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Neue Modelle und Gemeinschaftsformen basieren auf Menschen, die offen dafür sind. Das erfordert nicht nur entsprechende vorbereitende Bildungseinrichtungen, die sich von Schule und Universität der heutigen Zeit unterscheiden, sondern auch eine neue Art von Vermittlern, die die Grundlagen für einen Bewusstseinswandel schaffen.

 

In einer Zeit, in der wir an der Schwelle eines Bewusstseins- und Kulturwandels stehen, stellt sich die Frage, wie dieser Wandel Bildung beeinflusst und umgekehrt. Welchen Zweck erfüllt unser Bildungssystem und welchen wollen wir ihm geben? Wenn wir uns in Richtung einer nachhaltig enkeltauglichen Zukunft entwickeln wollen, braucht es nicht nur fünf Prozent mehr Ingenieure, sondern Menschen mit Mitgefühl für sich selbst und die Natur um sie herum. Menschen, die sich so mit der Natur verbunden fühlen, dass sie sie als Teil ihrer selbst bewahren möchten. Für mich ist eines der wichtigsten Ziele einer breiten Neustrukturierung unseres Bildungssystems, diese Verbindung – wieder – herzustellen. Die gute Nachricht ist: Es gibt schon Beispiele, die uns zeigen, wie es gehen kann.

Die Diskussion darüber, wie wir zusammen leben wollen, spiegelt sich im Bildungskontext gerade in der Diskussion um Inklusion (Einbeziehung, Zugehörigkeit) wider, dem neuen Zauber- und Streitwort. Gelebte Inklusion wäre tatsächlich mit einem radikalen Wandel verbunden. Es wird nicht mehr versucht, den Menschen in das System einzugliedern (wie im Fall der „Integration“), sondern das System schafft Voraussetzungen, damit jeder optimale Bedingungen zur Entfaltung seiner Potenziale findet und sich seiner Stärken und Fähigkeiten bewusst wird. Werden diese voll gelebt, trägt jeder damit zum Gelingen des Ganzen bei.

Die Realität sieht meist anders aus. Fragt man Jugendliche nach ihrem Berufswunsch oder Zielen für ihr Leben, wissen sie darauf oft keine Antwort. Sie sind sich ihrer spezifischen Stärken nicht bewusst, ergreifen daraufhin den für sie falschen Beruf, werden unzufrieden, vielleicht auch krank. Woher kommt das? Weil sie geprägt sind durch unser gängiges Schulsystem. Wir sind gewohnt, uns anzupassen an Normen und ihnen im besten Falle zu entsprechen. Wir sind angehalten, das zu leisten, was man von uns erwartet, und dafür das Eigene zurückzustellen. Das liegt in der Entstehung des heutigen Schulsystems – Anfang des Industriezeitalters – begründet, das uns im Grunde nur darauf vorbereiten sollte, im Fertigungsprozess optimal zu funktionieren und die Maschinen zuverlässig zu bedienen. Verpackt in Herstellungsklassen durchlaufen wir auch heute noch einen Fertigungs­prozess – mit Glocke und Aufsehern in fabrikartigen Räumen entstehen passgenaue bequeme Arbeitskräfte…

 

Kultur der Potenzialentfaltung

Natürlich übertreibe ich, und vieles hat sich schon geändert. Vieles aber auch nicht. Wenn man Schriften der Refompädagogen aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts liest, könnte man meinen, sie beziehen sich auf heute. Mit individueller Bildung hat unser System nicht allzu viel zu tun. In einer immer komplexeren Umwelt, die ständiger Veränderung unterliegt, generieren die engen, alten Strukturen allerdings vor allem eines: Reibung. Es kommt zu Spannungen und dem Gefühl von Sinnlosigkeit, was wiederum Unlust erzeugt.

Was wir brauchen, ist eine Kultur der Potenzialentfaltung. Was heißt das? Gemeinschaft, die nur auf Konsens setzt, wird langsam, und sie entspricht auch nicht ganz der Realität. Eine Gemeinschaft, in der alle gleich sind, ist nicht real, denn tatsächlich sind wir alle verschieden. Und das ist gut so. So können sich individuelle Unterschiede und Kompetenzen zum Wohle das Ganzen ergänzen. Und Menschen möchten sich entwickeln und bewegen. Wird diese Entwicklung unterbunden, wird es eng.

