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Hierarchien sind out: Sie schließen die Mehrheit von Entscheidungen aus, lassen ein Riesenpotenzial von Wissen ungenutzt und haben die Menschheit in die jetzige, verfahrene Situation manövriert. Die Zukunft gehört selbstorganisierenden Gruppen, die sich gegenseitig vernetzen und – auch dank eines sich selbst generierenden Feldes kollektiver Kreativität und Intelligenz –  Zugang zu gänzlich neuen Lösungen erhalten.

Ein Interview mit Mushin J. Schilling, der aus diesem Verständnis seine Konsequenz gezogen hat.

Sein: Du hast vor einiger Zeit deine Guru-Rolle als Meister deines Ashrams in Tschechien an den Nagel gehängt – wieso?

Mushin: Weil sie nicht mehr zeitgemäß war. Du kannst dir das ungefähr so vorstellen wie bei Windows und Linux. Beides sind Betriebssysteme, also Systeme, die dafür sorgen, dass wir den Computer für all diese wunderschönen Sachen, die wir damit machen, benutzen können. Sie vermitteln zwischen Innen- und Außenwelt. Nur: Windows bekommst du einfach vorgesetzt, Linux kannst du mitgestalten. Religion oder eine spirituelle Gemeinschaft mit einem Guru kannst du auch als eine Art Betriebssystem sehen, das zwischen uns und der Welt vermittelt. Und dieses Betriebssystem ist seit Jahrtausenden vertikal. Du hast in praktisch allen Religionen oder spirituellen Wegen einen Hauptgedanken – „wir sind alle eins“ ist so eine New-Age-Fassung davon. Oder: „Es gibt eine zentrale Gottheit.“ Diese Betrachtungsweise ist Jahrtausende alt – und sie passt einfach nicht mehr in unsere Zeit. Was ich damit meine, ist: Wir müssen ganz neue Antworten finden. Nimm als Vergleich die Astronomie. Da glaubten wir sehr sehr lange, die Erde sei das Zentrum des Universums. Dann kamen Kepler und Konsorten und sagten: Nein, das stimmt nicht, das Zentrum ist die Sonne. Nun wissen wir seit ungefähr 150 bis 200 Jahren, dass auch die Sonne nicht das Zentrum des Universums ist. Entsprechend sagen die Religionen, dass im Zentrum des Seins etwas ist, was man Gottheit nennen könnte. Oder Buddha als Zentrum, als erleuchtete Gestalt des Buddhismus. Man könnte jetzt sagen, dass sie wie Sterne sind, um die sich Planeten drehen. Ich vertrete nun etwas, was ich pluralistische Spiritualität nenne, das darauf beruht, dass es keine zentrale Einheit gibt, die alles verbindet, es gibt keinen Urgrund, der alle Religionen miteinander verbindet. Ist auch nicht notwendig. Wir müssen, um tiefe Spiritualität erfahren zu können, nicht die Idee eines Zentrums des Universums haben.

Aber meine Erfahrung ist, dass letztlich alles aus Liebe besteht und dass das der Kern ist.

Deine Erfahrung oder meine Erfahrung ist kein Kriterium. Schlicht und einfach deshalb nicht, weil wir inzwischen sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten sind und Menschen ganz unterschiedliche Erfahrungen machen, die mit großer Wahrheit erfüllt sind. Stell dir vor, ein tibetisch-buddhistischer Mönch im Himalaya sitzt dort meditierend seit 20 Jahren, gelangt immer tiefer in die spirituell-subtilen Schichten – und die Jungfrau Maria erscheint ihm.

Kann ich mir kaum vorstellen.

Genau. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass er die Jungfrau Maria trifft. Genauso unwahrscheinlich wie für einen syrischen Kopten, der 20 Jahre auf einer Säule in der Wüste meditiert, dass er Buddha sieht.

 

Ich kann aber doch sehen, dass das einfach unterschiedliche Projektionsflächen einer tieferen Wahrheit sind, die einfach mit einer kulturellen Konditionierung zu tun haben.

Ja, aber du ziehst den Schluss, dass das alles kulturelle Prägungen von etwas Existierendem, von einem Kern sind. Und ich sage: wir brauchen diesen Kern überhaupt nicht. Das Universum braucht kein Zentrum, um zu existieren, um sich selbst organisierend das auf diesem Planeten zu Wege zu bringen, was wir wahrnehmen.

