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In Stille essen: die ayurvedische Essensmeditation

Im Ayurveda weiß man: Wie wir essen, ist genauso wichtig, wie was wir essen. Selbst gesündeste Nahrungsmittel können, hektisch heruntergeschlungen, dem Körper schaden. Die indische Gesundheitslehre empfiehlt, in ruhiger Atmosphäre und möglichst schweigend zu essen. Wer sich entspannt, kommt zurück zu sich und kann sich ganz neu mit der Nahrung und seinem Körper verbinden.

Von Karolina Burbach

 

Gesunde Ernährung ist ein Trend geworden: Immer mehr Biomärkte ermöglichen ein riesiges Angebot an frischen, unbelasteten Nahrungsmitteln, exotischen Superfoods und immer neuen Produkten. Mit dem großen Angebot kommt die Verwirrung. Welches Essen ist das richtige für mich? Bin ich Veganer oder ernähre ich mich „paleo“, favorisiere ich gekochte ayurvedische Speisen oder stelle ich mich auf Rohkost um? Alle scheinen gute Argumente zu haben. Aber welcher Ernährungsphilosophie soll ich folgen?

Die Wahrheit ist, dass wir eigentlich längst wissen, was gut für uns ist. Jenseits aller Ernährungsschulen gibt es eine innere Stimme in uns, die genau weiß, was wir wann brauchen. Diese Stimme ist nur so leise, dass sie leicht übertönt wird von all dem Lärm um uns: dem Marktgeschrei der Werbung und den unzähligen Reizen, denen wir täglich ausgesetzt sind. Wir machen uns heute mehr denn je Gedanken über unsere Ernährung, haben aber verlernt zu spüren, was wir eigentlich brauchen.

Essensmeditationen im Zen & im Yoga

Um dies wieder zu erlernen, wird im Ayurveda, wie auch im Yoga und im Zen, Essen in Achtsamkeit empfohlen. Auch im Westen gewinnt diese Praxis an Beliebtheit. Der US-amerikanische Zen-Koch Edward Espe Brown lässt beispielsweise in seiner Potatoe-Chips-Meditation Teilnehmer hingebungsvoll so lange auf einem einzelnen Kartoffelchip kauen, bis dieser ihnen überhaupt nicht mehr schmeckt.

Kundalini-Yogis praktizieren die so genannte „Bhoj Kriya“. Kriya ist Sanskrit und bedeutet Handlung. Damit ist meist eine bestimmte Abfolge von Yoga-Übungen gemeint. Bhoj heißt Essen. Bhoj Kriya ist also die „Übung zu essen“. Jeder Bissen wird in Achtsamkeit und Dankbarkeit gewürdigt. Dadurch entsteht ein ganz neuer Kontakt zur Nahrung und zum Prozess der Nahrungsaufnahme. Essen wird so zu einer Meditation, zu einer bewussten Feier des Augenblicks.

Wer sich entspannt, verdaut besser

Der indische Ayurveda-Arzt Dr. Arun Sharma betont, dass ein entspannter Umgang mit dem Essen und mit sich selbst für die Gesundheit wichtiger als alles andere sei. Selbst das gesündeste Essen wird laut Ayurveda zu Ama (Unverdautem, „Gift“), wenn es in Hektik eingenommen wird.

Denn wenn wir unter Stress stehen, werden Hormone ausgeschüttet, die die Verdauungsprozesse verhindern. Evolutionär gesehen, war dies früher lebensnotwendig: Wenn wir uns vor dem Angriff eines Säbelzahntigers schützen mussten, mobilisierte der Körper auf einen Schlag sämtliche Energien, um sofort flüchten oder kämpfen zu können. Andere Prozesse im Körper wie Verdauung und Regeneration mussten warten, um zunächst das Überleben zu sichern. Heute sind wir aber durch immer mehr Anforderungen oft permanent im Kampf-oder-Flucht-Modus und schaden uns so.

Selbstliebe statt Selbstoptimierung

Im Grunde bedeutet „bewusst essen“ doch einfach, den Prozess des Essens bewusst zu erleben, in dem Moment, in dem er stattfindet. Bewusstseinstechniken wie Yoga und Meditation helfen uns, Stress abzubauen, achtsamer zu werden und die eigenen Bedürfnisse stärker wahrzunehmen.

Den meisten modernen Menschen ist es nicht möglich, jeden Bissen jeder Mahlzeit in voller Achtsamkeit zu zelebrieren. Aber das ist auch gar nicht notwendig. Es geht ja nicht um Selbstoptimierung, sondern einfach um eine liebevolle Geste uns selbst gegenüber. Wer mag, übt ganz entspannt immer mal wieder in dem Bewusstsein, sich damit etwas Gutes zu tun. Am schönsten ist das Essen in Stille in der Gruppe zusammen mit Gleichgesinnten, mit denen man sich hinterher austauschen und Erfahrungen teilen kann.

 


Kleine ayurvedische Essensmeditation für zu Hause

  • Setzen Sie sich bequem vor ein liebevoll frisch zubereitetes Essen und schließen Sie die Augen.
  • Atmen Sie nun ein-, zweimal tief ein und aus, um sich selbst in den Moment zu holen.
  • Betrachten Sie das Essen, nehmen Sie seine Farben, seine Konsistenz, seinen Duft wahr.
  • Führen Sie eine Gabel voll an die Lippen.
  • Kauen Sie so lange, bis das Essen zu einem süß schmeckenden Brei geworden ist.
  • Widerstehen Sie dem Impuls, es vorher herunterzuschlucken.
  • Nach dem Schlucken säubern Sie Ihren Mund mit der Zunge und nehmen erst dann den nächsten Happen.
  • Beobachten Sie während des gesamten Essens, welche Impulse und Reaktionen kommen.

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Über den Autor

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(Darshan Deep Kaur) ist Ayurvedaberaterin und unterrichtet Kundalini Yoga montag – abends in Berlin und mittwochabends in Potsdam. Im Oktober startet ihre Serie „Silent Dinner“, eine Essensmeditation, bei der während eines gemeinsamen Abendessens in der Gruppe die individuelle Beziehung zum Essen erforscht werden kann. Die Workshops finden am 12.10., 22.10. und in Kooperation mit dem Biomarkt Temma am 11.11. und 25.11. statt.

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