Nadja (Name geändert) hat ihren Sohn Jonas bereits mit elf Monaten gegen Masern impfen lassen. Dass er daraufhin mit heftigen Impfmasern und Diabetes reagiert hat, hat ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt. Im persönlichen Gespräch mit Simone Forster gibt sie Einblicke in ihr Leben nach der Impfung und plädiert trotz Impfrisiken für eine offene Impfkultur.

SEIN: Warum hast du deinen Sohn bereits so früh gegen Masern impfen lassen?

Nadja: Jonas‘ Schwester ging zu dem Zeitpunkt in den Kindergarten und ich wollte ihn vor den Kinderkrankheiten schützen, die sie eventuell mit nach Hause bringen würde. Und es gab 2013 einen Masernausbruch in Berlin. Wobei Ausbruch ein bisschen übertrieben ist, zumal ja weit über 90 Prozent der Kinder durchgeimpft sind. Blöd war nur, dass meine Kinderärztin kurz nach unserem Impftermin in den Urlaub gefahren ist, dabei hätten wir sie echt gebraucht. Denn ein paar Tage später sah Jonas aus wie ein Streuselkuchen. Er hat extrem auf die Impfung reagiert und ganz heftige Impfmasern bekommen.

SEIN: Was habt ihr dann gemacht?

Nadja: Wir waren bei der Vertretungsärztin, die Jonas‘ Ausschlag ziemlich spannend fand, weil man das in der Praxis so selten sähe, dass ein Kind so ausgeprägt die Masern kriegt. Sie hat uns geraten, erstmal abzuwarten. Drei Tage später waren wir wieder beim Arzt. Diesmal in der kinderärztlichen Sprechstunde der nahegelegenen Klinik. Meinem Sohn ging es nicht gut.

SEIN: Woran hast du gemerkt, dass etwas nicht stimmt?

Nadja: Er war zuvor ein Schreikind und hat bloß sehr wenig getrunken. Plötzlich trank er ohne Ende und hörte auf zu schreien. Er war auf einmal regelrecht apathisch. Und er hatte eine schlimme offene Entzündung im Windelbereich. Im Nachhinein wissen wir, dass es ein Pilz war, der durch den erhöhten Zucker im Blut entstanden ist. Aber die diensthabende Ärztin meinte, ich solle ihm Ibuprofen geben, weil er vielleicht Schmerzen habe. Also sind wir wieder nach Hause und warteten ab, ohne ihm Ibuprofen zu geben. Es ging rapide bergab. Ich war total in Sorge. Am Anfang habe ich es gar nicht auf die Impfung geschoben. Ich habe bloß gemerkt, mein Kind wird krank. Richtig krank. Ich habe mich zwar gefreut, dass er anfing zu trinken, aber er wurde auch immer lustloser und hat so komisch geatmet. In der dritten Woche bin ich mit Jonas wieder in die Kliniksprechstunde, aber die Ärztin hat mich völlig niedergemacht, warum ich zu ihr komme.

SEIN: Inwiefern? Jonas war doch krank…

Nadja: Sie meinte zu mir: „Immer diese überbesorgten Mütter, diese Helikoptereltern. Sie machen den Warteraum voll. Das Kind kriegt eine Erkältung. Wenn Ihr Sohn komisch atmet, bekommt er einen Kruppanfall.“ Also hat sie mir vier Krupp-Zäpfchen Cortison gegeben. Cortison hebt den Blutzucker und er hatte ja schon einen hohen Blutzuckerspiegel. Das wussten wir zu dem Zeitpunkt bloß nicht. Hätte ich ihm die Zäpfchen in der Nacht gegeben, wäre er eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht… Zum Glück entscheide ich viele Sachen für meine Kinder aus dem Bauch heraus. Und ich gebe doch nicht auf Verdacht ein hochkonzentriertes Medikament ohne gesicherte Diagnose.

SEIN: Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn… Ärzte sind auch bloß Menschen, die manchmal Fehler machen. Aber das ist schon sehr heftig. Wann wurde schließlich die richtige Diagnose gestellt?

Nadja: Als meine Ärztin aus dem Urlaub wieder da war, bin ich gleich hin. Sie ist nur einmal um meinen Sohn herumgelaufen und hat gleich gesagt: „Wir messen den Blutzucker, das riecht man durch den ganzen Flur.“ Sie meinte damit das Aceton, das er gebildet hatte, eine Art Buttersäure im Blut, weswegen Jonas auch so komisch geatmet und so viel gepullert hat. Der Körper hat versucht, die Giftstoffe auszuscheiden. Dann hat sie uns sofort in die Notaufnahme ins Krankenhaus geschickt.

