Alles lebt, wächst und wandelt sich nach den kosmischen Gesetzen dieses Jahreskreises. 
Feste zu feiern ist ein alter und beliebter Brauch. Zu Tanzen, sich begegnen und sich auszutauschen. Das Leben zu feiern, sich zu freuen und auch einmal die Sorgen zu vergessen. Wer kennt das nicht? Viele der Feste von heute basieren auf einer hunderte von Jahren alten Tradition. Oft sind wir uns des Ursprungs mancher Festlichkeiten nicht bewusst.

Was bedeuten diese Zyklen und Feste? Zum einen besteht das Jahr aus den vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Dieser Kreislauf birgt ein Verständnis für die Zyklen des Leben selbst, in dem Jeder und alles seinen Platz und seinen Spiegel in der Natur wiederfinden kann.

Jahreszeiten als Spiegel

Im Frühling kehrt die Sonne kehrt zurück und mit ihr die Lebenskräfte. Sie vertreibt den Winter, schmilzt den Schnee und taut auf, was eingefroren ist. Es ist der Beginn einer kraftvollen Zeit, wobei die Wärme mit der Kälte und das Licht mit der Dunkelheit tauschen. Die Samen werden in die Erde eingebracht. Es ist wie die Jugendzeit mit ihrer ungestümen und ungebändigten Kraft.

Der Sommer ist eine Zeit der Wärme, der Fülle, des Reichtums und des Wachstums. In der Natur sehen wir, wie die Früchte heranreifen. Es ist die Zeit, wo das Leben unbeschwert und frei ist. Wo die Tage und Nächte warm und lang sind und wir mehr im Freien als zu Hause sind. Für uns entsteht ein persönliches Wachsen, das  im Inneren sowie im Äußeren stattfindet.  Es ist die persönliche Reifung in der Mitte und in der Blüte des Lebens.

Wenn der Herbst Einzug hält vertreibt er die Leichtigkeit und die Unbeschwertheit. Er weht mit seinen Winden, macht Platz und schafft Raum für eine innere Einkehr. Es ist der Moment, wo sich Mutter Erde ausruhen kann und wo auch wir uns langsam in unsere inneren Räume begeben. Die Ernte ist eingebracht und abgeschlossen. Vorsorge für die bevorstehende Winterzeit wird getroffen, dass sie gut begangen werden kann. Es ist die Zeit  des Wechsels – der Wandeljahre im Leben  – bunt, kraftvoll und wunderschön.

Im Winter sind die Tage kürzer und die Nächte länger. Er bringt Kälte, Steife, Dunkelheit – aber auch Stille und innere Einkehr. Die Winde und die Kälte nehmen Altes von der Natur, damit Platz für Neues entstehen kann. Fällt Schnee, deckt er alles zu, sodass alles Ruhen kann. Der weiße Schnee ist wie das weiße  Haar der Alten. Als ob die ganze Natur gealtert wäre. Weiß, weise und wissend zugleich. Diese Ruhe verkörpert die weiße Schneelandschaft und auch die weisen Alten. Die Alten wissen nicht, wie viel  Zeit ihnen gegeben ist. So weißt Du auch noch nicht, welche Richtung du einschlagen wirst.

Der Jahreskreis mit seinen Zyklen und Festen

Die Sonne markiert in diesen Bezug  die vier markanten Stationen im Jahreskreis. Die Sonne selbst steht als Symbol allen Lebens. Im Jahr gibt es vier grundlegende bestimmbare Punkte: dem längsten Tag, dem kürzesten Tag und den beiden Tagundnachtgleichen.  

Eine Jahreshälfte ist dem Hellen, der Energie nach Außen, zugewandt. Das ist der Frühling und der Sommer. Die andere Hälfte ist die Zeit der Dunkelheit, wo die Energie nach innen gerichtet ist. Der Herbst und der Winter.

Auch im Monat gibt es eine helle und eine dunkle Hälfte, die in Beziehung des Mondes und seinen Energien steht. Der zunehmende und Vollmond wird als Hell bezeichnet und steht für die aufbauenden Energien. Der abnehmende und der Neumond werden als Dunkel und stehen für abbauende Energien.  Die Natur zeigt sich im Außen und spiegelt das Innere wieder.

