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Taoismus, Tai Chi und Qi Gong: Weisheiten vom Wudangshan
Wo die Unsterblichen durch die Lüfte spazierenDer Wudangshan („Berg Wudang") erstreckt sich über ca. 400 km² als Gebirgsregion in Zentralchina. Seit mehr als 1000 Jahren beeindrucken die unzähligen, sehr schroff abfallenden Gipfel und Täler die Menschen mit ihrer dramatischen Schönheit. Die Gegend ist sehr feucht, die Vegetation entsprechend üppig: die Natur zeigt sich auch lieblich.
Der Taoismus: ein tiefsinnige Philosophie der ständigen VeränderungenDer Taoismus ist eine tiefsinnige Philosophie. Die chinesische Schrift als Bilderschrift im Telegrammstil eignet sich gut dazu, aus den poetischen „Brocken" der Gedichte des Tao Te King den jeweils aktuellen Sinn für sich selbst zu ertasten. Aus dem 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung stammt das dem Weisen Laotse zugeschriebene Grundwerk des Taoismus, das Tao Te King, Buch vom „fließenden Verlauf der Natur und des Universums" (Allan Watts' Übersetzung von „Tao") und vom rechten Leben. Es existiert in unzähligen, verschiedenen „Übersetzungen". Die in diesem Artikel zitierten Textstellen sind aus der Übersetzung von Schwartz, die der chinesischen Fassung besonders nah angelehnt ist. Die „Erzählungen aus dem westlichen Blütenland" von Tschuang Tse dagegen sind humorvolle Prosageschichten, die die Aussagen des Tao Te King launig illustrieren. Es lohnt sich diese Texte immer wieder neu aus seinem Bücher-Schatzkästchen zu holen! Für ein gutes Leben versucht „der/die Weise" (Du und ich) die grundlegendsten Gesetze der Schöpfung, das Tao, zu verstehen, wie sie sich uns mitteilen können in begnadeten Momenten tiefster Stille, Leerheit und Offenheit. Das sich Zurückziehen in die Natur, fern vom Getriebe der gesellschaftlichen Welt, kann dabei hilfreich sein. Im Verhalten und Handeln können wir versuchen, diesen Einsichten zu folgen, uns ihnen nicht entgegen zu stellen. nichts in der welt ist weicher und schwächer als wasser
Die Polaritäten halten einander
„Wie entstehen alle Dinge?",
Wu Wei: Müheloses Handeln folgt dem TaoWer solche Zusammenhänge wirklich erfasst hat, wird gleichmütiger und unerschütterlicher. Auch unangenehme Zustände haben sich oft genug als veränderliche erwiesen. Dann ist es auch nicht mehr nötig Geschehnisse zu erzwingen. Es reicht, ruhig und wach zu bleiben und den geeigneten Moment des Überschlags hin zu Veränderung zu erkennen, um sich dann dem Fluss einzuschmiegen und müheloser zu handeln. Das nennt Laotse „Wu Wei" das tao tut nichts, und nichts bleibt ungetan. Tschuang Tse erzählt die Geschichte eines alten Mannes, der zum Entsetzen jüngerer Beobachter in einen Wasserfall stürzte, und unten prustend und vergnügt wieder aus dem Fluss stieg. Gefragt, was er dafür getan habe, antwortete er: Zurückkehren zur eigenen Natur
schwach sind die knochen des kindes Achtung der Natur bedeutet auch achtsame und fürsorgliche Begegnung mit der äußeren Natur und Selbst-Fürsorge für unsere eigene Natur. Wieder auffinden und Pflege unserer inneren, ursprünglichen Natur, dafür haben die Taoisten seit Jahrtausenden Wege entwickelt, nicht zuletzt auf dem Wudangshan. Meditationstechniken und das Studium der klassischen Schriften gehören dazu. Ganz besonders aber haben sie sich der Lebenspflege, dem langen Leben, manche gar der versuchten Unsterblichkeit gewidmet: dem Studium der lebenslangen Gesundheit und der Prävention von Disharmonien, von Störungen. Dabei sind