Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers, das sich in einem komplizierten Stoffwechselvorgang stetig erneuert. Nach ayurvedischer Lehre gelten Hauterkrankungen als Manifestationen von Erkrankungen im Körper und sind sehr wichtig für die Diagnostik, denn die Haut wird als Spiegelbild des Innenlebens gesehen. Ist sie krank, bedeutet dies im ganzheitlichen Ansatz des Ayurveda, dass ein Verlust des natürlichen Gleichgewichts vorliegt.

von Vaidya Kiran Naik und Vaidya Himanshu Joshi

Gemäß der jahrtausendealten Medizinlehre des Ayurveda besteht der menschliche Körper aus strukturellen Elementen (unter anderem Haut, Knochen, verschiedene Gewebearten und feine Kanalsysteme) und aus energetischen Komponenten (der feinstoffliche beziehungsweise „subtile“ Körper). Unter den Energien, die im Körper wirken, sind die drei Doshas (Bioenergien) Vata (zugeordenete Elemente: Luft und Äther ), Pitta (Feuer und Wasser) und Kapha (Erde und Wasser) die wichtigsten. Die Doshas benennen auch die Konstitutionstypen, die jedem Menschen individuell zugeordnet sind. Ist beispielsweise Vata die vorherrschende Lebenskraft, spricht man von einem Vata-Typ. Das harmonische Gleichgewicht dieser drei Lebensenergien im Körper spiegelt sich in der physischen und psychischen Gesundheit eines Menschen wider. Wenn die Doshas in ihrer jeweiligen natürlichen Balance sind, ist der Mensch körperlich und geistig im optimalen Gesundheitszustand.

Hilfe bei kranker Haut?

Ayurveda kann bei Hautkrankheiten wie Akne, Neurodermitis und Psoriasis eingesetzt werden, um das eigene Wohlbefinden und Selbstvertrauen sowie eine gesunde Haut zu fördern. Im klassischen Ayurveda werden auch die Hauttypen in die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha unterteilt – jeder dieser drei Typen hat jeweils ganz eigene Merkmale, durch die auf eine individuelle Behandlung geschlossen wird. Nach ayurvedischer Lehre hängt der Heilprozess besonders von den inneren Vorgängen ab, die durch eine gesunde Ernährung und Lebensweise verbessert werden. Die ganzheitliche Betrachtung bei Hauterkrankungen stellt eine Chance dar, durch ayurvedische Medizin einen stabileren Hautzustand zu erreichen. Die Haut ist gesund, wenn sie alle benötigten Nährstoffe erhält und die Doshas im Gleichgewicht sind.

Diagnose der Hauterkrankungen

Die Diagnose beginnt mit einer Untersuchung der Konstitution (Prakrti) und des energetischen Ungleichgewichts (Vikrti). Für eine ganzheitliche Diagnose werden neben dem Hautzustand auch die geistige Gesundheit, der Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten betrachtet. Als diagnostische Werkzeuge kommen vor allem die Pulsdiagnose, Augendiagnose, Lippendiagnose und die Zungendiagnose zum Einsatz. Der Ayurveda- Arzt (Vaidya) untersucht die Haut mit verschiedenen Sinnen und unterscheidet nach Pigmentierung, Glanz, Farbe und Aufnahmefähigkeit. Bei der Untersuchung der Krankheit sind Krankheitsursache, Früherkenung der Symptome, manifestes Krankheitsbild, Möglichkeiten der Linderung und der Krankheitsverlauf zu berücksichtigen. Die Untersuchungsergebnisse liefern ein Verständnis für den individuellen Entwicklungsverlauf der Krankheit, woran anschließend die Therapie angepasst wird.

Therapie der Hauterkrankungen

Die Behandlungsstrategie des Ayurveda erfordert viel Mitarbeit durch den Patienten. Zu Beginn jeder Therapie steht die Stärkung des Verdauungsfeuers (Agni). Sobald das Verdauungsfeuer stabilisiert ist, beginnt man mit fünf Therapiesegmenten:
Ernährung: Diätplan, abgestimmt auf individuelle Konstitution und Gesundheitszustand
Lebensführung: Yoga und Meditation sowie Regelmäßigkeiten gemäß der ayurvedischen Tagesroutine
Shamana-Therapie: Ayurvedische Kräuter (Nahrungsergänzungsmittel), die die Doshas wieder in das individuelle natürliche Gleichgewicht bringen sollen
Manuelle Therapie: Ayurvedische Massagen und Ähnliches
Panchakarma-Therapie: Ausleitende Verfahren und Reinigungskur

Im Ayurveda ist es die Hauptaufgabe des Arztes, zu beraten, zu begleiten, zu motivieren und zu betreuen. Dies sollte kompetent und individuell geschehen. Bei schon sehr lange bestehenden Hauterkrankungen kann es notwendig sein, pathologische Krankheitskomplexe über einen längeren Zeitraum mit pflanzlichen Zubereitungen und einer entsprechenden Diät zu lösen. Dann beginnt die eigentliche, reinigende und ausleitende Therapie – bevorzugt in einem Panchakarma- Therapieverfahren. Besteht die Hauterkrankung noch nicht sehr lange, kann auch gleich ein Panchakarma-Verfahren indiziert sein.

Europäisches Institut für Ayurveda-Medizin (EIFAM) Togostr. 1, 13353 Berlin, Tel.: 030 – 351 32 650 kontakt@eifam.eu, www.eifam.eu
In Rahmen des Ayurveda-Fachworkshop „Hauterkrankungen“ bietet das EIFAM in Kooperation mit dem National Institute of Ayurveda der indischen Bundesregierung und der Gujarat Ayurveda Universität Jamnagar (Indien) vom 8.11. bis zum 15.11.19 kostenfreie Gesundheitskonsultationen für Hauterkrankungen an. Zudem werden in der Zeit vom 8.11.19 bis 15.3.20 ermäßigte Panchakarma-Reinigungskuren sowie Tages kuren angeboten. Teilnahme bitte nur nach Voranmeldung (schriftlich, per E-Mail oder telefonisch). Info, Kontakt und Anm. unter Tel.: 030-351 322 58, 030-351 322 59, 030-351 326 45 oder kontakt@eifam.eu

Author: Oliver Bartsch

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