Das Enneagramm lehrt uns sowohl fernöstliche Weisheit als auch die Erkenntnisse der modernen westlichen Psychologie und führt uns zu innerer Freiheit.

Von Angelika Winklhofer und Ingrid Zoll

Hast du auch manchmal den Eindruck, du wirst schier erschlagen von einer Flut von Konzepten, Methoden und Lehren, die dich alle dabei unterstützen wollen, ein gesünderes, freieres oder sonstwie tolleres Leben zu führen? Und du fragst dich: „Was von alledem passt denn wirklich zu mir? Was kann mich abholen, da, wo ich stehe?“ Wenn du jetzt in dir ein leises oder gar lautes Ja hörst oder spürst, dann lies gerne weiter und erfahre mehr über das Enneagramm und wie es dich auf deinem heiligen Weg zu dir selbst bringen kann.

Das Enneagramm und der heilige Weg

Das Enneagramm ist ein uralter Weisheitsspiegel. Es ranken sich viele Geschichten um seine Entstehung, sein Alter und seine Herkunft. Jenseits dieser Geschichten lehrt uns das Enneagramm sowohl fernöstliche Weisheit als auch die Erkenntnisse der modernen westlichen Psychologie. Dadurch vermag es die verschiedenen Charaktere sehr präzise zu beschreiben. Das Enneagramm unterscheidet neun verschiedene Charakterfixierungen, die anhand einer Vielzahl von Merkmalen – wie etwa der Leidenschaft, des Abwehrmechanismus, des Redestils etc. – sehr genau beschrieben werden können. Dich in einer dieser Fixierungen wiederzufinden, hilft dir, die zugrundeliegenden Muster deines Denkens, Fühlens und Handelns zu verstehen.

Du kannst tief in dir verborgene Seelenschichten entdecken. Gerade am Anfang der Enneagramm-Arbeit offenbaren sich oftmals blinde, unliebsame Flecken: „Was, SO bin ich!? So nutze ich aus, manipuliere, bestimme oder unterwerfe ich mich!? Was sind denn meine wirklichen Motive!?“ Viele richten dann ihr Augenmerk auf den Kampf gegen ihre Fixierung oder das vermeintlich schlechte Ego – beides wird zum Feind, den es zu besiegen gilt, um dadurch frei zu werden. Irgendwann folgt die bittere Erkenntnis, dass mit diesem Kampf nichts gewonnen werden kann – von innerer Freiheit keine Spur. Dann kann der Kampf aufgegeben werden und die eigentliche Reise der Annahme und des Wandels deiner selbst kann beginnen. Hier zeigt sich die tiefe und umfassende Qualität des Enneagramms: Es stellt dir dafür Ressourcen zur Verfügung, dich trotz allem Unliebsamen auf das auszurichten, was in dir an Weisheit und Liebe schlummert. Diese Ressourcen sind der heilige Weg, die heilige Idee und die Essenz.

Warum der heilige Weg eigentlich gar kein Weg ist …

Eli Jaxon-Bear, ohne dessen richtungsweisende Enneagramm Arbeit dieser Artikel nicht hätte entstehen können, schreibt: „Der heilige Weg ist in Wirklichkeit überhaupt kein Weg. Es geht um die Bereitwilligkeit, sich nicht zu bewegen, wenn der Impuls der Fixierung aufsteigt. (…) Kein Weg kann dich zu deinem wahren Selbst führen, weil du bereits dein wahres Selbst bist. Einen Weg zu gehen würde bedeuten, dass jemand weg- und woandershin geht, um nach etwas zu suchen. Das nennt man Ignoranz [i.S. von fehlendem Urteilsvermögen] (…).“1

… und warum er doch einer ist!

Alles ist bereits in dir, alles bereits da – und dennoch … hast du das Gefühl, da klafft irgendwie mindestens eine mentale Lücke zwischen diesem „Du bist bereits erwacht“ und dem, was du als deine bisherige und aktuelle Realität wahrnimmst? Ja, und genau diese Lücke will und darf sich schließen. Das ist dein Weg hin zu deinem und schließlich zu dem wahren Selbst. Du gehst nirgendwohin, du suchst nicht, du lässt (dich) zu und entdeckst, was immer schon da war und da ist. Es geht tatsächlich um einen Perspektivwechsel, den du auf diesem Weg erfährst.

