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Kann es eine andere Geschichte für die Zukunft der menschlichen Zivilisation geben als den sicheren Untergang der Menschheit? Der preisgekrönte französische Dokumentarfilm Tomorrow gibt Antworten von handelnden Menschen, die Mut machen…

Von Oliver Bartsch

 

Die französische Schauspielerin Mélanie Laurent und der französische Aktivist Cyril Dion haben mit Mitteln einer Crowdfunding-Aktion einen Film realisiert, der zeigen soll, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die sich nicht mit dem bestehenden System und den Weltuntergangsszenarien abfinden wollen und mutig mit eigenen Projekten vorangehen.

In Tomorrow reist die Filmcrew durch zehn Länder der Erde und besucht Projekte und Initiativen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Was sie finden, sind Antworten auf die dringendsten Fragen unserer Zeit. Und die Gewissheit, dass es eine andere Geschichte für unsere Zukunft geben kann.

Was tun wir, wenn das Finanzsystem crasht? Wie soll man 9 Milliarden Menschen ernähren? Wie soll umweltfreundliche Energie produziert werden, die die Klimakatastrophe verhindert? Was soll getan werden, damit wenigstens ein Minimum an Wirtschaft überlebt? Wie kann die Politikverdrossenheit überwunden und mehr Gemeinschaft gelebt werden?

Diese Fragen beschäftigen Menschen auf der ganzen Welt, die sich gegenseitig nicht kennen. Alle Menschen, die in Tomorrow begeistert von ihren Projekten erzählen, haben folgendes gemeinsam: Den Wunsch nach Vielfalt, nach Autonomie, nach Schaffung menschlicher Gemeinschaften und den Wille, gemeinsam etwas dafür zu tun.

Die Summe der Lösungsansätze in Tomorrow ist beeindruckend, die Beispiele sind klug ausgewählt, die Bilder unterstreichen die Textaussagen: Es ist ein rundum gelungener Film, der berührt, zum Handeln animiert und die Zusammenhänge gut erklärt. Da bleibt wenig Zeit für Spöttelei über „Gutmenschentum“ oder das Herziehen über hoffnungslos romantische Idealisten, die sich eine kaputte Welt schönreden wollen.

Sehr geschickt ist die dramaturgische Verzahnung der Kapitel Landwirtschaft, Energie, Wirtschaft, Demokratie und Bildung. So kann der Zuschauer seine anfängliche Abwehrhaltung nach und nach aufgeben und fängt an zu staunen:

  • wie kunstvoll zwei französische Aktivisten eine kleine Fläche Land mit den Händen bearbeiten und so einen höheren Ertrag pro Quadratmeter erzielen als ein konventionell arbeitender Bauer mit seinen Traktoren,
  • wie es San Francisco innerhalb weniger Jahre geschafft hat, 80 Prozent seiner Abfälle wiederzuverwerten,
  • wie radikal Kopenhagen auf Radverkehr und alternative Energien setzt; und wie alternative Währungen in einigen Regionen Englands dazu beitragen, den lokalen Einzelhandel zu unterstützen.

Auch das tägliche Demonstrieren von isländischen Bürgern vor dem Parlament, bis die damalige Regierung zurücktrat und Bürger an einer neuen Verfassung mitarbeiten durften, macht Mut zum Handeln.

Es gibt nicht den einen richtigen Weg in eine menschlichere Zukunft, sondern viele unterschiedliche Ansätze, die zusammengenommen einen Schneeballeffekt haben. Sicher, es dürfen Zweifel bleiben, ob es sich bei den gezeigten Beispielen um mehr als vereinzelte Inseln handelt, die keine Chance haben werden gegen den Druck der Globalisierung und die Praktiken des neoliberalen Kapitalismus. Aber Dokumentarfilme wie Tomorrow können einen überraschenden Sog entwickeln, der den endlosen Weltuntergangsszenarien starke positive Botschaften entgegensetzt.

 


DVD: Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen, Dokumentarfilm, 118 Minuten, Frankreich 2015, ab erscheint ab 16. Oktober 2016 auf DVD und ist vom 25. bis 31. August in diversen deutschen Kinos zu sehen.

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Eine Antwort

  1. Martin Bartonitz
    Kulturell-Kreative ...

    Sie wurden auch schon mal als Kulturell-Kreative bezeichnet:
    https://faszinationmensch.com/2015/02/15/die-kultur-kreativen-sind-uberall/

    Antworten

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