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Führt die moderne Spiritualität zu einer Unfähigkeit, mit Konflikten und unliebsamen Erfahrungen umzugehen? Über den Umgang mit Kritik, Widersprüchen und schmerzlichen Erfahrungen.

Spiritualität als Bedürfnisbefriedigung

Es gibt „Trendwörter“, über deren Aufkommen ich mich freue, weil sie ein tiefes Bedürfnis nach heilsamer Veränderung ausdrücken. Ein aktuelles Trendwort ist „Resilienz“ (Widerstandsfähigkeit). Ein großartiges Wort, auch und gerade angesichts einer spirituellen Szene, die wenigstens das letzte Jahrzehnt damit zugebracht zu haben scheint, Menschen eben genau ihre Resilienzfähigkeit abzugewöhnen, zugunsten einer Überempfindlichkeit, narzisstischen Verstrickung und einer Dialog- und Konfliktunwilligkeit.

Der mit Lebenshilferatgebern der letzten zehn Jahre befüllte westliche „Esoteriker“ (man verzeihe mir diesen undifferenzierten Ausdruck der Einfachkeit halber) wünschte sich vor allem dies: Kontrollierbarkeit aller Lebensumstände, Wohlgefühl, Wohlstand, Gesundheit, Erfolg, ständige Selbstbespiegelung und eine rigorose Bedürfnisbefriedigung, im Rahmen eines unverhohlenen Werte-Relativismus. Alle Theorien rund um Resonanz und Manifestation und deren Ableger erzählen davon. Sie erzählen von einem hungrigen „Ego“, das die schmerzliche Erfahrung meidet oder ausmerzt, und die befriedigende Erfahrung um nahezu jeden Preis erzeugen will.

Manifestieren als Kontrollfantasie

Menschen, die zu lange auf dieser Welle mitgeschwommen sind, die alles für eigene Manifestation halten – ergo: glückliche Erfahrungen für die Folge richtigen Denkens, und schmerzliche Erfahrungen für den Ausdruck falschen oder unheilen Denkens – Menschen, die sich ihre eigene geschlossene Betrachtungsweise auf die Dinge erschaffen haben, zeigen alle Symptome eines resilienzunfähigen Menschen: Sie können von ihrer inneren Ordnung, ihrem Wohlgefühl, ihrer Kontrollfantasie, ihrer fragilen inneren Sicherheit nicht ablassen und empfinden jede Wirklichkeit die daran kratzt, als Invasion und Erschütterung.

Alle Angriffe auf die Weltanschauung werden abgewehrt, „Angreifer“ werden als „noch nicht soweit“ mit Verachtung gestraft, die Welt wird in „neue Zeit“ und „alte Matrix“ eingeteilt, und jeder, der stört, wird als Vertreter der alten Ordnung gebrandmarkt. Weite Teile dieses Milieus unterbinden Kritik, weil sie sie zutiefst fürchten, als Auslöser neuer notwendiger Überlegungen, Urteile, Gedanken, Gespräche und Handlungen, streng genommen als Interaktion mit anderen Menschen und Systemen überhaupt. Die Immunisierung gegen Kritik ist vollkommen.

Widersprüche aushalten, Kritik annehmen

Wer sich aber gegen Kritik immunisiert, offenbart nichts weiter als eine Unfähigkeit, Widersprüche, Veränderungen, realen Austausch auszuhalten und auszuagieren, und Entwicklung zuzulassen. Dahinter steht die Unfähigkeit, Fehler zu machen und zu korrigieren, Scheitern zu erleben und wieder aufzustehen, Situationen zu erfahren denen keine eindeutige Lösung folgt.

Man möchte sich nicht mehr negativen Energien aussetzen, was Nachrichten Lesen und Straßenbahnfahren schon zum echten Problem macht. Man möchte aus dem Verstand hinaus und ins Herz hinein, was in der massenkompatiblen Variante meist nicht viel mehr bedeutet als logisches Denken und Erkenntnishunger aufzugeben und einer ichversessenen Gefühlsduselei zu erliegen, deren Interesse immer nur eine recht illusorische Grundbefriedigung ist. Dabei befindet sich der derart beeinträchtigte Mensch vorwiegend im Kopf, nämlich in der ständigen Aufrechterhaltung der Abwehrmechanismen, wie die so verbreitetenen Totschlagargumente innerhalb der esoterischen Szene zeigen.

