Viele von uns möchten sich gerne wahrhaftig ausdrücken. Wir wollen authentisch sein, die Wahrheit sagen, uns so zeigen, wie wir sind. Und doch zögern wir. Warum eigentlich? Sabrina Fox erklärt den Weg der Seelen-Komunikation.

„Das habe ich doch schon hundert Mal gesagt! Warum hörst du mir eigentlich nie zu?“ Die Mutter schaute gereizt auf ihren 14-jährigen Sohn. Der warf den Kopf nach hinten und schnaufte: „Ich habe doch nur gefragt!!!“ Ich saß im Zug und hinter mir eine fünfköpfige Familie, deren Gespräche ich schon seit knapp 200 Kilometern mitbekam. Ich suchte nach meinen Ohrstöpseln, denn der gereizte Gesprächston hinter mir fühlte sich mittlerweile wie ein Presslufthammer an: viele dumpfe Schläge, die einen Stück für Stück zermürben. Die Familie hinter mir war nicht unsympathisch. Doch der Unterton war schon so zum Automatismus geworden, dass er den einzelnen Familienmitgliedern sicher gar nicht mehr auffiel. Selbst die Kommentare der vierjährigen Tochter begannen gereizt zu klingen.

Als durch meine Ohrstöpsel Ruhe einkehrte, erinnerte ich mich daran, dass ich diesen Ton auch sehr gut aus meiner Kindheit kannte. Glücklicherweise ist er völlig aus meinem Leben und Umfeld verschwunden. Wie wir etwas sagen, warum wir etwas sagen oder warum wir etwas nicht sagen – all das trägt entscheidend zu unserem Wohlbefinden bei. Und nicht nur zu unserem. Wir verbreiten damit eine Stimmung. Eine, die entweder wertschätzend, freundlich und herzlich ist wie bei der Seelen-Kommunikation, oder eben eine, die gereizt, ungeduldig und arrogant klingt.

Die inneren Barrieren aufdecken

Der Grund, warum wir oft nicht das sagen, was uns am Herzen liegt, sind innere Barrieren in Form von negativen Erfahrungen, die wir einmal gemacht haben, als wir uns offen zeigten. Dadurch haben wir uns eine bestimmte Art der Kommunikation angewöhnt, die Nähe und Wahrheit nicht immer zulässt. Als ich vor fünfundzwanzig Jahren anfing, Vorträge zu geben, saß einmal eine zarte Frau vor mir. Sie hatte Tränen in den Augen, als sie mir erzählte, dass sie zu sensibel für diese Welt sei und jede Nacht dafür betete, dass ihre Umgebung das endlich verstünde. Eine andere Besucherin schilderte mir, dass sie bei Obdachlosen vorbeigeht und ihnen den Gedanken schickt: „Die Engel sind mit dir.“ Als ich sie fragte, was sie sonst noch machte, meinte sie: „Mehr braucht es nicht.“

Ich verstand die Herausforderung. Ich hatte damals eine ähnliche: Ich wollte zwar, dass sich Dinge im Inneren ändern – aber ohne dass ich im Außen etwas tun muss. Natürlich kann ich mich innerlich verändern und dann ändern sich auch meine äußerlichen Umstände – hauptsächlich aber deswegen, weil ich mich anders verhalte. Und wenn ich mich anders verhalte, dann teile ich mich meiner Umgebung anders mit – nicht nur mit meinem energetischen Feld, das natürlich von anderen erspürt werden kann, sondern auch mit dem, was ich sage und tue. Wie wir uns ausdrücken, kann entscheidend verbessert werden. Aber wie bei allem braucht es Übung.

Das damit zusammenhängende Thema „Kommunikation“ wird gerne in Managerseminaren unterrichtet. Fast immer mit einem Manipulationshintergrund: „Was muss ich sagen, damit ich kriege, was ich will?“ Es braucht aber – finde ich – Kommunikation auf Seelenebene: die Seelen-Kommunikation. Es gilt, unsere Intuition (die Sprache unserer Seele) mit unserem Verstand zusammenzubringen. Ohne unsere Seele – ohne die Basis unseres Seins – ist unser Verstand eben einfach nur eine Software ohne stabil laufende Hardware.

