbietet zu „teilen, was mich bewegt“, spreche ich über meine Trauer und Sehnsucht. Es ist die Sehnsucht danach, all meine Lebendigkeit zu leben und zu zeigen – und mit einem Liebespartner teilen zu können. Meine Trauer darüber, wie selten mir das bisher vergönnt war.

Über die Trennung von meinem Freund, mit dem ich vor gut einem Jahr nicht weit von hier Urlaub machte. Verletzlichkeit ist ein Schlüsselbegriff für Luna. Wenn du dich nicht mehr versteckst und mit all deinen Gefühlsregungen und Eigenarten, ja sogar deinen vermeintlichen Schwächen oder Makeln zeigst, wirst du angreifbar und riskierst, verletzt zu werden. Deshalb braucht es dazu ein mutiges Herz – a brave heart! Doch was du dabei gewinnst, ist höchste Freiheit und Lebendigkeit.

Meine innere Essenz auf Bildern

Am Ende des Shoots er-mut-igt mich die junge Fotografin, etwas mehr Nacktheit zu wagen. Einerseits bin ich schüchtern und nicht mit jedem Teil meines Körpers im Reinen. Andererseits aber doch gerade hier, um herausgefordert zu werden! Um mich zu zeigen, wie ich es noch nie getan habe. Und hatte ich mir nicht immer erotische Aufnahmen von mir selbst gewünscht?

Und so atme ich tief durch, gebe mir einen Ruck und ergreife die Gelegenheit: Ich ziehe mein Oberteil aus und den transparenten Spitzenslip an, den ich schließlich extra dafür eingepackt habe! Dann schlinge ich ein schwarzes Häkeltuch um meine nackten Brüste, die ich oft nicht leiden mag. Lunas sanfte Worte und das Ostseewasser helfen, die Scham hinter mir und auch das Tuch irgendwann weg zu lassen. Wie eine Geliebte des Meeres verschmelze ich nun mit der Brandung und lasse mich ganz von ihr umfangen. Ein frischer feuchter Kuss, dem ich nicht widerstehen kann. Minutenlang treibe ich auf dem weichen Sand in den Wellen, die rauschend an den Strand schlagen. Werde selbst zum Wasser, so gelöst und selbstvergessen. Es ist, als käme ich nach Hause …

Und das sieht man auf den wundervollen Fotos, die Luna von dieser Szene gemacht hat. Zwei Wochen später sehen wir über Zoom gemeinsam die gut fünfzig Bilder vom Shooting an, die sie sorgsam ausgewählt und aufbereitet hat. Ich bin unglaublich berührt und erstaunt: Bin das tatsächlich alles ich? In dieser Sinnlichkeit, Vielfalt und Ausdruckskraft? Wie originell Luna mit Licht und Komposition, Frames, Farben und Perspektiven gespielt hat! Sie umrahmen und verstärken meine Persönlichkeit, die ich noch nie so kraftvoll und klar auf ein Foto gebannt gesehen habe. Wie eine – meine! – innere Essenz, die Luna nach außen transportiert hat. Die sich in der intimen Atmosphäre dieser Session so gut entfalten konnte.

Und an die ich durch diese Aufnahmen noch einmal neu und anders erinnert werde. Ich in meinem Leuchten. Meiner Melancholie. In meiner Wahrheit und Einzigartigkeit. In den folgenden Wochen klicke ich mich immer wieder durch die großartigen Bilder. Sehe mich träumend mit dem Meer und sinke zurück in jenen besonderen Moment. So verbunden mit dem Wasser, dem Seewind, dem Licht. Mit der Buchenrinde und dem Dünengras … Vor Lunas Kamera schreiend und tanzend. Die Schönheit der Landschaft schließt mich mit ein. Ja, ich bin schön! Damals und dort. Jetzt und hier – mit allem, was an und in mir ist!

Luna Bürger ist leidenschaftliche Portraitfotografin für Frauen, die in ihrer natürlichen weiblichen Kraft erstrahlen wollen, um mit Authentizität von Herzen in der Welt zu wirken. Ihre Vision ist ein Miteinander, in dem sich jeder Mensch frei ausdrücken und verletzlich zeigen darf und sich ohne Urteil in seiner einzigartigen Schönheit entfalten kann. Deshalb unterstützt sie Frauen im Ausdruck ihres Körpers, ihrer Stimme und ihrer Seele und ermöglicht ihnen durch Fotos, zu sehen, wie wunderschön sie sind. Info und Kontakt unter Tel.: 0176-845 079 92 oder photography@lunabuerger.com
www.lunabuerger.com
www.braveheart-woman.com
Instagram: @braveheart.woman
Facebook: Luna Buerger Photography

Author: Redaktion

Über den Autor

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fühlt sich in fast allen Künsten zu Hause. Sie fotografiert, singt und malt und genießt es, die Schöpfung durch ein schöpferisches Leben zu begreifen, zu bereichern und zu feiern. Katjas versiertestes und liebstes Ausdrucksmittel ist das Wort. Schreibwerkstätten, Lesungen, gemeinschaftliche Kreativprojekte sowie Veröffentlichungen in Zeitschriften, Kalendern und Anthologien durchziehen ihre Biografie. 2014 entstand ein vielfältiges, mit eigenen Fotos bebildertes Blog, 2019 eine große Poesieperformance. Derzeit schreibt sie an ihrem ersten Roman. Daneben lebt Katja ihre Passion für rückverbindende Spiritualität, Kreiskultur und Naturerfahrung.

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