Noch stehen vielleicht deine Verhaltensmuster, Glaubenssätze und dein idealisiertes Selbstbild im Fokus deiner Wahrnehmung. Und doch scheint da etwas durch; vielleicht zunächst nur ein Hauch der dir ganz eigenen Qualität. Dieser Hauch, dieser kleine Funken will zum Leben erweckt, erforscht und ergründet werden. Es will wachsen und dir mit seiner ganzen Kraft zur Verfügung stehen. Auch das ist dein Weg, der dich ins Leben bringt.

Mut und Gelassenheit – zwei heilige Wege im Visier

Für jeden der neun Typen gibt es einen „heiligen Weg“, der ihn bei diesem notwendigen Perspektivwechsel unterstützt. Wie kannst du dir das konkret vorstellen? Betrachten wir einmal die Einser-Fixierung, den perfektionistischen Reformer. Er besitzt eine quasi absolutistische Vorstellung davon, wie die Welt zu sein hat. Nimmt er eine Abweichung wahr, wird er zornig. Seine unterdrückte Wut wandelt sich in Gedanken um, mit denen er gegen alles ankämpft, was seinen Vorstellungen zuwiderläuft. Erkennt nun die Eins die Selbstgerechtigkeit und Anmaßung ihrer eigenen Vorstellungswelt und nimmt erst einmal wahr, wie diese mental-verlagerte Wut sie abtrennt von sich selbst und allen anderen, dann öffnet ihr diese Wahrnehmung den Raum für ihren heiligen Weg der Gelassenheit. Enttarnt sie sich erkennend und fühlend selbst, zieht sie der Fixierung quasi den Energiestecker. Dann kann sie gelassen aus dem Fixierungsimpuls: „Wut, weil Abweichung zwischen Realität und Ideal“ aussteigen und innehalten.

Gelassen kann sie dann über ihr inneres Rumpelstilzchen und seine ausgedachten Ansprüche und Erwartungen schmunzeln und sich selbst und die anderen in Frieden lassen. Erst dann kann sie spüren und fühlen, was wirklich schmerzhaft ist, und sich von ihrem Gespür für die Wirklichkeit leiten lassen. Ganz anders und doch vom Prinzip her ähnlich verhält es sich bei der Sechs – dem loyalen Skeptiker.

Während die Eins einer falschen Idee von Perfektion nachjagt und in ihrem Zorn gefangen ist, wird die Sechs von Angst beherrscht und von ihrer Idee, was oder wer in ihrem Leben NICHT vertrauenswürdig ist; Zweifel und Misstrauen sind allgegenwärtig. Erkennt sie, wie sie sich ihre Paranoia-Welt selbst ausdenkt, um der wirklichen Angst zu entgehen, entzieht sie ihrer Fixierung die Macht. Dieser Schritt gibt ihrem heiligen Weg – dem Mut – Raum, sie aus dem ewigen Zweifeln herauszubringen. Mutig wagt sie es, der Angst ins Gesicht zu schauen. Mit zunehmender Bewusstheit gegenüber ihrem Fixierungsmuster kann die impulsgebende Kraft ihres heiligen Weges wirken. Mit wahrem Herzensmut kann sie trotz ihrer Angst ihr blockiertes Sein überwinden und Handeln kann geschehen.

Und dann gibt es auch noch die heilige Idee …

Das zweite Ressourcentool, das uns das Enneagramm zur Verfügung stellt, ist die heilige Idee. Auch an der heiligen Idee ist nichts Heiliges. Erst wenn sie aus den Fängen des Über-Ichs und der Fixierung befreit ist, kann sie ihre heilsame Wirkung für uns entfalten. Denn das Über-Ich ist ganz geschickt darin, die heilige Idee für seine verquere Form der „Wahrheit“ einzuspannen: Die Fixierung füllt und deutet die Idee nach ihren Überzeugungen: „Du sollst …, du musst … !“ Das daraus abgeleitete Handeln gehorcht diesem Fixierungsmuster und bleibt gefangen in den vermeintlichen Überlebensstrategien der Fixierung. Schauen wir uns das wieder an den zwei bereits beschriebenen Fixierungen etwas konkreter an.

