„Irgendwie scheinen wir der Auffassung zu sein, dass wir ständig etwas tun müssen, um die uns zur Verfügung stehende Zeit gewinnbringend zu nutzen. Viele Menschen brauchen eine Art offizieller Erlaubnis, ehe sie es wagen, vom Handlungs-Modus auf den Seins-Modus umzuschalten, wohl hauptsächlich deswegen, weil wir von Kindesbeinen an daran gewöhnt sind, alles Tun höher zu bewerten als das einfache Sein. Niemand hat uns je etwas darüber beigebracht, geschweige denn verraten, wie man es findet.” (Jon Kabat-Zinn, Mit Kindern wachsen)

von Sarina Hassine

Inspiriert von dem wunderbaren Buch „Mit Kindern wachsen“ von Myla und Jon Kabat Zinn, versuche ich öfter aus dem reaktiven „Tun“ auszusteigen und in ein einfaches „Da- Sein“ zu kommen. Das bringt meiner Familie mehr Ruhe, Raum und Klarheit. Vorbilder dafür finde ich auch insbesondere in der Natur: Sie wirkt deshalb so entspannend, weil sie nichts von einem will, einen zu nichts auffordert, einen nicht bewertet oder gar verurteilt. Hier fühlt man sich wohl und kann sich entfalten. Wenn wir es schafften, uns selbst als einen Teil der Natur zu sehen, als ein Wesen, das auch „einfach da“ ist, löst das viel Anspannung, Erwartungsdruck und den Drang anders zu sein, besser zu sein. Ebenso löst es den Gedanken auf, dass wir das Kind „erziehen“ müssen, damit es ein wertvoller Teil der Gesellschaft werden kann. Das Kind ist bereits wertvoll, es kommt mit einer Fülle von Talenten und Potenzial auf die Welt, die wir nur erkennen und bewahren müssen. Es gibt gar nicht so viel tun. Wir dürfen viel öfter loslassen und vertrauen.

Den eigenen Weg gehen

In meiner Arbeit als Achtsamkeitslehrerin habe ich oft den Eindruck, dass die Kursteilneh – mer*innen zu Archäologen werden. Im achtsamen Kontakt zu sich selbst fangen sie an, längst verschüttete Bedürfnisse, Gefühle und Talente auszugraben, um dann neue Wege zu gehen. Ein guter und wichtiger Prozess, bei dem Eltern das Vertrauen wiedergewinnen, um ihre Kinder in ihrem Sein anzunehmen und sich selbst in ihrer Eltern-Rolle zu entspannen. Kinder lernen und wachsen aus sich heraus – und an unserem Vorbild. Zeigen wir ihnen, wie wir uns selbst Gutes tun, wie wir uns entspannen, wie wir Gefühle erleben und bewältigen, wie wir Beziehungen respektvoll gestalten und wie wir uns selbst als wertvollen Teil des „Großen Ganzen“ verstehen!

Wenn wir das noch nicht so ganz schaffen, ist es vielleicht an der Zeit, dass wir etwas für uns selbst tun. Dafür ist es nie zu spät und wir können jeden Moment, jeden Tag neu beginnen. Denn Achtsamkeit bedeutet nicht, dass wir immer und ständig achtsam sind, sondern, dass wir unser Bewusstsein schärfen und unsere Aufmerksamkeit schulen, um zu bemerken, wenn wir unachtsam sind. Elternschaft ist ein spannender, lebenslanger Prozess, der viele Chancen bietet, sich selbst zu entdecken und mit dem Kind gemeinsam zu wachsen.

Sarina Hassine und Hanna Salzer bieten in Brandenburg und Berlin Kurse, Achtsamkeits- Tage und Retreats für die ganze Familie an. www.achtsamkeit-mit-kindern-berlin.de
12.-14. Juli 2019 Sommer-Retreat auf www.hof-jakob.de bei Zeschdorf
4. April und 5. Mai 2019 Achtsamkeitstage in der www.yogaliebe.de Berlin

Author: Oliver Bartsch

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