Was eignet sich für wen? Und: Gibt es richtige oder falsche Wege? Die Berliner spirituellen Lehrer Ludmilla & Roland über unsere vielfältigen Bestrebungen, „nach Hause“ zu kommen und die Erkenntnis: Alle spirituellen Wege sind einzigartig und in Ordnung – und Vergleiche absolut sinnlos.

Zunächst einmal ist klar, dass es so viele Wege zum Erwachen gibt, wie Menschen auf der Erde leben. Jeder einzelne Mensch hat seinen ureigenen Weg, er hat sein ureigenes Wissen, seine ureigenen Erfahrungen, seine spezifische Unwissenheit und Schwächen und Stärken, die seinen Weg ausmachen und kennzeichnen. Jeder Mensch in seiner jetzigen Verkörperung steht an einem individuellen Punkt seiner Entwicklung und seines Entwicklungspotentials, sodass es ganz natürlich eines individuellen Weges bedarf, um Persönlichkeitsentwicklung und letztendliche SELBST-Verwirklichung zu erlangen.

Und das ist wunderbar, denn jeder Vergleich ist damit sinnlos, jeder Mensch mit seinem Weg ist zu würdigen in seinem Ausdruck, den er jetzt lebt. Von da aus und in dieser Haltung von Würde und Respekt kann bewusst losgegangen werden. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass sie geboren werden, ein Leben leben und dann wieder verschwinden. Unsere wahre Natur ist jedoch ewig, unveränderbar und birgt unendlich viel Potential. Die Manifestation der Welt der Formen ist immer der jeweilige Ausdruck unserer Unwissenheiten, erschaffen aus dem Feld des unendlichen Potentials, das wir alle sind. Wir erschaffen kollektiv die jeweiligen Bedingungen eines Universums, in das wir uns dann als scheinbare Einzelwesen inkarnieren.

Und wir haben tatsächlich auch als diese scheinbaren Einzelwesen eine Position in der Manifestation der Welt, eine Aufgabe, die der Erkenntnis des einzelnen Individuums dient und gleichzeitig auch immer der Evolution des Ganzen. Das ist unweigerlich so, da wir in Wahrheit nicht getrennt, sondern dieses EINE ewige Sein sowohl manifest also auch unmanifest sind.

Die Welt als Ausdruck dessen, was wir wirklich sind

Die Einkehr in einen menschlichen Körper ist also eine vorübergehende Phase, die wir als Menschen durchleben. Eine Phase, in der wir die Gelegenheit haben, unsere Unwissenheiten zu erkennen und aufzulösen. Die Welt der Manifestation dient uns in dieser Phase als Spiegel unserer Unwissenheit, sodass es ein großes Geschenk ist, ein Leben in einem menschlichen Körper zu leben. Und wenn wir zu unserer wahren Natur erwachen und diese verwirklichen, begreifen wir uns als Kontinuität, als eine ewig seiende Kontinuität jenseits unserer jetzigen Verkörperung, die Form annehmen oder unmanifestiert bleiben kann. Wir begreifen die Welt dann als Ausdruck dessen, was wir wahrlich sind, und nicht als aus sich selbst heraus existierende Realität. Das ist Erwachen. Von dieser Warte aus und mit diesem Hintergrundwissen werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Wege zum Erwachen.

Wir, Ludmilla und Roland, sind zwei Menschen, die völlig gegensätzliche Wege gegangen sind und deshalb erst durch das Erwachen aufeinandertreffen konnten. Der dadurch möglich gewordene Austausch hat uns gezeigt, dass die große Bandbreite unserer Erfahrungen und Erkenntnisse all die anderen spirituellen Wege versteh- und erklärbar macht. In der Zusammenschau unserer beiden Leben und Lehren konnten wir über unseren eigenen Tellerrand schauen und erkennen, wie Erwachen und Erleuchtung als Realität für jeden Menschen möglich ist, egal welchen Weg er einschlägt. Während Roland den Weg der kleinen Schritte zur Erleuchtung gewählt hat, traf Ludmilla das Erwachen mehr oder weniger unvorbereitet und plötzlich.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es viele Abstufungen und Mischformen, und jedes Individuum ist sein eigener Kompass. Die Richtschnur ist immer deine tiefste Sehnsucht, immer das, was dir tiefste Erfüllung verschafft.

