Wir alle wünschen uns seelische und körperliche Berührung. Doch oft sind wir – auch in einer Beziehung – nur begrenzt fähig, liebende Berührung zu geben und/oder zu empfangen. Zu schmerzlich sind die eingekapselten Erfahrungen aus der Kindheit, in denen wir uns vertrauensvoll einer Berührung geöffnet haben und dann durch Zurückweisung oder Überwältigung tief verletzt wurden. Aqua-Wellness, eine spezielle Wasserarbeit, bietet hier einen Raum von Sicherheit an, von Getragen- und Gehaltenwerden, der uns – Einzelpersonen wie auch Paaren – bis in unsere Zellen an unsere frühesten Erfahrungen im Mutterleib erinnert und uns wieder Vertrauen in liebevolle Berührung schenkt…

von Tashina Kohler

Viele Paare leben zwar zusammen, verbringen aber wenig Zeit miteinander. Zusammen in den Urlaub zu fahren ist etwas anderes, als sich über einen bestimmten Zeitraum bewusst mit sich und dem Partner auseinanderzusetzen und so über einen kontinuierlichen Prozess Nähe herzustellen. Manchmal steht uns auch unser verletztes inneres Kind im Weg, Nähe und Intimität zuzulassen.

Wir wissen, wie schwierig es ist, wenn schmerzhafte Gefühle erwachen. Zudem fehlt es in unserer Gesellschaft an Körperbewusstsein. Wir sind zu kopflastig, es mangelt uns an Berührung, ja sogar oft in unseren Beziehungen. Wir haben uns so daran gewöhnt, in einem verspannten und steif gewordenen Körper zu leben – mit all seinen Verletzungen und Traumata, die in ihm festsitzen –, dass wir das kaum noch registrieren. Wie können wir wieder weicher und empfänglicher werden? Wie unser Selbstvertrauen stärken und Nähe zulassen, wie uns sicher in diesem Leben verwurzeln und in unserer Mitte bleiben? Und wie in Verbindung kommen und bleiben mit allem, was ist?

Wir alle wünschen uns doch diese spirituelle Anbindung. Die Antwort ist einfach: über unseren Körper. Wenn wir lernen, wieder körperliche Berührung zu genießen, wird die Liebe zu uns selbst, zum Anderen und zum Leben erfüllter und reicher. Begegnen wir uns als Mann und Frau in der Fülle, wird jede Partnerschaft an Qualität gewinnen. Die Frage ist: Wie kommen wir da alleine und als Paar hin? Die Antwort kann heißen: Aqua-Wellness, ein heilender Erlebnisraum im warmen Wasser, der hilft, die eigene Ganzheit und Lebendigkeit in das Zusammensein einzubringen, und der damit das Miteinander- Schwingen beider Partner in der gleichen Frequenz unterstützt.

Geborgenheit nachnähren

Sabrina Weinzierl liebt ihren Freund von Herzen. Doch immer dann, wenn ihr Freund Nähe wollte und auch Sex, verkrampfte sich etwas in ihr und sie fühlte sich wie abgestorben. Durch jahrelange Therapie wusste sie zwar den Grund – einen sexuellen Übergriff eines Verwandten, als sie fünf Jahre alt war –, doch trotz vieler Sitzungen, bei denen sie viel verstand und sich auch jede Menge Schmerz und Wutenergie entladen konnte, hatte sie keinen Zugriff auf diesen Reflex des Sich-Verschließens. Eine Situation, die zwischen ihr und ihrem Freund immer wieder zu Frust und Enttäuschung führte. Hier kann Aqua-Wellness durch Erfahrungen, die bis in die Zellebene hineinwirken, heilsame Impulse setzen, wenn ein Paar sich die Chance gibt, sich in einem ungewohnten, sicheren Raum neu zu begegnen, sich zusammen zu erleben und voneinander berühren zu lassen.

Im heilsamen Element Wasser, in dem wir uns schon einmal im Mutterleib geborgen fühlten, ist auch heute für uns als Erwachsene – mit all den Konditionierungen und Verkrampfungen – wieder ein Entspannen und Loslassen möglich. Durch gegenseitige Berührung und die Nähe im warmem Wasser wird die tiefere Intelligenz des Körpers und des Herzens angesprochen und der Verstand kann zurücktreten und eine Pause machen. Unter Anleitung halten sich die Paare gegenseitig im Wasser, bewegen sich auf einer spielerischen Ebene, und durch sanfte Dehnungen und anmutige Bewegungen lösen sich nach und nach vorhandene Spannungen.

