Krank, ängstlich, verunsichert – ob eine Ayurveda-Kur der richtige Weg ist? Aber so allein? Ohne Kenntnis vom Land? Wie hilfreich wäre da ein Mittler, ein vertrauter Mensch, der sich auskennt und alle sprachlichen und kulturellen Barrieren locker überwindet. Begleitservice Ayurveda-Kur: Genau diese ungewöhnliche Dienstleistung bietet der 62jährige Hari Mudaliar an: Seit Gründung seiner Agentur im Jahr 2012 hat er schon über 50 Menschen aus ganz Deutschland zu Ayurveda-Kuren in Indien begleitet und ihnen beigestanden. Aber vor allem kommt seine neue Arbeit seiner Geisteshaltung entgegen: dem Dienst am Mitmenschen. Mit SEIN- Mitarbeiterin Shermin Arif sprach er über seine Erfahrungen und Beweggründe.

Was macht ihre Dienste so einzigartig?

Vertrauen und Sprachkenntnisse, aber auch das Wissen um die Lebensweisen in Deutschland und Indien sind mein Vorteil. Ich bin allerdings auch rund um die Uhr für die Patient/innen in der Klinik verfügbar und versuche jegliche Stresssituation für meine Kunden abzufangen. Denn meiner Ansicht nach wirken Medikamente und Behandlungen – egal welcher Medizintradition – nicht, wenn der Klient sich unter Stress befindet.

Haben Sie selbst medizinische Kenntnisse?

Nein, nur meine Erfahrungen am eigenen Leib und sehr viele intensive Gespräche über ayurvedische Medizin mit den Chefärzten der Kliniken. Ich besuche jede der Kliniken persönlich, bevor ich sie in mein Angebot aufnehme, und erkläre meine einzigartige Arbeitsweise, die auch die Ayurveda-Ärzte sehr stark entlastet.

Wie ist die Beziehung zu den Patient/innen?

Der Kontakt ist sehr eng, weil es bei meinem Beruf vor allem um die von den Patient/innen dringend benötigte Geborgenheit und Harmonie geht – da kann ich keine Distanz halten. Ich muss allerdings gegenüber meinen Patient/innen meine Reaktionen etwas in Grenzen halten, da es sonst zu Missverständnissen kommen kann. Denn in Indien ist es gesellschaftlich notwendig, dass man emotional reagiert und seine menschliche Seite zeigt. Sonst läuft man Gefahr, für arrogant und stolz gehalten zu werden.

Ist die Nähe nicht auch sehr schwer? Was gibt Ihnen Halt?

Meine Lebenserfahrung und meine indische Erziehung! Hier ist Hingabe und Liebe gefragt, denn anders kann keiner so eine Dienstleistung erbringen. Ich fühle mich zu dieser Arbeit berufen und werde jedes Mal und jeden Tag aufs Neue geprüft. Das wissen die Patienten nicht, aber ich sehr wohl. Da ich von der deutschen Bevölkerung stets sehr liebevoll behandelt worden bin, wollte ich dies schon immer irgendwie zurückgeben. Diese Arbeit war die Gelegenheit hierzu, die ich ergriff.

Wie schotten Sie sich von Leid ab?

Ich mache Yoga, Meditation, spreche Mantren und übe während der Gespräche mit meinen Klient/innen Pranayam (Atemübungen) aus.

Wie lange ist man zur Ayurveda-Kur in Indien?

Das kommt auf den Grad der Beschwerde an: Nichterkrankte können auch eine 14-Tage-Kur absolvieren. Erkrankten empfehle ich mindestens 21 Tage Aufenthalt, bei schwerwiegenden Befunden 28 Tage.

Was kostet das im Schnitt?

In der Regel kommen auf die Klient/innen circa 2.000 Euro für die Kur und einen All-inklusive- Aufenthalt zu – zuzüglich Flug, Transfer und meinem Honorar. Das Honorar passe ich dem Budget des Klienten an, was auch gut so ist, da es sonst ein weiterer Stressfaktor wäre. Mir geht es um die Verbreitung von Ayurveda und um die gesundheitliche Besserung der Patient/ innen und tatsächlich nicht um Business!

Welche Krankheiten sind Ihnen hier begegnet?

Unter anderem Multiple Sklerose – bei mir selbst –, Parkinson, Gelenkschmerzen, Migräne, Knieschmerzen, Bandscheibenvorfall, Psoriasis, Parkinson, Demenz, Brustkrebs, Hämorrhoiden, Hauterkrankung, Hodenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Morbus Bechterew…

Ihr intensivstes Erlebnis während so einer Begleitung?

Gerade war ich mit einem 24jährigen mit Bechterew (versteifende Wirbelsäulenerkrankung) in Indien. Nach der Diagnose hatte er sich aufgegeben, war isoliert, hatte ein Jahr sein Zimmer nicht mehr verlassen und seine Lehrstelle verloren – er glaubte auch nicht an ein „Ayurveda-Wunder“. Nach 21 Tagen Therapie ist er nun fast völlig symptomfrei und nimmt wieder am Leben teil – was wir erstmal zusammen gefeiert haben. Das war ein unglaublich intensives Erlebnis, zu sehen, wie dieser junge Mann, der von sich nur noch als Krüppel dachte, wieder zum Leben erwachte.

Ein paar Worte direkt an unsere Leser/innen?

CHANGE! Sich den Alternativen gegenüber nicht verschließen, sondern öffnen, weil das Leben zu verdammt kurz ist, um es noch kürzer zu gestalten! Es liegt alles in greifbarer Nähe, um ein fantastisches und glückliches Leben zu führen!

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