Was ist in der Liebe und beim Sex normal in einer Partnerschaft? Ayurveda zeigte schon vor 5000 Jahre auf, wer am besten für wen geschaffen ist und sich zusammentun sollte.

von Irene Rhyner

Was ist tabu, was erlaubt? Darüber könnte man sicher stundenlang miteinander philosophieren. „Erlaubt ist, was gefällt!“ Ja, aber wem? Unsere gesellschaftlichen Vorstellungen, welchen Umgang Männer und Frauen oder gleichgeschlechtliche Paare in der Liebe miteinander zu pflegen haben, haben sich im Laufe der Jahre extrem verschoben. Ein Geschenk der Freiheit. In unserer modernen Gesellschaft gibt es keine einheitliche „Moral“. Je nach Gruppierung und Sozialisation finden die einen etwas vollkommen „normgerecht“, während es für andere als absolute Sünde gilt. Was vor zehn Jahren als Kavaliersdelikt im Büro galt, wird heute – zu Recht – längst nicht mehr toleriert. Übergriffe, die einer anderen Person Schaden zufügen, können gar nicht streng genug reglementiert werden.

Andererseits sind wir heute so weit, dass bei einer ersten Tändelei bereits quasi ein Vertrag ausgefüllt werden muss, jede erlaubte Geste muss von beiden Partnern vor dem ersten Kuss bereits in Stein gemeißelt werden. Ayurveda hat es schon vor 5000 Jahren auf den Punkt gebracht: „Wenn die Erfüllung der Lust keine Formen annimmt, die sich gegen Ihr Leben oder das Leben anderer richtet, können Lust und Liebe keine Sünde sein!“1 Die Autoren der alten ayurvedischen Schriften schlüsselten schon damals vier wichtige Bestrebungen und Bestimmungen auf, die die menschliche Spezies über alle Zeitalter hinweg bewegen.

Dazu gehören:
1. Dharma (Pflichterfüllung)
2. Artha (Streben nach Wohlstand und materieller Sicherheit)
3. Kama (Lust und Liebe)
4. Moksha (Spirituelle Entwicklung)

Befriedigung auf geistiger & körperlicher Ebene

In Zeiten des Wohlstands, wo es nicht mehr nur ums nackte Überleben geht, können wir uns erlauben, anderen Freuden nachzugehen, und suchen die Sinnesbefriedigung nicht mehr auf der Säbelzahntigerjagd. Dies kann auf der geistigen Ebene, auf der körperlichen Ebene, im besten Fall auf beiden Ebenen erreicht werden. Erfüllte Lust und Liebe sind ein wesentlicher Eckpfeiler für unsere körperliche und psychische Gesundheit und stellen einen wichtigen Lebensinhalt für uns dar. Ein gesundes, befriedigendes Maß an Sexualität ermöglicht uns, den Kopf wieder anderen Dingen im Leben zuzuwenden. Für eine Liebesbeziehung und Partnerschaft ist daher – ebenso wie Freundschaft und Verständnis füreinander – auch wichtig, die Lust auszuleben. Ein sanftes Liebesspiel und erregende Zeiten gemeinsam zu erleben, das hält die Liebe aufrecht und versüßt den Alltag. Damit sich die Süße der liebenden Partnerschaft und Sexualität für Paare gleichmäßig und sinnvoll verteilt, halten die Schriften des Kamasutras jede Menge wundervolle Erklärungen und Tipps bereit.

Kommt es auf die Größe an?

Im Kamasutra lässt sich nachlesen, wer gut zusammenpasst. Sie tragen bestimmt öfter einen Hut? In der Regel kaufen Sie einen passenden und fühlen sich dann gut damit. Ist der Hut dagegen zu groß oder zu klein, mögen Sie ihn wahrscheinlich nicht so gerne aufsetzen. Wer seinem Liebsten oder seiner Liebsten sagt, dass es beim Sex nicht auf die „Größe“, sondern nur auf die Technik ankommt, der mag ein besonders guter Techniker sein und so mögen Ihnen beglückende Stunden auf beiden Seiten beschert sein. In den alten Schriften finden wir Typen von Männern und Frauen und die Größe ihrer primären Geschlechtsorgane beschrieben, die für eine erfüllte Sexualität besonders kompatibel sein sollen.