Du hast deinen Job als Guru also an den Nagel gehängt, weil man keinen Kopf braucht, der führt. Meine Erfahrung ist aber, dass ich immer wieder Menschen getroffen habe, die in bestimmten Aspekten schon Schritte weiter waren und die mich inspirieren und meine nächsten Schritte unterstützen konnten.

Okay. Aber was hältst du von gegenseitiger Lehrlingsschaft? Wenn ich als Guru anerkannt werde, dann wirkt sich die ganze soziale Struktur, die damit einhergeht – und die über Jahrtausende aufgebaut wurde – auf meine Beziehung zu den Menschen aus, die sich meine Schüler nennen. Ich habe nicht aufgehört Guru zu sein, weil ich dachte, das ist nicht gut. Ich habe versucht, eine andere Struktur zu erschaffen innerhalb dieser Lehrer-Schüler Struktur. Aber es ging nicht. Weil die Gewohnheiten, die mit dieser Struktur einhergehen, so stark sind, dass das Aufrechterhalten dieses Systems immer bewirkt, dass ich als der Lehrer, der so viel Schritte weiter gemacht hat – und das stimmt ja auch, 30 Jahre spirituelle Arbeit an einem selbst haben ja Auswirkungen – auf eine Art als besonders, als heilig dastehe. Aber die Struktur, die damit einhergeht und geheiligt wird, ist eine Struktur, die für das 21. Jahrhundert nicht mehr hilfreich ist. Darum habe ich das Experiment Ashram beendet.

Bringt denn diese hierarchische Struktur wirklich so große Nachteile?

Ja. In den meisten spirituellen Bewegungen hast du eine feudalistische Struktur mit „Gottkönig“, der sowohl für den geistigen wie für den wirtschaftlichen Aspekt der Gruppe verantwortlich ist und das letzte Wort hat. Drumherum hast du den Hofstaat, das sind die engsten Berater oder die, die am weitesten auf dem Weg sind, dann die, die fest dabei sind, und die, nur ab und zu mal kommen – eine richtige Pyramide. Dann sitzt du da als Guru und machst dein Ding. Dadurch, dass du deine spirituelle Disziplin aufrecht erhältst, hast du ein gewisses Charisma, die Leute verbinden die Ausstrahlung aber mit der Struktur. Klar, wenn ich als Meister hier sitze und gehe in einen bestimmten Space, dann ist die Wahrscheinlichkeit extrem groß, dass die Leute um mich herum den Zustand wechseln, also in einen Zustand größerer Tiefe und Weite geraten. Dann erklärst du dieses Phänomen und sagst vielleicht „Ihr seid jetzt ganz nah bei mir und deshalb könnt ihr das empfangen“ – was Schwachsinn ist, denn alles, was es braucht, sind Leute, die eine gewisse Offenheit an den Tag legen, dann funktioniert das ganz einfach – und diese Erfahrung sanktioniert und legitimiert die feudalistische Struktur.
Die vertikalen spirituellen Wege sind gut für Anfänger in dem Sinne, dass sie Brutstätten für außergewöhnliche Erfahrungen sind. Die Gefahr, die ich dabei sehe, ist, dass die Leute darin hängen bleiben. Was ich bei 90 Prozent der Teilnehmer an spirituellen Gruppen sehe ist, dass sie nicht mehr wirklich außerhalb der Gruppe gucken, dass ganz schnell dieses „wir–sie-Phänomen“, unser Guru ist der Größte, stattfindet. Das ist völlig verständlich. Wenn ich jemandem begegne, der mir tiefe Erfahrungen ermöglicht, wie ich sie noch nie gemacht habe, und der sagt dann: „Das kommt durch mich, und damit du wirst wie ich, musst du das und das machen“, dann folge ich seinen Anweisungen.

Glaubst du, dass Erfahrungen von Einheit genauso einfach stattfinden in einer Gruppe von „Gleichen“ wie mit einem Lehrer oder Meister? Bietet nicht ein Mensch, der relativ frei von Ego-Strukturen ist, ein Feld, das tiefe Erfahrungen leichter zugänglich macht?

Nein. Eine Autorität, der du vertraust, ermöglicht es dir, loszulassen. Mehr ist nicht. Wieso diese Person für dich zu einer Autorität wird und du sie mit Vertrauen bestückst, darüber kann man endlos psychologisieren.

