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Der Terror als Spiegel: Angst und Hass oder Liebe und Vergebung? Gewaltlosigkeit als Lösung oder Angriff als Verteidigung? Was ist wahr?

Mehr Krieg?

Die Anschläge von Paris sind nun fast eine Woche her. Die Medien-Maschine hat die Angst über Paris ausgerollt, die Politik nutzt sie für einen weiteren Schritt in Richtung Polizeistaat. Die Kriegsmächte auf allen Seiten ergehen sich in Rache und die Antwort auf Paris lautet weltweit vor allem: mehr Krieg!

Es ist schwer, eine eigene Antwort auf die aktuellen Ereignisse zu finden, sie zu durchdringen und wirklich zu fragen: Was ist hier meine höchste Wahrheit?

Meinen Hass bekommt ihr nicht

Nicht alle antworten mit Gewalt. Ausgerechnet der Mann eines der Opfer von Paris zeigte, dass es auch andere Optionen gibt. Der Journalist Antoine Leiris verlor durch die Attentate in Paris seine Frau, die Mutter seines nur 17 Monate alten Sohnes. In einem offenen Brief wandte er sich an die Mörder seiner Frau:

„Am Freitagabend habt Ihr mir das Leben eines außergewöhnlichen Menschen geraubt, die Liebe meines Lebens, die Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass, den bekommt Ihr nicht. Ich weiß nicht, wer Ihr seid, und ich will es auch gar nicht wissen, denn Ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den Ihr so blind mordet, Euch nach seinem Ebenbild erschaffen hat, dann hat jede Kugel im Leib meiner Frau auch sein Herz verletzt.

Deshalb nein, ich werde Euch jetzt nicht das Geschenk machen, Euch zu hassen. Sicher, Ihr habt es genau darauf angelegt – doch auf diesen Hass mit Wut zu antworten, das hieße, sich derselben Ignoranz zu ergeben, die aus Euch das gemacht hat, was Ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit Argwohn betrachte und meine Freiheit für meine Sicherheit opfere. Vergesst es. Ich bin und bleibe der, der ich war.

Ich habe sie heute Morgen gesehen. Endlich, nach Tagen und Nächten des Wartens. Sie war noch genauso schön wie Freitagabend, als sie losging, genauso schön wie damals, vor über 12 Jahren, als ich mich unsterblich in sie verliebte. Natürlich bin ich vor Kummer fast am Ende, diesen kleinen Sieg gestehe ich Euch zu, aber das wird nicht lange dauern. Ich weiß, sie wird mich jeden Tag begleiten und dass wir uns im Paradies der freien Seelen wiedersehen werden – in eben dem Paradies, zu dem Ihr niemals Zutritt haben werdet.

Wir sind zu zweit, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Welt. Ich habe auch nicht mehr viel Zeit für Euch, denn ich muss zu Melvil gehen, der gerade aus seinem Nachmittagsschlaf erwacht. Er ist noch nicht einmal 17 Monate alt, er wird jetzt eine Kleinigkeit essen wie jeden Nachmittag, und dann werden wir miteinander spielen, auch wie jeden Tag, und dieser kleine Junge wird für Euch sein Leben lang ein Affront sein, weil er glücklich sein wird und frei. Denn, nein, auch seinen Hass werdet Ihr nie bekommen.“

Wahr sein

Dieser Brief von Antoine Leiris traf mich tief. Er erreichte mich, während ich in mehrere Artikel zum Thema IS zu Ende brachte. Verstrickt in Intrigen über Intrigen berührten diese einfachen Worte irgendeinen wahren Platz in mir. Vielleicht, so dachte ich, vielleicht sollte ich all meine Artikel zerreißen, vielleicht ist dieser Brief alles, was man zu diesem Thema überhaupt lesen sollte. Ich träumte kurz, all unsere Medien würden den Terror nicht mehr erwähnen und zum Thema nur diesen einen Brief abdrucken. Kein Wort mehr der Angst, keine Drohungen, nur dies.

Was wäre, wenn unsere Regierungen so reagiert hätten wie Leiris? Hätte es den IS vielleicht sogar härter getroffen, als all die Bomben? Ihm Rückhalt und Glaubwürdigkeit entzogen?

