Menschen mit Angststörungen sind Menschen, die durch ihre Lebenssituation oder andere Auslöser in eine Angstspirale geraten sind. Leistungsdruck, Überforderung, Dauerstress, der Verlust einer geliebten Person oder Traumata sind nur einige Themen, die dazu führen können, dass das Energiesystem von Betroffenen sozusagen bei der Angst hängen bleibt. Ängste bekommen so eine Eigendynamik und beginnen sich als übermächtige Energien zu verselbstständigen. Shiatsu hilft, diese Spirale der Angst zu durchbrechen, indem der Mensch wieder Boden findet, mit sich in Kontakt tritt und Vertrauen fassen kann.

Von Brigitte Ladwig

Die Fähigkeit Angst zu bekommen, wenn wir uns in bedrohlichen Situationen befinden, ist eine gesunde, überlebenswichtige Reaktion, die wir Menschen haben. Angst ist eine natürliche Reaktion auf eine Gefahr, eine Bedrohung oder eine Attacke und fordert den Menschen auf, sich zu schützen. Nimmt Angst überhand, kann sie allerdings eine gefährliche Eigendynamik entwickeln und großes körperliches und seelisches Leiden nach sich ziehen. Durchleben wir regelmäßig Ängste, für die sich der Auslöser nicht genau ausmachen lässt und die oft unerklärbar und unverhältnismäßig in Bezug auf die aktuelle Situationen sind, dann sprechen wir von Angstzuständen, sogenannter pathologischer Angst. Bei Angstzuständen richtet sich der Blick nach innen statt nach außen. Die Angst scheint aus einer vagen, entfernten, unter Umständen nicht einmal erkannten Gefahr zu entstehen.

Ich habe Angst, die Kontrolle zu verlieren – über mich oder eine bestimmte Situation. Oder ich habe Angst, dass etwas Schlimmes passiert. Mit den verschiedenen körperlichen Symptomen, welche solche Ängste nach sich ziehen können, geht auch eine Veränderung der Lebensführung einher. Der Mensch zieht sich zurück, die sozialen Kontakte werden reduziert, der Alltag besteht oft aus Angst vor der Angst oder aber dem Versuch, die Angst zu bewältigen. Selbstwertgefühl und Lebensfreude nehmen ab, Isolation und Depression zeigen sich. Gefühle wie Verzweiflung und Scham sowie negative Gedanken werden mächtig. Die Angst bekommt eine Eigendynamik, was eine gegenseitige Verstärkung der körperlichen und psychischen Symptome in Gang bringt – ein wahrer Teufelskreis der Angst.

Die körperlichen Symptome sind vielfältig und betreffen vor allem das vegetative System. Es kommt zu Reaktionen wie Kurzatmigkeit, Herzrasen, Muskelanspannung, Zittern, Schwitzen, trockenem Mund, dem Gefühl, keine Luft zu bekommen, Übelkeit, Verdauungsproblemen oder Schwindelgefühlen. Auf der Verhaltensebene wiederum kann eine solche Angst unsere Fähigkeit beeinträchtigen zu handeln, uns auszudrücken und unseren Alltag zu bewältigen. Psychologisch betrachtet ist es ein subjektiver Spannungszustand, in dem man sich unwohl fühlt, sich selbst fremd ist. Man glaubt, den Verstand zu verlieren, sprich: verrückt zu werden, oder gar sterben zu müssen. Alle diese Zustände und Reaktionen sind energetisch gesehen äußerst anstrengend und erschöpfend und schwächen den ganzen Menschen und sein Energiesystem. Sie betreffen meist das vegetative System, das heißt, sie manifestieren sich dort auf der körperlichen Ebene mit verschiedenen Symptomen. Kommt die Angst, bewegt sich die Energie häufig rasch nach oben und sammelt sich im oberen Brustbereich, Hals und Kopf.