Gibt es innerhalb dieser Struktur als Schüler nicht die Möglichkeit, einfach bei sich zu bleiben, ohne diese Heldenverehrung mitzumachen?

Nach meiner Erfahrung nicht. Auch ich habe gegenüber meinem Guru immer versucht, der Meisterschüler zu sein. Und als ich selbst in dieser Rolle war, habe ich gesehen, in was für Kurven sich die Leute gelegt haben, damit sie meiner Aufmerksamkeit bzw. ihrer Idee, was mir gefällt, gerecht werden. Und je größer ein Ashram ist, desto weniger hast du als Lehrer noch irgendein Verständnis für das normale Leben. Das wird auf dem Weg nach oben alles gefiltert und du bekommst das Bild, das dein Hofstaat dir gibt. Der ganze Humbug von Vermittlern wie der Priesterklasse ist eigentlich nur der Wille, die Macht bei sich zu behalten.

Hast du das Gefühl, dass die Aufmerksamkeit, die du von deinen Schülern bekommen hast, dich energetisiert und erhoben hat?

Ja, aber das hat eine Kehrseite, weil du wie ein Olympionike wirst – du musst immer Bestleistungen bringen. Wenn ich schlecht drauf bin und komme in den Raum zu meinen Schülern, die der Dinge harren, die da kommen, dann habe ich mich gefälligst in einen guten Space zu bringen. Es ist ein tiefes archetypisches Spiel, das da gespielt wird.

Stimmt. Die ersten Beispiele für dieses Spiel sind schon unsere Eltern, dann hast du andere Vorbilder, Lehrer, dann spirituelle Lehrer, dann ist es Gott…

Und ich sage: Ja, das ist so, und es hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind. Und wie kommen wir da raus? Lass uns was Neues versuchen. Alles, was ich tue, ist Neues zu versuchen. Mit diesen Aussagen steche ich allerdings in ein Wespennest. Immer, wenn ich dieses Thema anspreche, ernte ich böse Kommentare.

Aber gibt es denn nicht wirklich Menschen, die weiter sind und führen können?

Ich saß mal mit sieben Advaita-Meistern in einem Workshop. Auf der Bühne: jeder fantastisch, sehr erleuchtende Erfahrungen, die Leute, die gekommen sind, waren begeistert, fühlten sich berührt. Hinter der Bühne ein Gezicke ohnegleichen: Wer hat den größeren Stuhl, wer sitzt in der Mitte, wer sitzt am Rand. Die ganze Spiritualität – und das ist noch ein weiterer Aspekt – ist Business. Wenn ich als Guru davon abhängig bin, mit meinen Gruppen Geld zu verdienen, dann fangen die ganz normalen Business-Mechanismen an zu greifen. Wenn du das nicht für dich klar kriegst, dann verbindest du deinen Status als Erleuchteter mit lauter Aspekten, die damit zusammenhängen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Aber diese ganzen Spiele werden dir erst dann wirklich bewusst, wenn du aussteigst.

Wie würde es denn besser funktionieren?

Da kommen wir wieder zurück auf Windows und Linux. Wie wird Linux gemacht? Linux wird hergestellt auf vollkommen freiwilliger Basis von Menschen in dem Rahmen, in dem sie sich gerufen fühlen. Das kannst du sehen als einen riesengroßen Kreis von Menschen, die sich als gleich respektieren. Niemand verlangt von dem anderen: Du muss jetzt…, sondern es geht um Freiwilligkeit. Jeder kümmert sich um das, was ihn interessiert. Und durch den gemeinsamen Dialog und die Arbeitsweise entsteht ein System, das bedeutend besser ist als Windows. Ich denke, wir haben heute genügend Ansätze für andere Systeme. Aber es geht heute darum, dass du von mir lernst und ich von dir. Das neue System wäre eines des freien Experimentierens. Es gibt dabei die unterschiedlichsten Ansätze. Ein Ansatz sind Kreise von Leuten, die Spiritualität erforschen – aber als Gleiche.

Kann man das denn auf die gesamte Gesellschaft übertragen?

