In 21 Lektionen mit Shai Tubali wirst du die Möglichkeit haben zu lernen, deine meditative Präsenz von Grund auf zu entwickeln.

Lektion 2: Was ist die Denkmaschine?

Wir gehen tiefer in den ersten Zyklus von sieben Artikeln ein, der ganz dem Verständnis des Geistes gewidmet ist. In der Einleitung präsentierte ich eine Schlüssel-Erkenntnis über die innere Freiheit. Nämlich den Geist auszulagern, anstatt ihn zu verinnerlichen. Gehen wir nun einen weiteren Schritt und konzentrieren uns auf das, was ich die „Denkmaschine“ nenne, um es ein für alle Mal zu verstehen.

Es geht nicht darum, den Verstand zu verlieren

Manchmal propagieren Menschen die Idee, dass es besser wäre, sie „loszuwerden“, weil unser Geist so viel Kampf erzeugt. Sie sagen: Verliere einfach deinen „Kopf“ und beseitige so all die Probleme. In gewisser Weise ist dieser Ansatz verständlich. Es ist genau wie bei schrecklichen Kopfschmerzen, wo man sich wünscht einfach überhaupt keinen Kopf mehr zu haben, denn ohne Kopf, keine Kopfschmerzen. Ebenso kannst du ohne Verstand nicht mehr das Problem des Denkens haben. Das ist jedoch so, als würde man das Kind mit dem Badewasser ausschütten. Du solltest den Verstand jedoch nicht verlieren und das wirst du auch nicht. Vielmehr ist es unmöglich, den Verstand zu verlieren, selbst wenn man es wirklich wollte.

Um zu verstehen warum, ist es wichtig, zwischen zwei Teilen unseres Geistes zu unterscheiden: dem, den du loswerden solltest und dem, den du bewahren solltest. Der Teil deines Geistes, den du bewahren solltest, enthält mindestens zwei Aspekte. Dazu gehört zunächst das Element des kreativen Denkens – das Denken, das dir hilft, neue Ideen, Visionen und Lösungen zu entwickeln. Zum Beispiel schaffe ich es, mit meinem kreativen Denken diesen Artikel zu schreiben. Zweitens beinhaltet es dein intelligentes Denken: das Denken, das dir hilft, die Realität konstruktiv zu interpretieren und zu verstehen. Über ein funktionierendes Urteilsvermögen zu verfügen und die Realität von der Illusion zu unterscheiden sowie höhere Realitäten und Erkenntnisse zu begreifen. Es gibt auch den dritten Aspekt, das Schweigen. Ein Aspekt, den wir im dritten und letzten Zyklus dieser Serie weiter untersuchen werden. Diese Elemente des Geistes dürfen nicht verschwinden. Denn diese Elemente brauchst du wirklich und solltest sie auch so weit wie möglich kultivieren. Ohne sie wirst du völlig verwirrt, verzerrt, desorientiert und hast nicht die richtigen Werkzeuge, um die Komplexität deines Lebens zu bewältigen. Der einzige Teil, der verschwinden oder zumindest unschädlich gemacht werden sollte, ist das, was ich die „Denkmaschine“ nenne. Die Denkmaschine ist eigentlich ein winzig kleiner Teil des Geistes, doch wenn sie sich für uns wie der Hauptteil anfühlt, kann sie eine Menge Ärger verursachen.

Lernen Sie die Denkmaschine kennen

Die Denkmaschine braucht hier nicht weiter vorgestellt zu werden. Wir alle kennen sie bestens: Es ist dieses unnötige, nicht hilfreiche, sich wiederholende und völlig unintelligente Denken. Die Art von Denken, die einen ins Leere führt. Doch eigentlich ist es noch schlimmer als das. Mehr als nur sinnloses Denken, schadet uns die Denkmaschine regelrecht. Diese Art von sinnlosem Denken hält dich fern von der Schönheit des Lebens, deiner wahren Gegenwart, dem Hier und Jetzt, dem Zustand der Wachsamkeit und Achtsamkeit und der Fähigkeit, das Leben zu schätzen und dafür verfügbar zu sein. Nichtsdestotrotz scheint die Denkmaschine aber auch etwas Gutes zu haben: sie leistet dir Gesellschaft. Sie gibt vor, dein bester Freund zu sein. Sie spricht den ganzen Tag mit dir und du reagierst darauf, genau wie auf gute Freunde. Und so wird es mit ihr nie langweilig.