• Es kann sein, dass du einen Weg wählst, der ganz eng verbunden ist mit der Welt. Das ist dann ein Weg der Tat, der dich direkt zu deinen Unwissenheiten bringen kann.

• Es kann sein, dass du einen Weg in Abgeschiedenheit wählst, abseits vom Trubel der Welt, und vorwiegend in die Stille gehst.

• Es kann sein, dass du einem traditionellen Pfad, einer Religion, einer spirituellen Bewegung in Hingabe folgst und dort tiefste Erfüllung lebst.

• Es kann sein, dass du dir einen Guru wählst und dir das Sein in einer damit zusammenhängenden Gemeinschaft alles gibt, was du beabsichtigt hast für diese Inkarnation.

• Es gibt Wege, die über die Erkenntnis gehen, andere Wege über das Herz, wieder andere Wege über den Körper.

• Es kann sein, dass du den Weg des Leids wählst oder den der Freude, je nachdem, was du dir für diese Inkarnation vorgenommen hast

Alle Wege sind möglich und können dich zur SELBST-Verwirklichung begleiten. Du darfst für dich selbst entscheiden, welche Richtung dir gemäß ist. Was allerdings dabei wichtig ist, ist, dass du immer wieder neu überprüfst. Immer wieder schaust, ob es für dich so noch stimmt, ob du Erfüllung erfährst oder ob eine tiefere Sehnsucht dich vielleicht dazu treibt, einen neuen Weg einzuschlagen. Der Weg darf also auch gewechselt werden. Wenn du zum Beispiel nach einer längeren Zeit in Stille und Abgeschiedenheit spürst, dass es jetzt wieder an der Zeit ist, dich in der Welt auszudrücken, dann ist das ein neuer Abschnitt, dem du folgen kannst.

Es bedarf dabei großer Ehrlichkeit dir selbst gegenüber. Es bedarf der Erforschung deiner Automatismen und Vermeidungsstrategien, deiner Gewohnheiten, Prägungen und Muster, es bedarf des Fühlens deiner Gefühle und Körperempfindungen, es bedarf der Achtsamkeit und auch eines ganzheitlichen, ernsthaften Interesses. Es ist wichtig, dir selbst zu vertrauen. Das ist deine Selbstermächtigung. Und solange du dich noch nicht in der Lage fühlst, du dich noch nicht ermächtigst, eigene Entscheidungen zu treffen, kannst du dich führen lassen von Menschen, denen du vertraust. Und gleichzeitig solltest du wachsam sein und dich in Ich-Stärke üben, um irgendwann zu dieser Selbstermächtigung zu gelangen. Zur Fähigkeit, genau zu wissen, was für dich richtig ist. Und selbst wenn du jetzt sagst, ach, das ist mir alles viel zu viel, dann bist du ja trotzdem auf dem Weg, denn wir alle sind auf dem Weg, ob wir es wissen oder nicht wissen, wollen oder nicht wollen. Leben heißt Entwicklung. Und das ist ein großes Geschenk.

Früher oder später werden wir unseres wahren Selbst gewahr, unsere Unwissenheit wird beendet und wir durchbrechen den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt. Und dann erfahren wir, dass dieses Kommen und Gehen nur Erscheinungen unseres SELBST sind, wir sind das Ganze, das große Selbst, das Kontinuum, das ewig Seiende, das sich immer wieder in die körperliche Form begibt, um daran zu erwachen.

Gnade und Resonanz

Im Zusammenhang mit diesem Erwachen wird oft von Gnade gesprochen, da wir offenbar nicht selbst bestimmen können, wann es passiert. Wir verstehen Gnade meist als etwas, was uns geschenkt wird, erbeten von einem Gott außerhalb von uns. Wir denken, Gott lässt Gnade walten und erlässt uns unsere Schuld und Sünden. Und es schwingt etwas Mystisches mit, wenn wir von Gnade sprechen, da wir davon ausgehen, dass ein von uns getrennter „Gott“ uns beschenkt und freispricht. Mystisch wird es dadurch, dass es für uns ungewohnte Erlebnisse sind und wir keine Erklärung dafür haben. Finden wir aber eine Erklärung, verliert sich die Mystik. Denn haben wir einmal erkannt, wer oder was wir wahrhaftig sind, ist Gott kein Gegenüber mehr und Mystik nicht mehr mystisch. „Gnade“ kommt ganz natürlich über uns, wenn wir reif dafür sind. Und die Art und Weise, wie Gnade geschieht, ist offenbar so unterschiedlich wie die Menschen auf dieser Welt.