„Es gibt kein richtig und kein falsch“ bewahrt vor der schmerzlichen Verantwortung, den Geist der Unterscheidung walten lassen zu müssen, vor der Gefahr, Fehler, oder sich schuldig zu machen, vor der Zugewandtheit zum Anderen, dessen Leben vielleicht quälende Fragen aufwirft, die auch uns betreffen. Die Arbeitslose „braucht die Erfahrung für ihren Seelenplan“, die kranke Schwiegermutter wird aus dem Alltag verbannt, weil sich ihre Krankheit ja bloß ihren „falschen Denkmustern“ verdankt, um die sie sich einfach nicht kümmert, das verprügelte Kind hat sich „diese Seelenerfahrung ausgesucht“ um den Eltern eine karmische Lektion zu erteilen, und schon schleicht sich die Gewohnheit ein, nahende Konflikte nicht etwa zu betrachten oder tatkräftig zu lösen, sondern bloß die narzisstische Frage zu stellen, was „mir da im Außen denn noch gespiegelt werden will – über mich“. Denn in dieser Denke ist das „Ich“ das Zentrum des Universums, und alle Erkenntnis verweist nur auf die Größe der eigenen Existenz.

Kindlicher Trotz gegenüber der Realität

Der Manifestationsgläubige solchen Ranges schaut nicht über den Tellerrand, weil der dahinter liegende Abgrund Fragen und Ängste aufwerfen würde. Er macht sich selbst zum Zentrum aller Dinge, nicht etwa, weil er zutiefst seine Würde und Größe erfahren hat, sondern eigentlich nur, weil er seine Instabilität um jeden Preis kaschieren und verheimlichen will, weil er der Strapaze der schmerzlichen, reibenden oder konfliktreichen Lebenserfahrung lieber vorwegnehmend seine eigene Großartigkeit entgegenstellt.

Im Grunde ist dies eine kindliche, trotzige und ängstliche Geste: Er traut sich kaum noch zu atmen, weil alles was er tut, die Realität bildet, die ihm begegnet. Zorn, Wut und Traurigkeit, alle schlechthin als „negativ“ geltenden Gefühle werden aufs tiefste verleugnet, weil man ihre Manifestationen fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Wenn sie zugelassen werden, dann nur um sie „auflösen“ zu können, hinein in die konfliktlose Betulichkeit die man für den optimalen Status, für gelungenes Sein hält.

Positiv denkend und fokussierend, befreit von kritischem Denken, von tiefen Zweifeln und von der Frage, die der Andere, insbesondere der leidende Andere permanent aufwirft, widmet er sich dem eigenen Vorteil, gern auch dem materiellen, denn „Fülle“ ist in diesem Modell gottgewollt und Grundrecht eines jeden Menschen. Inwieweit die Fülle des Westeuropäers sich der Armut und Versklavung der Menschen in sogenannten Schwellenländern verdankt, wird, wie alle anderen problematischen Wirklichkeiten, ausgeblendet.

Resilenz ist trainierbar

Resilienz ist in diesem Kontext als Schlachtruf zu verstehen, der ein anderes Wirklichkeitsverständnis einläuten will. Denn die „psychische Widerstandsfähigkeit“ will das Gleichgewicht des Systems nicht erhalten, indem sie Einwirkungen ablehnt, meidet oder mit spiritueller Schönfärberei umetikettiert. Sie will unter Rückgriff auf Erfahrungen und Werte konflikthafte Situationen nicht nur meistern, sondern auch als Wasser auf den Mühlen innerer Weiterentwicklung nutzen. Resilienz ist eine Grundaufmerksamkeit, die mit Lernbereitschaft, mit Anpassungsfähigkeit, mit kluger Lösungsfindung einhergeht. Der resiliente Mensch steht in gesundem Austausch mit der Wirklichkeit, sowohl mit der schmerzlichen als auch mit der als angenehm empfundenen. Als Mensch, der an Erlebtem und Gestaltetem wachsen und reifen will, trägt der resiliente Charakter auch zur Reifung des Verbundes bei.

