Einer inneren Bestimmung folgend trägt Masha Dimitrieva dazu bei, dass die Werke von dem besonderen Musiker Gordon Sherwood unvergessen bleiben. Ein Artikel über die Liebe zur Musik…

von Masha Dimitrieva

Seit 2011 lebt Masha Dimitrieva mit ihrer Familie in Gaimersheim. Sie stellt sich die Frage: Was verbindet eine Pianistin aus Russland mit einem höchst exzentrischen Ausnahmekomponisten aus den USA? Und warum hat sie sich der Aufgabe verschrieben, seinem Lebenswerk posthum Anerkennung zu verschaffen?

Die Initiation: Der Bettler von Paris

1996: Als Masha Dimitrieva den Film „Der Bettler von Paris“ sieht, ist sie knapp dreißig Jahre alt und bemüht, als Konzertpianistin in Deutschland Fuß zu fassen. Sie erkennt die „unendliche, brennende und mitreißende Kraft der Kreativität“ des Mannes, den die ARTE-Dokumentation bei seinen Bittgängen auf der Champs-Élysées begleitet.

Gordon Sherwood hat sich ausschließlich seiner Göttin, der Musik, verschrieben: ein US-amerikanischer Freigeist, der trotz Auszeichnungen (Gershwin-Memorial-Award, mit 27 Welturaufführung in der New Yorker Carnegie Hall, Stipendien und Kompositionspreise) keine konventionelle Karriere macht, sondern ein unglaublich bewegtes Leben in mehr als 30 Ländern führt – als Filmkomponist in Kairo, Barpianist in Beirut oder Freund der Familie des Staatspräsidenten in Nairobi. Auch mit Ende 60 lebt der Buddhist und Veganer konsequent und ausschließlich für seine Kunst, ohne Familie, Verlag, Sponsor oder festen Wohnsitz – er ist ein musikalischer Bettelmönch.

Wenn die Liebe zur Musik verbindet

Die erste Begegnung der beiden führt sie innerhalb von Minuten ans Klavier, wo sie mehr als 12 Stunden verbringen, spielend, fachsimpelnd, sich in der gemeinsamen Liebe zur Musik begegnend. Masha Dimitrieva verhilft ihm zu musikalischer Sichtbarkeit: 2000 eine Welturaufführung in Berlin seines Oratoriums „Das Gedächtnis des Wassers“ und 2004 – mit knapp 75! – sein CD-Debüt.

Gordon Sherwood wiederum komponiert der hochbegabten und ausdrucksstarken Solokünstlerin Stücke „in die Finger“ und widmet ihr sein erstes Klavierkonzert.

Die letzte Ehre erweisen

Den letzten Freundschaftsdienst zu Lebzeiten erweist Masha Dimitrieva ihm, indem sie ihm eine Unterkunft für seine letzten Lebensjahre besorgt. Als er 2013 im Alter von 84 Jahren stirbt, hinterlässt der – nach eigener Aussage – „weltweit berühmteste aller unbekannten Komponisten“ 143 Werke. Auffallend ist, dass das „musikalische Chamäleon“ (Klassik Heute) sich nicht einem Stil verpflichtet fühlte, sondern sämtliche Gattungen virtuos für sich in Anspruch nahm.

„Er war kein Experimentator „auf Teufel komm raus“, sondern immer bedacht, dass die Musik die Musiker selbst als auch das Publikum anspricht“, so Masha. Seine Sprache der Musik ist unverkennbar und gründet in der großen Tradition von Bach, Schostakowitsch oder Bartók.

 

Den Werken eines großen Pianisten Gehör verschaffen

Die Pianistin machte es sich zur Lebensaufgabe, dafür zu sorgen, dass seine Musik, die nie die Marketingpower eines großen Verlags hinter sich hatte, doch noch entdeckt wird. Zu eindrucksvoll und groß ist sein Werk, um ungehört unterzugehen. Folglich lautet auch das Motto des Labels Sonus Eterna, das Masha Dimitrieva eigens dafür gründet: To Make Unknown Music Sound!

Und so erschien im Juni 2021 die zweite CD der Serie „Gordon Sherwood: The Complete Songs“ beim kleinen, unabhängigen Label Sonus Eterna (www.SonusEterna.com), das die Konzertpianistin Masha Dimitrieva (www.masha-dimitrieva.com) eigens dafür gegründet hat.