Transzendenz

Aus den Worten dieses kleinen Briefes spricht eine spirituelle Tiefe und Transzendenz, die mich in Ehrfurcht vor der Seele dieses Mannes zurücklässt.

Ich glaube nicht, dass das Leben einem Menschen einen größeren Test auferlegen kann, um zu beweisen, wie tief man wirklich in der spirituellen Realität verankert ist, als der gewaltsame Tod eines geliebten Menschen. Halten die inneren Wurzeln diesem Ansturm stand?

Es ist der größte Test, ich scheitere täglich an kleineren. Denn jede kleine Situation des Lebens bedeutet die gleiche Wahl: Folge ich den tiefsten Impulsen meiner eigenen Wahrheit – oder verstricke ich mich in die Geschichte, das Drama und die emotionalen Reaktionen?

Welche Tiefe muss dieser Mensch erreicht haben, in einer solchen Situation fest in das Licht der eigenen Seele zu blicken, das Herz kaum einen Zentimeter zu verlassen? Sich festzuhalten an einem göttlichen Funken, mitten in den Wogen eines dunklen Meeres von Trauer, Wut und Verzweiflung?

Weckruf zum Selbst

Hier war ich also, der spirituelle Redakteur einer spirituellen Zeitschrift, völlig verstrickt in die Analyse der politischen Intrigen, beschämt darüber, dass mir selbst in einer weit distanzierteren Situation nicht anders zu helfen wusste, als in meinen Verstand zu flüchten, in der Story zu wühlen, statt dass zu tun, was wirklich der Ruf dieser Tage ist: Eine Botschaft der Liebe und Transzendenz zu verbreiten.

Denn ich denke, dies ist die Entscheidung, die sich im Spiegel dieser Welt gerade offenbart: Sind wir bereit, das Spiel zu durchdringen, die Spirale aus Angst, Hass und Gewalt zu verlassen und wirklich in unser Selbst zu blicken?

Ich weiß, für viele Menschen klingt das wie Hippie-Mist: Solche Briefe werden den IS nicht aufhalten, werden sie sagen. Die Frage ist, ob Gewalt und Hass es tun werden, oder ob dies genau das ist, was sie säen wollten.

Aber es geht noch tiefer. Denn der IS ist nicht nur nur da draußen, er lebt in uns allen, in unserer Wut, in den Rachegefühlen, der Angst, dem Misstrauen, unserer Gier und Teilnahmslosigkeit. Was wir an ihnen hassen, tragen wir alle in uns selbst. Es zeigt sich, wenn Hollande wenige Stunden nach den Anschlägen von Paris Kampfjets „Vergeltungsschläge“ fliegen lässt, Terror mit Terror bekämpft und dabei versehentlich doch nur zivile Ziele zerstört. So werden wir selbst zu Terroristen.

Wo wird diese Spirale der Gewalt je ein Ende finden? Auge um Auge, Zahn um Zahn? Sind wir noch immer dort?

Ein kollektiver Spiegel

Das globale Spiel kennt keine Gewinner. Dieser Konflikt hat seine Wurzeln tief in unserer kollektiven Seele. So abgedroschen es klingen mag: Er ist die logische Manifestation unserer Abkehr von Liebe und Verbundenheit. Eine Abkehr, die in uns allen stattfindet, jeden einzelnen Tag.

Der Krieg zwischen Ost und West, zwischen fanatischen Gläubigen und fanatischen Neokolonialisten, zwischen Eliten und Flüchtlingen – all das sind die Früchte unseres kollektiven, globalen Bewusstseins. Die Welt, wie sie sich jetzt gerade zeigt, ist ein Spiegel, der uns fragt: „Das ist, was ihr kreiert – dient euch das?“

Das so zu sehen, ist weit weniger abgehoben, als es klingen mag: Die Welt, wie sie heute ist, entsteht nicht aus dem Nichts – wir alle haben sie so gestaltet. Mit unseren Kämpfen um Macht, Geld und Ressourcen, unserer Gier und Gleichgültigkeit, mit unserem Bewusstsein der Trennung, das weder unsere Verbundenheit mit der Natur, noch die mit unseren Mitmenschen zu begreifen in der Lage ist.

