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Candomblé – ein exotisch klingender Kult, oft zu Unrecht mit dunklen, verbotenen Dingen assoziiert. Seit Ende 2007 gibt es mit dem Ilê Ashé Oyá in Kreuzberg den ersten Candomblé Tempel Deutschlands. Candomblé ist eine afro-brasilianische Naturreligion, deren Ursprünge die versklavten Menschen aus Westafrika nach Brasilien gebracht haben.

Weltweit gehören dieser Religion ca. 80 Millionen Menschen an. Einer der prominentesten Anhänger des Candomblé ist der brasilianische Kulturminister Gilberto Gil. Über Jahrhunderte wurde die Candomblé-Religion von den Sklavenhaltern und den etablierten Kirchen unterdrückt und konnte nur im Verborgenen gepflegt werden. Inzwischen ist diese Phase überwunden und Candomblé in Brasilien seit den 70er-Jahren als offizielle Religion anerkannt.
Murah Soares – der Babalorixá (Oberpriester) des Tempels – wuchs im Candomblé-Tempel seiner Großmutter in Salvador da Bahia auf und wurde von Pai Badu aus der Tradition des Alaketu über 28 Jahre zum obersten Priester im Candomblé (Babalorixá) geweiht. Vor 18 Jahren kam er nach Deutschland und hat nun dem Candomblé in Berlin einen Ort gegeben.

 

Orixás – die Götter im Candomblé

Im Candomblé werden etwa 16 verschiedene Orixás (Gottheiten) verehrt. Sie sind Vermittler zwischen Olorun, dem Schöpfer der Welt, und den Menschen. Sie besitzen sowohl mystische als auch menschliche Qualitäten und spiegeln die Kräfte der Natur wieder. Yemanjá beispielsweise repräsentiert die höchste weibliche Kraft unter den Orixás. Sie ist die Mutter aller Orixás und symbolisiert die Urmutter, den Ursprung allen Lebens. Sie ist Königin des Meeres, der Ort, aus dem alles Leben einmal entstanden ist. Yemanjá steht für Mutterliebe, Fruchtbarkeit, weibliche Schönheit, Fürsorge, Hilfsbereitschaft, Emotionalität und Geborgenheit.
Jeder Mensch hat die Qualitäten eines oder mehrerer Orixás, und die Aufgabe im Leben besteht nach Verständnis des Candomblé darin, diese Potenziale in sich selbst zu entwickeln. Eine Form der Menschwerdung, die im Sufitum als: “Werde zu dem, was du bist!“ beschrieben wird. Zu welchen Orixás man gehört, können die Babalorixás durch das jogo de búzios – das Kaurimuschel-Orakel – erkennen.

 

Suche nach Heilung

 

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Viele Menschen – auch solche, die nicht zum Candomblé gehören – suchen die Tempel aus gesundheitlichen Gründen auf. Krankheit wird im Candomblé als Ungleichgewicht zwischen dem persönlichen Orixá und dem Individuum verstanden, das es gilt, in Balance zu bringen.
Bei körperlichen Krankheiten geht es im Candomblé darum, den Menschen von negativen Energien zu befreien, zu reinigen und positive Energien anzuziehen.
Orakel – der Blick ins Verborgene
Bei jeder Konsultation dient das jogo de búzios als Grundlage für Beratung, Diagnose und Heilungswege. Es gewährt dem Babalorixá Einblick in den Orixá des Ratsuchenden, den Sitz des axé (Lebenskraft). Für jede Konstellation gibt es einen odu (Schicksal), der den Lebensweg mitbestimmt. Die Geschichten zu den odus werden mündlich überliefert und der Babalorixá interpretiert sie in einem erweiterten Bewusstseinszustand während der Orakelbefragung unter Bezugnahme auf die gegenüber sitzenden Person.

 

Heilungszeremonien

Der erste Behandlungsschritt ist die gründliche (spirituelle) Reinigung mithilfe von speziell zubereiteten Kräuterwaschungen. Je nach Problem und Konstellation folgen dann verschiedene Rituale, die die innere Balance wieder herstellen, so dass das axé ins Fließen gebracht werden und Heilung stattfinden kann.

 

Öffentliche Rituale

Die dem Candomblé zugehörigen Mitglieder treffen sich regelmäßig, um ihre Orixás zu verehren und damit ihre Kraft zu pflegen. Neben den geschlossenen Ritualen gibt es jedoch auch regelmäßig für die Öffentlichkeit zugängliche Rituale, bei denen die Besucher zuschauen und Kraft tanken können: Die Mitglieder des Candomblé tanzen rituelle Tänze zu den speziellen Rhythmen der jeweiligen orixás. Diese verbreiten ihre Kraft und Energie unter den Anwesenden: ein beindruckendes Erlebnis für alle Beteiligten.

3 Responses

  1. Sophie

    auf der Seite des Forum Brasil kann man die Daten der öffentlichen Rituale finden. Diesen Samstag (21.06.2014) findet das Ritual zu Ehren Xangó statt!

    Antworten
  2. margret czwink

    Guten Tag!
    Ich möchte auch gern einmal an einem für die Öffentlichkeit zugänglichen Ritual teilnehmen. Bitte senden Sie mir eine Antwort, wann dies möglich ist und was dazu zu beachten ist.
    Ich habe den Tanz der Orishas in der Werkstatt der Kulturen gesehen, der mich sehr begeistert hat und auch den Vortrag über afrikanische Religionen dort gehört. Gern würde ich mehr darüber erfahren.
    herzliche Grüße
    Margret

    Antworten
  3. dagmara wielart

    ich möchte gern einmal an einem für die öffentlichkeit zugänglichen ritual teilnehmen.
    bitte lassen Sie mich wissen, ob und wann dies möglich ist. vielleicht gibts ja eine art termin-verteiler?
    außerdem spielt der tanz wieder eine größere rolle in meinem leben. ich spüre wie die qualität meiner körperbewegungen sich verändert und die möglichkeit einer direkten spirituellen kommunikation durch das mittel und die dimension des tanzes fasziniert mich. den tanz und rhythmus mit der spiritualität und dem fluss der energien zu verbinden ist für mich ganz ursprünglich und zutiefst wahr und sinnvoll.
    mit herzlichen grüßen
    dagmara

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