Mit ihrer Hilfe kannst du über deine Vergangenheit und Zukunft nachdenken. Ihr habt so viel zu beachten: welche Sorgen oder Ängste ihr habt, was euch mit Hoffnung erfüllt und wofür ihr betet. Du kannst dich auch daran erinnern, was dir jemand mal gesagt hat, und dich fragen, warum er dir das gesagt hat und was du hättest antworten können, und was du ihm vielleicht sagen würdest, wenn du denjenigen triffst… Doch diese Denkmaschine ist absolut nicht nötig. Wenn du die guten Teile deines Geistes brauchst – das intelligente und das kreative Denken – kannst du sie nach Belieben aktivieren. Was du auf der anderen Seite nicht brauchst, ist ein endloser Strom des Denkens, der am Ende des Tages absolut nichts bedeutet. Wir können daher sagen, dass die Denkmaschine der schlechte Geist und die falsche Art von Freund ist. Damit bist du nie wirklich hier. Als wärst du wie ein ständiger Tagträumer. Die Sache ist ja die, dass man diesen schlechten Teil des Geistes nicht anhalten kann. Was auch immer du tust, jede Art von Intervention wird die Sache nur komplizierter machen.

Die Menschen versuchen immer, ihren Verstand zu stoppen. Manchmal und für eine sehr kurze Zeit, schaffen sie es tatsächlich. Aber sehr bald wird er wieder aktiv werden. Das liegt daran, dass die Denkmaschine von Natur aus nie anhält. Die gute Nachricht ist, dass die Denkmaschine für dich nicht stehen bleiben muss. Denke an die vorangegangene Schlüssel-Einsicht: Die Denkmaschine gehört eigentlich gar nicht zu dir, also brauchst du sie auch nicht zu stoppen. Du musst sie nicht einmal zum Schweigen bringen. Alles, was es braucht, ist, sie auf tiefe Weise zu verstehen und damit frei von ihr zu sein. Betrachte die Denkmaschine einfach wie jede andere Art von Maschine. Lerne die Teile kennen, aus denen sie besteht und erkenne, warum sie so funktioniert, wie sie funktioniert.

Die Denkmaschine ist ein Teil des Geistes, der außer Kontrolle geraten ist. Es ist einfach eine Fehlfunktion im Kopf, wie ein Gerät, das mit guten Absichten und gutem Zweck begann, aber langsam überaktiv geworden ist und Dinge tut, um die es überhaupt nicht gebeten wurde.

Der Motor, der die Denkmaschine antreibt

Was versucht die Denkmaschine für dich zu tun, was wirklich nicht gebraucht wird? Wenn du einen Blick darauf wirfst, was sie den ganzen Tag über macht, wirst du es schnell selbst sehen. Die Denkmaschine weist dich immer wieder auf Probleme, Schwierigkeiten und Dinge hin, die in deinem Leben fehlen und falsch sind. In diesem Sinne ist sie wirklich eher wie eine Art schlechter Freund, der dir immer wieder ins Ohr flüstert, was hätte getan werden können und was du tun kannst, um die Dinge glücklicher, besser und kontrollierbarer zu machen. Aber warum genau tut sie das? Der Grund ist einfach: Die Denkmaschine begann in den sehr primitiven Regionen des Gehirns. Als vor vielen Generationen unser primitives Denken zu funktionieren begann, war ihre Rolle klar. Dein Gehirn fungierte als Beschützer des Organismus, als Beschützer deines Körpers und Geistes. Es stellte beständig sicher, dass alles unter Kontrolle war, dass alles sicher war und dass es keine Gefahr gab. Keine Raubtiere und keine Feinde. Es fing an, sich all diese Orte, Menschen, Tiere und Situationen zu merken und speicherte alle Erinnerungen an mögliche Gefahren ab, damit es dich bei Bedarf warnen konnte. Es wurden alle richtigen Schachzüge im Voraus berechnet und alle Möglichkeiten geprüft, die falschen Züge zu vermeiden.