Und weil wir aus diesem Bewusstsein handeln, blicken wir nun in genau die Welt, die daraus entsteht: Eine Welt in der die Natur zerstört ist, Elend und Ungerechtigkeit sich ausbreiten und die Menschheit im Krieg liegt. Schon bald wird es keinen Platz mehr auf dieser Welt geben, an dem wir uns diesen Konsequenzen nicht werden stellen müssen. Wir werden es diesmal nicht aussitzen können.

Eine Wahl

So stehen wir vor der Wahl. Es gibt einen Sog, der uns alle ergreifen möchte, er zieht uns hinein durch die Medien, kriecht wie ein Virus in unser Bewusstsein: Ein Sog zu mehr Krieg, mehr Soldaten, mehr Waffen, mehr Überwachung, mehr Gesetzen, weniger Freiheit, mehr Angst. Ein Sog zu Rache und Vergeltung, Hass und Zwietracht, Trennung und Misstrauen. Ein Crescendo, das unweigerlich in einem Dritten Weltkrieg zu münden scheint.

Ist das wirklich unser Weg? Glauben wir wirklich daran? Ist das unsere tiefste Wahrheit, oder ein emotionaler Reflex?

Liebe ist keine Reaktion, sie ist ein Weg, ein transzendentes Prinzip, jenseits der Geschichte. Am Ende geht es vielleicht so weit, dass wir unser Herz fragen müssen: Was ist für mich wirklich wahr? Bin ich bereit für die Liebe zu sterben? Würde ich aus Angst töten?

Gewaltlosigkeit

Es ist eine große Frage. Habe ich eine Antwort? Wenn es soweit ist, wie sieht meine tiefste Wahrheit aus? Bin ich bereit zu sterben für mein tiefes Empfinden, dass Töten und Gewalt falsch sind? Wenn es meine Frau trifft, meine Kinder – werde ich mich von Hass zerfressen lassen oder vergeben? Wenn der Krieg eines Tages an meine Tür klopft, werde ich mich im Lotussitz erschießen lassen, oder werde ich kämpfen?

Als der Dalai Lama einmal gefragt wurde, weshalb die meisten Buddhisten sich niemals gegen die Gewalt aus China gewehrt hätten, war seine Antwort:

„Krieg ist veraltet, weiß du. Natürlich kann der Verstand es immer rechtfertigen zurückzuschlagen. Aber das Herz .. das Herz würde das nie verstehen. Und dann wärst du in dir selbst geteilt, das Herz und dein Verstand … und der Krieg ist in dir.“

Ist das wahr? Ist Gewaltlosigkeit ein transzendentes Prinzip für das es sich sogar zu sterben lohnt? Weil der Preis, sich selbst zu verraten höher ist, als das Leben?

Der IS als Spiegel

Der IS übt eine dunkle Faszination aus, vielleicht weil darin ein Spiegel für uns verborgen liegt. Es ist nicht nur Hass, Verblendung und Kälte, die uns da entgegenblicken. Nichts wäre so stark, wenn nicht auch eine – wie auch immer verzerrte – Wahrheit darin stecken würde.

Vielleicht fasziniert der IS uns darum so sehr, weil diese Menschen für ihren verrückten Glauben, ihre grotesken Werte bis in den Tod gehen – während wir für die Illusion von Sicherheit unsere Seele verkaufen.

Vielleicht symbolisiert der IS auch die dunkle Seite von etwas, wonach sich wohl alle Menschen sehnen: Er kämpft für ein heiliges Reich, ein goldenes Zeitalter, ein Reich Gottes auf Erden, welches nach den kosmischen Gesetzen funktioniert, eine höhere Ordnung, welche die weltlichen Strukturen ablöst, für eine Erlösung aus einer zerstörten Welt.

