Eisbaden…Was zuerst als verrücktes Experiment begann, hat das Leben von Illian Sagenschneider stark verändert! Und nicht nur seines…

Nicht wenige Menschen sind am Ende des Sommers traurig, dass die Badesaison an den Berliner Seen schon wieder vorbei ist. Viel zu kurz war die schöne Zeit draußen im Wasser! Jetzt zieht man sich zurück in die warme Wohnung und wartet auf den nächsten Sommer… Bei mir ist das mittlerweile anders. Ich freue mich über das Fallen der Temperaturen, denn damit beginnt eine neue, andere Saison: die des Eisbadens! Und wer einmal in richtig kaltem Wasser gebadet hat, weiß, dass dies genauso großartig sein kann wie das Schwimmen in der Sommerhitze. Schon mehrfach habe ich an dieser Stelle über die verschiedenen Aspekte des Eisbadens geschrieben. Ein bisschen habe ich mich wohl in dieses Thema verliebt und nach fast zwei Jahren Kältetraining möchte ich ein kleines Resümee ziehen – nicht ohne den Hintergedanken, auch andere für dieses Thema so zu begeistern, dass sie vielleicht diesen Winter auch mal ins kalte Nass springen…

Angefangen hat alles, als mir ein Freund von Wim Hof erzählt hat. Dieser holländische Extremsportler hält aktuell 26 Weltrekorde im Zusammenhang mit Kälte. So bestiegt er 2009 nur in Shorts und Schuhen innerhalb von zwei Tagen den Gipfel des Kilimandscharo. Nördlich des Polarkreises lief er so auch einen Marathon in nur fünf Stunden bei Temperaturen von minus zwanzig Grad Celsius. 2014 stieg er in einen mit Eiswasser gefüllten Behälter und blieb dort eine Stunde, 53 Minuten und 10 Sekunden – ohne Schaden zu nehmen. Wim, der mittlerweile liebevoll wie ein Superheld “The Iceman” genannt wird, ist auch nie krank. Über das Kältetraining und seine Atemtechniken schafft er in seinem Körper ein Millieu, in dem Keime keine Chance haben. 2011 wurde ihm diese Fähigkeit vom University Medical Center St. Radboud in einem klinischen Versuch bestätigt.

Ein Hochleistungs-Immunsystem

In diesem medizinisch überwachten Experiment wurden ihm Endotoxine – also Giftstoffe von Bakterien – in den Körper injiziert. Jeder normale Mensch wäre danach sofort krank geworden und hätte mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Fieber reagiert. Nicht so Wim Hof. Er war nachweislich dazu in der Lage, sein Immunsystem so zu beeinflussen, dass ihm diese Gifte nichts anhaben konnten. Eine Sensation, denn eine solche bewusste Steuerung galt in der Wissenschaft bis dato als unmöglich! Hatte dieser Mann also sehr spezielle Fähigkeiten, über die nur er verfügte? Bei der Klärung dieser Frage half ein besonderer Zufall: Wim hat nämlich einen genetisch identischen Zwillingsbruder. Bei weiteren Untersuchungen mit beiden Brüdern konnte gezeigt werden, dass sein Bruder über keine dieser Besonderheiten verfügt, die den “Iceman” auszeichneten. Somit war schnell klar, dass allein sein Training und seine Lebensweise der Grund für diese Stärke war.

Das volle körperliche Potential erleben

Es ist sehr beeindruckend zu sehen, dass später auch die Teilnehmer von Wims Seminaren schon nach wenigen Wochen Kältetraining in der Lage waren, ihr Immunsystem ebenso zu beeinflussen wie der “Iceman” selbst. Ich war sehr fasziniert von all dem und wollte unbedingt ähnliche Erfahrungen machen. Angefangen habe ich mit kaltem Duschen, und nur kurz darauf habe ich dann den buchstäblichen Sprung ins kalte Wasser gewagt: Es war schrecklich phantastisch! In den ersten Sekunden habe ich gedacht, ich kriege das nie hin, als sich die Kälte wie tausend kleine Nadelstiche anfühlte. Aber dann zu erleben, wie schnell der eigene Körper die rettende “Mitochondrien- Heizung” anschmeißt und für eine angenehme Körpertemperatur sorgt, war sehr beeindruckend. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mein Körper so etwas überhaupt kann. Am Ende hat es mir sogar gefallen, möglichst lange im Wasser zu bleiben. Ich werde nie vergessen, wie ich dann wieder am Ufer stand, mein Körper anfing, regelrecht zu glühen, und mein Gehirn nur so von Endorphinen überschüttet wurde… ich war so dermaßen glücklich und zufrieden… und dabei habe ich mich schlicht und ergreifend nur ein paar Minuten in kaltem Wasser aufgehalten. Ich möchte jetzt aber gar nicht so viel auf die enormen physiologischen Veränderungen eingehen, die das Kältetraining mit sich bringt: Die Veränderungen in der Fettgewebsstruktur, die Vermehrung der Mitochondrien, ein gesteigerter Energie-Stoffwechsel, ein phantastisches Immunsystem usw. sind sicherlich tolle Effekte auf der körperlichen Ebene, aber was mir mittlerweile viel wichtiger erscheint, sind die psychologischen Veränderungen, die dabei ebenso eintreten. (siehe SEIN 02/2019 und 03/2020)

