Warum im Müssen die größte Freiheit liegt…

von Mario Hirt

„Ich hab‘ doch keine Wahl!“ „Ich muss mich und Oma schützen und die Maske tragen!“ „Ich muss mich dagegen wehren!“ „Ich muss zur Groß-Demo und für die Freiheit kämpfen!“ „Ich fühl mich so unfrei, ich muss so vielen Vorschriften und Gesetzen folgen.“ „Da muss ich mich raushalten, ich weiß doch nicht, was wahr ist!“ „Ich muss mich erstmal finden!“ So oder so ähnlich klingt zurzeit unser zwanghaftes Kopfkino. Wir sind gedanklich gefangen in einer Welt, die keine Wahrheit kennt, sondern nur verwirrendes, sich oft widersprechendes Wissen, eine Welt, in der die ursprünglichen Werte (Achtsamkeit, Respekt, Höflichkeit, Demut, Mitgefühl, Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft) völlig wertlosen und wahrlich wahnsinnigen Ideen und Vorstellungen von Glück und Erfüllung gewichen sind.

Hier materialisiert und traumatisiert der Mensch so vor sich hin. Es ist nicht nur eine Welt voller Gesetze, Paragrafen, Verordnungen und Regeln, sondern auch eine Welt voll falscher gedanklicher Konzepte, die „höher, schneller, weiter“ und „mehr, mehr, mehr“ als Lebenssinn proklamieren und damit – vielleicht sogar mit voller Absicht – „die Karre mit Vollgas an die Wand fahren“. Die Beschäftigung mit dem Essentiellen, dem Sein, wurde vom Materiellen, dem Haben, Wissen und Können, nahezu vollständig abgelöst. Die Erfüllung wird nicht im Innen, sondern im Außen gesucht. Und da sich die Erfüllung, trotz aller Extreme, nicht einstellen will, wird alles scheinbar immer absurder und unbegreiflicher. Es leiden nicht nur das Klima, die Natur und die Tiere, sondern vor allem der Mensch. Oberflächlich betrachtet leidet er unter seinen selbstauferlegten Zwängen und Vorschriften und ist 24 Stunden, 7 Tage pro Woche sowohl zeitlich als auch inhaltlich von sich und dem Leben überfordert.

Etwas tiefgründiger betrachtet ist erkennbar, dass dieses Verhalten eigentlich ein kläglicher, aber determinierter (im Sinne von vorherbestimmt, aber auch dieses Wort stimmt nicht ganz, da Zeit ja auch nur eine Illusion ist) Versuch ist, der inneren Leere und Einsamkeit zu entkommen, die übrig bleiben und erfahrbar werden würde, sobald die zwanghafte Erfüllung aller externen und internen Vorgaben wegfallen würde.

Die Angst vor dem Tod

Noch tiefgründiger betrachtet leidet der denkende Mensch ausschließlich unter seinen Innenwelten, vor allem unter seiner Angst vor dem eigenen Ende, vor dem eigenen Tod. Es ist eine Angst, die sich oft auch in Form von Traurigkeit und Wut und den daraus resultierenden Ablenkungsmanövern zeigt und dem Menschen dann trauersauer entweder die Täter- oder die Opferrolle aufzwingt. Wenn wir irgendwann noch weiter in die tiefsten Tiefen des Menschseins vordringen, stellen wir fest, dass auch „Mensch“ an sich nur ein gedankliches Konzept ist und bei genauerer Überprüfung überhaupt nicht getrennt von etwas anderem existiert. Sowohl selbst mit einfachen Körperübungen überprüfbar als auch quantenphysikalisch erklärt und bewiesen ist Materie reine Illusion, die überhaupt erst in einem Verstand, der denkt „ich existiere“ zu etwas Realem wird. Das „Ich“, die Persona, die Maske der Schöpfung, ist das unwahrnehmbare und illusorische Zentrum dieser Illusion, die wir Realität nennen.