Der IS ist die ins Groteske verzerrte, diabolische Fratze eines unterbewussten Traumes, einer kollektiven Vision. Er hat sich gewaltsam den Weg gebahnt, weil diese Menschen in Verzweiflung und Chaos ertranken. Ber der Funke darin, der Wunsch nach Befreiung, Bestimmung, Erlösung, ist ein wahrer Funke.

Der Traum dahinter ist ein Traum, den wir alle mit diesen Menschen gemeinsam träumen könnten, hätte der Wahnsinn sie nicht hinweggerückt.

Der Weg hinaus

Wenn wir uns abwenden vom Angst-Porno, den unsere Medien nun auf allen Kanälen senden und nach innen gehen, uns wirklich auseinandersetzen mit dem was gerade geschieht, wird es wohl für uns alle genug offene Fragen geben. Fragen, für die wir vielleicht tief in uns gehen müssen, um eine ehrliche, angstfreie Antwort zu finden.

Vor unseren Augen beginnt sich eine Spirale der Gewalt zu drehen und die objektive Prognose ist: Es wird schlimmer werden.

Die Frage ist, ob wir uns mitdrehen lassen in dieser Spirale, hineingesaugt werden, oder ob es einen anderen Weg gibt, eine andere Botschaft. Wenn es die gibt, dann werden wir es sein müssen, die diese Botschaft verbreiten und sie leben.

Meine Botschaft ist: Es gibt einen Punkt, der tiefer ist als die Angst, tiefer als der Hass, wichtiger als das Leben. Er ist jenseits der Geschehnisse und Geschichten. Wir sollten ihn jetzt fest umarmen.

Es gibt einen Traum, den wir alle träumen, während wir die Welt in sein Gegenteil verwandeln, weil wir nicht weit genug in die Tiefe blicken. Wir sollten gerade jetzt wagen, ihn miteinander zu träumen.

Das ist nicht die Lösung aber ich glaube, es ist die Voraussetzung für eine wirkliche Lösung. Schon bald, schon jetzt sind wir alle in Versuchung, den Krieg in uns aufzunehmen, ein Teil des Krieges zu werden. Und wenn nicht jetzt, dann bald, werden wir alle eine Entscheidung treffen müssen.

13 Responses

  1. Chondro
    Es gibt nur kollektive Freiheit

    Es gibt nur die innere Weisheit und für die lohnt es sich zu sein, wer man ist. Bist Du ein großer Vogel, dann fliegst Du weg. Bist Du ein Fisch, schwimmst Du weit hinaus. Der weise, erdverbundene Mensch wird über die Natur der Dinge wachen und sie beschützen. Seine Kinder, seinen Brunnen. Er nimmt nur, was er wirklich braucht, alles gehört der Natur. Das Leben mit dem Leben beschützen. Es gibt Schafe, Hunde, Wölfe und es gibt den Kampf zwischen Licht und Dunkelheit in allem. Das Licht möchte ich beschützen, in dem ich lautlos durch die Dunkelheit ziehe und die Wölfe mit sich selbst beschäftige, damit sie von den Schafen ablassen. Ganz ohne Gewalt, aber durch Anwesenheit. Ich bin zu schnell, zu lautlos, zu sehr verbunden, sie sehen mich nicht. Die Flüchtlinge bedrohen meine Kinder nicht. Wir haben unsere Freiheit in maximale Individualität umdefiniert. Daran werden wir scheitern, an unserer Willkür.

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  2. Michael Wach
    Zum Brief eines Mannes aus Paris

    Nein meinen Hass bekommt ihr nicht! Haben uns das die Norweger nicht vorgelebt, nachdem dieses schreckliche Morden auf Utoija (Breijvik) stattgefunden hat?
    Warum verfallen wir immer wieder in dieses alten Muster aus der Steinzeit: „Und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein!“

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  3. Sabine
    Seltsame Haltung