Die sinnliche und tänzerische Art der Bewegungen erzeugt beim Zuschauen ebenfalls Berührtheit und das Gefühl mitmachen und es selbst erleben zu wollen. Alles geht ganz langsam, so dass unsere innere Kontrollinstanz nicht überfordert wird und immer mehr merkt, dass nichts Schlimmes, Gefährliches und Übergriffiges passiert. Und auf einmal kann Loslassen geschehen. Vielleicht erst ein kleines bisschen, dann, wenn der innere Kontrolleur weiter Vertrauen in das neue Erleben fasst, noch ein Stück. Und endlich: Fühlen! Die Freude am Fühlen und Genuss tauchen auf. Gelingt es als Paar, auf diese Weise wieder miteinander ins Fließen zu kommen, können sich problembeladene Themen in der Partnerschaft oftmals in Wohlgefallen auflösen.

So auch bei Sabrina: „Der Unterschied zwischen vorher und nachher war unglaublich. Direkt nach der Session empfand ich den Raum um mich herum als weiter und weicher, die Welt war auf einmal nicht mehr mein Feind. In den nächsten Tagen tauchte zwar immer wieder der Impuls auf, mich gegenüber Berührung zu verspannen, aber da wir unsere Begegnung nun völlig in einen Raum der Langsamkeit verlegt haben und einfach anhalten, wenn ich mich überfordert fühle – und ich auf einer tieferen Ebene in mir das Vertrauen gewonnen habe, dass ich nicht überwältigt werde –, kann sich meine Angst auch wieder zurückziehen und ich mich entspannen und öffnen. Die Sitzung hat wirklich mein Leben verändert.“

Hingabe an das Urelement Wasser

Ja, wenn zwei Herzen im Wasser schwingen, können sie sich relativ einfach miteinander synchron verbinden. So werden Nähe, Berührung und Intimität möglich. Der niederländische Astronom, Mathematiker und Physiker Christian Huygens benannte dieses Phänomen bereits 1665 in seinem „Law of Entrainment“ als universelles Gesetz der Harmonie: Synchronizität bedeutet, dass zwei räumlich nahe Schwingungsquellen, zum Beispiel zwei Herzen, sich in ein harmonisches Pulsverhältnis einpendeln und schlicht miteinander schwingen.“ Und wo sollte das einfacher gehen als in dem Medium, in dem wir alle unseren Anfang genommen haben: dem Wasser.

Und das Wundervolle: Kindliche Bedürfnisse bleiben in Erwartung ihrer Erfüllung unbegrenzt lange bestehen und können daher in jedem Alter genährt werden. Erfüllung ist also immer möglich. Auch wenn es uns nach vielen Jahren der Trennung von unseren Gefühlen und einem erschöpfenden Leben des Kampfes und einer schon als natürlich empfundenen Schutzhaltung gegen ein als feindlich verstandenes Leben oft schwerfällt, noch an eine Wende zu glauben: In der Schwerelosigkeit des Wassers ist es auch im Erwachsenenalter möglich, gehalten und getragen zu werden und den eigenen Schutzpanzer Stück für Stück abzulegen – oder ihn zumindest durch das Urelement Wasser ein wenig perforieren zu lassen. Im heilsamen, warmen Element Wasser ist ein gegenseitiges Nähren möglich, weil wir uns meist geborgen und sanft liebkost vom Wasser fühlen – eben wie im Mutterleib.

Die Wärme des Wassers lässt uns auf einer sehr tiefen Bewusstseinsebene entspannen und loslassen. Jede Aqua-Wellness-Session ist natürlich individuell und einzigartig – über Erfahrungen von tiefer Meditation, Vertrauen, Geborgenheit und Loslassen berichten allerdings die meisten Klienten. Eine Frau von Mitte 40 sagte nach einer Session mit Tränen in den Augen: „Ich wusste nicht, dass ich dieses Gefühl von Geborgenheit, mich liebevoll gehalten zu fühlen, in diesem Leben noch spüren würde. Ich kannte es bis dahin nicht. Diese Form der Zuwendung habe ich von meiner Mutter nie erhalten…“

Author: Oliver Bartsch

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