Das alles hat es getan, um dein Überleben sicher zu stellen. Im Grunde genommen begann also alles mit wirklich guten Absichten: Das Gehirn versucht nur, dich vor den falschen Entscheidungen zu bewahren. Was ist also das Problem, wenn es doch so tolle Absichten hat? Das Problem ist, dass es dich jetzt permanent und ohne guten Grund warnt. Es ist in einer Schleife verfangen, einer schlechten Gewohnheit, und weil es dich ständig warnt, erzeugt das in dir einen Unterstrom existentieller Spannung. Wenn du tief in die Quelle all deines Denkens schaust, wirst du stets das Gefühl bekommen, dass etwas nicht stimmt. Es ist, als gäbe es immer einen Grund zur Sorge, auch wenn gerade nichts wirklich passiert. Und glaube mir, in den allermeisten Fällen passiert auch tatsächlich nichts. Denke nur an all die Momente, in denen du dir ohne guten Grund Sorgen gemacht hast und wieviel Energie du hättest sparen können! Intellektuell wissen wir alle, dass es heutzutage nur noch sehr wenige echte Gefahren gibt.

Deshalb sind 99,99 Prozent deiner Gedanken völlig unnötig und wenig hilfreich. Die Denkmaschine wird durch Instinkt und einen sehr primitiven Antrieb gespeist. Anfangs gut, macht es dich jetzt nur noch verrückt. Ihre ursprüngliche Programmierung war es, Signale von Gefahr zu senden, wenn es echte Probleme gab. Doch jetzt triggert sie nur das Gefühl, dass es immer ein Problem gäbe, auch wenn man nicht einmal an eines denken kann. Deshalb können wir dies auch als „Problem-Bewusstsein“ bezeichnen.

Ändere die Signale deines Gehirns

So wie die Denkmaschine fälschlicherweise signalisiert, dass es ein Problem gibt, kannst du auch ein Signal an dein Gehirn zurücksenden, um es zu beruhigen. Dein Gehirn sendet dir ständig Signale und sagt dir, dass es immer etwas gibt, um das du dich sorgen musst, immer etwas fehlt und es immer etwas gibt, das repariert werden muss. Es zeigt dir immer wieder nur Unvollkommenheiten. Jetzt musst du ein Signal an dein Gehirn zurücksenden. Dies kann mit geschlossenen Augen oder sogar mit offenen Augen geschehen. Es kann auch während des Eintritts in die Meditation getan werden, sobald die Denkmaschine beginnt, deinen Geist davon abzulenken, in die Praxis einzutauchen. Schicke einen Befehl an das Gehirn und sage ihm Folgendes: „Alles ist in Ordnung. Ich bin vollkommen sicher. Es besteht keine Gefahr. Du kannst dich entspannen.“ Tue es selbstbewusst und beobachte, was passiert. Stelle dir das Gehirn und die Denkmaschine, die aus ihm hervorgeht, als einen Diener vor, der ständig versucht, seinem Herrn zu helfen. Er fühlt, dass er dafür verantwortlich ist, dich zu beschützen, doch er bemüht sich so sehr, dass er dir letztendlich und unweigerlich nur noch einen schlechten Dienst erweist.