 

Die „ acht Feste“ im Jahreskreis

In der Naturreligion gab es acht markante Punkte im Jahr, die als rituelle Feste gefeiert wurden. Dazwischen lagen die 8 Räume, die als der Zeitraum selbst stehen. Diese Feste sind mit den Zyklen der Natur und des Kosmos verbunden. Dieser Ablauf  vollzieht  sich Jahr für Jahr  erneut und symbolisiert somit den ewigen Kreislauf. In den alten Mythen der Naturreligion gingen die Menschen davon aus, dass 8-mal im Jahr, also alle 6 Wochen, eine besondere kosmische Begegnung von Sonne und Erde stattfindet.

Das Zelebrieren dieser Begegnung ordnet das Handeln des einzelnen Menschen in größere Zusammenhänge ein und berührt nach C.C. Jung das kollektive Unterbewusstsein. Die bewusste Handlung beeinflusst das Wachsen, Werden und Vergehen des einzelnen Menschen. Sie ist somit machtvolles Werkzeug der Erkenntnis.

Das Leben beginnt nach unserer Vorstellung mit der Geburt und so kann man den Jahreskreis auch mit der Wintersonnenwende beginnen.

Wintersonnenwende: Der 21. Dezember ist die längste Nacht bzw. der kürzeste Tag eines Jahres. Es triumphiert die Dunkelheit. In dieser Nacht, in der auch Christus geboren wurde, wird die Wiedergeburt des Lichtes gefeiert. Ab dieser Nacht kehrt das Licht Tag für Tag ganz langsam zurück und wie von den heutigen Naturwissenschaften nachgewiesen werden konnte, beginnen auch unterirdisch die Säfte in den Pflanzen langsam zu steigen. Somit wird die Wiederkehr des Lebens nach dem Tod gefeiert. Für die Menschen ist es eine gute Zeit der Bestandsaufnahme: Was wurde im vergangenen Jahr erreicht, was will ich loslassen, was fortführen – also insgesamt eine Zeit der inneren Einkehr und Ruhe.

Lichtfest: Anfang Februar wird bereits in der Natur spürbar, dass das zur Wintersonnenwende gegebene Versprechen der Wiederkehr des Lebens Wirklichkeit wird. Auch wenn es noch kalt und tiefster Winter ist, sind die Tage merklich länger, die Natur beginnt sich zu regen, die ersten Schneeglöckchen erblühen, das Eis auf den Flüssen und Seen beginnt zu brechen, es liegt ein Hauch Frühling in der Luft. Auch die Menschen beginnen aktiv zu werden, es werden die ersten Pläne geschmiedet, es ist die Zeit der Vorbereitung, um dann Entscheidungen für das Kommende treffen zu können.

Frühlings-Tagundnachtgleiche: Am 21. März sind Tag und Nacht gleich lang. Für einen Moment steht die Welt still, das gesamte Leben hält sich in der Waage, bevor in der Natur Tag für Tag das Licht die Oberhand gewinnt. Die Menschen feiern das Fest des unsterblichen und ewigen Lichts und mit dem Aufbrechen der Lebensgeister der gesamten Natur die eigene Auferstehung. Jetzt ist die Zeit, den Samen in die Erde zu stecken. Im übertragenen Sinne bedeutet es für die Menschen den Beginn der Umsetzung ihrer Ziele.

Maifest: Auf der Erde pulsiert das pralle Leben, alles wächst, gedeiht und vermehrt sich.
Himmel und Erde verbinden sich in einem großen Liebesfest, aus dem wiederum neues Leben entstehen kann. In diesen schöpferischen Akt ist auch der Mensch eingebunden. So feiert er im Mai ein Liebes- und Fruchtbarkeitsfest, bei dem er mit fröhlichem Tanz und Singen die junge Schöpfung dieses Jahres, den Überfluss an Energie, den die Natur für alle zur Verfügung stellt, preist und sich so im Einklang mit dem gesamten Universum fühlt. Die inneren Erkenntnisse des Winters werden jetzt in die Tat, in die Welt der Materie umgesetzt.