Der resiliente Mensch hat erfahren und verstanden, dass Leben und inneres Wachstum sich auch und gerade in Situationen, Konstellationen und inneren Prozessen entfalten, die Spannungen, Zweifel, Schmerz und drängende Fragen enthalten. Und sein Fokus liegt nicht auf nimmersatter Bedürfnisbefriedigung oder konfliktlosem Glück, sondern auf der Entfaltung des Charakters, und innerer Stärken und Gaben, die weit über den Nutzen für das Individuum hinausweisen. Nicht jeder Mensch hat ausreichend Resilienz erworben, wenn er das Erwachsenenalter erreicht. Aber das gute ist: Sie ist trainierbar.

Größe und Demut

Spirituell gesprochen bedeutet das, der Mensch ist endlich bereit, wach, aufmerksam, achtsam und mit einer gesunden Leidens- und Stresstoleranz an der Wirklichkeit teilzunehmen, und dementsprechend seine gestalterischen Kräfte ebenso verantwortungsvoll anzunehmen wie die eigenen Grenzen. Gesunde Größe braucht keinen Machbarkeitswahn, keinen Gottkomplex und keine ideologischen Trostpflaster. Und gesunder Größe wohnt gesunde Demut bereits inne.

Ich freue mich auf die Zeit, in der die Bedeutung der Resilienz Einzug in die zeitgenössische Lebenshilfe-Literatur findet. Diese könnte dann endlich ihren Namen verdienen.

10 Responses

  1. Martina

    Liebe Giannina,

    all das, was Du in Deinem Artikel beschreibst, trifft nicht nur auf „Esoteriker“ zu. Dieses Verhalten schlängelt sich durch die gesamte Bevölkerung. Doch der wahre Grund liegt nicht in der Esoterik, denn sie bemüht sich einen Seele-Geist-Zustand zu beschreiben, der sich jedoch nicht mit dem Verstand umsetzen lässt. Es ist eher eine Endstation, die ausschließlich durch eigenes Erkennen, ein In-Sich-Hineinschauen, erreicht werden kann.

    Ist es möglich, dass diese Menschen, die Du hier beschreibst, fast einordnest in ein bestimmtes System, dass sie einfach ihenr Weg gehen?

    Um konfliktfähig und Widerstandsfähig zu sein, muss ein Mensch zuerst erfahren was genau ihn neidisch, zornig, wütend werden lässt, was ihm Angst macht und auch woher all das rührt. Denn Kritik beruht stets auf der Realität, die wir in unserem Innersten ablehnen. Warum?
    Die Antwort finden wir ausschließlich in den Tiefen unserer Seele. Und die Suche danach ist ein Abenteuer, eine Entdeckungsreise mit unbekannten und varriierenden Stationen.
    Nur das Ende, das wird beschrieben von Esoterikern, in der Bibel, in den Upanischaden usw…….
    Das ist die bedingungslose Liebe, einssein mit allem was mich umgibt, ohne Kritik sondern nur noch bitten und aus dieser Liebe heraus handeln.

    All das wünsche ich Dir.

    Herzliche Grüße an alle Leser
    Martina

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    • Birgit
      vom Pauschalisieren

