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Für drei der größten Probleme der Menschheit – Nahrungsknappheit, Wassermangel und Klimaerwärmung – verspricht die Humusrevolution Abhilfe zu schaffen. Ein globaler Humusaufbau von nur einem Prozent würde genügen, um den CO2-Gehalt der Atmosphäre auf ein ungefährliches Maß zu senken.

Die Autoren des Buches Die Humusrevolution, Ute Scheub und Stefan Schwarzer, rechnen vor, dass ein weltweiter Humusaufbau von nur einem Prozentpunkt 500 Gigatonnen CO2 aus der Atmosphäre holen könnte. Das brächte den heutigen CO2 Gehalt der Luft auf ein weitgehend ungefährliches Maß. Die Methoden dafür sind nicht neu: Unter Schlagworten wie Permakultur oder Carbon Farming erleben sie gerade ihre Renaissance. Gärtnern mit Terra Preta, Ackern ohne Pflug, das Lenken mikrobieller Prozesse oder die Vitalisierung von Kulturen – jede dieser Methoden reichert Humus im Boden an und ermöglicht damit gesunde Lebensmittel.

Global gesehen ist die Humusrevolution deshalb der wichtigste Hoffnungsträger für weltweite Ernährungssouveränität – sowie für den Kampf gegen Klimaextreme, Armut und Migration. Die Methoden müssten nur angewendet werden – gegen die Interessen der globalen Agrarindustrie, die die Welt mit GPS-gesteuerten Monokulturen und Ackergiften überzieht, die den Kleinbauern ihr Land raubt und von finanzstarken Konzernen sowie den mächtigsten Regierungen der Welt gestützt wird.

Ein paar monopolistische Riesenkonzerne versuchen die Welternährung zu beherrschen, angefangen vom Saatgut über Kunstdünger bis hin zu Pestiziden und Gentechnik. Dem Weltagrarbericht zufolge produzieren die Kleinbauern zwei Drittel der menschlichen Nahrung, obwohl sie dafür nur ein Viertel der weltweiten Ackerflächen nutzen können. Die Rezepte der Agrarindustrie für die Welternährung dagegen, nämlich Kunstdünger und Pestizide, töten nachweislich das Bodenleben ab. Das hat zur Folge, dass der Boden seine Struktur verliert – er ist dann Wind und Wetter ausgesetzt und erodiert.

Die rund fünf Milliarden Hektar Acker- und Weideland weisen laut Welternährungsorganisation FAO heute oft nur noch einen Humusgehalt von ein bis zwei Prozent auf. Eine sprichwörtlich bodenlose Katastrophe bahne sich an, mahnt Ute Scheub: „Insgesamt ist die Situation tatsächlich sehr dramatisch, ungefähr ein Viertel bis ein Fünftel aller globalen Böden sind degradiert, und wenn wir uns vorstellen, dass die Weltbevölkerung steigt, dann ist absehbar, dass wirklich lokale Hungersnöte entstehen, beziehungsweise zum Teil haben wir die ja auch schon. Damit verbunden ist ja auch noch die Klimakrise, ist auch noch die Wasserkrise, und insofern muss sich da dringend etwas ändern.“

Ute Scheub und Stefan Schwarzer rufen in ihrem Manifest zu einer friedlichen Humusrevolution auf: „Wir brauchen einen nationalen und internationalen Zusammenschluss von Kleinbauern-, Umwelt-, Klima- und Ernährungsbewegungen. Es bedarf einer massiven Graswurzelarmee von Erd-Regenerierenden: drei Milliarden Kleinbauern und Dorfbewohnerinnen, Rancher, Hirten, Waldbewohnerinnen, Stadtgärtner und indigene Gemeinden, assistiert von mehreren Milliarden bewussten Konsumenten und urbanen Aktivistinnen.“


Literaturtipp:

Ute Scheub, Stefan Schwarzer: Die Humusrevolution. Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen, Oekom Verlag 2017, 240 Seiten, 19,95 €

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