philosophischer und magischer Taoismus einige Allianzen eingegangen, die uns hier allerdings weniger interessieren. Das leibhaftig Erfahrbare sollte uns leiten auf unserem Weg des Tao. Auch Gesundheit in einem langen Leben beruht auf „Wuwei". Es gilt, auch im und für den Körper die Gesetze der Natur zu verstehen und ihnen zu folgen, natürliche Verläufe nicht zu stören sondern sie im eigenen Verhalten zu unterstützen. zart und schwach ist des menschen leib, wenn er eben geboren Geschmeidigkeit ist Beweglichkeit ist Veränderlichkeit ist verbunden mit Nachgiebigkeit. Unser ganzes Leben und Handeln kann sich nur äußern in Bewegungen. Bewegung, stetige Veränderung ist Lebensprinzip in der Natur. Deshalb gehört das Bewahren von ursprünglicher (kindlicher), weicher, geschmeidiger Bewegung zu den bevorzugten Wegen der Selbstkultivierung bei den Taoisten. Als ihnen ganz selbstverständliche Gewohnheiten können wir sie wiederfinden in den bewohnten Klöstern auf dem Wudangshan. Sie werden gepflegt in den dort besonderen Formen des Qi Gong und des T'ai chi Chu'uan. Auf dem Wudangshan wird als höchster, „Wahrer Mensch" (Erleuchteter), Zhen Wu in allen Tempeln verehrt. Zhen Wu erlangte seine Selbstüberwindung und damit spirituelle Selbstverwirklichung auf dem Weg der Kampfkünste. Deshalb wird dieser Weg in etlichen Stilrichtungen der Region bis heute verfolgt und weiter entwickelt.
Das legendäre T'ai chi Ch'uan entstand im NebelZwischen dem 10. und 14. Jahrhundert soll der taoistische Mönch Zhang Sanfeng in dem größten der Klöster auf dem Wudangshan gelebt haben, dem Purpurwolkenpalast. Er gilt als der Erfinder des T'ai chi Ch'uans, der innersten der chinesischen Kampfkünste. T'ai chi Ch'uan verkörpert in einer Bewegungsfolge körperlicher Selbstverteidungstechniken grundlegende Naturgesetze des Taoismus (und weil die nicht nur in Kontemplation und sondern auch in Naturbeobachtung entstanden sind, weichen diese oft gar nicht ab von unseren westlichen Naturgesetzen!). Man versucht, sich die Philosophie des Taoismus sozusagen „einzuverleiben" in der geistigen und körperlichen Praxis der Übungen. Je nach Geschmack und Vorliebe betont man darin eher den gesundheitlichen, den meditativen oder den kampftechnischen Aspekt.
Zurückkehren zum UrsprungZurückkehren zu anfänglichem und eigentlich unausweichlichem Verbundensein von äußerer und innerer Natur, von Du, Ich und Es ist immer Ziel und Ausgangspunkt taoistischer Lebenskunst und Selbstverwirklichung. "Der eigenen Natur folgen, zurückkehren zum Ursprung" heißt aber auch eine eigene, sehr rare, klösterliche Qi Gong Form vom Wudangshan. Sie zeichnet sich aus durch elementare Schlichtheit und scheinbar einfache Bewegungen, die sehr intensiv ausgeführt werden. Die wenigen Bewegungen und Standmeditationen bieten Raum, sich über den Körper konkret und tief darin zu versenken, Momente dazu, verwurzelt mit dem Boden sich aufgehoben zu fühlen in Raum und Zeit: zurückzukehren zur gestaltenden Stille, zum Ursprung. erreiche den Gipfel der leere
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Fotos: Copyright G.M. Franzen
Autoren Info
Gabriele M. Franzen Die Autorin ist Atem- und Bewegungstherapeutin (Diplom/AFA) und Diplom-Psychologin. Sie unterichtet seit 1981 die von ihr entwickelte, integrative Methode moveri auf der Grundlage von Tai Chi, Qi Gong und Gindler/Goralewski-Arbeit im Studio moveri am Steinplatz. Gabriele M. Franzen http://www.moveri-berlin.de
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