Neue Formen des Zusammenlebens sind gefordert angesichts der Überlastung unserer Ökosysteme, eine Anpassung unseres Lebenswandels an die realen Bedingungen der Endlichkeit von Ressourcen, personell und global. Das beinhaltet bessere Ressourcennutzung im Sinne von Potenzialentfaltung, das heißt, dass jeder seine Ressourcen dort einsetzt, wo es am meisten Sinn macht. Dahinter liegt die Einsicht, dass wir nicht einzelne Partikelchen sind, sondern alle miteinander verbunden im großen System Erde, wo jedes Individuum seinen Platz hat, wie die Zellen eines Organismus. Eine Leberzelle in der Niere ist dort bestenfalls fehl am Platz. Sie wird eliminiert, und schlimmstenfalls verursacht sie dort Krebs. Eine Leberzelle in der Leber ist sehr sinnvoll und trägt ihren Teil zur Erhaltung des Gesamtsystems bei.

Welche Zelle bin ich, welcher Platz ist der, der am besten für mich passt, wo ich meine Potenziale entfalten kann und meinen Teil zum Ganzen beitrage? Diese Fragen führen zur Potenzialentfaltung. Sie machen den Unterschied aus zu egoistischer Selbstverwirklichung um jeden Preis, die nicht nach der passenden Einbettung fragt. Eine Pflanze kann da am besten wachsen, wo die Bedingungen stimmen. Und die sind nicht für alle gleich. Eine Schattenpflanze gedeiht nicht in praller Sonne, auch wenn man sie noch so sehr gießt und düngt. 

 

Gegenseitige Unterstützung

Von der Natur können wir hier viel lernen. Wir haben uns in den letzten Jahrzehnten immer mehr von ihr wegbewegt, von der äußeren, aber auch von unserer inneren Natur. Wir wissen nicht mehr, was gut ist für sie und uns. Und wissen kann man das auch nicht, weil man es fühlen muss.

Fast ist es so, als hätten wir Krieg geführt gegen die innere und äußere Natur – zumindest, was das Ausmaß der Schäden angeht. Eine steigende Anzahl von Menschen hat das erkannt und den Krieg beendet. Mit der gleichen Energie und dem Durchhaltevermögen wie nach einem Krieg oder einer Naturkatastrophe bauen sie Neues auf, unterstützen sich und helfen einander in solidarischen Netzwerken.

Die Erweiterung des Bewusstseins und der Wahrnehmung, vor allem die innere Bereitschaft, wieder zu fühlen, sind für mich zentrale Elemente einer zukunftsorientierten Bildung. Bewusstseinserweiterung ist nichts Theoretisches. Sie lebt von der Inspiration realer Menschen an realen Orten. Hier kommen die „Lehrer“ ins Spiel. Bildung und das Bildungssystem sind momentan noch Knotenpunkte für Veränderung, da alle in diesem System sind und es durchlaufen. Hier können Samen gelegt werden für die Entwicklung einer neuen Kultur. Und Lehrer spielen hier eine wichtige Rolle. Was brauchen Lehrer, um Menschen in diesem Prozess zu begleiten? Eine Grundvoraussetzung ist die Erfahrung der eigenen Potenzialentfaltung. Nur wenn sie selbst lebendige Beispiele einer neuen Kultur sind und diesen Impuls in sich tragen, können sie ihn weitergeben.

Das Programm LernKulturZeit setzt darauf, solche Lehrer, Erzieher, Professoren, Schul- und Ausbildungsleiter auszubilden, indem es Erfahrungsräume öffnet, wo in Vertrauen und Wertschätzung Neues erfahren und erprobt werden kann. Eine Kultur des Miteinanders, der Offenheit und des Nichtwissens sind Elemente, die diese neue Art des Lernens unterstützen. Es gibt Beispiele, die zeigen, wie diese neuen Erfahrungsräume aussehen – Inseln der Zukunft, in denen wir eine andere Qualität von Leben fühlen können. Gemeinschaften, Ökodörfer und LebensLernOrte sind solche Inseln – und diese nutzt das Programm LernKulturZeit als Heimat für die Module der Ausbildung zum Bildungsbotschafter. Denn die Qualität des äußeren Raumes steht im Zusammenhang mit den inneren Lern- und Erfahrungsräumen und beeinflusst und unterstützt sich gegenseitig. Aus der Umgebung, den offenen Menschen und dem Vertrauen in die Gruppe können Kompositionen entstehen, wie man sie nicht planen kann. Daraus ergeben sich Möglichkeiten, wirklich präsent zu sein mit dem, was ist und was sich entwickeln möchte. Echtes Lernen findet statt.


