In der ayurvedischen Philosophie geht man davon aus, dass jeder Mensch einen Urklang besitzt. In diesem Urklang sind alle Informationen, die das Wesen, die Gaben und die Bestimmung  eines Menschen ausmachen, „codiert“…

Von Tanja Schade-Strohm

Auf der Suche nach Antworten bin ich sehr früh auf die ayurvedische Heilkunst gestoßen, in der es einen völlig anderen Krankheitsbegriff gibt als bei uns in Europa. In dieser Heiltradition beginnt Krankheit nicht erst, wenn ein Mensch Schmerzen hat, körperliche, manifeste Symptome aufweist oder total erschöpft ist, sondern bereits dann, wenn er verstimmt ist. Also wenn seine Stimmung (über einen längeren Zeitraum) gekippt ist – sei es durch eine schlimme Erfahrung, einen ungelösten Konflikt oder durch einen Lebensumstand, der dem Wesen und/oder den Werten dieses Menschen nicht entspricht. Als ich das zum ersten Mal gehört hatte, war ich berührt, weil ich diese Art auf Menschen zu schauen als sehr feinsinnig empfinde und gleichzeitig die Eleganz der Heilungsmöglichkeiten mag, die hinter einer solchen Sichtweise steckt.

Also bin ich tiefer in die ayurvedische Philosophie eingestiegen und habe sehr bald eine weitere faszinierende Entdeckung gemacht. Nämlich dass die Veden davon ausgehen, dass jeder Mensch über einen eigenen, einzigartigen Urklang verfügt. Dieser Urklang ist der Klang, den der Kosmos zur Zeit der Geburt eines Menschen gesummt hat. Und in diesem sind alle Informationen, die das Wesen, die Gaben und die Bestimmung eines Menschen ausmachen, „codiert“.

Die Wiederentdeckung des Urklangs

Der einzige Nachteil ist, dass wir unseren Urklang und den unserer Mitmenschen mit unseren bloßen Ohren nicht wahrnehmen können. Deshalb haben die meisten Menschen von (ihrem) Urklang im wahrsten Sinne des Wortes noch nie etwas gehört und wissen auch nichts von seiner Bedeutung. Dennoch ist er da und wirkt massiv auf uns und unser Leben ein – nur eben außerhalb des Frequenzbereiches unseres Gehörs. Dadurch habe ich verstanden, dass wir Menschen kosmische Instrumente sind: mit einer individuellen Frequenz und einem eigenen Ur-Klang, der sich jeden Tag formend auf unsere Realität und das, was wir und wie wir es erleben, auswirkt. Daher ist die (Wieder-)Entdeckung des eigenen Ur-Klangs der erste Schritt, um sich selbst und seine Bestimmung zu erkennen. Damit beginne ich fast immer, wenn ein neuer Klient oder Patient in meine Praxis kommt, der sich ohnmächtig fühlt und auf der Sinnsuche ist.

Denn es zeigt sich im Zusammenspiel mit meinen Klienten immer wieder, wie viel Schöpferkraft und Freiheit sich plötzlich entfaltet, wenn ein Mensch seine Bestimmung erkennt und zu leben beginnt. Und wie auf der anderen Seite Ohnmacht und Verzweiflung von den Menschen erfahren werden, die ihre Bestimmung nicht kennen oder ignorieren, weil sie nicht wissen, wie sie diese in ihr Leben integrieren sollen.