„Nur nichts anmerken lassen“

Kommunikation hat mich schon immer fasziniert. Mein Vater war Alkoholiker und die Kommunikation mit ihm dementsprechend gestört. Meine Mutter mit heute 90 Jahren war eine Frau ihrer Zeit: abhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen, die ihr Mann ihr zugestand. Unsicher in den Möglichkeiten ihrer eigenen Freiheit. Ängstlich. Geprägt von ihrer katholischen Erziehung und geknebelt mit dem Versprechen: „Bis dass der Tod euch scheide.“ Was dann auch passierte, als sie 65 Jahre alt war. Mich wirklich mitzuteilen habe ich nicht gelernt. Wenn es meiner Mutter schlecht ging und ich sie danach fragte, behauptete sie, alles sei gut. So vertraute ich meiner sich entwickelnden Wahrnehmung nicht mehr, denn … Mütter lügen ja nicht. Die Themen, die ich von meiner Mutter übernahm, waren „Durchhalten, durchhalten, durchhalten“ und „Nur nichts anmerken lassen“.

Beides keine idealen Begleiter für ein offenes Leben. Ich merkte sehr viel später, dass ich mich für das Wohlbefinden von allen Lebewesen im Umkreis von zehn Kilometern verantwortlich fühlte und dass ich in jedem Kommentar eine Aufforderung hörte, etwas zu tun. Ich war früher sehr rechthaberisch und häufig in Verteidigungsstellung. Wahrhaftigkeit war ein Fremdwort für mich. Ich verhielt mich eher nach dem Motto: „Welche Art Frau hätten Sie denn gerne?“ In erster Linie – und das merkte ich erst sehr viel später – wollte ich eben auch manipulieren. Es ging mir nicht wirklich darum zu verstehen, WARUM der Andere seine bestimmte Meinung hat. Ich wollte ihn nur überzeugen, sich meiner anzuschließen.

Sinn machte meine Art der Gesprächsführung nicht. Sinn ist etwas anderes:
S – Sich zeigen
I – Interessiert bleiben
N – Nicht automatisch verteidigen
N – Nachfragen Was heißt das?

S wie Sich zeigen

Das macht wahre Seelen-Kommunikation aus: Ich zeige mich so, wie ich bin, und nicht so, wie ich gerne sein möchte. Also wenn mich früher jemand fragte: „Du hast nicht wirklich Lust da mitzugehen, oder?“ hätte ich sofort mit einem „Wie kommst du denn darauf! NATÜRLICH freue ich mich mitzugehen“ abgewehrt. Das hatte damals verschiedene Gründe: Manchmal wollte ich den Fragenden nicht enttäuschen, manchmal traute ich mich nicht zu sagen, was ich wirklich wollte, und manchmal wusste ich nicht mal, was ich wirklich wollte.

I wie Interessiert bleiben

Das heißt Zuhören und Erspüren. Wir nehmen nicht nur mit unseren Ohren Information auf. Nein, unser ganzer Körper ist eine Antenne: Erspüre ich beim Gegenüber eine Unruhe? Eine Ablehnung? Eine Verweigerung? Angst? Sorgen? Angestrengtheit? Und besonders wichtig: Warum hat derjenige so eine Meinung? Was steckt dahinter? Was wünscht er/sie sich von mir? Kann ich ihn unterstützen? Braucht es meine Klarheit oder einfach nur meine Akzeptanz, damit mein Gegenüber und ich anders empfinden oder denken?