Ja, weil unser Leben einen Grad an Komplexität erreicht hat, der ohnegleichen ist. Die Verbindungen, die durch die Globalisierung auf der Welt entstehen, sind mittlerweile so stark und dementsprechend die Auswirkungen so massiv, dass ich das konkret spüre – und zwar auf allen Ebenen, wirtschaftlich, sozial, ökologisch. Mit althergebrachten Strukturen können wir diese Probleme nicht lösen. Das ist ein Fakt. Die hierarchisch pyramidal organisierten Unternehmen und Regierungen haben uns ja in die Situation gebracht, in der wir gerade sind – und sie haben keine Antwort, wie wir da rauskommen, bzw. wie wir auf die nächst höhere Enwicklungsstufe kommen, wo wir mehr im Einklang mit dem Ganzen agieren.
Im Internet wird dieser nächste evolutionäre Schritt bereits gemacht. Linux ist ein Beispiel einer geförderten Selbstorganisation, wie sie heute in der Open-Source-Bewegung stattfindet. Das heißt: Die Innereien der Software werden offen gelegt und jeder, der will, kann daran basteln, kann es verbessern. Wenn die Gemeinschaft meint, dass das eine tatsächliche Verbesserung ist, dann benutzt sie das, sonst nicht. Da wird keinem etwas aufgezwungen. Und 80 Prozent der Projekte in diesem Bereich werden niemals in das fertige Produkt integriert. Auch das ist einfach ein evolutionäres Phänomen.

Ein wichtiges Kriterium für die Lösung aktueller Probleme ist also die Selbstorganisation.

Ein System, wo oben ein paar Chefs sitzen, unterstützt von einer Expertenriege, und beschließen, was für uns alle das Beste ist – das funktioniert nicht, weil sie das echte Wissen nicht an Bord bekommen. Wenn ich das Wissen haben will, dann muss ich die Leute fragen.

Es gibt etwas, das Nasa-Spiel heißt. Dort hat man verschiedene Experten mit hoher Intelligenz Probleme einzeln lösen lassen und das gleiche Problem einer Gruppe vorgelegt, deren Teilnehmer weniger intelligent und spezialisiert waren. Das Ergebnis: Die Gruppen lösten die Probleme besser und umfassender als die besten Einzelpersonen.

Ganz einfach auch deshalb, weil nicht immer die intelligentesten Statements einen Prozess weiterführen. Wer sagt denn, dass Intelligenz der wichtigste Faktor ist? Jemand in einem Kreis kann wesentlich weniger intelligent sein als ich, aber er kann in dem Moment für das, was in diesem Kreis zentral ist, genau das Richtige bereit halten – eine Bemerkung, eine Träne, ein Bild, irgend ein Ausdruck,. Das habe ich oft erlebt. Ohne hierarchische Struktur ist es für die Menschen auch einfacher, offen, ehrlich und wahrhaftig zu sein. Sie haben nicht das Gefühl, einem bestimmten Bild von spiritueller Reife und Bewusstheit entsprechen zu müssen und sind weniger blockiert. In einem Kreis von Gleichen ist es auch noch viel mehr möglich, dass sich kollektive Intelligenz ausdrückt.

Aber viele Organisationen haben ja auch durchaus Gruppen mit viel Wissen unter Vertrag.

Ich sage den Leuten in den Organisationen – Firmen, Parteien, Umweltorganisationen et cetera – immer wieder, dass sie sich bewusst sein müssen, dass sich sehr viel mehr Wissen außerhalb ihrer Organisation befindet als innerhalb. Die Frage ist nun: Wie kriegen wir das Wissen von außerhalb der Organisation nach innen, das Wissen der weisen Massen. Denn die Masse ist nicht immer dumm. Sie ist nur dann dumm, wenn sie die Wahl hat zwischen zwanzig dummen Sachen. Dann kann sie nur die Dummheit wählen. Die Masse ist sehr viel weiser, als wir denken. Die Masse hat beispielsweise Wikipedia zustande gebracht.
Die ganzen sozialen Netzwerke sind eine spontane Geburt, niemand sah dieses Phänomen kommen. Es kommt aus der Blogosphäre, von Youtube usw. Als man sah, dass da soziale Netzwerke und Gemeinschaften entstanden, begann man Tools, also Portale zum Austauschen, darum herum zu gruppieren. Das ist eine völlig neue Form des sozialen Zusammenwirkens. Linux wird von Leuten gemacht, die sich noch nie gesehen oder gesprochen haben. Vielleicht haben die auch noch nie eine E-mail gewechselt. Alle gängigen Arten der Zusammenarbeit haben nicht stattgefunden. Da ist eine abstrakte Gemeinschaft von Leuten, die sagen: Hey, wir können das auch. Und der einzelne Programmierer findet im Rahmen seiner Gruppe eine gewisse Anerkennung – das ist die Währung in diesen sozialen Netzen.