Wir müssen also das Erwachenserlebnis nicht „Gnade“ nennen, auf die wir nun untätig warten, sondern können es als logische Schlussfolgerung unseres Werdeganges begreifen, das wir durch Anziehung und Resonanz aufgrund unserer Reife in unser Leben ziehen. Das hört sich nüchtern an und wir täten tatsächlich gut daran, mit der Erleuchtung keinen abgehobenen, mystischen Zustand zu verbinden, sondern sie als unseren natürlichen Zustand zu betrachten.

Menschliche Reife und Erwachen

Doch wann sind wir reif dafür, an welchem Punkt unseres Weges empfangen wir diese „Gnade“? Wenn wir uns die verschiedenen Wege von erwachten und erleuchteten Menschen anschauen, dann sehen wir, dass sie aus ganz verschiedenen Situationen heraus erwacht sind. Situationen, die aus der begrenzten Sicht des Ichs heraus wahllos scheinen. Der eine erwacht aus großem Leid heraus, der andere aus großer Freude, wieder ein anderer völlig „aus Versehen“ und scheinbar zusammenhangslos. Und auch gibt es unterschiedliche Tiefen von Erwachenserfahrungen und Verwirklichungsgrade, die wieder neuer Aufmerksamkeit und Integration bedürfen. Doch wovon wir ausgehen können, ist, dass das jeweilige Erwachen bei jedem Menschen ganz schlüssig und stimmig aufgrund seiner menschlichen Reife geschehen ist. Genug Erfahrungen wurden gemacht, genug Eindrücke gesammelt, genug Karma abgetragen, genügend Fülle gelebt, genügend Erkenntnisse gewonnen usw. Was nachfolgend an Integrationsprozessen dann noch notwendig ist, ist wieder individuell verschieden.

Der weglose Weg

Doch was dann verschwunden ist, ist die Erfahrung von einem Weg. Mit dem Erwachen verschwindet der Weg. Und es hat in der Rückschau aus dieser Perspektive auch nie einen Weg gegeben. Mit dem Erwachen verschwindet der Glaube an lineare Zeitabläufe und die Erfahrung der Zeit als linear. Alles ist JETZT. Und wenn ein Prozess stattfindet, ist es immer ein Prozess, eine Entwicklung im Jetzt. Und gleichzeitig geschieht nichts. Vor diesem Erwachen wird ein Weg erfahren und mehr oder weniger zielgerichtet gegangen. Mit dem Erwachen wird dieser Weg als Illusion durchschaut, weshalb gesagt wird, es gebe keinen Weg. Erwachen geschehe immer nur jetzt. Und beides stimmt.

Es gibt einen Weg für denjenigen, der ihn geht, und es gibt einiges zu tun, während es gleichzeitig nur dieses Jetzt gibt, um zu erwachen, und kein getrenntes Ich, das jemals etwas getan hat oder tut. Sofern du also einen Weg erfährst, gehe ihn bewusst weiter und nutze deinen Willen, deine Sehnsucht, deinen Verstand, dein Herz und deinen Körper, um dich weiter darauf auszurichten. Es ist nichts Schlechtes daran. Ganz im Gegenteil: Nutze deine Stärke und deine Kraft, um Entwicklung in dir zu bewirken. Und bewahre dich vor einem Leben nach Konzepten, die nicht deiner tatsächlichen Erfahrung entsprechen. Wenn du ganz bei dir selbst bleibst, wirst du ein Leben im Erfülltsein leben und ganz automatisch, ohne große Anstrengung, deinen Weg „nach Hause“ gehen.

Am 5./6.5.18 findet der diesjährige Erleuchtungskongress in Berlin statt mit dem Thema: Die Dunkle Nacht der Seele
Mehr Infos auf www.erleuchtungskongress.de

Author: Oliver Bartsch

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