Impfrisiken

SEIN: Wurde in der Klinik bestätigt, dass die Masernimpfung die Ursache für Diabetes ist?

Nadja: Im Klinikbericht haben sich die Ärzte nicht positioniert. Aber es ist dokumentiert, dass mein Sohn drei Wochen zuvor die MMR-Impfung bekommen hat, daraufhin diese ganzen Reaktionen erfolgt sind und schließlich der Diabetes ausgelöst wurde. Der Klinikarzt meinte, dass das eingeimpfte Virus auf jeden Fall ein Beschleuniger gewesen sei, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Jetzt weiß ich nicht, ob mein Sohn Diabetes erst wesentlich später oder gar nicht bekommen hätte, wenn ich ihn nicht geimpft oder die Impfung verschoben hätte. Oder ob es schon begonnen und die Impfung das Ganze lediglich beschleunigt hat. Ich denke, man kann es einfach nicht wissen. Da steckst du nicht drin. Was ich aber weiß, ist, dass Diabetes eine Autoimmunkrankheit ist, die durch Viren verschiedenster Art ausgelöst werden kann. Das hätte auch ein Schnupfen sein können oder sonst was. Bei uns war es eben das Impfrisiko. Das Immunsystem meines Sohnes hat durch das Virus, das ich ihm habe einimpfen lassen, überreagiert. Auf einmal wurde nicht nur das Virus zerstört, sondern auch die Bauchspeicheldrüse und seine Beta-Zellen angegriffen.

SEIN: Wie könnte man so etwas verhindern? Indem man sein Kind vor der Impfung routinemäßig auf Blutzucker testet?

Nadja: Ich weiß nicht, ob das Sinn macht. Zu Diabetes und Impfen gibt es zwar Studien, aber es heißt, dass die Zusammenhänge nicht relevant sind, und es steht weiterhin einfach bloß dieser Verdacht im Raum. Ich habe meinen Frieden mit der Impfun, dem Impfrisiko und Jonas‘ Diabetes gemacht, weil ich in meiner Diabetes-Facebookgruppe nachgefragt habe, welche Kinder Diabetes haben und ob sie geimpft sind. Aber da sind auch viele dabei, die komplett ungeimpft sind. Da sind sogar mehr ungeimpfte Kinder an Diabetes erkrankt als Kinder, die geimpft sind. Trotzdem sollten Eltern wissen, dass es so etwas gibt.

SEIN: Bist du auf eventuelle Nebenwirkungen hingewiesen worden?

Nadja: Ich schätze meine Ärztin sehr, aber sie meinte bloß: „Ihr Kind kann Fieber kriegen und es kann an der Einstichstelle weh tun und rot werden.“ Die Nebenwirkungen sind ja auch sehr selten. Wir hatten einfach Pech. Zu den Beipackzetteln hat man ja erstmal keinen Zugang und sicherlich wird dort nicht „Diabetes“ draufstehen.

SEIN: Wenn du beim nächsten Kind die Wahl hättest, würdest du wieder impfen?

Nadja: Es gibt schon ein paar fiese Krankheiten. Sie sind echt selten, aber wenn du Pech hast, bist du derjenige… Um diese erschreckenden Krankheitsverläufe wie die SSPE* bei Masern oder Tetanus von meinen Kindern abzuwenden, würde ich dagegen impfen. Da sehe ich für mich schon den Nutzen. Man muss das ein bisschen abwägen. Ich würde die Masern-Impfung, die es ja nur in Kombination mit Mumps und Röteln gibt, aber nur einmal machen und dann mit einer Blutuntersuchung den Titer** bestimmen lassen. Bei meinen Kindern war es so, dass beide bereits bei der ersten Impfung genug Antikörper gebildet haben. Bei Jonas sowieso, da er ja die Impfmasern bekommen hat… Und wozu soll ich noch mal irgendwelche Viren und Zusatzstoffe in mein Kind spritzen lassen, wenn es schon geschützt und der Titer schon hoch genug ist. Die zweite MMRImpfung ist ja auch keine Auffrischungsimpfung. Es geht darum, die letzten fünf Prozent zu kriegen, bei denen die erste Impfung nicht ausreichend gewirkt hat. Es gibt Menschen, da kannst du dich tot impfen, die bilden die Antikörper nicht. Das hat mir auch meine Ärztin bestätigt.

