In 21 Lektionen mit Shai Tubali wirst du die Möglichkeit haben zu lernen, deine meditative Präsenz von Grund auf zu entwickeln.

Lasst uns unseren dritten Schritt gehen, um mehr über einen Zustand der völligen Freiheit von der störenden Überaktivität des Verstandes zu lernen. Aber warte, habe ich gerade „Verstand“ gesagt? Das war ein großer Fehler! Von nun an werden wir, um wirklich genau zu sein, aufhören, den Verstand als unser Problem zu behandeln und stattdessen nur noch über die „Denkmaschine“ sprechen. Der Verstand unterscheidet sich sehr von der Denkmaschine. Viele missbrauchen den Begriff „Verstand“ oder „Geist“. Es gibt die gebräuchliche Tendenz, diese Begriffe zu vermischen. Aufgrund dieser Tendenz sind wir zu dem Glauben gekommen, dass der Geist oder Verstand verworfen und ganz eliminiert werden sollte. Aber dies, wie ich bereits im ersten Artikel dieser Serie erwähnt habe, wäre der völlig falsche Spielzug.

Die Denkmaschine ist der Störenfried deines Lebens

Bisher haben wir zwei Lektionen über die Denkmaschine gelernt. Die erste Lektion ist, dass diese Maschine nicht wirklich uns gehört und dass es nichts Persönliches an ihr gibt. Die Gedanken, für die wir uns so schämen, sind überhaupt nicht unsere Gedanken. Dies ist ein sehr wichtiger, ja sogar der wichtigste Schritt: die Denkmaschine von außen zu betrachten. Dies ist die wahre Bedeutung der Anweisung, die du vielleicht von Befürwortern des Hinduismus und des Buddhismus gehört hast. Die eigenen Gedanken zu beobachten. Was du „meine Gedanken“ nennst, sollte eigentlich als etwas wahrgenommen werden, das mit jemand anderem passiert. Unsere zweite Erkenntnis ist, dass es der, zugegebenermaßen sehr historische, Job der Denkmaschine ist, nach Problemen zu suchen. Nach allem zu suchen, woran es mangelt, was falsch zu sein scheint und was repariert werden muss. Das bedeutet, dass, wenn du weiter auf die Denkmaschine hörst, sie dir das Gefühl geben wird, dass es ständig ein Problem in deinem Leben gibt. Du trittst in eine Art Problembewusstsein ein, das in dir einen Zustand ständigen Unbehagens erzeugt.

Du fühlst dich, als wärst du immer am falschen Ort, an dem du das Falsche tust, während das eigentliche Leben woanders stattfindet. Eine permanent verpasste Gelegenheit. Natürlich ist das aber einfach nur das, was Denkmaschinen so tun. Sie haben keine schlechten Absichten. Sie versuchen vielleicht einfach ein bisschen zu sehr, dich zu beschützen. In Wirklichkeit gibt es nur sehr wenige echte Probleme, und selbst diese erfordern kein Denken von morgens bis abends. Wenn du erkennst, dass es nur die Denkmaschine ist, die dir ein Gefühl gibt, dass es ein Problem zu lösen gäbe, kannst du einfach aufhören, auf eben dieses Gefühl zu hören. Und weißt du was? Dann bist du frei. Vollkommen frei. Problem-frei.

Die Denkmaschine als Kontroll-Freak

Neben diesen beiden wichtigen Erkenntnissen gibt es noch einen weiteren entscheidenden Umstand, der diesem Problemlöser namens „Denkmaschine“ zugeordnet werden kann. Und dieser Umstand nennt sich „Kontrolle“. Die Denkmaschine versucht beständig, die Realität zu kontrollieren, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist. Wie bereits erwähnt, geht auch diese Tendenz ursprünglich auf eine gesunde Rolle zurück, die diese Maschine in deinem Leben spielt: sicherzustellen, dass keine Gefahr für den Organismus besteht. Aber weil sie das wirklich sicherstellen will, beginnt sie, endlose Gedanken über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu produzieren. Stets mit Gedanken darüber, was hätte geschehen sollen und was noch geschehen müsste. Das erste, was es tut, ist, das Gefühl zu schaffen, dass es ein Problem gibt, das behoben werden muss. Das zweite ist das ständige Gefühl, dass alles unter perfekter Kontrolle sein muss, um Probleme, Gefahren oder Schwierigkeiten zu vermeiden. Das ist doch aber eine verrückte Aufgabe, oder nicht? Funktioniert das für die Denkmaschine? Sag du es mir. Natürlich nicht, sonst würdest du jetzt wahrscheinlich nicht hier sitzen und diesen Artikel lesen. Die Denkmaschine kann fast nichts kontrollieren. Sie weiß wirklich nicht, wie. Sie ist wie eine Sekretärin, die immer wieder versucht, sicherzustellen, dass der Tagesablauf perfekt funktioniert, aber immer wieder erkennt, dass alles außerplanmäßig verläuft.