Vertrauen und Vollkommenheit – zwei heilige Ideen im Visier

Die heilige Idee der Eins ist die Perfektion bzw. Vollkommenheit. Ihr innerer Richter setzt dafür den Maßstab, der für sie selbst und die äußere Welt gilt. Dieses „So hat es zu sein!“ ist ausgedacht – ein Produkt ihres fixierten Minds. Wütend und unterbewusst verzweifelt versucht sie, durch die erzwungene Ordnung das vermeintlich Bedrohliche abzuwehren. So benutzt sie ihre Idee der Vollkommenheit als Schutzschild. Ihr Handeln wird folglich davon bestimmt sein, zu beurteilen und rigide dafür zu sorgen, dass die Welt ihrem Maßstab von Perfektion entspricht. Unvollkommenheit muss ausgemerzt werden. Wenn sie nun erkennt, dass ihr innerer Maßstab ein mentales Fantasieprodukt ihrer Fixierung ist und auch die Bedrohung nicht (mehr) existiert, dann kann das zwanghafte Beurteilen und „es anders haben müssen“ nach und nach zur Ruhe kommen.

Sobald die heilige Idee nicht mehr mental besetzt ist, kann die Eins beginnen, die Dinge wahrzunehmen und zu lassen, wie sie sind. Dann ist sie offen für die Erfahrung von wahrer Vollkommenheit und Schönheit – Aspekte des echten Heiligen – und damit auf dem besten Wege zu ihrer Essenz. Die heilige Idee der mentalen Fixierung der Sechs heißt Vertrauen. Ihr Über-Ich bemächtigt sich dieser Idee und macht daraus: „Vertraue dem Gott deiner Gedanken!“ Je nachdem, ob nun die ausgedachte Einschätzung des Gegenübers als vertrauenswürdig oder – unwürdig ausfällt, vertraut die Sechs entweder blind oder gar nicht und bewegt sich so zwischen falscher Loyalität und heimlicher Rebellion. Sie unterliegt dabei dem Diktat ihres Gedanken-Gottes, ohne die innere Stimme ihres Herzens zu hören. Vertrauen wird verordnet oder verboten. Sie glaubt bereitwillig ihrem Gedanken-Gott, um der Allgegenwärtigkeit ihrer Angst zu entrinnen.

Wird sie sich nun ihrer gedanklichen Fremdbestimmtheit bewusst und erfährt sie den Schmerz über den Verrat ihrer selbst, verliert das mentale Reich seine Allmacht. Im Kontakt mit ihrem Körper und ihren Gefühlen kann sie entdecken, was wahrhaft vertrauenswürdig ist, und entdecken, dass die Angst sie nicht überwältigt. Steht ihr dieses Vertrauen beiseite, kann sie ihre Angst da sein lassen, sich fürchten und gleichzeitig ihre ganze Lebendigkeit leben und vielleicht sogar weise Entscheidungen treffen.

… und schließlich deine Essenz!

Deine Essenz ist dein innerster Seelenkern, der immer schon da ist, aber von der Fixierung verschleiert und nachgeahmt wird. Der heilige Weg zusammen mit der heiligen Idee – also das tiefe Verständnis deiner Fixierung – führen dich zur Essenz als der Facette der Liebe, wie sie sich in jeder Fixierung auf ihre ganz eigene Weise zeigt. So etwa überdeckt die Eins ihre essentielle Reinheit durch ihr zorniges Anhaften an dem vermeintlich Unreinen. Oder die Sechs verdreht ihre Essenz der intelligenten Leere – im Sinne eines klaren, stillen Verstandes – in ein zweifelndes mentales Verkopftsein. Dabei ist die Essenz nichts, was du dir erarbeiten könntest oder erarbeiten müsstest: Indem die Fixierung zur Ruhe kommt, scheint die Essenz immer mehr von alleine durch. Du kannst sie nicht machen. Sie stellt sich ein, wenn du still bist, wenn du deinen fixierungsbedingten Impulsen nicht mehr folgst und den Kampf gegen alle unliebsamen Gefühle aufgibst. Dann endlich kommt durch dich ins Leben, was dir mitgegeben ist.