N wie Nicht automatisch verteidigen

Viele Sätze erspürte ich früher als Angriffe. „Wie, ich bin nicht pünktlich? Ich bin die Pünktlichkeit in Person! Und wenn ich es mal nicht bin, dann liegt das an dem blöden Verkehr!“ Ich hörte selbst die harmloseste Feststellung („Es ist kalt hier.“) als Appelle, sofort etwas dagegen zu unternehmen. In meinem spirituellen Training bekam ich vor Jahren die Aufgabe, mich ein Jahr lang „nicht zu verteidigen“. Natürlich sprachen die Lehrer nicht von einem körperlichen Angriff, sondern von eben diesen Situationen, in denen ich mich verbal angegriffen fühlte. Daran hielt ich mich und stellte relativ schnell Folgendes fest: Alles, was man mir vorwirft, stimmt irgendwie. „Du denkst nur an dich!“ Ja, stimmt. Das passiert. „Du hörst mir nicht zu!“ Ja, gelegentlich schweife ich ab.

Erst als ich den Wunsch aufgab, „unangreifbar“ zu werden, und nicht mehr jeden Kommentar als Angriff gegen mein Selbstwertgefühl empfand, konnte ich meine Schattenseiten erkennen. Jeder von uns ist manchmal mehr und manchmal weniger bewusst. Erleuchtung (Wachheit) ist – mal erreicht – kein automatischer Dauerzustand. Wir sind manchmal wach und manchmal leider nicht.

N wie Nachfragen

Wenn ich etwas nicht verstehe, dann frage ich nach. „Wie bist du denn zu dieser Meinung gekommen?“ – „Was hat dich bewogen, das so zu sehen?“ Es ist mir wichtig, nachvollziehen zu können, warum jemand eine bestimmte Meinung hat. Ich habe festgestellt, dass ich so ziemlich jede Meinung verstehen kann. Das heißt nicht, dass ich sie teile. Es heißt nur, dass ich nachvollziehen kann, wieso jemand in seinem Leben mit seinen Erfahrungen zu diesem Ergebnis gekommen ist. Als ich dieses Jahr wieder anfing, Workshops zu geben, fragte ich mich, was mich zur Zeit am meisten faszinierte, und es war die Möglichkeit, durch gesunde Kommunikation ein gesünderes Leben zu erschaffen: Kommunikation mit SINN und auf Seelenebene.

Dabei gilt es, Blockaden zu erkennen und zu lösen. Dabei erforschen wir durch eine geführte Meditation unsere Vergangenheit und erkennen, wann und warum wir damals bestimmte Entscheidungen getroffen haben. Entscheidungen, die zu Blockaden wurden und die ein Update brauchen. Es ist faszinierend, den Moment zu beobachten, wenn es den Teilnehmern plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt: „Jetzt verstehe ich den Grund, warum ich da nichts sage!“

Warum gehe ich so oft in eine Verteidigungsstellung?

Warum bin ich häufig aggressiv? Wie drücke ich mich aus? Wie reagiere ich? Wo zeigen sich meine Barrieren? Wie kann ich mehr Heilung und weniger Streit erschaffen? Wie löse, wie beende ich immer wiederkehrende Dramen? Wie erschaffe ich in meiner Familie und meinem beruflichen Umfeld mehr Leichtigkeit? Dies sind Fragen, deren Beantwortung neue Wege und damit neues Werkzeug brauchen. Wir, als unendliche Seelen, erspüren die Sehnsucht nach mehr Klarheit. Und wenn wir die SINN-Fragen im Hinterkopf behalten und sie benutzen, dann verändert sich unser Austausch. Gerade in der heutigen Zeit der starken gegensätzlichen Meinungen ist es wichtig, dass wir zuhören und uns gleichzeitig klar ausdrücken. Wir brauchen die Meinung anderer nicht zu verteufeln und mit unserer nicht hinter dem Berg zu halten. Es geht um eine gesunde Art der Kommunikation, denn die erschafft Klarheit. Und Klarheit in unserem Leben beruhigt. Nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Umgebung. Es ist möglich. Und es ist einfacher, als wir uns das vorstellen.

Workshop: „Wie sage ich es“ – endlich befreit sprechen Der Sehnsucht der Seele folgen – Das Herz spüren – Barrieren auflösen 9. und 10. Dezember 2017 in Berlin
Info und Anm. über Claudia van de Kamp unter Tel. 0151-220 903 27 oder claudia@ sabrinafox.com www.sabrinafox.com

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