Den Teufelskreis durchbrechen

Die bekannten Strategien im Umgang mit Angststörungen fußen auf einem verhaltenstechnischen und kognitiven Ansatz. Meiner Erfahrung nach spielt ein bewusstes Gleich – gewicht zwischen Aktivität und Ruhe eine essentielle Rolle. Menschen, die unter Angststörungen leiden, sind meist körperlich chronisch übererregt und können darum eine gesunde, natürliche Balance zwischen Aktivität und Ruhe nicht mehr wahrnehmen und umsetzen. Shiatsu kann Unterstützung bieten, diesen Kreislauf auf allen Ebenen wahrzunehmen. Werde ich mir beispielsweise dieses Stresses und der daraus resultierenden chronischen Überreizung bewusst, habe ich die Chance, den Kreislauf zu durchbrechen.

Die Shiatsuehandlung bietet den Boden, wieder mit mir, meinem mir eigenen Energiefeld, meinem Potential, meinen Qualitäten, meiner Einzig – artigkeit in Kontakt zu kommen. In diesem Prozess, in der Körperlichkeit, im Feld und in der Stille geschieht Heilung. Voraussetzung dafür ist der geschützte, vertrauensvolle therapeutische Rahmen. Im Gespräch bekomme ich als Therapeutin meist auch Informationen über die Angst und wo sie sich körperlich zeigt. Wenn der Klient das nicht verbalisieren kann, erhalte ich die Information später direkt vom Körper und seinem Energiefeld. Die Shiatsu-Begleitung arbeitet mit dem Ausgleich der Meridian-Energien, Gefäße und Chakren und hilft unter anderem dem vegetativen System, sich wieder „einzumitten“.

Dies wird durch gezielten Einbezug von Schwingungsebenen, spezifischen Punkten, Tsubos (Akupunkturpunkte), Dehnungen und Rotationen unterstützt. Die offene, achtsame und respektvolle Berührung der Körperebene unterstützt den Menschen, sich wieder in seinem Körper zu verankern und sich mit seinem eigenen Energiefeld zu verbinden. Der freie Fluss des Ki unterstützt das körperliche Wohlbefinden, die seelische und emotionale Zufriedenheit und Stabilität. Das Bewusstsein der Klienten für ihre Körperwahrnehmungen und Empfindungen wird genährt. Gedanken kommen zur Ruhe. Das Vertrauen in sich selbst und den eigenen Weg wird unterstützt. Ängste können so transformiert werden. Im begleitenden Gespräch können Zusammenhänge rund um die Angstzustände erkannt und benannt werden.

Das Potential von Shiatsu im Umgang mit Angst

Empfindet ein Mensch Angst, ist dies für Außenstehende nicht immer klar zu erkennen. Auch für Betroffene sind oft andere Symptome stärker wahrnehmbar als die Angst selbst. Zeichen und Symptome der Angst zeigen sich häufig auf körperlicher, aber auch energetischer Ebene. Shiatsu kennt Werkzeuge, um diese Zeichen zu erfassen und Menschen, die mit ihnen zu kämpfen haben, auf einer tieferen Ebene zu begleiten. Eine besondere Stärke von Shiatsu liegt in der klaren und akzeptierenden Berührung. Diese Sprache ist universell und wird unmittelbar verstanden. Neben dem Eingehen auf verspannte Bereiche oder Stellen, die einen auffällig niedrigen Tonus haben, wird die Person dabei in ihrem Leib – ihrem beseelten Körperraum – angesprochen.