Wie gehe ich diesen Weg, der keiner ist?

Viele fragen an dieser Stelle: „Und wie komme ich dahin?“ Auch wenn es ernüchternd klingt: Es gibt dafür kein Patentrezept, keine Schnellstraße mit Überholspur. Sonst wäre es ein neues Konzept oder blinder Glaube. Nicht umsonst sprechen wir von Enneagramm-„Arbeit“. Nichtsdestotrotz gibt es Antworten. Die Vermittlung des Enneagramms basiert zunächst auf Sprache. Natürlich wird die Sprache allein nicht bei dir andocken können, wenn du sie nicht mit eigenen Erfahrungen für dich lebendig machen kannst. Durch die Erfahrung dessen, was für dich hinter den Worten steht, finden dein Verstand, deine Seele und dein Körper zu einem tieferen Wissen um deine wahre Natur. Dadurch entsteht etwas real Erfahrbares und du kreierst deinen eigenen Weg – so heilig oder unheilig du ihn haben möchtest. Gleichzeitig können die Worte und Beschreibungen des Enneagramms dich und deine Aufmerksamkeit ausrichten; dir zeigen, wo sich das Forschen lohnt, wo Schätze in dir verborgen sind. Du bekommst ein Gespür, eine innere Ahnung. Etwas in dir geht in Resonanz und du folgst einfach diesem Funken.

Du entdeckst, wofür es sich lohnt, dich immer tiefer und tiefer zu ergründen: Es ist die Wahrheit deines Herzens, der du dich mit fester Entschlossenheit öffnen kannst. Dieses Erfahren ist ein Prozess der Bewusstwerdung, den du am besten in einem geschützten Raum, in einer Gemeinschaft gleichsam Forschender machen kannst. Die Enneagramm-Arbeit lebt von der mündlichen Überlieferung und dem Üben und Austausch mit anderen. Du entdeckst dich selbst im Spiegel des Anderen und nimmst teil am kollektiven Erfahrungsschatz. Neben dem Schutz- und Erfahrungsraum ist das gemeinsame Üben ausgerichtet auf den Zugang zu Stille, Lebendigkeit und Gewahrsein. Durch diese Art des Zusammenseins mit anderen bist du gleichzeitig näher bei dir selbst.

1 Auszug aus: Jaxon-Bear, E. (2003): Das spirituelle Enneagramm – Neun Pfade der Befreiung, Goldmann, München, S. 349.

Buch: Winklhofer, A. und Meyer, C. (2016): Neun Farben der Stille. Spirituelles Enneagramm & Selbst-Erfahrung, Verlag zeit-und-raum, Berlin.

Die Autoren

Dr. med. Angelika Winklhofer ist Psychotherapeutin mit kassenärztlicher Praxis in Michendorf/Wilhelmshorst. Sie begleitet mit tiefenpsychologischer und existenzieller Psychotherapie Menschen auf dem Weg der Selbst-Erfahrung besonders in intensiver Gruppenarbeit, leitet Enneagramm- Seminare und eine Ausbildung im Familienstellen (Bewegung der Stille). Sie ist seit 1999 Schülerin von Eli Jaxon-Bear in der Linie von Sri Poonjaji und Ramana Maharshi. Info und Kontakt unter Tel.: 033205-242 71 oder praxis.winklhofer@gmail.com
www.angelika-winklhofer.de
www.spirituelles-enneagramm.de
(Videos auch auf YouTube)