Masha: „Es mag vielleicht pathetisch klingen, aber seine große, fanatische und sehr ehrliche Liebe zur Musik hat mich in höchstem Maße beeindruckt und inspiriert.“

Nach drei CDs mit Werken von Sherwood erschien nun das zweite Volumen seiner Liedersammlung, die Masha Dimitrieva mit der Sopranistin Felicitas Breest einspielte. Wieder überzeugen beide Künstlerinnen mit technischer Brillanz und werden mit starker Ausdruckskraft der Gefühlsstärke und dem Ideenreichtum der Lieder Sherwoods gerecht. Das Stilspektrum erstreckt sich von Blues und Jazz über die deutsche und französische Romantik bis hin zur hohen Kunst der Koloratur.

Und so wurde diese CD von Klassik Heute mit höchster Punktzahl bewertet: Künstlerische Qualität 10, Klangqualität 10, Gesamteindruck 10.

„…Erstklassige Interpretationen, vorzügliches Beiheft…

Die Interpretationen durch die Sopranistin Felicitas Breest und Masha Dimitrieva sind erstklassig; besonders hervorzuheben ist die Natürlichkeit von Breests Darbietung, während Dimitrievas Klavierspiel die zahlreichen den Text reflektierenden Details, die Sherwoods Musik auszeichnen, exzellent zu gestalten versteht.“ Holger Sambale, Klassik Heute, 27.07.2021

Radio-Sondersendung:
Die Sendereihe „Horizonte“ des BR 4 Klassik, widmet der CD „The Complete Songs, Volume II“ von Gordon Sherwood zwei Ausstrahlungen sowohl am 28.10.2021 um 22:05 Uhr, als auch am 02.12.2021 ebenfalls um 22:05 Uhr.

Kulturkanal Ingolstadt
Ein Interview mit Masha Dimitrieva von Heike Haberl ist im Podcast vorhanden.

Zitate aus Kritiken weiterer CD-Veröffentlichungen mit Musik von Gordon Sherwood:

Klassik Heute über „The Complete Songs, Volume I“, 22.08.2019:
„…Diese Texte weisen ihn als so außergewöhnlich begabten wie auch vielseitigen und den Zeitgeist mit leichter Hand erfassenden Lyriker aus – so vielseitig und scheinbar komplett mühelos wie auch als Komponist. […] Der Hörer nimmt an einem Prozess teil, der voller Überraschungen steckt, die keiner außermusikalischen Mittel und keiner Schockeffekte bedürfen, sondern dem natürlichen Ausdrucksbedürfnis eines Künstlers entspringen, der in der ganzen Welt und all’ ihren Ausdrucksformen zuhause ist und dabei keinen Bruchteil seiner kindlichen Entdeckerfreude eingebüßt hat: immer frisch, nie eindimensional, unergründlich musikalisch.“

BR4 Klassik über „Pianoworks, Volume. I“, 2018 „… Da ist zum anderen die hochgradig authentische Handschrift, die eben doch nie kopieren will, sondern immer nur abbilden, und zwar ganz im ureigentlichen Sinn: Freude, Ängste, das Innenleben des Künstlers eben – manchmal fast schon kindlich naiv, manchmal stürmisch-bejahend und immer eines: unverkrampft. Das hat was Ehrliches und Erfrischendes, wie man es in der Musik von so manchen zeitgenössischen Komponisten vermisst.

Weitere Rezensionen:
Klassik Heute | Radio Klassik Stephansdom | Podcast auf SWR 2
Interview Masha Dimitrieva auf „The New Listener“

Kommende Konzertauftritte von Masha Dimitrieva in Ingolstadt und Umgebung:

17.10.2021  Soloabend, Künstlerinnentage Ingolstadt, Kulturhalle P3

01.12.2021 Soloabend „Der Komponist und die Pianistin“, MIttwoch Klassik, Ingolstadt

21.01.2021 Duo Abend „aus dem Leben eines Musikers“, Igor Loboda Violine, Masha Dimitrieva am Klavier, Rathaus Gaimershain

23.03.2022 „Werke des Ingolstädter Komponisten Igor Loboda“, Igor Loboda, Violine, Masha Dimitrieva, Klavier, MIttwoch Klassik, Ingolstadt Kamerariat

17.11.2022 Soloabend, Masha Dimitrieva, Klavier

KONTAKT: Masha Dimitrieva 
c/o Sonus Eterna, 
info@masha-dimitrieva.com
, Lilienthalstrasse 20, D-85080 Gaimersheim, 
Tel. 0175-1501053

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