Verzerrter Urklang = verstimmter Mensch

Leider ist der Urklang aber bei den meisten von uns – etwa durch negative, unverdaute Kindheits- und Lebens-Eindrücke – ziemlich verstimmt, vergleichbar einem wertvollen, aber eingedrückten Orchesterinstrument, das nur noch schräge Töne von sich gibt. Bei uns Menschen führt diese Verstimmung dazu, dass wir unseren guten Platz im Leben einfach nicht finden, geschweige denn Erfüllung oder gar Sinnhaftigkeit. Wir verheddern uns. Sind frustriert, erschöpft, werden nach einer gewissen Zeit vielleicht sogar krank. Denn durch diese schiefen, schnarrenden Töne und Dissonanzen, die zwar für niemanden hörbar sind, die wir aber dennoch in jedem Moment erzeugen, gehen wir – meist ohne Bewusstsein darüber, warum das so ist – mit Menschen und Situationen in Resonanz, die genauso verstimmt sind wie wir selbst. Oder die zumindest auf einer Frequenz „liegen“ und schwingen, die eben nicht unserer wahren, ursprünglichen Wesensfrequenz entspricht. Sondern eben „nur“ unserem verstimmten Ur-Klang und damit unserem verstimmten Selbst.

Man könnte auch sagen: Wir funken auf einer verzerrten Frequenz (= unserem verzerrten Urklang) Menschen und Situationen an, die mit uns und unserem wahren Wesen nicht auf einer Wellenlänge liegen.

Sendestörung

Das ist vergleichbar mit einem TV-Sender, der – wie man das früher machte – analog und terrestrisch sendet. Wenn ein solcher Sender eine Sendestörung hatte, sah das „Publikum“ plötzlich nur noch Zerrbilder. Oder noch schlimmer, der Tatort verschwand vollkommen von der Mattscheibe und kam plötzlich statt auf Kanal 4 auf Kanal 7 zum Vorschein, also bei einer „Zielgruppe“, die mit Krimis vielleicht nicht viel am Hut hatte. Betrachten wir kurz die zwei Auswirkungen einer solchen Sendestörung, um dann zum Urklang zurückzukehren: 1.) Die „Zielgruppe“ der Tatortfans, die der Sender gezielt auf Kanal 4 erreichen wollte, schaltet wahrscheinlich nach 10 Minuten entnervt ab. Der Sender verärgert und verliert diese Zuschauer. 2.) Die „andere Zielgruppe“, die auf Kanal 7 bis eben Fußball geschaut hat, sieht plötzlich ungewollt Tatort, und wartet geduldig, um den „Wiedereinstieg“ in das bis eben gesendete Fußballspiel nicht zu verpassen.

Unser Urklang funktioniert fast genauso. Denn auf unserer Urklangsfrequenz „senden“ wir all unsere Wünsche, Visionen, Sehnsüchte in die Welt. Ist unser Urklang aber verstimmt und verzerrt, so „funken“ wir im wahrsten Sinne des Wortes Menschen, Situationen, Chancen und beispielsweise Jobangebote an, die wir nicht unbedingt anfunken wollten. So werden wir von Menschen, mit denen wir eigentlich auf einer Wellenlänge liegen, wie unser Seelenpartner oder unser „Traumchef“, weder wahrgenommen noch „erkannt“, weil wir auf deren „Bildschirm“ bzw. in deren Lebensfilm nie erscheinen. Wir laufen im wahrsten Sinne des Wortes aneinander vorbei, erkennen uns gegenseitig nicht und verplempern beidseitig unsere Chancen auf Erfüllung und Glück. Und irgendwann, mangels „stimmiger und besserer“ Möglichkeiten, greifen wir dann doch frustriert zum „Falschen“. Besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.

Der verwirrte Schöpfer: Verstimmung statt Bestimmung

So führen wir „Freundschaften“ mit Menschen, die nicht so recht zu uns passen, machen teilweise steile Karrieren in den für uns falschen Berufen. Oder werden für unsere Gaben und Fähigkeiten von unserem Umfeld nicht wertgeschätzt. Wir führen Beziehungen und Ehen mit Menschen, von denen wir uns in unserem Kern weder gesehen noch verstanden fühlen. Kurz: Wir spielen die falsche Rolle im falschen Film. Immer wieder und wieder. Irgendwann breitet sich dann verständlicherweise das Gefühl von Ohnmacht aus. Nichts klappt so richtig, obwohl wir uns wirklich anstrengen. Dabei sollten wir uns eines bewusst machen: Wir verwechseln hier „Ohnmacht“ häufig mit unserer eigenen, verzerrten Schöpfermacht, mit der wir selbst in bizarrer Form ein Leben manifestiert haben, das wir so nicht wollten. Denn: Schöpferkraft an sich ist neutral. Schöpferkraft ist eine Energie, der egal ist, wen oder was sie für uns manifestiert. Sie steht in unserem Dienst, und sendet „brav“ und zielsicher – entweder auf unserer klaren oder eben auf unserer verzerrten Frequenz.