Dr. rer. pol. Ingrid Zoll ist HP für Psychotherapie. Sie ist langjährige Schülerin von Angelika Winklhofer, Christian Meyer und Donald Guß und versteht sich als Transformationshelferin für Leib, Seele und Geist. Kontakt über ingrid.zoll@gmx.de Nächste Veranstaltung: Gute Gelegenheit zum kontinuierlichen Erforschen bietet die Enneagramm-Jahresgruppe zum heiligen Weg: Termine: Di, 13.3./10.4./15.5./12.6./21.8./11.9./ 9.10./13.11./11.12.2018 jeweils 19.15-21.45 Uhr Anm. unter: www.angelika-winklhofer.de/samedi/

5 Responses

  1. Karin Karina Gerlach
    Geklaut und wiederverwertet

    „Das Enneagramm unterscheidet neun verschiedene Charakterfixierungen“. Das ist der Ich-Verstand, der diese zu Ordnungen macht, nicht das E.!!! Diese Zuordnungen sind von Oskar Ichazo übernommen und erstmalig ohne Genehmigung, also illegal von Helen Palmer in der Welt des Verstandes verbreitet und da existieren sie heute noch. Das führt zu Missverständnissen, weil es weiterhin den Verstand beschäftigt, wie man hier auch sehen kann. Das geht exakt am Wesen der E-Symbolik vorbei, die der Hinweis auf die Umkehr ist. Um die Umkehr nach innen zu vollziehen, kann das integriert werden, was ich scheinbar nicht bin. In dieser einfachen Folge offenbart sich mir das Wesen des Liebenden Gewahrseins, was die Körper-Identität beendet. In der Realisierung dessen, was ich wirklich bin (eins) geschehen weitere Offenbarungen, von dem, was die Welt zusammenhält. Um dem Hinweis zu folgen und das zu integrieren, was von mir abgespalten ist, braucht es diese Zuordnungen nicht. Sie sind eher hinderlich. Physischer und/oder emotionaler Schmerz, sind diesbezügliche dringliche Hinweise zur Umkehr. Das ist einfach, wenn wir wissen wie. Wer der Gedankenüberprüfung „TheWork of ByronKatie“ folgt, wandert direkt auf der Integrationslinie des Enneagramms. Dieser heilige, heilsame Weg führt in die Auflösung der Trennungs–Identität. Das ist die Offenbarung der inneren Liebe. In mir offenbart sich hier auch: Das Symbol ist die einheitliche Weltformel, nach der die Physiker bislang vergeblich suchen. Es ist die Form-el des universellen Bewusstseins. ICH BIN. Es ist die Reflektion des EINEN absoluten Geistes, die im Verstand erscheint. Perfekt.
    Karin Karina Gerlach, Diplomphysikerin, spirituelle Lehrerin

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  2. pola
    2 Fragen an den Öko-Theosophen

    Hallo !
    Danke für deinen Kommentar.
    Ich habe dazu 2 Fragen:
    1. Inwiefern können bestimmte Meditationstechniken, lucides Träumen u.a. gefährlich sein? Gefährlich für wen und welcher Art?
    2. Du schreibst darüber, was in der Wissenschaft und menschlichem Handeln ‚unheilig‘ oder ‚falsch‘ ist. Wer (oder was) bestimmt, was heilig, natürlich oder gefährlich ist?
    Ist es dem Universum nicht ‚egal‘, was wir tun, weil es einfach nur nach immer neuen Erfahrungen/Kreationen strebt? Sind wir nicht das Universum selbst, also ist nichts getrennt von uns, auch nicht das, was wir als unheilig oder falsch beurteilen? Ist das falsche (oder disharmonische) nicht sogar auf einer andern Ebene sogar richtig oder harmonisch?
    Danke für deine Antwort!

