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Perspektivlosigkeit, Zukunftsängste, Langeweile, Stress in der Familie und Schule – so unterschiedlich die Ursachen für Gewalt sein können, so vielfältig sind die Ansätze in der Präventionsarbeit. Aggressives Verhalten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen verringern und gleichzeitig Gewalt vorbeugen – aber wie?

 

Diese Frage stellte sich das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS) in Frankfurt a.M. und entwickelte zwei modulare Konzepte: das sogenannte Anti-Aggressivitäts-Training (AAT©) und das Coolness-Training (CT©). Zielgruppen dieser Programme sind sowohl straffällig gewordene Täter bzw. gewaltauffällige Kinder und Jugendliche als auch potenzielle Opfer und Beobachter von Gewaltsituationen.
In beiden Trainingssystemen geht es darum, die Gewaltbereitschaft zu senken und Hilfsstrategien zur Konfliktvermeidung zu erarbeiten. Dabei setzt man gezielt auf die Wirkung gruppendynamischer Prozesse. Das Training besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Modulen, wie beispielsweise der Konfrontation in der Gruppe („der heiße Stuhl“), Provokations- und Toleranztests, Mediation (Streitbeilegung durch Dritte), Rollenspiele, aktiver Opferschutz und Deeskalationstechniken.

 

Überschüssige Energien durch Bewegung abbauen

Anti-Gewalt-Trainings erfüllen damit eine wichtige Funktion im Bereich der Jugendarbeit und Jugendhilfe. Darüber hinaus sollen Fortbildungskurse für Pädagogen und Anti-Gewalt-Trainings der Polizei, Schülern und Lehrern praxisnahe Lösungsansätze für den Schulalltag an die Hand geben.
Aggressives Verhalten, zumeist Vorläufer von Gewaltaktionen, äußert sich in Form von verbaler Provokation und körperlicher Bedrohung. Aber wie lassen sich Aggressionen im Vorfeld vermeiden? Was kann Gesundheitssport hierbei leisten? Gesundheitsfördernder Sport hilft, überschüssige Energien durch Bewegung abzubauen und sich wohl zu fühlen. Vereinssport bietet zudem die Möglichkeit, Regeln auf spielerische Weise zu erlernen, das Sozialverhalten zu schulen und Toleranz gegenüber anderen zu üben. Gerade für Jugendliche ist es wichtig, das Selbstbewusstsein zu stärken und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Dass Trainer hier in der Verantwortung stehen, versteht sich dabei von selbst.

 

Innere Balance durch Taiji

Fernöstliche Gesundheitssportarten, wie die chinesische Heilgymnastik Taiji, sind speziell entspannungsfördernd und eignen sich daher ideal, um Aggressionen zu mindern. Aufgrund seiner nachweislich stressreduzierenden Wirkung wird Taiji – eine der Hauptsäulen der Traditionellen Chinesischen Medizin – von den gesetzlichen Krankenkassen in besonderem Maße gefördert.
Die Übungen des Taiji helfen, das Nervensystem zu beruhigen; regelmäßige Atem- und Konzentrationsübungen führen zu mehr Klarheit und Stille. Durch die weichen, harmonischen Bewegungsabläufe entspannt sich der gesamte Körper, Blockaden lösen sich, die positive Lebensenergie „Qi“ kann fließen. Anhand verschiedener Kreativitätsübungen erlebt man ein neues Körpergefühl und lässt die äußere Welt im Augenblick der Stille hinter sich. Das hierzulande als „Schattenboxen“ bekannt gewordene Taiji hat seine Ursprünge in den traditionellen Kampfkünsten (Wushu). In schnellen Bewegungen praktiziert, eignet sich Taiji auch zur Selbstverteidigung. Eckhardt Lazai, Kriminalbeamter für Verhaltenstraining der Polizeischule Berlin, erklärt hierzu, „Es ist durchaus sinnvoll, solche Techniken zu erlernen, wenn sie der Verbesserung der eigenen Kondition, der Wendigkeit und dem Selbstbewusstsein dienen.“
Angesichts der anhaltenden sozialen Probleme in unserer Gesellschaft wird Gewaltprävention auch in Zukunft ein wichtiges Thema darstellen. Gesundheitssport kann in diesem Zusammenhang einen wertvollen Beitrag leisten. Gemeinschaftssport wirkt in jedem Fall positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen und hilft, Selbstvertrauen und Sozialkompetenzen zu stärken. Die Bewegungslehre Taiji bietet darüber hinaus Anleitung zu Entspannung und innerer Balance. Taiji ist kein Allheilmittel, aber eine effektive Methode zum Aggressionsabbau und damit ein ergänzendes Element in der Gewaltprävention.

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