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Paramahansa Yogananda gilt weithin als eine der herausragenden geistigen Persönlichkeiten unserer Zeit. Sein Klassiker Autobiographie eines Yogi steht auf der Liste der 100 besten spirituellen Bücher des 20. Jahrhunderts. Er tat alles, um den Menschen zu helfen, die Schönheit des menschlichen Geistes im eigenen Leben zu erkennen und zum Ausdruck zu bringen. Der Inder kam 1920 in die Vereinigten Staaten und gründete die Self-Realization Fellowship. Millionen von Menschen lernten durch ihn Yoga und Meditation kennen. Am 16. März sind zwei Mönche aus seinem Hauptsitz in Los Angeles zu Gast in Berlin. Oya Erdoğan sprach im Vorfeld mit einem der beiden, Brahmachari Simone.

 

SEIN: Der Film „AWAKE – das Leben des Yogananda“ lief wochenlang in den Kinos. Es beeindruckte mich, mit wie viel Tatkraft und Hingabe Yogananda allen Widrigkeiten zum Trotz seine göttliche Mission im Westen erfüllt hat. Was berührt Sie daran am meisten?

Brahmachari Simone: Dass er das nicht hätte tun müssen! Er hätte auch in Indien bleiben können. Er hatte kein persönliches Verlangen danach, in den Westen zu gehen und eine Weltorganisation aufzubauen. Wie er in seiner Autobiographie eines Yogi berichtet, war sein größter Wunsch, sich in den Himalaya zurückzuziehen und dort über Gott zu meditieren. Aber er liebte Gott, die Menschheit und seinen Guru so sehr, dass er einwilligte, in den Westen zu gehen, um dort die befreiende Wissenschaft des Kriya Yoga zu verbreiten. Seine völlige Selbstlosigkeit und Liebe für andere hat mich immer schon zutiefst berührt.

 

Der Film zeigt, dass es im Yoga nicht nur um Körperübungen geht, sondern dass Yoga die bewusste Vereinigung mit dem Höchsten bedeutet. Wie beschreibt Yogananda die Yoga-Meditation?

Yoga-Meditation ist ein wissenschaftliches Verfahren, bei dem man das Bewusstsein verinnerlicht und sich auf einen Aspekt Gottes konzentriert. Das entwickelt die intuitive Wahrnehmung und der Yogi wird fähig, die Gegenwart Gottes direkt zu erleben. In seinem ausführlichen Kommentar zur Bhagavad-Gita „Gott spricht mit Arjuna“ wird die Wissenschaft des Yoga eingehend beschrieben. Yogananda erklärt hier, wie man sich durch das Üben des Kriya Yoga über das mit dem Körper identifizierte Selbst (das Ego) erhebt und sich mit der Seele oder dem Höheren Selbst vereinigt. Erst dann entdecken wir, wer wir wirklich sind: Ein Funke der unendlichen, ewig währenden Glückseligkeit.

 

Yogananda hat die Self-Realization Fellowship gegründet. Was genau bedeutet hier Selbst-Verwirklichung?

Es bedeutet, dass man seine wahre Identität erkennt, das höhere Selbst, das eins ist mit dem kosmischen Bewusstsein Gottes. Yogananda sagt: „Selbst- Verwirklichung ist das Wissen auf allen Ebenen unseres Seins – des Körpers, des Geistes und der Seele –, dass wir eins sind mit der Allgegenwart Gottes, dass wir nicht um sie zu beten brauchen, dass wir ihr nicht nur allezeit nahe sind, sondern dass sie zugleich unsere Allgegenwart ist und dass wir jetzt ebenso ein Teil von Gott sind, wie wir es immer sein werden. Wir brauchen nur eins zu tun: unser Wissen zu erweitern.“

 

Was muss man tun, um diese vollkommene Erkenntnis zu erlangen?

Meditieren! Sich auf einen Wandlungsprozess einlassen, der unsere wahre göttliche Natur wieder erweckt. Yogananda sagte oft: „Übt den Kriya Yoga, und ihr werdet wissen, wer ihr wirklich seid.“ Es genügt also nicht, sich über Spiritualität zu unterhalten oder spirituelle Bücher zu lesen. Man braucht die spirituelle Praxis, die persönliche Disziplin und eine harmonische Entwicklung von Körper, Geist und Seele. Es gibt viele Meditationstechniken.

