Mit der Kranichschule entsteht neben einem neuen, gemeinschaftlichen Lebensraum ein Ort, in dem sich Kinder frei und ungezwungen entwickeln können. In einer selbst gemachten Schule.

von Stephanie Römhildt

Endlich auf dem Land leben… ein lang gehegter Traum vieler Familien. Sonne und Mond sind nicht mehr von grauen Häuserfluten verdeckt. Die Kinder können einfach frei und ungezwungen herumlaufen, sich in der Natur natürlich bilden. Endlich sind nicht mehr so viele Leute um einen herum. Dafür ist ein gemeinschaftlicher Lebensraum mit Gleichgesinnten entstanden. Die Hände können in der Erde graben und mit den Kindern selbst angebaute Möhren ernten. Endlich freier atmen…

Wie so viele Städter sind auch wir vor 6 Jahren zurück auf‘s Land gezogen, um uns und unseren Lieben ein erfüllteres Leben zu ermöglichen. Mehrere Familien und ein ganzes Knäuel Kinder. Euphorisch und zuversichtlich. Über die Zeit haben sich die Jobs angepasst – pendeln wollen wir möglichst nicht. Und Biokisten gibt es auch auf dem Land. Und immer mehr aufgeschlossene Menschen finden wir hier. Kultur, Tanz und Yoga gibt es hier auch, fast wie in der Stadt.

Regelschulen – eine echte Herausforderung

Nur eine Sache, es schien erst nur eine Kleinigkeit in weiter Ferne, störte die sich sonst fügenden Umstände. Die Regelschulen im weiten Umkreis wollten nicht passen. Gruselgeschichten darüber, wie es den Kindern tagsüber ergeht und wie ohnmächtig die Eltern sich hingegen fühlen, ihren Kindern eine ebenso erfüllte Zeit ermöglichen zu wollen wie sich selbst. In jede Himmelsrichtung schauten wir nach Lösungen. Lehrer- und Schulgespräche, andere weit entfernte Schulen. Zurück in die Stadt? An den Kindern herum schrauben? Wir entschieden uns für genau den Weg, von dem uns am meisten abgeraten wurde. Der Weg, über den uns immer wieder Gründe genannt wurden, warum das nicht funktionieren kann:

Wir gründen eine eigene Schule!

Ja, dies ist ein ganzes Stück Weg und es braucht einiges an Durchhaltevermögen. Doch wenn du einmal (oder inzwischen auch viele Male) Kinder und Erwachsene in einem Kontext erleben durftest, in dem Ebenbürtigkeit herrscht, willst du dies mit deinen eigenen Mitteln auch für andere Kinder ermöglichen! Dann gibt es kein Zurück mehr.

Der Werdegang der Kranichschule

Die erste Idee einer eigenen Schule entstand im Herbst 2016 bei zwei Mamas, die etwas tun wollten. Mehr und mehr Eltern fanden sich, ein Verein wurde gegründet. Hospitationen, Beratungen, Coachings wurden in Anspruch genommen und viele Telefonate geführt. Im März 2018 war es dann soweit: wir reichten unseren offiziellen Antrag zur Eröffnung einer Schule beim Bundesministerium für Bildung in Potsdam ein: Sehr aufregend, sehr intensiv und einfach großartig diesen Schritt zu gehen! Erste Infoabende zum Kennenlernen der interessierten Eltern fanden dann im Frühjahr 2018 statt. Im Herbst gab es noch eine zweite Kennlern – Runde. Stellenweise waren wir wirklich überrascht, wieviele Menschen es gab, die sich eine Alternative für Ihre Kinder wünschten!

Trotz unseres persönlichen Engagements und unserer Lebensphilosophie wussten wir eines nicht: Gibt es überhaupt ausreichend Kinder auf dem Lande, die eine Freie Schule besuchen möchten? Und Eltern, die dies freudig bejahen? Das Ergebnis war und ist immer noch: Ja! Und wie. Für die kommenden fünf Jahre haben wir Anmeldungen von Kindern und ganzen Familien, die nur auf dieses Projekt gewartet haben! Mit Euphorie und immer mehr aktiven Eltern bereiten wir nun das Gebäude – eine alte Dorfschule mit großem Grundstück – für den Einzug unserer Kinder vor.

Schule: Montessori, Naturpädagogik und Demokratie

Nun ist die Kranichschule auf bestem Wege, am 5. August 2019 ihre Pforten für die ersten beiden Lerngruppen zu öffnen. Die Basiselemente unserer Schule sind die Montessori-Pädagogik, Naturpädagogik und die Demokratische Mitbestimmung. Hinzu kommen kreative Angebote, Projekte und Koorperationen (auch internationale) und die Tiergestützte Pädagogik. Mit einer fehler-freundlichen Grundhaltung, freiem und selbstbestimmtem Lernen, der Wildnis als Erfahrungsraum, Respekt und Mitbestimmung hoffen wie einen Ort zu schaffen, an dem mehr und mehr Kinder in den kommenden Jahren ihr Potential entfalten und später kreativ ihr Leben gestalten können.