      Liebe Martina,
      mir hat Deine Antwort auf den Bericht von Giannina sehr gut gefallen. Bin heute auf diese Seite gestoßen, da ich über den Begriff Konflicktunfähigkeit googeln wollte. Anlass ist ein narzistischer Bekannter, der absolut nichts mit Esoterik am Hut hat. Dennoch beschreibt Giannina 1:1 meinen Mann. Mit dem Pauschalisieren sollte man einfach vorsichtig sein. Ich verstehe auch was G. meint. Der Weg, den Sinn des Lebens zu finden birgt auch Gefahren. Aber was heisst Gefahren. Das sind alles nur wieder Lernaufgaben. Mancheiner denkt, wenn er Konflickte (ver)meidet, dann hat er das Ziel erreicht. Wer es ehrlich mit seiner Entwicklung meint, der wird auch diesen Irrglaube bald erkennen und an dieser Stelle nicht stehenbleiben. Wir sind erst am Beginn und da jeder Mensch alleine seinen Weg gehen muss ist jede Lehre, jeder Irrtum auch ein Bestandteil an diesem Weg. Auch Giannina ist auf diesem Weg, mit ihren alten Konditionierungen, störenden Gedanken, gespiegelten Erfahrungen. Wer dort angekommen ist, wohin es uns alle mehr oder weniger drängt, der kann auch die Konflickte aushalten und mit ihnen leben. Nur – es berührt ihn nicht mehr als ICH. Wenn dieses ICH aufgelöst ist, dann ist „man“ immer noch da. Dieses ICH kann nicht mehr beleidigt, gekränkt etc. werden. Und deshalb kann da auch nichts mehr leiden. Wer angekommen ist, der ist in der Liebe und in der Liebe tut man automatisch und freiwillig die Dinge, die Kirche und Gesellschafft versucht unter Druck zu erzwingen. Die 10 Gebote ….. Menschen die angekommen sind benötigen diese Gebote nicht mehr. Sie leben diese Gebote. Sie haben das Himmelreich in sich selbst gefunden, sind aber nicht blind für das Spiel der Matrix, wie es auf Erden interpretiert wird. Habe ich in meinem Umfeld zu viel mit Narzissmus zu tun, dann spiegelt mir das entweder die eigene enge Sicht und ein Problem mit dem Loslassens wieder oder es spiegelt das Gegenteil: Ich bekomme zu spühren, das ich immer noch durch mein ICH (Ego) beeinflusst und bestimmt werde. Ich bin noch darauf aus unbedingt Anerkennung für das zu erfahren, was ich für den Anderen tun möchte oder aktiv tue. Ich kann auch keine Grenzen setzen und spiele dieses narzistische Spiel mit. ICH fühle mich immer noch abgelehnt und kann es nicht akzeptieren, dass mich nicht alle Menschen mögen müssen. Und so kann man mit jeder Eigenschaft, jeder Sache, jedem Menschen verfahren, der uns aufregt. Da nagt noch was in uns, das uns leiden lässt. Da haben wir irgendwo noch nicht losgelassen. Habe ich alles los gelassen, dann weiss ich dennoch um all diese Dinge, aber sie lassen mich nicht mehr leiden. Hinter jedem Gefühl steckt ein Gedanke, der dieses Gefühl auslöst und jeden Gedanken kann man zurückbefragen. Bis zur letzten Frage und der letzten Antwort. Damit werden Muster aufgelöst. Hinter der letzten Antwort ist nur noch Stille, Harmonie und innerer Frieden. Ich kenne diesen Zustand. Er existiert wirklich, ohne das man weltfremd wird.

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  2. Nikola Bogdanovic

    Liebe Giannina,

    Dein Artikel war für mich ein wichtiges, weiteres Mosaiksteinchen, um mich selber besser zu verstehen. Die Simplifikation, prinzipiell für mich etwas Gutes, geht für mich in der spirituellen Szene manchmal etwas zu weit( Stichwort: Versandhauskatalog). Da tut es echt gut, wenn ein Artikel wie Deiner wieder für etwas mehr Bodenständigkeit sorgt. Wir sind schließlich nicht einfach so in dieser Welt. Es hat bestimmt einen Sinn; und den Fakten zu „entschweben“ ist für mich Selbstverleugnung.
    Dazu schrieb übrigens vor über 400 Jahren schon Shakespeare in Hamlets berühmtem Monolog:
    „…Der angeborenen Farbe der Entschließung
    Wird des Gedankens Blässe angekränkelt….“

    Für mich ein sehr guter Artikel

    Antworten
  3. Harald

    liebe giannina,
    deinen artikel finde ich höchst interessant und stimme deinen ausgeführten kritiken überwiegend zu. was mir in deinem bericht fehlt, ist deine persönliche
    erfahrung, reflexion, inwieweit auch du in diese oft unvermeidbaren fallen
    gefallen bist. trotzdem danke für diesen bericht.