Deshalb spielt die Denkmaschine unentwegt weitere Szenarien durch, und zwar in der Regel die schlechten: Was passieren könnte und wie etwas schief gehen könnte. Sie hofft, dass sie durch wiederholtes Nachdenken über alles irgendwie Gefahren vermeidet, weil sie alle möglichen Szenarien mental abgedeckt hat. Es ist fast wie eine sehr primitive Form des Aberglaubens: „Wenn ich den ganzen Tag denke, wird nichts Schlimmes passieren.“ Das große Problem dabei ist natürlich, dass wir das selbst glauben. Wir vertrauen der Denkmaschine. Sie hat unser Vertrauen gewonnen, weil sie uns glauben lässt, dass übermäßiges Denken und übermäßige Planung zuverlässigere Werkzeuge sind, als zu schweigen und entspannt, präsent sowie aufmerksam gegenüber allem zu sein, was uns begegnet. Noch schlimmer ist, dass die Denkmaschine uns sagt, dass Schweigen und Entspannen das Unzuverlässigste wäre, was man tun kann. Schließlich widerspricht das unserem Überlebensinstinkt und bedeutet somit, völlig unvorbereitet zu sein! Stelle dir also vor, wie viel Energie du in Meditation investieren müsstest, um dieser neuen Lebensstrategie vertrauen zu können.

Diese Verschiebung ist, als würde man ein vollkommen neues Signal an das Gehirn senden und sagen: „Ich brauche deinen Überlebensinstinkt nicht. Ich vertraue diesem Zustand der Entspannung.“ Der hysterische Zustand der Denkmaschine erscheint durchaus vernünftig. Aber, noch einmal, funktioniert es? Die Antwort ist einfach: Wenn das klappen würde, bräuchtest du in keinerlei Spannungszustand sein. Da die Denkmaschine all diese gute, harte Arbeit für dich leistet, solltest du selbst doch völlig entspannt sein können, wenn sie eine so effiziente Sekretärin an deiner Seite ist. In Wirklichkeit sind wir fast den ganzen Tag in einem Zustand der Anspannung. Diese Spannung greift in unseren Körper ein und verursacht psychosomatische Störungen. Sie gibt uns Rückenschmerzen, Muskelschmerzen, Nackenschmerzen und Kopfschmerzen. Kurz gesagt, es funktioniert offensichtlich nicht. Warum vertrauen wir ihr also weiterhin? Weil wir nie wirklich angefangen haben, all das auf intelligente Weise zu reflektieren. Erinnere dich, dass es in unserem Geist auch eine Funktion des intelligenten Denkens gibt, und dass wir durch dieses intelligente Denken anfangen können, dieses blinde Vertrauen in die Denkmaschine zu betrachten und zu hinterfragen.

Das Heilmittel: Konzentriere dich nur auf das, was du jetzt gerade tust Es gibt eine einfache Praxis, die dich von diesem Kontroll-Freak befreien kann. Fange zunächst an, diese Tendenz der Denkmaschine zu erkennen, sich immer vorwärts zu bewegen und sich permanent auf die nächste Aufgabe oder Erfahrung vorzubereiten. Während ich diesen Artikel schreibe, bereitet die Denkmaschine bereits im Voraus meine nächsten Schritte vor. Und das auch noch völlig rücksichtslos. Sie versucht, meine zukünftige Realität zu kontrollieren, wie ein wirklich penetranter Organisator. Sobald du dir dieser Tendenz bewusst wirst, wähle das genaue Gegenteil: Verorte dein ganzes Wesen in dem, was du tust. Bringe deine gesamte Präsenz in deine aktuelle und tatsächliche Aktivität hinein, so als ob du deine Präsenz überall dort ausbreitest, wo du gerade bist und in dem, was du gerade tust. Vertraue auf dein Innerstes, dass du, wenn die nächste Sache deinen Weg kreuzt, du ihr mit der gleichen Gegenwart begegnen wirst, wie dem, was du jetzt gerade tust. Oftmals präsentiert uns die Denkmaschine alternative Bilder, die sogenannten besseren Situationen, die jetzt hätten passieren sollen, anstatt dem, was wirklich gerade geschieht. Wenn ein Gedanke kommt und eine solche alternative Realität vorschlägt, lächle einfach und kehre zurück, um dich mit dem zu beschäftigen, was vor dir liegt.