Nach genauerer Betrachtung verschiedener Methoden und Ansätze ganzheitlicher Pädagogik, entschieden wir uns als Hauptbausteine für Montessori, Naturpädagogik und Demokratische Ansätze. Die Montessori-Pädagogik basiert auf drei Säulen: Räumlichkeiten, Materialien und die Rolle der Pädagog*innen. Die Räumlichkeiten in der Schule sind wohnlich, gemütlich und gleichzeitig übersichtlich und ansprechend strukturiert. In verschiedene Sachgebiete unterteilt, bieten sie unterschiedliche Lernorte. Das Montessori-Material liefert vielfältige Anregungen, so dass die Kinder zum selbstständigen Lernen und Forschen eingeladen und inspiriert werden. Die Pädagog*innen führen in Themengebiete ein, machen attraktive Lernangebote und begleiten die Kinder bei ihren individuellen Lernprozessen.

„Einzelheiten lehren bedeutet Verwirrung stiften. Die Beziehung unter den Dingen herstellen bedeutet, Erkenntnisse vermitteln.“
Maria Montessori

Naturpädagogik ermöglicht, Beziehungserfahrungen mit der Natur zu sammeln. Dies geschieht durch Erkunden, Entdecken und Erleben der natürlichen Zusammenhänge. Wir verknüpfen die Lernräume ‚Gruppenzimmer‘ und ‚Wald‘. Beide Erfahrungsräume ergänzen einander und bieten Kindern unterschiedlich strukturierte Bildungsorte. Das kontinuierlich intensive Erleben von Wetter, Jahreszeiten und Vegetation in Verbindung mit dem fachlichen Lernen ermöglicht sinnliches Erleben und Reflektieren von Lerninhalten. Und so wird auf natürliche Weise ein naturwissenschaftliches Verständnis vertieft.

Demokratie bedeutet an unserer Schule, dass alle Kinder und Mitarbeiter eine Stimme haben und ihre Schule somit ein Stück weit mit gestalten. In Form von Versammlungen können die Kinder ihre Bedürfnisse, Wünsche, Konflikte und Ideen ausdrücken. Sie dürfen von Anfang an miterleben, wie Konflikte im Interesse aller Beteiligten gelöst werden können. Zur Gestaltung einer Schule nach demokratischen Leitlinien gehört auch die Einbeziehung der Eltern in den Schulalltag. Engagement und Einbeziehung der Eltern, beispielsweise bei Projekten oder Schulfesten, wünschen wir uns und fördern wir.

Schule entwickeln – ein Erkenntnisweg

Natürlich gibt es Kinder, die im Standard-Schulsystem zurecht kommen und dort auch genau richtig sind. Uns ging es zunächst darum, eine Alternative zu schaffen: eine Möglichkeit zu schaffen, wählen zu können! Auf dem Lande ist das, anders als in der Stadt, noch keine Selbstverständlichkeit. Viele unterschiedliche Aufgaben standen in den letzten Jahren an, um dieses Baby zu schaukeln. Auch heute noch stehen wir immer wieder vor Herausforderungen. An Kindern und freudigen Eltern mangelte es uns jedenfalls nie 😉 auch ein Gebäude wurde gefunden, engagierte Erzieher sowie die ersten Lehrer …

Wenn wir etwas lernen, dann dass wir ein großes Baby zu gebären versuchen. Und dass es sich in jedem Fall lohnt immer wieder nach gemeinsamen Lösungen zu suchen und diese zu finden. Es findet sich immer ein Weg, wenn wir ihn gehen. Und so möchten wir allen Eltern und „Betroffenen“ auf dem Lande immer wieder Mut zusprechen, sich für ihre Schützlinge einzusetzen. Es muss nicht immer eine selbst gegründete Schule werden, doch es braucht Räume für unsere Nachkommen. Räume, in denen sich unsere Kinder selbstsicher und geborgen entwickeln können. Um Kraft zu schöpfen, gemeinsam an einer starken Zukunft mit zu wirken.

Visionen sind wichtig

Selbst wenn Projekte nicht immer in eine Umsetzung finden, kann in solch einer intensiven Zeit immer viel bewegt werden. In jedem Einzelnen. Inspirationen werden freigesetzt, Vertrauen in die eigene Kraft und in andere Menschen kann wachsen, Gemeinschaften können entstehen. Und wenn eine Gemeinschaft es letztlich doch schafft, ein Projekt in die Realität zu bringen, dann wird vor allem eine Erfahrung möglich: dass wir selbstbestimmte Menschen sind. Menschen, die die Kraft haben etwas zu verändern. Wenn sie fest an eine Vision glauben und sich immer wieder dafür einsetzen. So lange, bis sie ins Leben geboren wird.

Also: Let‘s do it!

 

Wenn auch du meinst, dass diese Art Projekt eine gute Investition von liebevoller Aufmerksamkeit ist, dann freuen wir uns über Deine Unterstützung! Was uns konkret hilft: Liebe und positive Intentionen, Mundpropaganda, Vernetzung, finanzielle Assistenz (Bürgschaften, Direktkredite, Spenden verschiedener Art – z.B. auch eine Leih- und Schenkgemeinschaft der GLS-Bank) und Ja!, auch noch den ein oder anderen Lehrer oder auch Lehrerin mit Lust auf die Mitgestaltung einer neuen Schule und viel Platz für eigene Ideen.

Die Kranichschule – Montessori – Naturschule (in Gründung)
Wildling e.V.
Michaela Schindelhauer & Team
Tel.: 01523 / 6518200
https://www.kraniche-naturschule.de

www.facebook.com/kraniche.naturschule/

Author: Lena

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