Die Lösung der gegenwärtigen Probleme wäre also auf jeder Ebene Vernetzung von Gleichen statt Hierarchien?

Ja, es ist keine Hierarchie, kein Guru, kein zentrale Gottheit, kein Zentrum vom Universum notwendig, damit das Universum funktioniert. Es ist einfach vergeudete Zeit, nach diesem Zentrum zu suchen und sich darauf zu beziehen. Wenn du kein Zentrum vom Universum mehr hast, keinen Gott, dann gibt es auch keinen mehr, der weiter ist als du, der dem näher ist als du, sondern einfach jede Menge Individuen, die alle irgend etwas besser können als ich, aber wo auch ich etwas gut kann – und das kann sich ergänzen. Wenn ich eine Zeitschrift machen wollte, würde ich eben dich fragen und nicht lamentieren, dass ich das nicht so gut kann.
Der wesentliche Unterschied, der ganz von selbst daraus entsteht, ist einmal die Frage: Wie beziehen sich die unterschiedlich denkenden und wertenden Menschen aufeinander? Ich nenne meine Aufgabe in diesem Spiel collaboration ecologist, Ökologe der Zusammenarbeit, weil ich gucke, was für eine Ökologie da sein muss, damit unterschiedlichste Leute mit unterschiedlichen Auffassungen gut zusammenarbeiten können. Da stoße ich auf etwas, was ich pluralistische, teilnehmende Spiritualität nenne.

Meinst du denn, dass das alle Menschen wollen?

Mushin_Figuren.jpgEs ist ein Schritt ins Dunkle. Der Grund, warum wir gerne ein Zentrum im Universum haben, ist der, dass es letztlich eine Idee ist von letzter Geborgenheit, von Halt, von Sicherheit. Es ist eine Geborgenheit, die mich einbettet in das allergrößte Ganze. Das Zentrum des Universums ist der Ort, von dem alles Schöne, Gute, Kreative ausgeht. Das loszulassen ist extrem beängstigend. Es gibt aber auch eine Geborgenheit, die ohne ein Zentrum auskommt, eine Sicherheit in der Unsicherheit. Meine Geborgenheit in diesem Universum bekomme ich dadurch, dass ich weiß, dass ich nährend beschäftigt bin. Ich nähre das Ganze, das Ganze nährt mich. Ich gebe gerne, ich nehme gerne. Die Geborgenheit rührt daher, dass ich mit sehr vielen Menschen verbunden bin, die sich alle in diese Richtung bewegen. Was wir also brauchen, sind gegenseitig nährende, fördernde Beziehungen. Wo wir hinkommen, ist ein kollektiveres Zeitalter, nachdem wir mehrere hundert  Jahre einen extremen Individualismus gehabt haben. Wo es nicht um dein glückliches Leben und mein glückliches Leben geht, was in einer Religion gipfelt, wo der Einzelne die Erleuchtung erlangt, um aus diesem Tränental auszusteigen. Worum es geht, ist die Erfahrung von „Wir-Fülle“. Und diese Wir-Fülle hat eine Kraft ohnegleichen und macht dieses Gefühl von Einheit, was man auch in tiefen Meditationen erfahren kann, greifbar auf einer sozialen Ebene. In diesem Erleben ist meine Individualität nicht aufgelöst, sondern ein Beitrag zu dieser Wir-Fülle, zu unserer kollektiven Weisheit. Das selbstorganisierende Moment, das wir im Internet sehen, ist einfach etwas, was für die Menschen ganz natürlich ist in dieser Phase der Entwicklung. Was passiert, ist, dass wir dem Verständnis immer näher kommen, was denn da im Gange ist. Stück für Stück.

1. Bild: ©Xang-Xiaofeng_fotolia.com + Tritooth_fotolia.com – Spirituelle Globalisierung: zusammenarbeiten für eine lebenswerte Welt.
2. Bild: © Phoenixpix_fotolia.com – Hierarchien haben ausgedient: Der nächste Schritt in der Evolution ist das Entstehen von Gruppen Gleichgesinnter, die sich miteinander vernetzen.

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