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Wassergeburten sind die älteste Art, auf die Welt zu kommen. Schon im alten Ägypten wußte man von der heilenden Wirkung des Wassers auf Schwangerschaft und Geburt. Am Amazonas klammern sich die Frauen vieler Urwaldvölker seit Urzeiten an Mangroven, während sie im Fluß ihre Babys gebären. Auf Hawaii nutzten viele Frauen Süßwasserteiche zwischen Moos und schattigen Bäumen zur Entbindung. Bei den südkalifornischen Cumash-Indianern trommelten Generationen von Stammes-Männern im Wellentakt, während die Schwangeren ein Stück mit den Delphinen hinausschwammen, um hernach im Ufersaum ihre Kinder ins salzige Meerwasser zu gebären.

Die erste Wassergeburt in Europa  führte der russische Verhaltensforscher und Schwimmlehrer Igor Tscharkowskij 1960 in Moskau durch. Er baute eine Art Aquarium für ein Frühchen, dem die Ärzte kaum eine Chance gaben, füllte es mit warmem Wasser und wiegte die winzige Kleine stundenlang darin, als schwämme sie noch geborgen im Fruchtwasser des Mutterbauchs. Das Kind entwickelte sich gut, und Tscharkowskij studierte fortan das Verhältnis zwischen Wasser und Geburt.
 
Inzwischen erlebt die Wassergeburt einen kleinen Boom. USA, Neuseeland, Australien, England, Holland und Belgien balgen sich um die höchste Wassergeburtsrate, aber auch Deutschland arbeitet sich auf der Rangliste nach oben: In Deutschland führen fast zweihundert Kliniken Wassergeburten durch.

Sanfte Geburt

Der französische Gynäkologe Frédérick Leboyer forderte 1975 die ”sanfte Geburt”: Bei der Entbindung sollte endlich auch den Gefühlen des Neugeborenen Rücksicht zuteil werden. Wassergeburt erfüllt diese Kriterien.
Die Schwangere wird weder durch Bett noch Gebärhocker in eine Haltung gezwängt; sie kann sich im Gefühl der Schwerelosigkeit drehen und wenden, wie sie will. Die krampflösenden, entspannenden Eigenschaften des warmen Wassers verkürzen außerdem die Wehen und machen sie erträglicher. Bei Wassergeburten werden bis zu 70 Prozent weniger Schmerzmittel benötigt. Gleichzeitig entspannt sich auch das Gewebe rund um Muttermund und Scheide; alles wird weiter, offener: Kaiserschnitte können vermieden werden, Dammschnitte und -risse sind selten. Sogar Brummer-Babys über 4000 Gramm gleiten überraschend leicht ins Leben. Auch die Wochenbettzeit mit Blutungen bis zu sechs Wochen verringert sich nach der Wassergeburt auf ca. eine Woche. 
Ist Wassergeburt immer auch eine leichte Geburt? Jedenfalls geht es im Wasser streßfreier zu als auf dem Trockenen; auch für das Ungeborene. Ist die Mutter entspannt, bekommt ihr Baby mehr Sauerstoff über die Nabelschnur. Analysen in Kliniken ergaben: Wasserbabys haben besonders gute Sauerstoff-Blutwerte, bewegen sich aktiver und haben eine rosigere Haut.

Irrtümer und Vorbehalte

Oft besteht der Glaube, Neugeborene könnten ertrinken, wenn sie unter Wasser zu atmen versuchen. Gesunde Neugeborene verfügen aber, wie Delphine, über einen Tauchreflex: Sie atmen nicht, solange ihr Gesicht das Wasser berührt. Eine Befürchtung ist, daß der Blutverlust unter Wasser kaum abzuschätzen sei: Wasser unter 37 °C kann jedoch einen Blutverlust verringern. Während der Geburt mögen es Schwangere lieber kühler. Im Durchschnitt lag die Wassertemperatur bei vollständig eröffnetem Muttermund bis zur Geburt der Plazenta bei 32°C. Diese leichte Unterkühlung ermöglichte eine Wärmeabfuhr für Mutter und Kind, die Plazenta löst sich innerhalb von 2 bis 4 Minuten. Beim Neugeborenen löste die Unterkühlung immer motorische Schwimmbewegungen aus. Eine ständige Überwachung der kindlichen Herztöne per CTG ist im Wasser nicht möglich, aber auch nicht nötig. Eine Kontrolle mit dem Hörrohr reicht im Regelfall aus, Problemfälle können mit einem wassertauglichen CTG-Gerät abgehört werden.

Der wichtigste Einwand ist die Gefahr, die durch Infektionen mit Bakterien droht. Diese können sich im warmen Wasser schnell vermehren, in den Gebärkanal gelangen und das Baby krank machen. Gerade in Kliniken verbreiten sich oft besonders aggressive Bakterien, die gegen Antibiotika und Desinfektionsmittel resistent geworden sind. Britische Ärzte empfehlen daher nach jeder Wassergeburt die Zu- und Abführungsleitungen mit Hitze zu sterilisieren und Wasserproben regelmässig bakteriologisch zu untersuchen.

Frühgeburten sollten grundsätzlich nicht im Becken stattfinden. Nur Schwangere, die eine Wassergeburt aus vollem Herzen bejahen, sollten eine solche auch durchführen. Angst könnte sich auf das Kind übertragen und zu Komplikationen führen. Auch schwere Frauen sollten keine Wassergeburt machen, da sie im Notfall nicht mehr aus dem Becken zu heben sind.

Was ist das Besondere an Wasserbabys?

Tscharkowskijs Forschungen ergaben, daß Wasserbabys angeblich schneller laufen und sprechen lernen. Sie haben ein vortreffliches Immunsystem, sind überdurchschnittlich intelligent. Sie haben weder Angst noch Schmerz während der Geburt zu verarbeiten und können mit voller Kraft ins Leben starten. Eltern sagen, daß ihre Wasserbabys ruhiger, zufriedener und ausgeglichener sind, und daß Sie besser schlafen. Sie sollen sehr aufs Wasser fixiert sein und gerne tauchen…

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