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    • Öko-Theosoph
      Veränderte Bewusstseinszustände

      @ pola
      Es ist schon öfter passiert, dass jemand einen luziden Traum herbeigeführt hat und in Panik geraten ist. Deswegen kann man davon ausgehen, dass eine bestimmte Reife erforderlich ist. Hypnose ist auch gefährlich, weil es sich (im Gegensatz zum Schlafzustand) um keinen natürlichen veränderten Bewusstseinszustand handelt, sondern um einen künstlichen. Bei bestimmten Meditationstechniken verliert der Mensch die Kontrolle über sich, deshalb sind sie abzulehnen.
      Ihre zweite Frage ist schwer zu beantworten. Es ist doch z. B. so, dass ein Mensch möchte, dass seine Privatsphäre respektiert wird. So sollte man auch bei der Erforschung der Natur gewisse Grenzen setzen.

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  3. Oliver

    Danke für die Vorstellung des Enneagramms!
    Im Text klingt es an einigen Stellen so, als sei das Problem der 1, dass sie die Wirklichkeit an einem ausgedachten Ideal von Vollkommenheit misst und wütend wird, weil die Wirklichkeit diesem Ideal nicht gerecht wird. Ähnlich klingt es bezogen auf die 6 manchmal so, als entstünde die Angst aus dem Denken. Das ist natürlich ein wichtiger Aspekt, den ich aber m.E. ergänzen würde:
    1) Die grundlegenden Gefühle und Erlebensweisen sind nach meiner Erfahrung vom bewussten Denken unabhängig: Wenn man z.B. tiefer in das Erleben der 1 – und letztlich wohl jedes Menschen – hineingeht, findet man dort ein Gefühl von „Es stimmt irgendwie nicht.“, das tiefer liegt als jeder bewusste Maßstab. Dieses Gefühl hängt also nicht davon ab, welche Ideale oder Maßstäbe ich mir ausdenken mag.
    Ähnlich mit der Angst: Geht man ganz tief in die Angst hinein, kommt man an einem Punkt, in dem die Angst nicht mehr abhängt von irgendeinem gefürchteten Objekt. An diesem Punkt ist einfach nur eine namenlose Angst, die ebenfalls gedanklich nicht mehr beeinflusst werden kann. (An manchen Stellen klingt es so, als sähen die Autorinnen das ähnlich.)

    2) Natürlich ist die Welt in gewisser Weise nicht vollkommen und natürlich ist sie in gewisser Weise nicht vertrauenswürdig. Insofern haben 1 und 6 völlig „recht“. Vollkommenheit und Vertrauen sind in dieser Welt paradox: Wir können Vollkommenheit sehen, auch wenn die Welt voller Leid, Elend und Unrecht ist. Und wir können vertrauen, obwohl unser Leben jederzeit gefährdet ist. Im Christentum ist das gut ausdrückt in der Unterscheidung von Welt und Reich Gottes: Wir stecken bis zum Hals in der Unvollkommenheit der Welt und doch ist die Liebe die letzte Wirklichkeit, auf die wir uns verlassen können: Vollkommenheit in der Unvollkommenheit.

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  4. Öko-Theosoph
    Alternativ-christliche Strömungen