Das heißt, sie „schöpft und manifestiert“ was wir selbst ins Leben aussenden. Mit den Menschen und damit in den Situationen, die wir „anfunken“. So verschafft sie uns den Zugang zu dem Lebensfilm, den „Mitspielern“ und auch der Rolle, die wir jetzt gerade spielen und erleben: unglückliches Selbst im grauen Drama, entspanntes Selbst in einer Comedy oder die beste Version unseres Selbst im opulentem, farbigen 3DEpos. Die gute Nachricht: Wir können unsere Schöpferkraft bewusst steuern und damit massiv auf unseren „Lebensfilm“ Einfluss nehmen.

Bewusstseinsentwicklung und die beste Version deines Selbst

Als mir diese Zusammenhänge klar wurden, da war es für mich natürlich und logisch, den Urklang in den Mittelpunkt jeglicher Heilarbeit und Berufungsfindung für mich selbst und für andere zu stellen. Es dauert in den meisten Fällen nicht lange, den eigenen Urklang zu erkennen. Oft braucht man „nur“ eine (ziemlich intensive) Erfahrung, die ich die „Himmelstreppe“ nenne und die ich in meinem neuen Buch „Werde zur besten Version deines Selbst – aus der Verstimmung in die Bestimmung“ beschreibe und damit Interessierten zur Verfügung stelle. Jeder kann diese Himmelstreppe alleine oder gemeinsam mit anderen durchlaufen. Sobald man den eigenen Urklang und somit die eigene Frequenz (wieder-)entdeckt hat, geht es im nächsten Schritt darum, sich auf ihn wieder einzujustieren und die Verzerrungen und die Verstimmungen hinter sich zu lassen. Denn nur so können wir klar und deutlich „senden und strahlen“, um von den Menschen und der Welt als der- oder diejenige wahrgenommen zu werden, der oder die wir wahrhaftig sind. Wenn das stattfindet, werden sich die Menschen – meist zum ersten Mal – über ihre eigene Schöpferkraft bewusst. Das ist ein magischer Moment, in dem die Ohnmacht zu verfliegen beginnt: Ihnen wird klar, dass sie ihre Schöpferkraft schon immer genutzt haben – nur ohne es zu wissen.

Bei der Begleitung zurück zur Urfrequenz empfinde ich mich häufig als wohlwollender Instrumentenstimmer, der dabei hilft, den wunderbaren Klang meiner Klienten und Patienten wieder „freizulegen“. Die vielen Beulen und Eindrücke sanft und gemeinsam auszudrücken, so dass das „Instrument Mensch“ wieder auf seinen ursprünglichen eigenen Klang und seine Schönheit einjustiert wird. Negative, unverarbeitete Lebenseindrücke und ungeklärte Konflikte erfordern heilsamen Ausdruck. Dieser Prozess – ob in meiner Praxis oder in meinem Buch – führt auf einen Erkenntnisweg und zu einer Bewusstseinsentwicklung, die sich – neben therapeutischen Aspekten – auch der Realität hinter dem Schein unseres Seins stellt. Und damit den metaphysischen wie physischen Gesetzmäßigkeiten und Dynamiken, die von dort aus jeden Tag auf uns wirken und die wir als gestimmter Schöpfer bewusst mitformen können.

Lesung und Erlebnisabend: Fr., 22. Sept, 19-21 Uhr im Aquariana, Am Tempelhofer Berg 7D,
10965 Berlin-Kreuzb. Eintritt frei.

Author: Oliver Bartsch

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