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Viele Menschen würden gern wenigstens ein kleines bisschen jünger sein. Meist stören ein paar Falten … naja – und das Gewebe in den „Problemzonen“ sieht auch nicht mehr ganz frisch aus. Tja, irgendwie fühlt man, dass man einfach nicht mehr „der Jüngste“ ist. Aber da kann man halt nix machen – oder?

von Illian Sagenschneider

Alles fing mit einem Topf übergelaufener Milch an. Mit dieser klebrigen braunen Masse, die so sehr am Topf klebt, wenn die Milch anbrennt. Genau diese Substanz hat ein französischer Biochemiker einmal sehr detailliert untersucht. Und fand heraus, dass dabei Zucker und Eiweiße miteinander verkleben und nicht mehr abbaubare, langkettige Verbindungen eingehen. Ihm zu Ehren wurden diese dann Maillard-Moleküle genannt. Dieses Experiment fand 1912 statt, und seit vielen Jahrzehnten weiß man, dass sich diese Maillard-Moleküle auch in unserem Körper bilden können. Und sie haben einen entscheidenden Einfluss auf das Altern unseres Körpers – obwohl das die meisten Menschen gar nicht wissen.

In der neueren Wissenschaft nennt man diese Verbindungen mittlerweile „Advanced Glycation Endproducts“ (A.G.E ). Was so kompliziert klingt, bedeutet nichts anderes als „fortgeschrittenes Verzuckerungs-Endprodukt“. Diese Bezeichnung besagt ganz einfach, dass ein Zucker („Glycation“) beteiligt ist und dass schließlich ein Endprodukt entsteht. „Endprodukt“ heißt, dass hier ein Stoff entstanden ist, der „zu Ende reagiert hat“, der also von unserem Körper nicht mehr weiterverwendet werden kann. Salopp gesagt entsteht hier Müll für die Tonne.

Jetzt bleibt es aber nicht bei dem simplen Endprodukt, sondern durch weitere Reaktionen können daraus fortgeschrittene („Advanced“) Endprodukte entstehen, die von unserem Körper nicht mehr problemlos, sondern nur sehr aufwendig entsorgt werden können. Nun fragen Sie sich vielleicht: Was hat das mit mir zu tun? Wer trinkt schon verbrannte Milch…? Aber leider ist es nicht so einfach. Denn diese Verzuckerungsreaktionen finden auch an sehr vielen anderen Stellen statt, wenn wir unser Essen zubereiten: beim Frittieren von Pommes Frites, bei der Chipsherstellung, beim Grillen von Fleisch, beim Backen von Keksen – überall, wo Zucker und Eiweiße unter Hitze zusammen verarbeitet werden, entstehen A.G.E. Besonders Temperaturen über 120°C beschleunigen diesen Prozess stark. Dummerweise schmecken gerade diese Röststoffe nicht selten recht gut, weshalb sie von der Industrie bewusst als Aroma oder Farbstoff hinzugefügt werden.

Sand im Getriebe

Aber A.G.E. landen nicht nur über unser (zu stark verarbeitetes) Essen in unserem Körper. A.G.E. können sich auch innerlich, also in unserem Körper bilden. Dabei spielt ein sehr hoher Zuckerkonsum eine große Rolle. Essen wir deutlich mehr Kohlenhydrate, als der Körper braucht, kann der überschüssige Zucker in der Blutbahn und im Gewebe mit unserem Körpereiweiß reagieren. Und dabei entstehen eben dann auch diese Verzuckerungsendprodukte.

Und natürlich macht es sich irgendwann bemerkbar, wenn unsere Körpereiweiße „verzuckert“ werden: Sie werden in ihrer Funktion eingeschränkt und bilden diese quervernetzten, sperrigen, eben fortgeschrittenen Endprodukte, die sich leicht in den Blutgefäßen ablagern und so mit zur Arteriosklerose beitragen. Es entsteht quasi vermehrt „Sand im Getriebe“… A.G.E. binden sich auch an Kollagenproteine, das Gewebe wird härter und unflexibler. Dieses Härter-Werden kann man übrigens sehr gut bei jedem Toastbrot beobachten: vorher weich und flexibel – danach hart und brüchig. Daher bezeichne ich Toaster auch gerne als „A.G.E.-Maschinen“. Dieser Toastbrot-Effekt beschleunigt dann eben auch die Faltenbildung und die Verkalkung von Arterien. Eine ganze Reihe von Krankheiten werden mittlerweile stark mit den A.G.E. in Verbindung gebracht – von Störungen des Sehvermögens, Diabetes, Hautalterung und Gelenkschäden bis hin zur Alzheimer-Demenz.

Ablagerungen im Gewebe

Natürlich haben alte Menschen mehr A.G.E. im Bindegewebe eingelagert als junge Menschen. Das ist ein natürlicher Prozess. Dass sich die A.G.E.-Bildung im Körper im Alter verstärkt, ist normal und kann besonders gut an den Sehnen von Menschen beobachtet werden: Bei Kindern sind diese noch weiß, zur Lebensmitte hin werden sie langsam gelb und später im Alter braun (wie Ärzte bei Operationen sehen können). Genau wie bei der Bräunungsreaktion – wenn die Milch anbrennt. Daher wird diese langsam verlaufende A.G.E.-Bildung auch als „die chemische Uhr des Körpers“ bezeichnet.

Das Schöne dabei ist, dass wir genau diese Prozesse deutlich verlangsamen können! Viele Ärzte sagen mittlerweile, dass Dinge wie Demenz im Alter kein unabwendbarer Schicksalsschlag mehr sein müssen, sondern dass wir es selber in der Hand haben, ob unser Gehirn jung bleibt. Mit dem Essen. Mit jeder Mahlzeit. Wenn wir weniger Fabrikzucker zu uns nehmen, wenn wir das häufige Braten und Frittieren einschränken, wenn wir unser Gemüse öfter dünsten, mehr Rohkost essen und weniger Chipstüten und Kekse futtern, können wir nachweislich die A.G.E.-Menge in unserem Körper zurückschrauben. Fasziniert von diesem Thema habe ich mir vor einigen Jahren ein medizinisches A.G.E.-Messgerät gekauft. Innerhalb von 30 Sekunden kann ich nun – ähnlich wie beim Blutzucker – meine A.G.E.-Werte messen.

Es ist spannend zu sehen, was die eine oder andere Art von Essen für Auswirkungen auf diese Ablagerungen in meinem Gewebe hat. Ich sehe sofort bei einer der seltenen Ausnahmen, wenn ich auf Feiern zu Chipstüten und Keksen greife und diese Phase ein paar Tage länger andauert, wie meine A.G.E.-Werte steigen. Auf der anderen Seite helfen ein paar Tage mit mehr Rohkost und etwas Sport schnell, diese wieder abzubauen. Auch guter Schlaf ist dabei hilfreich. Zu viel Zucker und das Zubereiten des Essens bei hohen Temperaturen verschlechtern wiederum diese Werte. Es ist schön zu sehen, was für einen enormen Einfluss wir selbst auf unser eigenes Alter haben!

 

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