    Alternativ-christliche und europäisch-heidnische Strömungen (sofern diese nicht übermäßig hedonistisch sind und nicht rechtsextrem sind) müssen gefördert werden.
    Ein Mensch sollte seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Es ist wichtig, gesundheitsbewusst zu leben und sich unegoistisch zu verhalten. Es ist sinnvoll, die körperliche Leistungsfähigkeit zu vergrößern, diverse Herausforderungen zu meistern, die Natur zu schützen usw. Und dann sollte man sich morgens unmittelbar nach dem Aufwachen auf einen Wunsch konzentrieren und sich (nochmal) in den Schlaf sinken lassen. Durch Traumsteuerung (oder im halbwachen Zustand nach dem Aufwachen) kann man zu mystischen Erfahrungen (und Heilen wie Jesus) gelangen. Der Mensch (genauer: das Ich-Bewusstsein) kann mystische Erfahrungen nicht bewirken, sondern nur vorbereiten. Bestimmte Meditations- und Yoga-Techniken, Hypnose, Präkognition usw. sind gefährlich. Traumsteuerung ist auch ohne luzides Träumen (das u. U. gefährlich ist) möglich. Man sollte sich nur dann einen luziden Traum wünschen, wenn man durch Traumdeutung herausgefunden hat, dass man dafür die nötige Reife hat. Oder man kann sich vor dem Einschlafen wünschen, dass sich nur Dinge ereignen, für die man die nötige Reife hat. Es ist gefährlich, während eines luziden Traumes zu versuchen, den eigenen schlafenden Körper wahrzunehmen. Luzide Träume dürfen nicht durch externe Reize (Drogen, akustische Signale usw.) herbeigeführt werden. Man kann sich fragen, ob eine echte (nicht nur eine eingebildete) Zeitdehnung in Träumen möglich ist. Zudem, wie sich Schlaf-Erlebnisse von Tiefschlaf-Erlebnissen (und Nahtod-Erlebnissen usw.) unterscheiden. Die Bedeutung eines symbolischen Traumgeschehens kann individuell verschieden sein und kann sich im Laufe der Zeit ändern.
    Es bedeutet eine Entheiligung der Natur, wenn Traumforscher die Hirnströme von Schlafenden messen. Die Wissenschaft darf nicht alles erforschen. Es ist z. B. gefährlich, wenn ein Mensch erforscht, ob er einen freien Willen hat. Es ist denkbar, dass ein Mensch gerade durch die Erforschung der Beschaffenheit des Willens seinen freien Willen verliert. Zudem besteht die Gefahr, dass ein Mensch verrückt wird, wenn er sich fragt (wie schon vorgekommen), ob das Leben nur eine Illusion ist. Das Leben ist real. Es kann in Teilbereichen auf wissenschaftlichen (und technischen) Fortschritt verzichtet werden. Es ist z. B. falsch, Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Es sollte lange Sabbatzeiten anstatt Rentenzeiten geben (denn es gibt kein biologisches Altern). Nicht-Berufstätige sollten möglichst in Dörfern wohnen, Berufstätige (mit wenigen Ausnahmen) in Städten. Es ist sinnvoll, dort zu wohnen, wo man arbeitet (in Verbindung mit wirtschaftlicher Subsidiarität). Diese Maßnahmen (und z. B. ergänzende Fernkurse) führen dazu, dass die allermeisten Privatfahrzeuge (nicht Firmenfahrzeuge) überflüssig werden. Es ist sinnvoll, überflüssige Dinge (nicht-leistungsgerechte Vermögen, Kreditwesen, Werbung, Urlaubsindustrie, Luxusgüter, Rüstung usw.) abzuschaffen. Der MIPS muss gesenkt werden (moderne Verfahren erhöhen die Recyclingquote, ein Öko-Auto fährt über 3 Mio. km, ein 1-Liter-Zweisitzer-Auto spart Sprit usw.). Ein Mensch kann im kleinen und einstöckigen 3-D-Druck-Haus (Wandstärke ca. 10 cm) mit Nano-Wärmedämmung wohnen. Wenn die Menschen sich ökologisch verhalten, kommt es zu einer günstigen Erwärmung im Winter (siehe Wikipedia „Zeitreihe Lufttemperatur“, Messwerte in Dekaden). Denn das Klima ist (so wie das Leben) in der Lage, sich positiv weiterzuentwickeln. Außerdem muss man bedenken, dass vielleicht nicht immer Menschen auf der Erde geboren werden müssen, sondern sich in anderen Dimensionen entwickeln können. In der Medizin sollte u. a. die Linsermethode gegen Krampfadern (auch dicke) eingesetzt werden. Es ist wichtig, den Konsum von tierischen Produkten (und Süßigkeiten und Eis) zu reduzieren oder einzustellen. Hat man eine bestimmte Reife, kann man sich vegan ernähren oder von Urkost ernähren (oder sogar fast nahrungslos leben). Die berufliche 40-Stunden-Woche kann durch die 4-Stunden-Woche ersetzt werden (Lohnausgleich erfolgt nur zu einem kleinen Teil). Wenn die Menschen sich richtig verhalten, werden die Berufe zukünftig zunehmend und beschleunigt (!) beseitigt.

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