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  4. Melanie

    Liebe Katharina,

    vielen Dank für deinen tollen Kommentar! Er hat mich zu Tränen gerührt. „Wer seinen Traum lebt, ist dem Tod begegnet und das zu meistern erfordert wahrlich Resilienz.“ Da hast du vollkommen recht. Zumindest ist es mir so ergangen. So etwas versteht nicht jeder, vor allem nicht jene, deren Vorstellungskraft es vollends übersteigt, weil es nie und nimmer in ein rationales Weltbild passt. Auch ich konnte mir so etwas nicht vorstellen. Weiterleben nach dem „Tod“. Was machst man dann? Was macht man, wenn man „gestorben“ ist und trotzdem weiterlebt? Es ist seltsam, so etwas zu erleben und man fragt sich wehement: Warum ich? Warum passiert mir so etwas? Zwangsläufig landet man in spirituellen Gefilden, weil es kaum noch wissenschaftlich/rationale Erklärungen für solche Erfahrungen gibt. Sicher gibt es die, doch reichen sie nicht aus, um für sich selbst Erklärungen und Lösungen zu finden. Dennoch, und das ist mir ebenso aufgefallen, gibt es eben auch viele Menschen, die sich das Spirituelle oder Esoterische als Maske aufsetzen, wie ich selbst erfahren und erkennen konnte auf meiner „Suche“. Ich glaube, um jene geht es in diesem Beitrag? So mancher versteckt sich hinter diesen Dingen. Trägt sie vor sich her, um sich unangreifbar zu machen, um auf dieser „Grundlage“ seine Ansprüche geltend zu machen, vielleicht auch seine „Schuld/Verantwortung“ zu kaschieren? So etwas macht mich hin und wieder traurig. Wenn man diese „Dinge“ bei anderen hinterfragt, rein aus Interesse, so passiert es mir nicht selten, dass ich auf einmal ein wütendes Gegenüber habe, dabei habe ich einfach nur eine Frage gestellt, rein aus Interesse und dass man sich ja vielleicht noch weitergehend darüber unterhalten könnte. Doch nicht selten steckt keine Tiefgründigkeit dahinter, keine wirkliche Erfahrung und somit ergibt es sich dann, dass es sich um eine Maske, einen Schutzpanzer oder was auch immer handelt, der, wie ebenfalls in dem Artikel geschrieben, ziemlich zerbrechlich ist und auf relativ brüchigem Fundament steht. Dennoch möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn dann bin ich ebenfalls genau da: Bei der Verurteilung, Verachtung und Abwertung. Da möchte ich nicht hin. Ich denke, Verständnis bringt in diesem Falle mehr? Vielleicht auch Verständnis für das fragile und zerbrechliche, das teilweise dahintersteckt und so schwer zu sehen ist. Ein Schrei nach Liebe? 🙂
    Es spricht nichts dagegen, seinen Traum zu leben, wenn man auf diesen stößt, wenn man auf sich selbst stößt. Doch dies ohne jeglicher Rücksicht auf Verluste und andere Menschen durchzubrettern hat tatsächlich etwas stark narzisstisches (im pathologischen Sinne) an sich. Ich habe selbst gemerkt, dass man in Bezug auf Esoterik immer einen gewissen Abstand bewahren sollte, denn schnell landet man in der „narzisstischen Falle des Übermenschen“ und tut gut daran, sich selbst immer mal wieder runter zu bringen.
    Ich denke, niemand fühlt sich kritisiert durch diesen Beitrag, der sich nicht selbst irgendwie darin wiederfindet. Und wenn doch, so sollte jenem ein ganz gewaltiger Denkanstoß verpasst worden sein, so hofft man zumindest. Dies kann dann im besten Falle dazu führen, wie in dem Artikel geschrieben, dass diese Einwirkung nicht abgelehnt oder spirituell schöngefärbt und umetikettiert wird, sondern sich damit auseinandergesetzt wird, inwiefern dies auf einen selbst zutrifft oder nicht.
    Ich finde auch, dass der Artikel dazu beitragen kann, die Füsse auf dem Boden zu behalten, nicht abzuheben. So manchem passiert dies ich glaube, eben wenn er/sie sich nur auf dieser „Welle“ bewegt. Ich bin ein großer Freund von ganzheitlichen Ansätzen. So denke ich ebenfalls, dass Psychologie parallel zu einer spirituellen/esoterischen Entwicklung eine ganz entscheidende Rolle spielt, denn sie trägt dazu bei, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben und nicht abzudriften. Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, dass Spiritualität für mich etwas anderes ist als Esoterik.
    Vielen Dank, Giannina, für den Artikel. Ich hoffe, die Kommentare tragen dazu bei, ihn nicht zu zerreißen, sondern zu erweitern.