So kann ein positiver Leibbezug unterstützt werden, der durch fortwährende Angsterfahrung oder auch untergründige Angst vermindert ist. Im Leibgedächtnis sind wiederholte Erfahrungen von misslungenen Angstbewältigungsversuchen und Vermeidungstendenzen gespeichert. Diese springen im Alltag leicht wieder an. Über Shiatsu können neue Informationen aufgenommen und verankert werden und das Leibgedächtnis kann, über den Weg vom Körper zum Geist, erweitert werden. Dazu gehört auch die Erfahrung, sich in der Berührung spürbar akzeptiert und geborgen zu fühlen. Angst wird leicht generalisiert: Der ganze Körper fühlt sich unangenehm an. Therapeuten können nach dem Behandeln etwa eines Arms Zeit geben zum Spüren und Beschreiben der Unterschiede beider Arme. So kann sich die Selbstwahrnehmung differenzieren und ein angenehmes Empfinden wieder Raum bekommen. Mit der Shiatsu-Berührung kann, je nach Bedarf, die Körpergrenze betont oder gelöst werden. Durch Einbeziehen des Energiefeldes wird eine Verankerung einer Energiepräsenz bis ins Körperliche unterstützt.

Umgekehrt kann es in anderen Fällen befreiend, angstlösend und vertrauensfördernd sein, wenn sich eine zu starke Identifikation mit dem rein Körperlichen öffnen kann für die feinstoff lichen Energiekörper, so dass der Mensch sich mehr in das kosmische Energiefeld einbinden kann. Shiatsu-Therapeuten können sich beim Behandeln auf die jeweiligen individuellen energetischen Muster konzentrieren, die eines Ausgleichs bedürfen. Aber auch das, was bei einem Klienten an Positiven und Gesundem schon da ist, kann in den Fokus der Berührung genommen werden. Dieses Vorgehen entfaltet eine erstaunlich große Heilkraft, nicht nur bei Menschen, die unter hohem Leistungsdruck oder geringem Selbstwert und damit verbundenen Versagensängsten leiden.

Das ist Shiatsu

Shiatsu kennen die meisten Menschen in Deutschland unter dem Begriff „Shiatsu- Massage“. Mit Druck-, Lehn- und Dehntechniken der Finger, der Hand, des Ellenbogen und der Füße unterstützt Shiatsu den freien Fluss der Lebensenergie, im Japanischen „Ki“ genannt. Shiatsu wird auch in Verbindung mit konventionellen Therapien genutzt, zum Beispiel mit Psychotherapie, Physiotherapie und mit schulmedizinischen Behandlungen. Doch Shiatsu ist mehr als eine Massagetechnik. Shiatsu ist eine alte Heilkunst aus Japan und eine optimale Ergänzung zu vielen anderen Körpertherapien. Shiatsu macht es sich zur Aufgabe, die Selbstheilungskräfte des Menschen zu stärken und die Einheit zwischen Körper, Seele und Geist herzustellen und aufrechtzuerhalten. Shiatsu fördert die Achtsamkeit gegenüber sich selbst und anderen Menschen – sowohl beim Behandelten als auch beim Behandelnden.

Es hilft gegen Stress, Erschöpfung und Verspannungen und ist eine wirksame Therapieform bei vielen körperlichen und seelischen Beschwerden. Shiatsu erstellt keine Diagnose von Störungen oder Krankheiten. Shiatsu „findet“ einen energetischen Befund und damit den Zugang zum Ki, zum Potential. Nach einem kurzen einleitenden Gespräch legt sich der Klient in bequemer Kleidung auf eine weiche Matte am Boden. Der Behandler stellt sich ganz auf die Person und ihre augenblicklichen Bedürfnisse ein. Er wird in verschiedenen Positionen mit dem Klienten arbeiten – in Rückenlage, auf der Seite, in Bauchlage, eventuell auch in der Sitzposition, und dabei langsamer oder dynamischer vorangehen, entsprechend der individuellen Situation des Klienten und den Reaktionen, die der Praktiker wahrnimmt. Quelle: Dr. Andrea Kleinau, www.esi-shiatsu.de, GSD e.V., www.shiatsu-gsd.de

Kostenfreie Informationsworkshops zum Thema Shiatsu: 27.8.2018 und 2.11.2018
Schnupper-Shiatsu-Behandlungsabende (bitte vorher anmelden, da die Plätze begrenzt sind): 29.6.2018 und 19.10.2018

Author: Oliver Bartsch

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