Abb: © BeTa-Artworks – Fotolia.com

Termine
LernKulturZeit auf dem Faircamp
Berlin, 18./19.1.2014

Neue Jahresgruppe
„Mein JA!hr für eine LernKultur
der Potentialentfaltung“ ab März 2014, eine innere und äußere Bildungsreise in fünf Modulen an Lebens­­LernOrten

Lernkulturzeit
14tägige innerdeutsche BildungsWeltReise für Führungskräfte-Tandems im Juli/August 2014

Sinnposium Bildung und Bewusstsein
„Wenn Bildung wieder Sinn macht, Ideenschmiede und Inkubator für Bildungs­neu­denker“
vom 29.5.-1.6.2014, Schloss Tempelhof

5 Responses

  1. Sabine Rudolph
    Sinntensiv

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Sinntensiv ist eine eingetragene und geschützte Wort-Bildmarke. Sie verwenden diesen Begriff rechtswidrig.
    Ich bitte Sie hiermit dieses zu unterlassen, sonst müssen wir Sie abmahnen.
    MfG Sabine Rudolph

    Antworten
    • Profilbild von Redaktion
      Redaktion

      Guten Tag,

      Wir haben den Begriff entfernt.
      Es handelte sich aber um einen Veranstaltungshinweis – auf den Namen der Veranstaltung haben wir keinen Einfluss.

      Vielleicht würde es gut tun, sich etwas zu entspannen. Diese Veranstaltung dürfte dem Verkauf ihrer Dessous kaum in die Quere kommen.

      Grüße
      Die Redaktion

      Antworten
  2. Kristina

    Es ist auffällig, dass die staatlichen Lehrer/Pädagogen sich öfters wie Psychologen, Priester und Gurus aufspielen, obwohl sie dazu keine Kompetenz haben.

    Ursprünglich war die Schule dazu erschaffen, das Lesen, Schreiben, Rechnen, Geschichte, Physik, Chemie und Biologie an die junge Generation zu vermitteln und zwar streng im Rahmen der Wissenschaft (fachlich Nachgewiesenes).
    Alles andere und vor allem Religion/Glaube war und ist Privatsache. Auch wenn die Religion an manchen Schulen unterrichtet wird, ist sie nicht die Sache des Staates, sondern der Kirche.
    Die Trennung von Staat und Glaube ist lebenswichtig, da der Bürger ansonsten gar keine Privatsphäre hat und die Staatsdiener ihre Macht und Kontrolle nicht nur in gesetzlichen und finanziellen Sachen, sondern schleichend auch noch in Glaubens-sachen bzw. in Privatsachen ausbreiten.
    Dies ist ganz deutlich in vielen Artikeln und auch in diesem Artikel erkennbar, ins besonders wenn Pädagogen – wie hier die Autorin – ins Privatleben der Menschen eindringen, menschliches Verhalten und freie Lebensformen begutachten, Zukunftsvisionen spinnen, Meinungen, Glaube und pseudo-Esoterik verbreiten, als ob es sich um eine neue Staatsreligion handelt, vielleicht im Sinne einer Neuen Weltordnung?

    Antworten
  3. Anonymous

    Dieses Sprichwort sagt die Wahrheit:
    „Lehrer sind Menschen, die uns helfen Probleme zu lösen, die wir ohne sie nicht hätten.“

    Krishnamurti sagte im Prinzip das selbe:
    „Die Systeme, die Methoden und ihre Lehrer und all die Komplikationen ihrer Rivalitäten, Lockmittel, Versprechungen und Täuschungen bewirken Trennungen im Leben, die uns als Sekten und Kulte bekannt sind. (….) Ideologien sind Erfindungen des Denkens, die von der Kultur konditioniert wurden, in der sie sich entwickelt haben. (….) Ich habe mich immer vor Organisationen, Gesellschaften und Orden gefürchtet, da sie alle dazu neigen, ihre besondere Wortwahl, ihren Wortlaut als einzige Wahrheit zu betrachten.“

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  4. Guido V.

    “Welche Zelle bin ich, welcher Platz ist der, der am besten für mich passt, wo ich meine Potenziale entfalten kann und meinen Teil zum Ganzen beitrage? Diese Fragen führen zur Potenzialentfaltung. Sie machen den Unterschied aus zu egoistischer Selbstverwirklichung um jeden Preis, die nicht nach der passenden Einbettung fragt. Eine Pflanze kann da am besten wachsen, wo die Bedingungen stimmen. Und die sind nicht für alle gleich. Eine Schattenpflanze gedeiht nicht in praller Sonne, auch wenn man sie noch so sehr gießt und düngt.“

    Die Metamorphose, welche die Zeitalter der Raupe in die des Schmetterlings wandelt, ist in vollem Gang:

    http://faszinationmensch.com/2014/01/05/die-zeitalter-der-immer-gefrasiger-werdenden-raupe/

    Gruß

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