„Grundlos” energiegeladen…

Diese regelmäßigen Erfahrungen im kalten Wasser haben nämlich meinen Alltag stark verändert. Ganz allgemein bin ich im Winter nun wesentlich lebendiger, energiegeladener und wacher als sonst. Wichtige Arbeiten gehen mir schneller von der Hand. Und permanent ist dieses furchtbar kitschig-klingende Gefühl des “Dasschaffe- ich-alles” oder “Alles-wird-gut” als Grundstimmung da. Ich habe eine viel stärkere Verbindung zur Natur, zu der “Wildnis” da draußen im Stadtpark – und ebenso zu mir selbst. Mein Denken ist klar und fokussiert. Sachen, die ich lange vor mir herschiebe, werden plötzlich mit dem Gefühl “Das-kriege-ich-jetzt-auch-nochhin” erledigt! Bemerkenswert ist, dass sich dieses Gefühl beim Schwimmen im Sommer nie einstellt. Erst am Ende des Herbstes, wenn das Wasser so richtig kalt ist, bekommt man diesen starken Schub aus Glückshormonen. Generell ist meine Erfahrung: Je kälter das Wasser, desto stärker der Kick danach!

Veränderungen durchs Eisbaden

Den letzten Winter hindurch habe ich eine Gruppe von Menschen dazu motiviert (böse Zungen sagen „genötigt“), regelmäßig mit mir zum Eisbaden zu kommen. Dazu möchte ich sagen: Niemand hat es bereut und jeder der Teilnehmer hat davon stark profitiert. Hier ein paar von diesen sehr unterschiedlichen Erfahrungen aus der Eisgruppe:

„Als ich eine Zeit lang fast täglich im kalten Wasser war, freute ich mich immer mehr auf das nächste Mal. Schon ein bisschen wie eine Sucht. Vielleicht kann man diese Euphorie mit dem Gefühl vergleichen, das andere Menschen beim Extremsport beschreiben. Vielleicht ist es aber auch das Glücksgefühl, sich selber derartig intensiv spüren zu können.”

„Das Eisschwimmen ist inzwischen eine Konstante in meinem Leben. Meine Verbundenheit zur Natur hat sich verstärkt. Ich bin robuster, weniger krank und unempfindlicher gegenüber Kälte. Das bedeutet, ich kann bei niedrigen Temperaturen lange Zeit draußen sitzen oder mich mit normaler bis leichter Bekleidung bewegen, ohne dass ich friere. Meine Heizung in der Wohnung schalte ich seltener an. Ich habe ein besseres Körpergefühl als vorher, ich fühle mich beweglicher, flexibler, aktiver, energiegeladener, besser gelaunt. Ich kann Anspannung, Ängste und Wut im kalten Wasser abbauen. Danach fühle ich mich entspannter und ausgeglichener.”

„Seit einiger Zeit bin ich wegen Depressionen in Behandlung und habe mich letzten Winter zum Kältetraining überreden lassen. Ich werde auf jeden Fall weiterhin eisschwimmen. Es ist wie ein kostenloses und zusätzliches wunderbares Therapeutikum.”

„Ich habe über mehrere Jahre hinweg Drogen verschiedenster Art konsumiert, zu Beginn nur Ecstasy und GHB, später waren es auch härtere Sachen wie Crystal Meth. Anfang des Jahres hatte ich einen heftigen Tiefpunkt und habe beschlossen, keine Substanzen mehr zu konsumieren. Aber so einen Entschluss auch umzusetzen ist sehr schwer. Drogen haben eine sehr intensive Wirkung auf Körper, Geist und Seele. Wenn man diesen Reiz aus seinem Leben entfernt, ohne dafür einen adäquaten Ersatz zu finden, wird man schnell wieder rückfällig. Ich habe also nach so einem starken Ersatz-Stimulans gesucht. Im Januar und Februar bin ich dann teilweise täglich ins Eiswasser schwimmen gegangen. Jetzt bin ich seit sechs Monaten drogenfrei…”

