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Vor einigen Jahren kam die Internetmode der „Flashmobs“ auf. Dabei handelt es sich um über per Internet oder Handy organisierte, blitzartige (daher der Name) und scheinbar spontane Aufläufe von möglichst vielen Menschen auf öffentlichen oder halböffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer üblicherweise persönlich nicht kennen. Die Menschen verrichten dann synchron irgendeinen Unsinn, um Passanten zu irritieren. (z.B. schreiend zu Boden werfen, Kissenschlachten auf dem Marktplatz, plötzliches „einfrieren“ von Bewegungen, usw.) Auf youtube gibt es mittlerweile weit über 5.000 Videos zu Flashmobs auf der ganzen Welt.

 

Von Flashmobs zu Smartmobs zu Carrotmobs

Flashmobs finden noch immer überall auf der Welt reißenden Zulauf, sind aber reine Spaßveranstaltungen und verfolgen keinen tieferen Sinn. Das brachte einige Aktivsten auf die Idee, diese Massenaufläufe für sinnvollere Aktionen zu benutzen – man spricht in diesem Fall dann von Smartmobs.

Seit letztem Jahr gibt es jetzt wiederum eine spezielle Art eben dieser Smartmobs, welche die Grundidee der Smartmobs mit strategischem Konsum verbindet: Den Carrotmob.

Initiator Brent Schulkin aus San Fransico bringt das Rezept der Carrotmobs auf einen einfachen Nenner: „Firmen würden alles für Geld tun“ – und das einfachste ist, genau diese Gier auszunutzen und so den Kapitalismus mit den eigenen Waffen zu schlagen.

Carrotmobs sind also das Gegenteil von Boykott und Protest. Anstatt Druck auf Firmen auszuüben, die sozial- und umweltschädlich wirtschaften, hält der Carrotmob ihnen eine große, saftige Karotte hin, wenn sie ihr Verhalten ändern: Der Carrotmob stellt einer Firma bestimmte Bedingungen und organisiert dafür im Gegenzug Verbraucher, die Produkte des Unternehmens massiv kaufen.

Hier eine sehr schöne Animation des Prinzips:

carrotmobBisher fanden erst in San Francisco (video) und Amsterdam carrotmobs statt – dort allerdings mit großem Erfolg. Weltweit wurde die Idee begeistert aufgenommen – denn hier entsteht eine Art der Weltverbesserung, die wir so noch nie gesehen haben.

Diese neue Art des „Protests ohne Protest“ erfordert nicht mal Aufwand von den Teilnehmern: Sie kaufen nur Produkte, die sie ohnehin gekauft hätten – und von welcher Firma z.B. eine Zahnbürste stammt interessiert nur die wenigsten. Wenn aber Millionen von Menschen versprechen, nur noch Zahnbürsten der Firma A zu kaufen, wenn diese ihre Fabriken auf Solarbetrieb umstellt, kann durch den Kauf einer Zahnbürste plötzlich viel verändert werden.

Es sind vor allem drei Faktoren, die diese Form der Aktion so erfolgreich machen:

1. Die Idee: Nachhaltigkeit ist eine fantastisch einfache und zwingend logsiche Idee, die jeder versteht und welche die Massen mobilisieren könnte.

2. Fun: Weltverbesserung ist nicht nur schmerzfrei und einfach, sie macht sogar Spaß – die Aktion in San Francisco endete mit einem Konzert im Park gegenüber des Ladens.

3. Renaissance der Demokratie: Das Social Web ermöglicht eine zentrale demokratische Erfahrung von Gemeinschaft, die alle Politverdrossenheit der jungen Generation Lügen straft.

Hier das Video der Aktion in San Francisco:

 

 

Carrotmob Berlin

carrotmob Berlin

Der erste deutsche Carrotmob wird am 13. Juni 2009 in Berlin stattfinden. Aktuelle Infos gibt es unter carrotmobberlin.com

 

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