Dieser mehrteilige Achtsamkeitskurs wendet sich an alle Menschen, die sich allen lebendigen Erfahrungen sanft-mutig und gelassen stellen möchten.

Von Lena Grabowski

Inspirierende Geschichten

Die Wirklichkeit zulassen

Bei der Meditation geht es nicht um den Versuch, irgendwo hinzugelangen. Es geht darum, dass wir uns selbst erlauben, genau dort zu sein, wo wir sind, und genau so zu sein, wie wir sind, und desgleichen der Welt zu erlauben, genau so zu sein, wie sie in diesem Augenblick ist.
John Kabat – Zinn

Vom Leistungsdruck zur Gegenwärtigkeit

Wir leben in einem Kulturkreis, in dem es hauptsächlich um Ziele, Ideale, Leistung, Streben nach Erfolg, Gewinnmaximierung und Aktionismus geht. In vielen Lebensbereichen wird gekämpft, hart gearbeitet, etwas MUSS erreicht werden – oftmals im Vergleich zu anderen. Wettbewerbscharakter wird gelebt, Konkurrenzgefühle treiben uns stetig an. Schnell müssen wir sein, viel leisten, hart arbeiten.Es wird um Anerkennung und den Platz im Leben gekämpft.

Während viele Menschen oftmals von einem Gefühl begleitet werden, letztlich wenig Anerkennung zu erfahren, geringe Wertschätzung und selten Lob. Weder durch andere, noch durch uns selbst schätzen wir unser Wesen, unser Tun und Handeln wert. Auch die sogenannten „guten Gefühle“, die ein Erfolg mit sich bringen kann, bleiben mitunter aus.

Dafür ist es selbstverständlich geworden, jeden Morgen aufzustehen und Leistungen jeglicher Art zu erbringen. Mit einem hohen Maß an Selbstverständlichkeit. Wir sind Teil eines Wirtschaftssystems geworden, Teil eines gigantischen, Ressourcen ausbeutenden Konsumkreislaufes.

Einen gesunden und nicht ganz so radikalen ersten Ausweg aus alledem zu finden, kann mit Achtsamkeitspraxis gelingen.

Die Achtsamkeitspraxis ist ein wesentlicher Bestandteil der Buddhistischen Lehre – gleichzeitig ist sie nicht an diese Philosophie gebunden und fordert von niemandem von uns einen bestimmten religiösen Glauben ein.

In dieser Praxis geht es um „nichts“. Es geht weder um Ziele, noch muss etwas erreicht werden. Niemand wird verglichen mit anderen, die sich auf einem ähnlichen Weg dieser Praxis befinden. Es gibt keinen Wettbewerb, niemand prüft, wie weit jemand ist, niemand wird von einem anderen überholt. Kein Erfolgsdruck lastet auf den Praktizierenden. Weder ein „richtig“ oder „falsch gemacht“ wartet am Ende einer Achtsmakeitsübung. Man darf einfach sein. Einfach erleben. Einfach praktizieren. Und atmen.

Wieder zu gegenwärtigen Kindern werden

Die Achtsamkeitspraxis dient den Menschen darin, vom Wesen der Augenblicklichkeit zu kosten. Sich selbst mit allen Sinnen im Moment zu spüren. Im Leben anwesend zu sein. So wie wir einst als Kinder waren, bevor Erziehungsmaßnahmen, Bildungsmaßnahmen, Sozialisation uvm uns immer wieder aus unserer Ursprünglichkeit, aus der Gegenwärtigkeit herausgeholt haben.

Ein wesentliches Geschenk von Achtsamkeitspraxis kann sein, wieder zu diesen staunenden, all-gegenwärtigen Kindern zu werden. Mit allen Sinnen uns selbst sowie das Faszinierende, das uns umgibt, wahrzunehmen. Wie damals, als wir vor großen Schlammpfütze standen und nur diesen riesigen Wasserkosmos sahen.  Der die Einladung an uns aussprach, endlich zu springen. Und zu spielen. Und diesen Moment mit allen Sinnen zu geniessen.

Praktizieren wir Achtsamkeit, kehren wir mitunter in eine kindliche „Einfachheit“ zurück und verschmelzen mit der Gegenwart.

(c) AntonieEsposito/pixabay.com

Inspirierende Übungen

Von der Einfachheit des Seins

Heute lade ich dich ein, die Übungen von den letzten beiden Wochen zu vertiefen. Vielleicht kannst du sie häufiger praktizieren. Oder aufmerksamer umsetzen. Weniger von ihnen zu erwarten, sonder sie einfach mehr umzusetzen und einfach zu sein.

Beginne und beende also deinen Tag mit den Dehn- und Atemübungen sowie der Gehmeditation. Gehe behutsam dabei vor und spüre die einzelnen Bewegungen deines Körpers. Integriere die Übungen immer häufiger in deinen Alltag.

Trete immer mal wieder einen Schritt zurück – gehe aus einer Alltagssituation hinaus und dafür tiefer dich selbst hinein. Beobachte die Situation, indem du dich selbst wieder mehr spürst – und dich somit der Situation nicht mehr so stark ausgeliefert fühlst.

Versuche dich selbst immer häufiger wahrzunehmen. Wie stehe ich. Wie bewege ich mich. Was sage ich, wie klinge ich dabei. Wie tief oder auch nicht tief atme ich währenddessen.

Das eigene Körperbewusstsein zu erkunden ist ein Teil des buddhistischen Pfades, und dauert solange wie es dauert. Es ist ein Prozess, den eigenen Körper wirklich zu erspüren und ganzheitlich wahrzunehmen. Doch die sinnlichen und gegenwärtigen Geschenke, die auf diesem Weg liegen, sind es mehr als wert, erfahren zu werden.

Die Achtsamkeitspraxis ist ein Weg. Eine neue Erfahrung. So wie wir als Kinder das Laufen gelernt haben, so benötigen wir auch jetzt, im Erwachsenenalter, Zeit, Geduld und Wiederholungen, um dieses Neue zu erlernen und in unseren Alltag zu integrieren.

(c) JohnHain/pixabay.com

Ein Abendritual

Beschliesse diesen Tag mit einem Abendritual. Zünde dir hierfür eine Kerze an, gönne dir einen Tee und geniesse vielleicht einen leckeren Keks dazu.

Blicke einige Minuten in die Kerze und spüre in deinem Körper. Nimm jeden einzelnen Schulck deines Tees wahr. Schmeckt er bitter, süsslich, fruchtig oder erdig?

– Wie atmest du, während du trinkst und einfach so dasitzt?

– Kannst du spüren, wo du sitzt?

– Spürst du, wie du sitzt?

– Wo hängen oder liegen deine Arme und Hände?

– Wie hältst du die Tasse in der Hand?

– Was alles bewegt sich an dir, wenn du die Tasse abstellst?

– Wie klingt der Abend um dich herum? Ist es still oder hörst du deine Nachbarn?

– Wie riecht es gerade in deinem Zimmer?

– Wie riecht dein Tee?

Auch wenn es vielleicht langweilig klingt, die Übungen von den letzten beiden Wochen zu vertiefen – anstatt heute etwas Neues zu lernen! Du siehst: es gibt so unendlich viel Sinnliches und Kostbares im Augenblick zu erkunden! Geniesse es!

Ich wünsche dir von Herzen eine wundervolle, gegenwärtige Woche.

Von Herzen,

Lena

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