„Wenn ich jetzt in eine Sauna gehe, kann ich mich länger als eine halbe Stunde in dem Eisbecken aufhalten und meine Atemübungen machen ohne zu frieren. Danach bin ich energiegeladen und erfrischt. Aber allein die ungläubigen Blicke der Leute, die sich da nur wenige Sekunden reintrauen, sind unbezahlbar…”

„Einmal hatte ich zufälligerweise direkt nach dem Eisbaden und den Atemübungen Sex. Das war der Hammer: Mein Körper hat alles viel heftiger gespürt und der Orgasmus war wesentlich intensiver als normal…”

„Für mich ist der meditative Aspekt sehr stark. In dem Moment, in dem ich ins eiskalte Wasser eintauche, bin ich absolut präsent. Im Hier und Jetzt. Kein Gedanke ans Einkaufen später, an die Arbeit, irgendwelche Sorgen… ich bin einfach voll da… “

„Ich mag dieses witzige Gefühl unter der Haut, wenn man wieder aus dem Wasser rauskommt: ein Wechselspiel zwischen der Kälte auf der Oberfläche und der Wärme von innen her… Es ist großartig, wenn Freunde sich zum ersten Mal mit ins kalte Wasser trauen und nach anfänglicher großer Skepsis hinterher ganz begeistert sind.”

Gemeinsam ins kalte Wasser

All diese kurzen Rückmeldungen zeigen, was für ein mächtiges Werkzeug “Kälte” sein kann, wenn man in seinem Leben etwas verändern oder wieder in die richtige Bahn lenken möchte. Für mich ist Eiswassertraining eine sehr effiziente Art, um an mehr Energie zu kommen, weil es kaum Vorbereitung braucht, wenig Zeit in Anspruch nimmt, einen sehr starken Effekt nach sich zieht und dieser Effekt sofort spürbar ist und über viele Stunden anhält. So lässt sich ein gesamter Tag in eine positive Richtung lenken. Ich kenne keine andere Methode, mit der man so kurzfristig schnelle Erfolge erzielen kann. Auch diesen Herbst werden wir wieder neu mit einer Eisbadengruppe starten. Kombiniert mit Atemtechniken, Hintergrundwissen zur Physiologie und Psychologie, kleinen Ernährungstipps und praktischer Unterstützung starten wir wieder im Oktober. Ausführlichere Infos dazu gibt es bei den kommenden Vorträgen zu “Magie der Kälte”. Denn tatsächlich ist der erste Schritt – und nur der erste Schritt – das einzige große Problem bei dieser Sache. Den Rest macht euer Körper nämlich allein und am Ende wollt ihr dieses tolle Gefühl immer und immer wieder haben. Es ist quasi ein positiver “Teufelskreis” mit nur einer einzigen Nebenwirkung – ihr werdet dabei glücklicher…

P.S.: Die Berliner Seen sind im Winter rund um die Uhr geöffnet. Täglich. Gratis. Und ich garantiere, im Dezember im Weißensee gibt es keinerlei Probleme, den Abstand zu den anderen Schwimmern einzuhalten…

Vorträge: Do, 8. Okt. 2020, 19 Uhr: Vortrag „Antioxidantien – Rostschutzmittel für den Körper” Di, 20. Okt. 2020, 19 Uhr: “Vitamin D und Immunsystem” Mo, 26. Okt. 2020, 19 Uhr: “Die Magie der Kälte” Fr, 20. Nov. 2020, 19 Uhr: “Die Magie der Kälte” Eintritt Vorträge jeweils 10 € “
Wochenendseminar Abenteuer Ernährung” am Sa/So, 31. Okt./1. Nov. 2020 von jeweils 11 bis 17.30 Uhr Kosten: 220 € inkl. tropischem Buffet, Ort: KUNSTRAUM Pankow, neben dem Lotto-Laden, Waldstraße 88, 13156 Berlin
Vortrag: Fr, 24. Nov. 2020, 18 Uhr: „Die Magie der Kälte” Ort: Zahnarztpraxis Dr. med. Jasmina Riedel, Grolmanstraße 44, 10623 Berlin Nahe S Bahn Savignyplatz

Info und Anm. bei Illian Sagenschneider unter Tel.: 0176-844 843 33 www.abenteuer-ernährung.com

Author: Redaktion

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gibt die grundlegenden Prinzipien einer gesunden wohlschmeckenden Ernährung in Wochenendseminaren weiter (und ab jetzt jeden zweiten Monat auch in SEIN).

Per Lichtbildvortrag, kombiniert mit einem großen Büffet aus tropischen Früchten, seltenen Pflanzen und Wildkräutern, möchte er das Thema Ernährung mit Spaß und Genuss erfahrbar machen, so dass sich das Wissen mit der Freude an neuen Lebensmitteln verbindet und Veränderungen der Essgewohnheiten leichter fallen.

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