 

Was ist das Besondere am Kriya Yoga?

Alle Meditationstechniken sind gut. Wie die großen Meister sagen, „Es gibt unendlich viele Wege zum Unendlichen.“ Zu den wesentlichen Merkmalen des Kriya Yoga gehört, dass er einfach und sehr wirkungsvoll ist, und wenn man regelmäßig übt, wird unsere spirituelle Evolution erheblich beschleunigt. In relativ kurzer Zeit kann er uns helfen, geistige Wahrnehmungen zu entwickeln und eine direkte, persönliche Beziehung zum Göttlichen aufzubauen.

 

Stimmt es, dass jeder diese Meditationstechniken anwenden kann? Ganz gleich welcher Religion man angehört – sogar wenn man Atheist ist?

Ja, das ist absolut richtig. Yoga ist die Wissenschaft der Seele, und Wissenschaft ist neutral. Yoga ist universell und kann von jedem praktiziert werden, ungeachtet seines Glaubens oder seiner Weltanschauung. Yoga setzt keinen Glauben an Gott voraus. Wer aber regelmäßig und intensiv meditiert, beginnt allmählich seine Einheit mit dem göttlichen Geist zu erkennen. Diese Wissenschaft der Selbst-Verwirklichung ist der innerste Kern aller wahren Religionen.

 

Wie kann man diese Techniken erlernen?

Als Erstes würde ich empfehlen, die Autobiographie eines Yogi zu lesen. Wenn man dann tiefer eintauchen möchte, kann man die Lehrbriefe der Self-Realization Fellowship zum Heimstudium bestellen. Diese führen Schritt für Schritt in die altehrwürdigen Techniken der Yoga-Meditation ein, die Paramahansa Yogananda lehrt. Zugleich enthalten die Lehrbriefe seine Vorschläge zur richtigen Lebensführung. Auf unserer Webseite www.yogananda-srf.org (auch auf Deutsch) findet man grundlegende Anweisungen für die Meditation und auch einige geleitete Meditationen. In ganz Deutschland gibt es Meditationszentren und -gruppen der SRF – Infos auf unserer Webseite –, in denen man kostenlos an Meditationen und anderen inspirierenden Veranstaltungen teilnehmen kann.

 

Muss man eigentlich wie ein Yogi mit gekreuzten Beinen sitzen können, um richtig zu meditieren?

Ganz bestimmt nicht! Den meisten Menschen im Westen empfahl Yogananda, einen Stuhl zu benutzen. In erster Linie geht es nämlich darum, ruhig und entspannt zu sitzen, mit gerader Wirbelsäule; ferner sollte die Aufmerksamkeit auf den Punkt zwischen den Augenbrauen gerichtet sein, den Sitz göttlicher Wahrnehmung.

 

Man sagt, dass Meditation bei körperlichen und psychischen Leiden helfen kann. Kann man den Kriya Yoga auch für solche Zwecke einsetzen?

Das höchste Ziel des Kriya Yoga ist natürlich die Erlangung des kosmischen Bewusstseins. Das Üben dieser Technik wirkt jedoch auch verjüngend, revitalisiert den ganzen Körper und hat eine tief entspannende Wirkung auf das Nervensystem; das steigert natürlich das allgemeine Wohlbefinden, was zur allmählichen Heilung von Krankheiten beiträgt. Man muss allerdings wissen, dass die Wissenschaft des Kriya Yoga in einem anderen, höher entwickelten Zeitalter entdeckt wurde, in dem die meisten Menschen ausgeglichener waren – innerlich gefestigt und gesund an Körper, Geist und Seele. Das Üben des Kriya Yoga erfordert Disziplin und Konzentration. Leidet jemand an einer ernsten Krankheit, ist es besser, die vorbereitenden Meditationstechniken zu üben, die auch ein Teil des Kriya-Yoga- Weges sind, während man sich ärztlich bzw. therapeutisch behandeln lässt.

