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Kaliphonium – Forum für Künstler und Visionäre

Wenn die Seele die Empfindsamkeit besitzt, den Ruf einer höheren Wirklichkeit zu vernehmen (wie Tagore es ausdrückte), dann können Wunder geschehen (sagen wir). Dann spürt sich der Mensch als Individuum in seiner ganzen Kraft, Poesie und Unendlichkeit und vereint sich wie von selbst mit der Urseele, die alle Wesen verbindet.

 

Mit dieser Sehnsucht nach der Urseele, nach der Einheit, begann ich mich vor ein paar Jahren zu fragen: Kann man ein Miteinander finden, wo alle gleichermaßen anwesend sind? Wo niemand mehr im Außen den Teil sucht, der ihn ganz macht, sondern sich erlaubt, ganz zu sein, und dadurch zu echter Hingabe fähig ist?

Mein Forschungsgebiet liegt im Bereich der Musik. Schon immer faszinierte mich Musik, in der ich eine ‘essentielle’ Wahrheit und Ganzheit spürte. Ich fand sie besonders in einem ganz bestimmten Abschnitt unserer abendländischen Musikgeschichte, dem italienischen Frühbarock eines Claudio Monteverdi. Hier vernahm ich eine Aufbruchstimmung, Aktualität und Wahrhaftigkeit, die sich in einer faszinierenden Komplexität unzähliger Modulationen, Gleichberechtigung der Stimmen, unangestrengter Virtuosität sowie einmaligen Dissonanzen äußerte. Später führte mich der Weg zur Sufimusik, zu den ewigen Gesetzen des Kosmos, die ich im Ein- und Ausatmen der Musik, in der aufbrechenden Vielfalt wie auch in der Stille eines einzigen Tones erfuhr. In mir erwuchs die Sehnsucht, ‘Weltmusik’ zu schreiben, wo Himmel und Erde sich in einem unendlichen Kuss berühren. Ab da begann ich, zu komponieren und frei zu improvisieren.

Nach diesen Erfahrungen in der Musik erkannte ich, dass künstlerische Erweiterung auch die politische Einstellung, das Beziehungsleben und die Art, sich in der Welt einzubringen, berührte. Und  wieder stellten sich mir die Fragen:
Warum sind wir hier im Westen abgetrennt von unserer ursprünglichen Kraft? Warum fühlen wir uns gelähmt, überfordert und handlungsunfähig?

Warum fühle ich mich grundsätzlich unsicher oder schuldig, wenn ich eine Entscheidung selbst treffe? Brauchen wir für jede Entscheidung die Absegnung von unserem Chef, unserem Arzt, unseren Eltern, unserer Bank oder unserer Religion?

Wie gehe ich mit dem Thema Geld in den Zeiten des Übergangs um? Wie kann ich mich dem ‚verzinsten‘ Geldsystem entziehen und beispielsweise eine Gemeinschaftskasse einrichten, die nicht gewinnorientiert, sondern als reiner Verwaltungsbetrieb arbeitet, und die es ermöglicht, in verschiedenen alternativen Währungen Geld anzusparen und Geld auszuleihen?

Diese und ähnliche Fragen beschäftigten auch einige meiner Freunde und deren Bekannte. Wir trafen uns häufig in Kneipen oder Wohnungen und diskutierten lebhaft und oft kontrovers über den Sinn und Unsinn des Lebens. Gerade die Vielfalt der Standpunkte und Denkansätze in unserer illustren Gruppe erzeugte eine ungeheure Dynamik, gegenseitige Bereicherung und konstruktive Streitkultur. Zudem beteiligten wir uns an verschiedenen transformativen öffentlichen Veranstaltungen, studierten Lebensgemeinschaften und trafen ‚avantgardistische‘ Geister und Systemkritiker. Aber was wir uns ersehnten, fanden wir so nicht.

Wir mussten uns damit auseinandersetzen,

  • dass wir in ‚Spiri-Gemeinschaften‘ Individualität und Lebensfreude vermissten, sie manchmal gar als ‚Flucht vor der bösen Welt‘ empfanden.
  • dass sogenannte ’spirituelle Bewegungen‘ oft so abhängig von einem ‚Guru‘ sind, dass kein schöpferischer Austausch innerhalb der Gruppe stattfinden kann.
  • dass Mantren, die eigentlich zur Erleuchtung verhelfen sollten, in einer den Geist einschläfernden und abstumpfenden Art praktiziert werden.
  • dass bei alternativen Veranstaltungen oft ein falsches Harmonieverständnis und eine ‚geistige Gleichschaltung‘ die lebendige und kreative Auseinandersetzung zwischen Menschen erstickt. 
  • dass einerseits in der klassischen Kunstmusik oft das heilende, energetische und ekstatische Potenzial unterdrückt wird, während andererseits in der ’schamanischen Musik‘ der Wert feiner Nuancen und berührender Ästhetik ­verleugnet wird.
  • dass die Überspezialisierung ausgehend von der Wissenschaft das holistische Denken abgeschafft hat – während bereits in den alten Hochkulturen mit ihren Mysterienschulen ganzheitliche Erkenntnisgewinnung u. a. durch mystische Innenschau selbstverständlich war.

All diese Themen waren der Startschuss für das Kaliphonium im August 2012 – eine experimentelle künstlerische Veranstaltungsreihe in einem freigeistigen Rahmen, die seither in unregelmäßiger Folge fortgesetzt wurde.

Unsere hauptsächlichen Anliegen sind:
Wir möchten im kreativen Austausch auf Augenhöhe das Potenzial der Kunst neu erforschen und erleben. Wir glauben an eine höhere Wahrheit der Kunst jenseits der etablierten Strömungen und Formen ebenso, wie wir eine höhere Wahrheit jenseits der geistigen Strömungen, Wissenschaften und Religionen annehmen. Auf dieser Grundlage laden wir zum gemeinsamen Forschen, Diskutieren und Experimentieren ein. Wir erleben die Symphonie der unterschiedlichen Denkansätze, Visionen, Sehnsüchte, Genres, Ausdrucksformen und Potenziale und haben keine Angst davor! Dies ist für uns ein kreativer Weg der Bewusstseinsentgrenzung und Transformation.


Abb: © agsandrew – Fotolia.com

Do, 29.8., 20 Uhr
Kaliphonium – Forum für Künstler und ­Visionäre:
Bettina Hartl und weitere Gründer initiieren diese Reihe für einen umfassenden schöpferischen Austausch von Künstlern und Visionären und laden zum Experimentieren auf einer ‚verwandten‘ Schwingungsbasis ein.
Podiumsdiskussion, Livemusik, Vorträge u.v.m.
Mitwirkende des ­Forums u.a.: Bettina Hartl, Monika Mahr, Angela Mahr, Jost Heino Stegner, Wasilios Tsaboukos, Winfried Wolf, Georg Faust

Eintritt frei, Ort: Haus der Sinne, Ystader Str. 10, 10437 B.

Kontakt und Info
Tel. 030-40 04 94 07 oder 0151-10 77 13 27 oder bandoneonista@googlemail.com
www.bandoneonista.de (Website von Bettina Hartl), eine eigene Kaliphonium-Website ist im Aufbau

 

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