    Beste Grüße

    Antworten
  5. Amelie Gnom

    zum Teil stimme ich zu und zum Teil ist mir dein Beitrag ein bisschen zu einseitig pro Resilienz, liebe Giannina.
    Ich plädiere da mehr für den „Mittleren Weg“ alles im Gleichgewicht halten. Den härteren Lebenssituationen mehr mit Gelassenheit entgegenstehen und vor allem nicht in das andere Extrem, das Leiden, verfallen.
    Resilienz ist ein notwendiges Übel welches leider zum Leben gehört ob wir wollen oder nicht.
    Nehmen wir das Leben doch vielleicht ein wenig gelassener, sind wir uns bewusst, wir befinden uns hier nur in einem Gastspiel auf dieser Erde, nur ein kurze Weile und wir werden ALLES Materielle zurücklassen, wir nehmen nichts mit.
    Wozu also so viel Resilienz? Alle die Mühe um Erfolg und Macht, um Geld und Besitz? Ist das nicht Dummheit? Unsere kostbare Zeit auf dieser Erde mit so was zu verplempern?

    Antworten
  6. ute

    mhm, ich verstehe giannina und ihre erfahrungen, die sie mit menschen gemacht hat, deren wohlbefinden an oberster stelle steht und die jegliche störung unterbinden möchte. diese menschen gibt es in allen lebenszusammenhängen, ob esoterisch oder nicht.

    was sich aber aus dem artikel von giannina heraus kristallisiert ist eher eine – provokant ausgedrückt – verantwortungslosigkeit für das gemeinwohl, scheuklappen für die weltprobleme, verneinung bzw. ausblendung des unglaublichen leides auf unserem planeten.

    und vor allem die UNTÄTIGKEIT, die mit einem solchen verhalten einhergeht. die untätigkeit – das unpolitische leben – im eigenen land und erst recht auf unsere gemeinsame welt bezogen.

    lohndumping im konzern wird dann zu „einem sicheren job bei einem globalplayer“, oder gar nicht erst als lebensabsicherung in erwägung gezogen, weil es ausreichend staatliche hilfen gibt.

    wo frage ich mich, sind denn all die esotheriker, wenn es um die grossen herausforderungen auf unserem planeten geht. klimaerwärmung, kriege um ressoucen, verhungernde und verdurstende menschen, soziale ungerechtigkeit, vermögensverteilung, sozial schwache, alte, …

    wo in der gemeinschaft im öffentlichen leben sind sie sichtbar und vertreten menschenrechte?

    oder ist die gemeinschaft der esotheriker vielleicht doch verschwindend klein – gemessen an der weltbevölkerung, dass sie im politischen handeln so unsichtbar ist?

    wo ist der weltpolitische „überbau“ der sich handelnd einsetzt?

    das sind meine fragen;-)

    tatkräftiges handeln – wünsche ich

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  7. Matthias Brückner

    Nur leider ist Resilienz nicht zeitgenössisch und wird auch keinen Einzug mehr in die Lebenshilfe-Literatur finden. Immer mehr Menschen in meinem Umfeld kommen in Ihre Selbstverantwortung und Harmonie. In ihrer Wahrheit gibt es keinen Konflikt bzw. Widerstand.

    So weit wie ich es verstehe, spricht man bei Resilienz von Systemen nicht von Individuen.

    Antworten
  8. Katharina

    Liebe Giannina,

    der wahre spirituelle Mensch ist sowohl resilient als auch das, was du „esoterisch“ nennst. Auf jedem Weg gibt es Höhen und Tiefen. Die Höhen gelten der Dankbarkeit, die Tiefen der Resilienz. Und ein wichtiger Begleiter dabei ist unser Geist und die Fähigkeit der Visualisierung und der für uns jeweils hilfreichen Gedanken. Der wahre spirituelle Mensch folgt nicht seinem eigenen Ego, sondern sucht nach seiner Bestimmung. Diese Suche gleicht einem Dienen mehr als einer selbst erdachten Wirklichkeit. Leider ist nur die „Resonanz“ und „lebe deinen Traum“, das was man in esoterischen Kreisen vermittelt bekommt. Doch der Weg dahin ist das entscheidende. Und kein Mensch, auch nicht die, die sich ihren Traum zurechtgemacht haben, wird nur gute und schöne Dinge auf diesem Weg erfahren. Wer seinen Traum lebt, ist dem Tod begegnet und das zu meistern erfordert wahrlich Resilienz. Ich glaube, wir sollten nicht immer alles nur weiß oder nur schwarz sehen. Nur toll oder nur schlecht. Nur Widerstand oder nur selbsterzeugte Manifestation. Die Wahrheit ist, dass immer beides da ist, beides gleich wichtig ist und erst beides zusammen die Wirklichkeit ergibt. Liebe Grüße , Katharina

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