Männer:
1.) Der Rammler (eher kleiner Penis)
2.) Der Stier (mittlere Penisgröße)
3.) Der Hengst (großer Penis)

Frauen:
1.) Die Gazelle (kurze, enge Vagina)
2.) Die Stute (mittlere Vaginagröße)
3.) Die Elefantin (breite, große Vagina)

Sie sehen, dass sich drei Paartypen auf Grund der Größe der Sexualorgane besonders gut ergänzen. Die anderen sechs Typen werden als eher nicht kompatibel bezeichnet. Eine Frau mit einer Gazellen-Vagina wird wahrscheinlich auf Dauer mit einem Hengstmann überfordert sein. Laut ayurvedischer Lehre ist es generell auch so, dass Hengst und Elefantin mehr Sexualität haben sollten und diese auch mehrmals täglich vertragen können. Stier und Stute sind gut beraten, wenn sie gemäßigt Ihrem Trieb nachgehen, und Gazelle und Rammler sollten sich immer gut überlegen, ob sie in der vollen Kraft sind, bevor sie sich dem Liebesspiel hingeben. Von den Ayurveda-Doshatypen kann nicht auf die Größe der Geschlechtsorgane geschlossen werden. Eine Vata-Frau ist nicht automatisch mit einer Gazellenvagina ausgestattet, eine Kapha-Frau kann genauso eine enge, schmale Vagina haben. Ebenso kann ein Vata-Mann einen großen Hengstpenis in der Hose tragen und ein Pitta-Mann einen Rammler. Zum Vergnügen aller ist uns die Überraschung gewiss, die sich erst beim Geschlechtsakt zeigen wird. Surprise.

Die Qual der (Partner-)Wahl

Partnerwahl ist ein heikles Thema. Denn wo fängt Partnerschaft an und wo geht es nur um die Erfüllung unserer sexuellen Wünsche? Auf der Suche nach dem/der perfekten Partner/ in sind wir schnell bereit, zu einem Wechsel, wenn unsere Bedürfnisse nicht gleich zufriedengestellt werden. Wer nur nach Sex sucht, wird nach einer enttäuschten Nacht wahrscheinlich keinen zweiten Versuch mit derselben Person wagen. Dabei macht auch in der Sexualität die Übung den Meister, und nur wer die geheimen Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin kennt, kann sich dieser auch wirklich annehmen. Die Ayurveda- Wissenschaft hilft mit den Beschreibung von körperlichen und geistigen Eigenschaften der verschiedenen Konstitutionstypen, zu erkennen, wo der Wunschpartner angesiedelt sein sollte. Wer einen schlanken Partner wünscht, sollte sich nicht bei den Kaphatypen umsehen. Wer eine runde, weiche, sanfte Frau als Traumbild vor sich sieht, sollte sich nicht eine Pitta-Powerfrau wählen. Wer einen intellektuellen Künstlertyp als Partner wünscht, sucht am besten in der Vata-Liga. Hier gibt es natürlich unglaublich viele feine Nuancen, die man anschauen kann, und im Endeffekt braucht es noch energetische Synergien, die sich ergänzen müssen, damit wir in eine Beziehung starten können.

Ayurveda sorgt mit vielen Tipps, typengerechter Ernährung und Empfehlungen für einen geeigneten Lebensstil dafür, dass man seine körperliche und geistige Gesundheit pflegen, lange erhalten und Partnerschaft und Liebesbeziehung genießen kann. Wer sexuelle Vereinigung sucht und für Nachwuchs sorgen möchte, dem können zudem spezielle Praktiken aus dem Kamasutra im Zusammenspiel mit Ayurvedakräutern und -methoden zum ersehnten Kinderglück verhelfen. Und nicht vergessen: Wenn der Funke der Liebe überspringt, sollte er geschürt werden, damit die Liebesflamme lange brennt und unsere Herzen im Sonnenfeuer glühen können.

Author: Oliver Bartsch

Über den Autor

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Jahrgang 1962, ist seit über 20 Jahren Ayurveda-Spezialistin und Autorin. Sie bietet Beratungen, Typenbestimmung (Dosha und Triguna), Ernährungsberatung, Massagen, Workshops, Home-Kuren und andere Programme, z. B. in München, nach Terminvereinbarung.

Mehr Infos

Mehr Infos zu Konsultationen, Ayurveda- Kursen & Programmen
unter www.ayurvedarhyner.com

 

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