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Stillen ist das Natürlichste von der Welt! Und doch – besonders beim ersten Kind – ist es oft alles andere als einfach. Das ganzheitliche Gesundheitssystem des aus dem Himalajagebiet stammenden Ayurveda, der ältesten Medizin der Menschheit, wartet mit einer ganzen Reihe von Empfehlungen auf, die der jungen Mutter und dem frisch gebackenen Erdenbürger auch hier und heute das Stillen erleichtern.

Von Dr. phil. Karin Pirc

 

Was macht das Stillen so wertvoll? Muttermilch – so weiß der Ayurveda – ist die einzige Nahrung, die pures, feinstoffliches Ojas ist. Ojas entsteht dann, wenn Nahrung bis in ihre allerkleinsten Bestandteile verdaut worden ist. Diese Substanz ist so fein, dass sie zwar noch Materie, aber fast schon Bewusstsein ist. Produziert ein Mensch genug Ojas – aus gesunder, gut verdauter Nahrung oder direkt aus dem Bewusstsein in tiefer Meditation, bekommt er eine besonders gute Ausstrahlung. Bei einem gut gestillten Säugling ist die Haut zart und schimmert, die Augen strahlen klar, die Gefühlslage ist ausgewogen, die Abwehrlage optimal, er ist vor Bakterien, Viren und Ähnlichem ideal geschützt.

Diesen Aspekt schätzt auch die moderne Medizin: Muttermilch enthält jede Menge Abwehrkörper der Mutter, die das Baby in der neuen Umgebung optimal schützen können. Aber im Ayurveda ist Stillen weit mehr – die Basis für ein rundum zufriedenes Baby mit guter Abwehrlage, gesundem Wachstum und innerem Lebensglück.

Stillen nach Ayurveda: nach Bedarf und Rhythmus

Der Ayurveda sieht eine gute Verdauungskraft bei Mutter und Stillbaby als überaus wichtig an. Je kleiner das Baby ist, desto häufiger sollte die junge Mutter stillen, was gleichzeitig auch die Milchbildung stimuliert. Legen Sie dazu den Säugling am besten im Wechsel an beide Brüste, damit sich die Brustwarzen zwischendurch erholen können. Sollte die Milchmenge nicht ausreichen, dann können Sie gerne auch bei jeder Stillmahlzeit das Baby auf beiden Seiten anlegen, um die Milchbildung stärker zu stimulieren. Trotzdem sollte selbst ein ganz junger Säugling zwischen den einzelnen Stillmahlzeiten eine Pause von mindestens zwei Stunden haben, damit er die Milch gut aufnehmen kann, das zarte Verdauungssystem nicht überlastet wird und erste Ablagerungen in den Zellgeweben vermieden werden. Versuchen Sie also nach und nach ganz sanft, die Abstände zu vergrößern.

Die junge Mutter wieder aufbauen

Durch Schwangerschaft und Entbindung nimmt das Vata-Dosha zu, diejenige Stoffwechselenergie, die unser Nervensystem und alle Transportvorgänge im Körper steuert, ebenso wie die Ausscheidungsfunktionen (auch die kraftvolle Austreibung des Säuglings unter der Geburt und den Milchfluss). Ein Zuviel an Vata kann eine Tendenz zu körperlicher Schwäche nach sich ziehen, unruhige Nerven, Stimmungsschwankungen, Sorgen, Schlafstörungen, Verstopfung und so weiter. Der Ayurveda sieht die Vata-Störung durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit als so ausgeprägt an, dass Ayurveda-Experten der jungen Mutter empfehlen, bis zu einem Jahr nach der Geburt das Vata auszugleichen.

  • Dazu werden viel frisch zubereitete warme Speisen und Getränke empfohlen. Je suppiger die Speisen sind, desto leichter ist es laut Ayurveda, daraus Muttermilch zu produzieren.
  • Ausgleichend ist auch ein sehr regelmäßiger Tagesrhythmus mit regelmäßigen Mahlzeiten. Auch wenn dies in den ersten Wochen des Stillens nicht ganz leicht ist, versuchen Sie es eben so gut wie möglich, ohne sich unter Druck zu setzen. Ideal ist, wenn auch der Vater die Mutter dabei unterstützen kann.
  • Für stillende Mütter wird eine Mittagsruhe empfohlen sowie – ganz besonders wichtig – frühes Zubettgehen, spätestens um 22:00 Uhr. Ruhepausen tagsüber, immer mal wieder Hinlegen und Ausruhen sind optimal. Nutzen Sie die Zeit, immer wenn das Baby schläft, und lassen Sie eher im Haushalt mal alle Fünfe gerade sein, Ihr Nervensystem und Ihre Regeneration sind jetzt wichtiger!

