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Laut neuesten Erkenntnissen soll vor einigen tausend Jahren in Indien eine Hochkultur existiert haben, in der nicht – wie wir es aus dem heutigen Indien kennen – unzählige Götter das Dasein der Menschen bestimmt haben. Statt dessen sorgte ein einfaches Leben in tiefer Ergebenheit und im Einklang mit der Natur für Frieden und beständiges Wohlbefinden.

In einem Gespräch beschreibt der indische Owiyam-Meister Acharya G. Sree Raj ein umfassendes System, das den wieder entdeckten Wissensschätzen dieser uralten Kultur Indiens – der Drawida-Hochkultur – zugrunde liegt. Er stellt die vorvedische Tradition Indiens als Quelle praxisnaher Lebensweisheit dar und erklärt, welches zeitgemäße Potenzial sich hinter einer ganzheitlichen Philosophie verbirgt, die gesundheitliche, soziale und Umwelt-Aspekte als eine miteinander eng vernetzte Einheit betrachtet.

 

Sein: Weshalb ist uns die vorvedische Zeit und Kultur des indischen Subkontinents bisher so wenig bekannt?
Sree Raj: In der Geschichte kam es immer wieder vor, dass einheimische Kulturen von fremden unterwandert und verändert wurden. So hat sich auch das Leben des Drawida-Volkes im alten Indien durch den Einzug der vedischen Kultur gewandelt – insbesondere in Hinsicht auf das soziale und religiöse Verhalten. Einer der Gründe dafür, dass diese altindische Kultur in Vergessenheit geraten ist, ist sicherlich die rein mündliche Weitergabe der damals praktizierten Lebenslehre. Direkt von der Natur zu lernen und dieses Wissen in der Praxis weiterzugeben, erachteten diese Menschen als den besten Weg, ihre Wissensschätze für die nächste Generation zu bewahren.
Die kulturelle Landschaft, die wir im heutigen Indien beobachten können, ist jedoch vornehmlich von der späteren vedischen wie auch von der Mogul- und westlichen Kolonialzeit geprägt.

Sein: Inwiefern unterscheidet sich die Lehre der Drawida-Kultur von der uns heute aus Indien bekannten vedischen Kultur?

Sree Raj: Die vedische Kultur wurde vor zirka 5000 Jahren auf dem indischen Subkontinent eingeführt. Sie charakterisiert sich hauptsächlich durch eine männlich dominierte Gesellschaftsordnung, die von unzähligen Göttern, religiösen Zeremonien und einem starken Priesterkult gestützt wird.
 
Die neuen vedischen Herrscher führten damals in Indien das Kastensystem ein. Damit wurde die friedfertige einheimische Bevölkerung in Arbeiterklassen gespalten, die einander untergeordnet waren, und gezwungen, sich diesem neuen System anzupassen. Durch die aufgezwungenen Dogmen und Religionspraktiken der dominanten vedischen Kultur gerieten die ursprünglich naturgesetzlichen Lehren und Lebensweisen im Laufe der Zeit in Vergessenheit.

Spuren der alten Drawida-Kultur finden sich dessen ungeachtet heute noch im südlichen Indien, nicht nur in den zahlreichen noch erhaltenen über 10.000 Jahre alten Steinbauten, sondern ebenfalls in den Tänzen, der Musik, den Waldtempeln, der Tradition der Erntedankfeste und Mythen dieser Region. Sogar die komplexe alte Sprache des Drawida-Volkes, die von der vedischen Sprache, dem Sanskrit, weitgehend unbeeinflusst geblieben ist, stellt dort immer noch das Hauptkommunikationsmittel dar. Werden all diese Fragmente zusammengereiht, erblickt man die in dem entstehenden Bild verborgenen alten Lehren und Gebräuche.