    Wofür sich hier die Kommentatoren bedanken, bleibt mir gänzlich verschlossen. Wie hätten sich denn die Frauen um die Hauptbahnhöfe in Köln, Hamburg, Frankfurt usw. in der Silvesternacht verhalten sollen als sie von den Flüchtlingen an den Haaren niedergerissen, massiv sexuell belästigt, ausgeraubt, körperlich und verbal missbraucht und wie Vieh durch die Stadt gejagt wurden? Wie soll man sich denn verhalten, wenn sein 14-jähriger Sohn von einem Flüchtling auf dem Schulweg mit einem Messer bedroht wird, weil dieser sein Taschengeld haben will, und was bitte schön soll man denn an positiven Gedanken hegen, wenn – wieder von den lieben Flüchtlingen – ein 7-jähriges Kind vergewaltigt wird? Die Polizei ermittelt in all diesen Fällen (und hier, wage ich zu prophezeien, werden weitere Fälle folgen) ohne Ergebnis, wie kann das sein und wie passt dies in das Gedankenkonstrukt von positiver Energie, Vergebung und Spiritualität? Ist es nicht eher so, dass wir hier vorgeführt werden und mit einer solchen Haltung auch noch dazu beitragen? Es ist ja auch viel einfacher von Vergeben und Vergessen zu reden, als Verantwortung zu übernehmen und sich gegen negative Energien zu wenden.
    Meine Identität kann – ungleich der der kriminellen Flüchtlingen – sicherlich leicht ermittelt werden und ihr könnt meinen Kommentar auch getrost unveröffentlicht wieder löschen, so wie es in allen anderen Medien in Deutschland geschieht (kritische Stimmen sind in unserer deutschen Gesellschaft nicht gefragt; Kritiker werden sofort in die rechte Ecke gestellt, also – zustimmen oder sich als Nazi beschimpfen lassen).

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  4. Renate
    Das Licht ist immer stärker als die Dunkelheit

    so eine wunderschöne, wirklich starke Geschichte. Nur eine geistig entwickelte Seele kann in einer solchen Situation so reagieren. Diese Pioniere der LIEBE zeigen uns den Weg – an dieser Seele möchte ich mich orientieren.
    In Liebe und Vertrauen!
    Vielen herzlichen Dank!

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  5. Kathryna
    Liebe wird siegen

    Mir steigen die Tränen in die Augen in Anbetracht des vielen Leids und dem Unwillen der Mehrheit sich dagegen zu entscheiden. Denn das ist alles was es braucht. Auch ich hadere, spüre die Angst und Hoffnungslosigkeit aufsteigen. Doch die Entscheidung ist klar und einfach: Vertrauen und Liebe, vertraue der Liebe, sie wird siegen. Danke, ich fühle mich in Gemeinschaft.

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  6. Rosa Parks
    Die Welt ist nich ganz so....

    Wow, ein streitbares Thema, wegen des „meinen Hass bekommt ihr nicht, wir gehen weiter in die Cafés“ kann ich nicht in Paris gegen den Klimawandel und die kapitalistische Herrschaft protestieren, es kann sein, dass ich genau deswegen im Gefängnis lande.

    Die Anschläge tragen die Gewalt in der Welt näher an die Menschen ran, als es die bewusster-einkaufen Fraktion je gekonnt hätte, diesem Stress im öffentlichen Bewusstsein ist es immer schwieriger zu entkommen.
    Theoretisch müssten wir diesen Verbrechern dankbar sein, denn wo hätte es einen Aufschrei gegeben, als in Mali der Krieg Französischen Truppen gegen AlQua.. und wie immer bis zu 80% ziviler Tote und Verletzer üblich waren und sind, ausgehend von den Statistiken im 1.WK bis zum Irakkrieg sind immer weniger Soldaten unter den Ermordeten? Wer schrie auf, als Lybien zu einem „failed state“ wurde?

    Go for it, wenn du mehr Klarheit suchst, aber etliche Fallstricke kann es mit dem interpretieren von gutem Verhalten schon geben, beispielsweise in der Zen-Praxis der alten japanischen Armee, die gingen in ihrer Hingabe ans Leben, dem überwinden des Mangels
    so weit, dass es Pflicht wurde, sich für Volk und Vadderland lieber zu töten als dem Feind in die Hände fallen, hier ein kleiner Weg in den Wikipediadjungel:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserlich_Japanische_Armee
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiserlich_Japanische_Armee#ideologie

    Die Frage ist doch wahrscheinlich die, wie weit du konform oder an einer gesellschaftlichen Grenze jemand steht und wie ernst das jeweils genommen wird, und ob man sich dazu aktiv verhält oder nicht.