Das Wichtigste für guten Milchfluss: Entspannung

Entspannung gleicht das Vata-Dosha aus und lässt die Milch gut fließen. Umgekehrt ist Stress jeder Art ein regelrechter Milchkiller. Heute weiß man, dass das Milchbildungshormon Prolaktin die Bindung zwischen Mutter und Kind vertieft – also das Bonding verstärkt, von dem beide ihr Leben lang als Basis einer guten Mutter- Kind-Beziehung zehren können. Gleichzeitig ist Prolaktin aber auch ein Anti-Stress-Hormon, das jeder Mensch ständig bildet.

Je entspannter die Mutter ist, desto sicherer ist ein erfolgreiches Stillen. Der Ayurveda empfiehlt Mutter und Baby in den ersten sechs Wochen so viel Ruhe wie möglich zu halten, viel für sich zu sein, Stille um sich herum zu schaffen – einmal, um einen sanften Übergang für das Baby zu ermöglichen, aber auch, um der Mutter so viel Regeneration und Ruhe wie möglich zu gönnen. Nicht umsonst war früher auch in Deutschland das Wochenbett als Schutzraum üblich. Auch eine ayurvedische Ölmassage (Abhyanga) für die Mutter ist dabei hilfreich: Einmal täglich handwarmes Vata-Massageöl auf den ganzen Körper inklusive Kopfhaut auftragen, 10-20 Minuten einziehen lassen, dann erst warm abduschen. (Falls Sie sich bedecken wollen, am besten ein großes Badehandtuch um die Körpermitte befestigen.)

Eine wissenschaftliche Studie an 140 Müttern, die Transzendentale Meditation in Schwangerschaft und Stillzeit ausübten, förderte Erstaunliches zutage: Verglichen mit über 300 jungen Frauen, die diese einfache Entspannungstechnik nicht ausübten, hatten die meditierenden Mütter weniger Schwangerschaftsprobleme, leichtere und kürzere Geburten, die Apgar-Werte der 6 Ayurveda AYURVEDA-SPECIAL Kinder (ein Maß für den Gesundheitszustands des Babys direkt nach der Geburt) waren deutlich höher und – die meditierenden Mütter konnten häufiger und länger stillen. Eine andere Untersuchung ergab, dass der Blutspiegel des Milchbildungshormons Prolaktin sich im Anschluss an jede Ausübung der Transzendentalen Meditation deutlich erhöht.

 


Ayurvedische Still-Tipps:

Schutz vor wunden Brustwarzen
Waschen Sie kurz vor und nach dem Stillen Ihre Brustwarzen mit abgekochtem warmem Wasser und reiben Sie nach dem Stillen die Warzen mit Ghee (geklärtem Butterfett) ein, um Risse und Schrunden zu vermeiden.

Ayurvedischer Milchbildungsmix
50 g Mandeln mit ½ TL Kardamom und Zimt mahlen, mit 50 g Kokosnussraspeln vermischen und alles in ½ – 1 EL Ghee leicht anrösten.
Nach Geschmack Sharkara (ayur edischen Rohrzucker) hinzfügen.
Davon täglich 1-2 EL genießen.

Schutz vor Koliken beim Baby
Kochen Sie 1 l Wasser mit 1 TL Fenchelund 1 TL Bockshornkleesamen.
Auf den Tag verteilt trinken.
Vermeidet Blähungen der Mutter und damit auch beim Baby.
Fördert und stärkt zudem die Milchbildung.

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Über den Autor

Avatar of Dr. phil. Karin Pirc

• Approbation als Humanmedizinerin
• Ausbildung zur Lehrerin der Transzendentalen Meditation
• Diplom und Promotion in Psychologie

Die vierfache Mutter Dr. Karin Pirc leistete als Ärztin Pionierarbeit, als sie 1985 Deutschlands erstes Ayurveda-Gesundheitszentrum ins Leben rief.

1992 gründete sie die Maharishi Ayurveda Privatklinik Bad Ems und ist dort auch heute noch als leitende Ärztin tätig.

Zahlreiche Fortbildungen bei berühmten Ayurveda-Experten wie dem Vaidya Dr. J. R. Raju in Indien machten sie zu einer der führenden deutschen Spezialistinnen für die ayurvedische Pulsdiagnose und Panchakarma.

2006 erhielt Dr. Karin Pirc den renommierten indischen Global Hakim Ajmal Khan Award „Bester Ayurveda-Arzt 2006“ – sowohl als erste Frau als auch als erste Europäerin. Auf der Raj Ayu Con 2013, einem internationalen Kongress zu Ayurveda und alternativer Medizin im indischen Rajkot, erhielt sie den „International Lifetime Achivement Award“ für ihr Lebenswerk. Es ist die höchste Auszeichnung, die das Organisationskomitee der Raj Ayu Con vergibt.

Ihr umfangreiches Wissen stellt Dr. Karin Pirc auch in mehreren erfolgreichen Ayurveda-Büchern zur Verfügung.

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