Deshalb musst du zu diesem Diener ansprechen und ihm sagen: „Du brauchst dich nicht so sehr bemühen. Mein Zustand ist eigentlich alles andere als gefährlich. Ich brauche nicht wie auf Eierschalen zu laufen, um mich vor Gefahren zu schützen.“ Diesen Teil zu bezweifeln, der dir immer wieder sagt, dass es ein Problem gibt, ist ein großer Schritt in Richtung des stillen Geistes. Diese Probleme sind nur eine Fata Morgana. Sie scheinen spezifisch und nuanciert zu sein, als wären sie ganz bestimmte relevante Probleme, um die du dich wirklich sorgen müsstest. Aber jetzt, da du verstehst, warum die Denkmaschine so funktioniert, kannst du erkennen, dass sie unter und hinter ihren ständigen Alarmsignalen keine echten Probleme vorzuweisen hat, sondern lediglich Situationen, die leicht zu bewältigen sind und auf die du mühelos zu reagieren vermagst.

Hier geht es zur englischen Version.

Dies ist die zweite von 21 Lektionen, die wir wöchentlich hier veröffentlichen. Sie dienen dazu, den Verstand still werden zu lassen. Du kannst auch zertifizierter Meditationlehrer werden. Infos unter http://shaitubali.com/de/schule-der-meditation/

Author: Oliver Bartsch

Über den Autor

Avatar of Shai Tubali

Seit dem Jahr 2000 ist er internationaler Referent, Autor und spiritueller Lehrer. Von vielen er als einer der führenden Experten und Innovatoren Europas auf dem Gebiet der Chakren und des feinstofflichen Energiekörpers angesehen. Derzeit mit Sitz in Berlin, bereist er Europa ausgiebig und leitet Seminare und Retreats in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Kroatien, Spanien und Griechenland. Früher Leiter des Berliner Zentrums ‚Ganzheitlich Chiro-Yoga‘, hat er nun das neue internationale ‚Human Greatness Center‘ gegründet: als Modell einer ganzheitlichen Lebensweise im Lichte der Chakren, das auch die vielen von ihm entwickelten therapeutischen und meditativen Methoden vorstellt. Sein Traum ist es, dieses Wissen über das integrale Leben in alternative Modelle des Schulsystems umzusetzen.

Als vielbeschäftigter Autor seit 1996 hat Shai 23 Bücher in Englisch, Deutsch und Hebräisch veröffentlicht, die nicht nur hoch originelle spirituelle Sachbücher beinhalten, sondern ebenso Prosa, Poesie und bald auch akademische Forschung. Mehrere seiner Bücher erschienen in noch weiteren Sprachen, darunter Chinesisch, Taiwanesisch und Koreanisch. Einige wurden zu Bestsellern und zwei wurden bereits bei Buchwettbewerben ausgezeichnet.

Gleichzeitig ist Shai als begeisterter Doktorand an der University of Leeds in Großbritannien gerade dabei, sich im Rahmen seiner Doktorarbeit mit dem Gebiet der Philosophie der Mystik zu beschäftigen. 2018 experimentierte er auch mit Filmproduktion, also dem Schreiben und Regie führen des Kurzfilms ‚After the Future‘, der auf Dutzenden von Festivals gezeigt wurde, vier Preise gewann und nun von einem US-Verleiher vertreten wird.

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Die Schule der Meditation mit Shai Tubali ist ein acht-monatiger Kurs, der als Reise zu tiefer Selbsttransformation belegt werden kann oder als Zertifizierungsprogramm. Er basiert auf dem Verständnis, dass wahre Meditation keine Technik ist, die wir praktizieren, oder eine Übung zum Entspannen, sondern eine Art der Kunst.

Es ist ein Bewusstseinszustand und eine Art zu leben. In der kommenden Schule mit Shai Tubali wirst du lernen können deine meditativen Fähigkeiten von Grund auf aufzubauen, durch alle sieben Ebenen des Seins, auf tiefe und bereichernde Weise. Du kannst vor Ort in Berlin teilnehmen oder online, vom November 2019 – Juni 2020. Melde dich hier zur Schule der Meditation an: http://shaitubali.com/de/schule-der-meditation/

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