 

Viele Menschen haben negative Erfahrungen mit Gott, schon das Wort „Gott“ löst Aversionen in ihnen aus. Was würde Yogananda da empfehlen?

Auch hier: Meditieren! Je mehr man meditiert, desto tiefer identifiziert man sich mit der eigenen wahren Seelennatur. Wir können Gott nicht mit dem Intellekt erfassen – deshalb wenden sich so viele Menschen von Gott ab. Nur die intuitive Wahrnehmung lässt uns das Göttliche erkennen und Gott als Glückseligkeit erleben. Yogananda erklärt, dass es ein universelles Verlangen danach gibt, Leid auszulöschen und Glückseligkeit zu erlangen. Anfangs haben viele nur eine vage Vorstellung von Gott und halten Vergnügen für Glückseligkeit. Je mehr wir aber meditieren, betont Yogananda, desto mehr erleben wir die Gewissheit der Existenz Gottes in uns. Indem wir eine persönliche Beziehung zu Gott aufbauen, werden wir fähig, tiefer zu meditieren und Seine Gegenwart deutlich zu spüren.

 

Diese persönliche Beziehung scheint sehr wichtig zu sein.

Das stimmt. Obgleich Yoga eine Wissenschaft ist, hat er viel mit Gefühl oder Hingabe zu tun. Man sollte ein Kriya- Yogi sein und die wissenschaftlichen Methoden üben, um den Geist zu beruhigen, die Emotionen zu klären und die Seele zu erwecken – und zugleich eine persönliche, hingebungsvolle Beziehung zu Gott pflegen. Je mehr Hingabe man durch tägliche Meditation entwickelt, desto wirklicher wird die Beziehung zu Ihm und desto mehr erlebt man Seine Gegenwart als tiefen Frieden und Freude.

 

Als Mönch haben Sie ja einen Vorteil in puncto spirituellem Fortschritt. Wie steht es um Menschen, die Familie haben und im Beruf stehen. Haben sie eine Chance, in ihrer Lebenszeit das göttliche Bewusstsein zu erlangen?

Der Fortschritt hängt nicht davon ab, ob man Mönch ist oder in der Welt tätig. Das Entscheidende, um seine spirituellen Ziele zu erreichen, ist hingebungsvoll und regelmäßig zu meditieren und ein rechtes Leben zu führen. Jeder kann Fortschritte auf dem geistigen Weg machen. Es gibt keine Begrenzungen. Wer wir auch sind, wo wir auch leben, es geht nur darum, sich aufrichtig der spirituellen Praxis hinzugeben und ihr eine Priorität in unserem Leben einzuräumen.

 

Erhalten Sie als Mönche noch andere Techniken?

Nein, die Techniken, die wir üben, unterscheiden sich überhaupt nicht von denen, die man erhält, wenn man die Lehrbriefe der SRF studiert. Der Unterschied ist, dass wir als Mönche ein Leben der Entsagung führen, um Gott zu finden, und unser Leben ganz in den Dienst Gottes stellen.

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2 Responses

  1. Theodor ELSÄSSER
    Wahres Glück !

    Ich bin durch 40 Jahre praktizieren von Kriya-Yoga vom Zweifler an Gott zu einem
    sehr glücklichen „Menschensohn“ geworden. Ich wünsche der ganzen Menschheit die gleiche Erkenntniss der Existenz Gottes wie ich sie täglich erfahre.
    GOTT segne Euch alle.

    Antworten
    • Rüdiger

      Du sagst es. Der Segen der Meditation, wird oft unterschätzt.
      Woran die meisten scheitern , ist das konstante Üben und am Ball bleiben.Man ist sozusagen ein spiritueller Leistungssportler.
      Ab und zu ein paar Wochenenden mit Vorträgen und ab und zu meditation,eingebettet in Lifestyle Hype reicht halt nicht für konstantes Wachstum. Kostet halt auch ab und zu ein bischen Disziplin.
      Ein Bauer muß auch Geduld haben bis er die Ernte einfahren kann

      Antworten

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