SEIN: Du haderst trotz allem nicht mit dem Impfen an sich und stehst zu deinen Entscheidungen. Was würdest du Eltern raten?

Nadja: Das muss jeder für sich entscheiden. Wichtig finde ich, dass man sich informiert und dass nicht nur auf die Risiken beim Nicht-Impfen, sondern auch auf die Impfrisiken eingegangen wird. Und ich finde, dass die eigene Entscheidung respektiert werden muss. Klar, wenn man sich informiert, wird man kritischer und vielleicht auch unbequemer. Es kommt eine gewisse Skepsis dazu. Und wenn zu viele zweifeln, klappt es am Ende mit der Herdenimmunität nicht mehr. Trotzdem muss es möglich sein, dass man alle Seiten sieht und akzeptiert. Die meisten sind ja fürs Impfen. Ich persönlich würde aber beim nächsten Kind erst deutlich später mit dem Impfen anfangen, damit auch wirklich gewährleistet ist, dass das Immunsystem stabil ist. Und ich würde langsam anfangen und deutlich weniger impfen. Ich frage mich allerdings schon, warum so viel und so früh geimpft wird. Ich glaube, es werden 35 Impfdosen in den ersten beiden Lebensjahren empfohlen… Klar bekommt man eine Impfung viel besser in ein kleines Kind rein als in ein Kind mit sieben Jahren. Das Baby hältst du fest. Es schreit und kann sich nicht wehren.

SEIN: Hättest du nicht Angst davor, dass dein ungeimpftes Kind krank wird?

Nadja: Ein bisschen Angst hat man immer – vor den Krankheiten, aber auch vor den Impfungen. Um das Immunsystem zu stärken, könnte man zum Beispiel auch zwei Jahre stillen. Aber das wird in unserer Gesellschaft nicht gerne gesehen. Und wieso sollte ich zum Beispiel Röteln im Kindesalter impfen? Wenn die Kinder in die Pubertät kommen und Sex ein Thema wird, kann man doch immer noch impfen. Ich finde es generell gut, den Zeitpunkt selbst festzulegen und am besten auch deutlich später, als es derzeit empfohlen wird. Das wäre so mein Bauchgefühl. Wichtig finde ich auch eine offenere Kommunikation.

SEIN: Wie meinst du das?

Nadja: Wir hatten noch das Pech, dass unsere Tochter genau die Charge der Siebenfach-Impfung bekommen hat, bei der es eine Rückrufaktion wegen Verunreinigung gab. Ich habe meine Ärztin darauf angesprochen und sie sagte, dass es ihr leid tue, aber unsere Tochter habe ja glücklicherweise keine Nebenwirkungen gezeigt. Es war ein Impfstoff, der jetzt nicht mehr geimpft werden darf, der aber in meinem Kind schon drin war. Meine Ärztin sagte, ich sei die einzige Mutter, der das aufgefallen ist. Dass man darüber als Eltern nicht informiert wird, damit der Impfgedanke nicht kaputt geht, ist nicht schön. Das muss doch kommuniziert werden!

SEIN: Wie seid ihr emotional mit all dem umgegangen, was euch passiert ist?

Nadja: Ehrlich gesagt hatten wir gar keine Zeit dafür, so etwas wie Wut zu empfinden. Wir waren wie gelähmt und haben nichts weiter gemacht, als für Jonas da zu sein und zu versuchen, seine Blutzuckerwerte im Gleichgewicht zu halten. Natürlich hatten wir furchtbare Angst. Und im Nachhinein waren wir schon wütend auf die Ärztin, die uns die Krupp-Zäpfchen verschrieben hatte, und haben kurz daran gedacht, rechtliche Schritte einzuleiten. Aber meine beiden Kinder brauchten mich. Selbst heute noch stehe ich nachts drei bis vier Mal auf, um zu reagieren, wenn Jonas‘ Werte wieder viel zu hoch sind.

SEIN: Hättest du gewollt, dass Jonas‘ Fall als Impfschaden anerkannt wird?

Nadja: Wir hatten es überlegt. Aber ich hatte keine Kraft dafür. Denn wenn du ein Kind mit Diabetes hast, werden dir so viele Steine in den Weg gelegt. Ich bin ständig vor Gericht gewesen mit den Krankenkassen. Ich musste dafür kämpfen, dass Jonas einen Integrationsplatz im Kindegarten bekommt. Ich musste dafür kämpfen, dass er einen Integrationsplatz in der Schule bekommt. Und ich muss ihn zusätzlich ausstatten mit Telefon und diesem High-Tech-Sensor, um seinen Blutzucker Tag und Nacht überprüfen zu können. Seit sechs Jahren bemühe ich mich nun schon um eine angesehene Pflegestufe, um überhaupt ein bisschen was zurückzubekommen.