    Meditation kann gut sein, aber genauso wichtig ist sich auch dieses NEIN einzugestehen und Konsequenzen zu ziehen, und auch Gefühle zu hinterfragen, ich glaube, dass Emotionalisierung eine enorme Falle sein kann, denn Liebe ist nach der Sexuellen Revolution doch für viele Menschen auch nur ein Konsumgut.

    Leute wissen um ihre Ignorants, versachlichen sie und haushalten damit, wäre schön, wenn Menschen auch vom (gemeinsamen) Egoismus runterkommen und nicht immer wieder mit dem Wölfen heulen.

    Wie viel Traurigkeit muss es noch geben, dass Menschen gegen ihr fahrlässiges einfach-so-weitermachen entscheiden? Da muss ich leider der Bhagavat Gita recht geben, die von Pflichterfüllung spricht, statt sich wie der Prinz Ajuna in einen Wald zum meditieren zurückzuziehen. Wohlgemerkt, er drückt sich davor, einen Bürgerkrieg niederzuschlagen, in dem er auf beiden Seiten Freunde und Feinde hat.

    To make it short: weniger Romantik, offenere Umgang mit Schwere wären gut, um sachlicher mit dem Krisenkapitalismus umzugehen, der gerade auf Hochkonjuktur läuft. Wäre gut, wenn Menschen leidens- und konfliktfähiger werden, um die neuen Ideen und Wege begehbar zu machen und zu halten – auch ohne LSD.

    Wir machen viel zu viel mit uns selber aus, auch der Weg zum Psychologen ist Teil einer Vereinfachungs- und Normierungspraxis. Viele Kompromisse sind nötig, aber individuelle Therapien werden nur bedingte Erfolge haben, und immer wieder Moral Moral Moral… ich weiss nicht. Klarheit kommt doch mit aktiven Auseinandersetzungen, und auch mit dem Wissen um die Gegenständen.

    In so fern ist es ein treffender Artikel, Spiritualität betrifft immer wieder das Sterben und wir sehen zu, wie dieses Europa immer mehr zu autoritären Notlösungen tendiert.

    Sich dem zu stellen und einen persönlichen sinnvollen Weg zu gehen erfordert enorm viel Konzentration.

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    • A.Tausch
      .....dann kommt der Krieg zu Dir!

      „Meditation kann gut sein, aber genauso wichtig ist sich auch dieses NEIN einzugestehen und Konsequenzen zu ziehen,“ das ist wohl wahr und zu den Konsequenzen kann auch der Zorn auf die Tat ohne den Täter zu hassen gehören. Dr Krieg an sich ist doch schon geächtet, so what?

      Antworten
  7. Veil
    Shi-ne

    Vielen Dank. Gut geschrieben!

    ES IST AN UNS! – AN JEDER UND JEDEM!
    – In dieser besonderen Zeit in der wir leben, eine Entscheidung zu treffen!

    Friede der Welt!
    Friede den Menschen!
    Friede dem Universum!

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  8. Stefan Brönnle
    Zeit der Entscheidung

    Danke.
    Ja, als überzeugter Pazifist kann ich dem nur zustimmen. Und was für den Krieg gilt, gilt auch für die Freiheit. Wenn wir die Freiheit mit Mauern schützen, ist sie keine mehr. Und diese Schutzmauer in uns ist die Angst.
    Doch ein Licht, das geteilt wird, wird nicht kleiner, nicht schwächer, es wird heller und vermehrt sich! Darum stimme ich zu: Es ist eine Zeit der Entscheidung: Krieg, und Angst ins Herz zu lassen und auf Freiheit und Frieden zu verzichten, oder das Wagnis der Liebe und des Vertrauens einzugehen. Ein Licht entzünden und es weiterreichen

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  9. eva judmaier
    Daaaaaanke

    ein wunderschöner Artikel – eine grosse Unterstützung aus der allgemeinen „Verhetzung“ rauszukommen.

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