Mit dem Ich, der verstandesmäßigen Identifikation mit dem Körper und seiner Existenz an sich, entsteht erst das Du und die duale Scheinwelt, die Zweiheit, mit Raum und Zeit, Materie und Energie, Zwängen und Verpflichtungen, Gesetzen und Gesetzeslücken, Überforderung und Entspannung, Steuerklärungen und Rechtsempfindungen, Viren und Bakterien, Müssen und Wollen, der Suche nach Sinn und Liebe, dem Besuch von Mutter und Schwiegermutter und allem, was projizieren, triggern, drücken und unterdrücken kann. Dieses Ich, das meistens erst ab dem Ende des ersten Lebensjahres mit dem Beginn von Denken und Sprache langsam immer mehr den Körpertraum illusorisch entstehen lässt, wächst, ebenso wie der Körper, in der illusorischen Zeit zu einer erdachten Persönlichkeit heran. Diese denkt – spätestens mit dem Ende des siebten Lebensjahres –, dass sie der Körper ist inklusive seiner Gedanken und Gefühle, seiner Lebensgeschichte und seinem freien Willen.

Die Illusion, das Leben kontrollieren zu müssen

Ausgestattet mit dem Glauben an diesen freien Willen denkt es, das Leben kontrollieren zu können. Doch spätestens, wenn sich die Aufmerksamkeit auf den Atem richtet, muss man sich eingestehen, dass man nicht selbst atmet, sondern geatmet wird. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass jeder Gedanke, der uns einfällt, schon bis zu drei Sekunden vorher elektrisch messbar und auswertbar ist. Das bedeutet: Ich denke nicht, sondern ich werde gedacht. Ebenfalls messbar und nachweisbar laufen alle körperlichen Vorgänge immer schon lange vor der eigentlichen Bewegung oder Handlung ab. Der Körper beginnt zum Beispiel schon bis zu dreißig Sekunden vor einer Aktion bestimmte Körperbereiche zu durchbluten, damit ein Aufstehen und Loslaufen überhaupt möglich ist, wenn uns der Gedanke in den Sinn kommt „Ich muss mal… auf die Toilette“.

Dieses Ich tut allerdings so, als könnte es selbst entscheiden, „ob ich das mache, was ich machen muss oder eben nicht – und dann dafür die Konsequenzen trage“. Wenn das Ich denkt, die freie Wahl zu haben, erscheint das zwar einerseits als die pure Freiheit, andererseits kann das Ich dann aber auch Fehler machen und folglich unfähig und an allem schuld sein. Damit werden alle Ich-bin-falsch-Glaubenssätze aus der Kindheit angetriggert, die das emotionale Karussell aus Scham, Schuld, Neid, Gier, etc. richtig schön in Fahrt bringen, was sich wiederum alles andere als frei anfühlt. Wenn wir uns nun aber nochmals den illusionären Charakter des Ichs in Erinnerung rufen, bzw. verstehen, dass es gar kein Ich gibt, das getrennt vom Rest der Welt existiert, dann kann es auch den freien Willen nur insofern geben, als dass er frei von jeglicher Beeinflussung durch das Ich ist und die Schöpfung sich in jedem Moment so träumt und entfaltet, wie es eben geschieht.

Unfreiheit des Willens

Albert Einstein zitiert in seinem „Glaubensbekenntnis“ Worte von Arthur Schopenhauer. Sie weisen unmissverständlich auf die obige Wahrheit hin, die sich in dem alltäglichen gedanklichen Hin-und-Her zwischen „freiem Willen“ und dem dauerüberforderten zwanghaften „Müssen“ völlig verliert. Einstein sagt: “Ich glaube nicht an die Freiheit des Willens. Schopenhauers Wort: ‚Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will‘, begleitet mich in allen Lebenslagen und versöhnt mich mit den Handlungen der Menschen, auch wenn sie mir recht schmerzlich sind. Diese Erkenntnis von der Unfreiheit des Willens schützt mich davor, mich selbst und die Mitmenschen als handelnde und urteilende Individuen allzu ernst zu nehmen und den guten Humor zu verlieren.“ So sprach Albert Einstein 1932.

Seitdem haben diverse Wissenschaftszweige das untermauert und aus Vermutungen und dem vermeintlichen Glauben wurde Wissen, das aber bisher noch keinen Eingang in das allgemeine Wissenschaftsbild gefunden hat. Hinter diesem Wissen verbirgt sich eine Weisheit, die uns für das illusorische irdische Dasein die Absolution erteilen und die bedingungslose Freiheit bedeuten kann. Die Freiheit des Willens ist demnach eine Illusion, so, wie die gesamte Schöpfung auch. Allem voran das immer im Mittelpunkt stehende „Ich“. Da Ich und Schöpfung nur rein illusionärer Natur sind, stellt sich die Frage nach dem, was „echt“ ist…