SEIN: Ihr könntet es jetzt nochmal angehen…

Nadja: Das stimmt. Die Frist ist noch nicht rum. Gerade seitdem die Masernimpfung gesetzliche Pflicht geworden ist, fände ich es schon wichtig, für etwas, was mir vom Staat auferlegt wird, was aber in unserem Fall unser Kind geschädigt hat, entschädigt zu werden. Aber am Ende möchten wir einfach bloß ein normales Leben führen…-

Masernimpfung: Das verlangt das Gesetz

Seit dem 1. März 2020 gilt das Masernschutzgesetz und die damit einhergehende Impfpflicht gegen Masern. Nicht geimpfte Kinder dürfen nicht mehr in die Tagespflege oder in Kitas gehen und Eltern von ungeimpften Schulkindern droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2.500 Euro. Dabei sind bis zum Schulbeginn 97,2 Prozent der Kinder ein Mal und 93,1 Prozent zwei Mal gegen Masern geimpft (Quelle: Robert Koch-Institut, Epid Bull 32/33 2020, S. 14). Für einen ausreichenden Masern-Herdenschutz wird jedoch eine zweimalige Durchimpfung von 95 Prozent gefordert. Es ist aber nicht auszuschließen, dass die nur einmal Geimpften bereits ausreichend Masern-Antikörper gebildet haben. Außerdem sind 2019 deutschlandweit dem Robert Koch-Institut bloß 514 Masernfälle gemeldet worden.

Herdenschutz: Eine harmonische Balance zwischen Impfrisiken und Impfschutz

Nadjas Beispiel soll keine unnötigen Ängste schüren. Impfstoffe zählen zu den am intensivsten getesteten Arzneimitteln, sind aber eben nicht zu hundert Prozent sicher. Das Leben ist und bleibt unkontrollierbar und ist nicht für jeden und zu jeder Zeit immer frei von Krankheit – egal ob mit oder ohne Impfungen. Niemand weiß im Voraus, ob das eigene Kind eine der hierzulande seltenen Krankheiten mit schwerem Verlauf bekommt, wenn es nicht geimpft wird, oder andersherum eine der sehr seltenen schweren Nebenwirkungen, wenn es geimpft wird. Wissen sollte man aber, dass auch die „Impfmedaille“ zwei Seiten hat. Dem Impfgedanken zuliebe nicht alle Karten auf den Tisch zu legen, wäre verkehrt. Jede einzelne unerwünschte Nebenwirkung muss aus Respekt vor den betroffenen Kindern gesehen werden. Ebenfalls nicht unter den Tisch fallen sollte die Tatsache, dass das Impfen aufgrund des Herdenschutzes eine gesamtgesellschaftliche, kollektive Seite hat. Vermutlich wird die Diskussion um das Impfen gerade deshalb so aggressiv und höchst emotional geführt. Ein Beitrag wie der von Nadja kann hier wertvolle Denkanstöße für eine offenere und friedlichere Impfkultur liefern, die Impfrisiken und Impfnutzen abwägt.

*Die subakute sklerosierende Panenzephalitis, kurz SSPE, ist eine entzündliche, neurodegenerative Erkrankung des Gehirns mi progredienter Symptomatik, die durch ein Slow-Virus-Infektion hervorgerufen wird. E handelt sich um eine stets letal verlaufend Folgeerkrankung einer Masern-Infektion (aus: https://flexikon.doccheck.com/de).

**Titer sind Maßangaben für Verdünnungen von Antikörpern oder Antigenen, die gerade noch eine positive Antigen-Antikörper-Reaktion ergeben (aus: https://flexikon.doccheck.com/de).

Weitere Infos zum Thema: www.rki.de (Robert Koch-Institut) www.pei.de (Paul-Ehrlich-Institut) http://52625146fm.pei.de/fmi/webd/#UAWDB (Datenbank mit Verdachtsfällen von Impfkomplikationen und Nebenwirkungen, die dem Paul-EhrlichInstitut seit dem 01.01.2000 gemeldet wurden) www.impf-info.de (Dr. med. Steffen Rabe, Arzt für Kinderheilkunde un Jugendmedizin) www.individuelle-impfentscheidung.de (Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.)

Author: Redaktion

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