Fühle dich, als wäre dies das Einzige auf der ganzen Welt, was du jemals tun könntest. Stelle dir vor, dass nach dieser einen alleinigen Aktion, der du dich gerade widmest, nichts mehr passieren wird. Frag dich selbst: „Wie würde es sich anfühlen, wenn dies das Einzige auf der Welt wäre, was ich je tun müsste?“ Dadurch fühlst du dich von innen vollkommen entschleunigt. Du wirst tatsächlich das Gefühl haben, dass der ganze Tag viel langsamer geschieht. Es ist ein sehr seltsames Gefühl, dass man plötzlich Zeit für alles hat. Aber es ist nicht wirklich die Zeit, die sich verändert hätte. Vielmehr lag es an der Denkmaschine, die einem das Gefühl gab, ständig in Eile zu sein. Ohne sie hast du alle Zeit der Welt für das, was du gerade tust, denn das ist das Einzige, was du wirklich tust. Alles andere besteht nur aus Kontrolle oder einer Vorstellung von Kontrolle. Bis zu unserem nächsten Artikel, bewege dich auf diese Weise von einer Sache zur anderen, und du wirst schnell feststellen, dass die Denkmaschine viel weniger machtvoll und einflussreich geworden ist.

Hier geht es zur englischen Version.

Dies ist die dritte von 21 Lektionen, die wir wöchentlich hier veröffentlichen. Sie dienen dazu, den Verstand still werden zu lassen. Du kannst auch zertifizierter Meditationlehrer werden. Infos unter http://shaitubali.com/de/schule-der-meditation/

Author: Oliver Bartsch

Über den Autor

Avatar of Shai Tubali

Seit dem Jahr 2000 ist er internationaler Referent, Autor und spiritueller Lehrer. Von vielen er als einer der führenden Experten und Innovatoren Europas auf dem Gebiet der Chakren und des feinstofflichen Energiekörpers angesehen. Derzeit mit Sitz in Berlin, bereist er Europa ausgiebig und leitet Seminare und Retreats in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Kroatien, Spanien und Griechenland. Früher Leiter des Berliner Zentrums ‚Ganzheitlich Chiro-Yoga‘, hat er nun das neue internationale ‚Human Greatness Center‘ gegründet: als Modell einer ganzheitlichen Lebensweise im Lichte der Chakren, das auch die vielen von ihm entwickelten therapeutischen und meditativen Methoden vorstellt. Sein Traum ist es, dieses Wissen über das integrale Leben in alternative Modelle des Schulsystems umzusetzen.

Als vielbeschäftigter Autor seit 1996 hat Shai 23 Bücher in Englisch, Deutsch und Hebräisch veröffentlicht, die nicht nur hoch originelle spirituelle Sachbücher beinhalten, sondern ebenso Prosa, Poesie und bald auch akademische Forschung. Mehrere seiner Bücher erschienen in noch weiteren Sprachen, darunter Chinesisch, Taiwanesisch und Koreanisch. Einige wurden zu Bestsellern und zwei wurden bereits bei Buchwettbewerben ausgezeichnet.

Gleichzeitig ist Shai als begeisterter Doktorand an der University of Leeds in Großbritannien gerade dabei, sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit dem Gebiet der Philosophie der Mystik zu beschäftigen. 2018 experimentierte er auch mit Filmproduktion, also dem Schreiben und Regie führen des Kurzfilms ‚After the Future‘, der auf Dutzenden von Festivals gezeigt wurde, vier Preise gewann und nun von einem US-Verleiher vertreten wird.

Kontakt
Tel.: 173-184 55 59
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Die Schule der Meditation mit Shai Tubali ist ein acht-monatiger Kurs, der als Reise zu tiefer Selbsttransformation belegt werden kann oder als Zertifizierungsprogramm. Er basiert auf dem Verständnis, dass wahre Meditation keine Technik ist, die wir praktizieren, oder eine Übung zum Entspannen, sondern eine Art der Kunst.

Es ist ein Bewusstseinszustand und eine Art zu leben. In der kommenden Schule mit Shai Tubali wirst du lernen können deine meditativen Fähigkeiten von Grund auf aufzubauen, durch alle sieben Ebenen des Seins, auf tiefe und bereichernde Weise. Du kannst vor Ort in Berlin teilnehmen oder online, vom November 2019 – Juni 2020. Melde dich hier zur Schule der Meditation an: http://shaitubali.com/de/schule-der-meditation/

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