Was ist die Wahrheit? Einen Hinweis für diejenigen mit einem offenen Geist liefert das Advaita Vedanta – die Lehre vom Nondualismus, der Nichtzweiheit, die besagt, dass alles das Eine, das AllEine ohne ein Zweites ist. Das, was wir Ich, Leben und Realität nennen, ist in Wahrheit „Lila“… eine Bezeichnung aus dem Sanskrit, die übersetzt so viel heißt wie „Schein, Scherz oder Spiel Gottes“. Das Leben als „Cosmic Joke“, als kosmischer Witz, in dem das Absolute sich völlig sinn- und grundlos als Ich träumt und in diesem Traum wieder schmerz- und leid-voll zu sich selbst erwacht. Für dieses Durchschauen der Traumphänomene gibt es dann Begriffe wie Aufwachen, Erwachen und Erleuchtung, wobei es natürlich noch mehr bzw. weniger als das ist.

Das Ich als leidvoller Traum

Abgesehen von allen weisen Schriften findet man diese allumfassende Wahrheit vor allem in den eigenen Innenwelten. Mit der Frage „Wer bin Ich?“ und „Wo in mir fühle ich mich?“ wird das “Ich“ auf sich selbst und seine Nichtexistenz zurückgeworfen, um sich, wie ein Wassertropfen, der zurück in den Ozean fällt, wieder im Ganzen aufzulösen. Eine Erfahrung, die einem Sterben und Überleben gleichkommt – jedoch ohne, dass ein Überlebender übrig bleibt. Denn die Nichtexistenz des Ichs wird paradoxerweise erfahren ohne jemanden, der sie erfährt, und alle Identifikationen lösen sich in diesem Moment auf – genauso wie der Existenzgedanke an sich. Übrig bleibt „DAS“. Das, was keinen Namen kennt und braucht und trotzdem das einzige ist, was jenseits aller Sinneswahrnehmungen existiert. DAS ist das, wonach jedes Ich sein Leben lang sucht. DAS bist Du. Ein zustandsloser Zustand. Etwas, was man nicht beschreiben kann, da es keine Eigenschaften hat. Gott, Brahman, das Absolute, der Schöpfer, der Urgrund, das AllEine … kein Wort kann DAS beschreiben, da es jenseits aller Worte ist. In der Bibel heißt es „Sei still und wisse, ich bin Gott“ und das sagt keine fremde Stimme, sondern die eigene!

Wir haben nun erkannt, dass, ganz einfach formuliert, ein Mensch kein Mensch, sondern das Absolute ist, das sich als Mensch träumt. Damit ist auch glasklar, dass jedes weltliche „Müssen, Sollen, Dürfen“, jeder Zwang, jede unfreie Verpflichtung ohne persönliche Entscheidungsfreiheit so ist, wie es ganz natürlicherweise zu sein hat. Mit einem solchen echten Erkennen geht eine völlige Freiheit einher. Das gesamte Weltgeschehen mit allen Pandemien, Zwangsimpfungen und Verschwörungstheorien, allen Merkels, Spahns, Trumps und QAnons, allen Kriegen, aller Zerstörung und allen „Ichs“ ist aus diesem Bewusstsein heraus nur ein leidvoller, aber illusionärer Traum ohne einen Träumer.

Jedes weltliche „Muss“ ist ein göttliches „Will“

In der Automobilbranche diskutiert man gerade das autonome (fahrerlose) Fahren – dabei läuft sowieso alles bereits auf Autopilot… „autonomes Leben“ sozusagen. „Gedanken kommen, Taten geschehen, aber es gibt keinen Denker der Gedanken und keinen Täter der Taten“ soll Buddha gesagt haben. Dabei gab es nie einen Buddha, der die Erde betreten hat. Es gab weder einen Buddha, noch gibt es dich (setze hier deinen Namen ein). Es gibt nur DAS und das bist DU. Nur DU bist wahr. Der „Cosmic Joke“ inklusive des jetzigen Moments ist eine Lüge – zwar schöpfungsbedingt, aber trotzdem nicht wahr. DU bist völlig unberührt von dem, was auch immer in dem Spiel passiert. Krieg, Frieden, Zwang, Unterdrückung, Freiheit – nichts kann dich verändern. Du bist das, was Freiheit ist, ohne sie zu brauchen, geschweige denn überhaupt zu wissen, was Freiheit ist. Diese Erkenntnis ist die ultimative Heilung, die absolute Freiheit und die einzige Wahrheit.