Der markanteste Unterschied ist aber die Gewaltlosigkeit der alten Hochkultur, in der es keinerlei Waffen zur Kriegsführung und Eroberung gab. Auch war diesen in Bescheidenheit und Harmonie mit der Natur lebenden Menschen das Töten von Tieren für Nahrungs- oder Religionszwecke völlig fremd. Der Respekt und die Achtung vor allen Lebewesen, verankert in einer rein pflanzlichen Ernährung und einer tiefen Naturverehrung, bildete die Basis ihrer Lebensphilosophie. Für sie gab es keine aus dem universellen Zusammenhang gerissene Religion, keine anzubetenden Götter und keine eingemauerten Tempel, zu denen nur Menschen bestimmter Kasten der Zutritt erlaubt gewesen wäre. Stattdessen existierte ein ausgeprägter Glaube an eine Muttergöttin, welche die Leben spendende Natur repräsentierte. Symbole dieser Verehrung stellten die Waldtempel dar – ein naturbelassenes, geschütztes Waldstück mit meist markanten Baumriesen, in dem viele wild lebende Tiere Unterschlupf fanden, das von Menschen aber nicht betreten wurde. Im Gegensatz zu den Glaubenssätzen der eingeführten vedischen Kultur, in der die höchste, herrschende Kaste auch die Priesterschaft vertrat und durch ausschließlich männliche Besetzung ihre Vormachtstellung unterstrich, kam in der alten Drawida-Kultur die höchste gesellschaftliche Stellung der Frau zu. In Südindien findet man bis in die Gegenwart einige dieser nach der ursprünglichen Glaubensausübung von Priesterinnen gehüteten Waldtempel.

Die Friedlichkeit und Gewaltlosigkeit der damaligen hoch entwickelten Kultur, die lange Zeit auf dem indischen Subkontinent verbreitet war, ist vermutlich auch auf die vorrangige Stellung der Frau in der Gesellschaft sowie auf die pflanzliche Ernährungsweise der Menschen zurückzuführen.

Zu dieser Zeit wurde das Wohlergehen der Bevölkerung durch das Befolgen der naturbezogenen Lehren aufrechterhalten, in denen die Gesundheit untrennbar mit der Ernährung und der Lebensweise verbunden war. Das Bewahren der Gesundheit nach dem Vorbild der Natur war das Grundprinzip, durch das eine hohe Lebensqualität und eine lange Lebensdauer gewährleistet werden konnte. Dadurch war das Terrain für die Entstehung zahlreicher Krankheiten zu dieser Zeit einfach nicht vorhanden. Ebenso existierte im Drawida-Zeitalter kein Gesundheitssystem, in dem gezielte Heilverfahren bei bestimmten Krankheitsbildern eingeleitet wurden, wie etwa im Ayurveda. Falls einmal eine Behandlung bei einem Unfall oder einer Vergiftung erforderlich war, verhalf das praxiserprobte Wissen zur umfassenden Regeneration. Die Heiler der altindischen Gesellschaft verwendeten für die inneren und äußeren Behandlungen ansonsten besondere Pflanzen, die nur im frischen, lebendigen Zustand zur Anwendung kamen.

Diese auf den natürlichen Prinzipien der vitalen Lebensenergie basierenden Lehren dienen heute der Owiyam School of Natural Life als Fundament und weisen Menschen der modernen Zeit einen ganzheitlichen Weg im Einklang mit der Natur.

Sein: Warum bezeichnen Sie Owiyam als Lebenslehre und nicht als Gesundheitssystem?
Sree Raj: Aus den alten Lehren geht hervor, dass die Gesundheit mit der Lebensweise im untrennbaren Zusammenhang steht. Aufgrund des Wissens um die existenzielle Bedeutung der Gesundheitsbewahrung richteten die Menschen damals ihr gesamtes Lebensverhalten nach den Vorgaben der Natur aus. Die Owiyam School of Natural Life folgt diesen alten, universellen Erkenntnissen und berücksichtigt die unterschiedlichen Facetten des Lebens wie die Ernährung, die unerkannten Risiken des modernen Lebensalltags, die Lebensfreude und Entspannung.

Heute kämpft die Menschheit an unterschiedlichen Fronten vergeblich gegen die sich vermehrenden Probleme wie Krankheiten, Artensterben, Klimaveränderungen, Armut etc., ohne ihre gemeinsame Ursache – den von der natürlichen Bahn abgewichenen Lebensstil – zu erkennen. Was wir dringend benötigen, ist ein „Lebensbewusstsein“, welches für die Aufrechterhaltung der Lebensqualität der Menschen und die Gesundung der Erde Sorge trägt.


„Die Quelle der Glückseligkeit erreicht der Mensch erst dann, wenn er seine Fähigkeit wiedererlangt hat, die endlosen Mysterien der Natur zu bestaunen“


Mehr Informationen: http://www.owiyam.de


Abb1. und 2.: © Erik Memmert

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