Sommersonnenwende: Am 21. Juni werden die Sonnenwendfeuer angezündet, denn ab jetzt werden die Tage bereits wieder kürzer. Der Höchststand der Sonne zeigt, dass jedem Höhepunkt bereits die Vernichtung dessen innewohnt, was gerade noch aufstrebt. So wird mit dem Sonnenwendfest die Vorbereitung auf die Ernte sowohl im materiellen wie auch im geistigen Sinne gefeiert. Die Menschen machen sich mit diesem Fest bewusst, dass mit dem höchsten Stand des Lichtes die Wiedergeburt der Dunkelheit stattfindet und sich der Kreis zu schließen beginnt.

Schnitterfest: Anfang August, sechs Wochen später hat der Erntevorgang zwar begonnen, ist aber noch nicht abgeschlossen und in der Naturreligion wird das Fest der Schnitter oder des Brotes gefeiert. Dieses Fest symbolisiert, jetzt muss gemeinsam gearbeitet werden, um den Überfluss, den Mutter Erde hervorgebracht hat, für die Zeit der Dunkelheit zu bewahren. Dieses Fest beinhaltet schon den Dank für das Erhaltene des Jahres.

Herbst-Tagundnachtgleiche: Sie befindet sich im Jahreskreis gegenüber der Frühlings-Tagundnachtgleiche, es ist der 21. September. Wieder halten sich Tag und Nacht die Waage, es beginnt der Herbst und die Menschen feiern Erntedank. Nach uraltem Brauch wird Rückblick gehalten auf die Ernte dieses Jahres, sowohl in materieller als auch seelischer und geistiger Hinsicht. Die Gaben, die uns Mutter Erde dieses Jahr zuteilwerden ließ, werden gewürdigt und geehrt. Die Menschen werden wieder frei, um neu säen und ernten zu können. Nach diesem Moment der Balance zwischen Tag und Nacht, beginnt „Vater Sonne“ seine Wanderung in die Dunkelheit. Symbolisch folgen die Menschen ihm in die Finsternis, indem erste Vorbereitungen für die Reise in die innere Welt getroffen werden.

Ahnenfest: Nach weiteren sechs Wochen wird das letzte Fest gefeiert. Die Natur hat sich zur Ruhe begeben, die Säfte der Pflanzen haben sich in die Wurzeln zurückgezogen. Nach einem langen Jahr voller Betriebsamkeit beginnt die Zeit des Atemholens und des Schweigens. Auch für die Menschen ist der Zeitpunkt gekommen, ihre Aufmerksamkeit in die inneren Welten, das Unterbewusstsein, zurückzuziehen. In den alten Mythen ist dies verbunden mit der Kontaktpflege zu den Ahnen. So dient dieses Fest dazu, für die Verstorbenen der Familie zu beten, ihnen Opfer zu bringen, aber sie ebenso um Rat zu befragen. Diese Ahnenfest, in der christlichen Religion der Totensonntag, ist ein Akt der gegenseitigen Achtung und Fürsorge über den Augenblick des Todes hinaus.

Der Kreis ist geschlossen, Sonne, Mond und Erde begegneten sich im Laufe eines Jahres achtmal an besonderen Punkten. Mit dem Zelebrieren der Feste ist der Reigen der Menschen vollendet und sie können mit neuer Kraft, Stärke und uraltem Wissen dem ewigen Kreis folgen zu ihrer eigenen weiteren Entwicklung.

Über den Autor

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Petra Hinze ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und Gesundheitspraktikerin mit Schwerpunkten Schamanistische Heilarbeit, Frauenkunde und Pflanzenwissen. Sie bietet Heilsitzungen, Rituale und Seminare in Berlin und in der Spreewaldregion an.

Nächste Seminare:
4.5.: Start Jahreskurs „Medizinpfade – Schamanisches Heilwissen“, 1.-3.6. „Die Kraft der Gebärmutter“, 15.-17.6.„Die Sprache der Natur“ – Exkursion Elbsandsteingebirge, 16.-20.08. Frauencamp bei Fürstenberg/Havel, Jahreskreisfeste im Jahresrad

Literatur:
Vicky Gabriel: Der alte Pfad, Wege zur Natur und uns selbst
Barbara G. Walter: Die spirituellen Rituale der Frauen
Ute Schirau: Menschenfrauen fliegen wieder
L. Singerhaft: Rituale, Sinn, Halt und Kraft für die Seele

Kontakt
Petra Hinze, www.petra-hinze.de, hinzepetra@web.de, Tel. 030 428 06 948


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