Nun gehen wir mit dem aktuellen Kenntnisstand aber noch einmal zurück zu dem Lebensgefühl andauernder Überforderung und Unfreiheit angesichts der diversen Du-musst-Regeln, Vorschriften und Gesetze. Müssen, Sollen, Dürfen: Die Heilige Dreifaltigkeit des „Ichs“ wirkt, genauer betrachtet, eher einfältig, da niemand existiert, der müssen, sollen, dürfen überhaupt könnte… Jedes weltliche „Muss“ ist ein göttliches „Will“ und generell nichts weiter als ein „Gedankenmus“, ein konditioniertes und durch ständige Wiederholung zum Wissen erstarktes breiiges Glaubensmus, dass die Ich-haften Synapsen emotional verklebt. Es ist ein auf seinen Wahrheitsgehalt hin nicht überprüfter Glaube, der mit dem Beginn des illusorischen Ich-Gedankens einherging und seitdem die eigene unfreie Existenz vorgaukelt.

Du denkst nicht, du wirst gedacht

Selbst mit dem Satz „Wer will, muss nicht“ kommt keiner aus dem Unfreifrei- Spiel raus, da gar keiner drin ist. Es ist ein FreiSpiel, was sich nur unfrei spielt… frei von Dir und damit frei von allem. Welche Brisanz hat zum Beispiel ein Leiden, das keiner erfährt? Welche Schuld kann aus einer falschen Entscheidung entstehen, die niemand getroffen hat? Gibt es Richtig und Falsch überhaupt, wenn es niemand beurteilen kann? Wenn du etwas „Falsches“ tun sollst, wirst du nicht drumherum kommen, es auch zu tun. Wenn etwas „Richtiges“ durch dich passieren soll, kannst du es ebenfalls nicht verhindern. Der Mensch kann scheinbar tun, was er will, aber nur wollen, was auch gewollt werden soll. Einer Schöpfungs-Marionette gleich wird er nicht nur bewegt, sondern auch gedacht, gefühlt, gesprochen und gehandelt, so, wie es der Gesamttraum der Schöpfung gerade braucht. Wenn du nun denkst, du fühlst dich unfrei, überfordert, unter Druck gesetzt, manipuliert, ausspioniert, ausgenutzt, dann wisse: Du denkst nicht, du wirst gedacht; du fühlst nicht, du wirst gefühlt; du sprichst nicht, du wirst gesprochen – ohne, dass es ein „du“ gibt, mit dem das geschieht. Das zu leben ist die pure Freiheit. In dem Lila-Traumspiel Gottes spielen sich die noumenalen* Spieler völlig spielerlos. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen findet statt ohne einen Seher, Hörer, Riecher, Schmecker, Fühler. Wahrnehmung geschieht ohne einen Wahrnehmenden – und das Ganze ist auch nur illusorisch. In Wahrheit geschieht niemals irgendetwas wirklich.

Sei still und wisse…
Du, als DAS, das AllEine ohne ein
Zweites, bist das, was Freiheit ist.
Du, als ein Ich, bist frei,
weil du musst, was du willst.
Du bist frei – sowieso.

*Noumenon nach Kant: Vorstellungen nicht erfahrbarer Gegenstände – „Gedankendinge“ mit den Sinnen nicht erfahrbar aber trotzdem da.

Author: Redaktion

Über den Autor

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bekam nach jahrelanger erfolgloser spiritueller Suche das größte Geschenk – das komplette Erwachen aus der Ich-Illusion. Er starb und überlebte ohne einen Überlebenden. Seitdem gibt er regelmäßig Satsang, spricht in Einzelsettings und veranstaltet mehrmals jährlich Retreat-Wochen. Auf seinem Youtube-Channel gibt es immer wieder neue kostenlose Wachmacher-Videos und bei Facebook und Instagram ist er mit nahezu täglich neuen Posts vertreten. Was kann Mario dir geben? Nichts… wozu auch – du hast bereits von allem viel zu viel. Zu viel „falsches“ Wissen über dich und die Welt und in dir zu viele ungefühlte Emotionen. Diese Kombination lässt dich unentwegt leiden. Von daher kann er dir nur alles nehmen – bis absolut nichts mehr übrig bleibt. Durch seinen Lebenslauf ist er ein Weltenwanderer, der sowohl in der Psychotherapie, im Schamanismus, in den energetischen Heilmethoden als auch im Advaita- Vedanta zu Hause ist und so das Existenzdenken von jeglichem Ich ad absurdum führen kann.

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Tel.: 0173-232 95 00

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