von Karin Karina Gerlach

Des Todes Glückseligkeit
Das primäre und wesentliche Todes-Ereignis des Ramana fand in einem Alter von 16 Jahren statt. Eine 100%ige Überzeugung hier und jetzt sterben zu müssen, lenkte seine Aufmerksamkeit nach innen. Der Gedanke, wenn ich schon sterben muss, möchte ich auch wissen, was der Tod ist, was hier und jetzt mit mir passiert. Ohne eine äußere (auf Angst beruhende) Handlung zu tun, um den Tod abzuwehren, ihm zu entgehen, tat er das für die meisten Menschen Unmögliche: Tiefe, uneingeschränkte Hingabe an das, was ist. In dieser spontanen Liebe zum Unvermeidlichen verbirgt sich das Geheimnis des Erwachens im Wahrheits-Bewußtsein, im wahren Selbst-Sein.
Das Geschenk der Hingabe an den Tod ist Glückseligeit. Sie ist ein nüchterner, ich-loser Zustand, keine Emotion. In diesem Zustand kümmerte sich Ramana nicht mehr um den Körper. Er war für ihn in der Tat „gestorben“ und doch ist er immer noch hier. Schule, Ausbildung, weltliche Handlungen, die auf die körperliche Existenzerhaltung ausgerichtet sind, machen für ihn keinen Sinn mehr. Es sind Handlungen des unbewussten Menschen, die durch Erfolg, Gesundheit usw. den Tod vermeiden, hinausschieben wollen (was dasselbe ist). Das tiefe Wissen um sich selbst ist erfüllend und selbst-erhaltend. Im innigem Kontakt mit dem wahren Selbst (Eins) ist er frei von jeglicher Sorge, nicht mehr von dieser Welt. So lebt Ramana fortan in einer Höhle im Berg Arunachala bei Tiruvanmalai/Südindien.

14. April 1950: Und wenn der Körper dann stirbt, auf welche Weise auch immer, das macht nichts. Es ist etwas berührt, was aus sich selbst heraus lebt und unzerstörbar ist.

Der heilige Berg Arunachala
Den Suchenden nach dem innerem Selbst empfiehlt Ramana die Umkehr in die Stille, begleitet von der Frage „Wer bin ich“, das Lesen von Schriften aus der Advaita-Tradition, und er gibt geistige Unterweisungen. Der Wille, die Aufmerksamkeit nach innen zu lenken, der größer sein muss, als der Wille (gut) zu überleben, befreit den Menschen von seinem im Unbewussten schmerzlich verwurzelten, (ein)gebildeten Ich-Verstand. Liebe erwacht. Im Willen selbst darin zu Erwachen, pilgern Menschen aus allen Ländern nach Tiru und zum heiligen Berg Arunachala. Manche leben wie Ramana in und auf ihm.

Ramana Maharshi – Die Keimzelle einer Erleuchtungs-Tradition
Östliche und westliche Erleuchtungs-Traditionen verschmelzen durch die spirituelle Lehre des Advaita Vedanta, die sich durch Satsang-Strömungen von Tiruvanmalai über die Welt ausdehnt. Auch die Arbeit mit Hilfe des Enneagramms dient der Umkehr ins bewusste Sein (Lösung vom schmerzlichen Trennungsgedanken Ich), wenn der Schüler willig ist, das zu integrieren, was er scheinbar nicht selbst ist (Anerkennung der Spiegelung). Seit einigen Jahren gibt es im Gut Saunstorf, bei Wismar die Mysterien-Schule „Enneallionce“, gegründet von dem Satsang-Lehrer OM C. Parkin, der wie Ramana auch Darshans gibt. Ein Lehrer kann sowohl hilfreich als auch eine Falle der Abhängigkeit sein, wenn dieser selbst von Schülern, Klienten oder anderen Umständen abhängig ist.
Doch auch ohne sich auf die Lehre der Nichtdualität zu beziehen, verbreitet sich die „Meisterschaft“ der Liebe des Selbst-Seins. So lehrte beispielsweise der australische Meister Barry Long wie Mann und Frau gemeinsam die göttliche Liebe in die physische Existenz bringen können.
Eine besondere Rolle bei der Selbst-Erforschung spielt die Gedanken-Untersuchung mit Hilfe von 4 einfachen Fragen („The Work of Byron Katie“). Für die Erleuchtung im Wahrheits-Bewusstsein (Moksha) ist hier nicht die Berührung mit einem selbst-realisierten Lehrer entscheidend, sondern die selbst durch geführte Umkehrung schmerzlicher Gedanken, die das angenommene Feindbild durch Bewusstsein auflöst. Freiheit ist die Freiheit von der schmerzlichen Todes-Angst und damit vom Leiden.

Geheimnisvolle Offenbarung
Was durch die intelligente Selbst-Erforschung stirbt, ist der schmerzliche Trennungs-Gedanke „Ich“ und die daran gekoppelte Körper-Identifikation. Was im Licht wahrer Selbst-Erkenntnis aufersteht, ist das ewige (nicht-körperliche) Leben, das innerhalb des Körpers als existentielle Liebe wahrgenommen werden kann. An dieses Ge-wahr-sein sind Offenbarungen sowohl des menschlichen Ursprungs als auch des Universums geknüpft. Die Befreiung von der Körper-Identifikation besitzt eine zutiefst heilsame Wirkung, die sowohl alle auf den Körper bezogenen Heilungs-, Gesundheits- oder sonstige Erfolgs-Konzepte als auch Philosophie, Wissenschaft und Religion als Illusion entlarvt. Diese, von Ramana ausgehende Message, ist universell. Wie die Verwirklichung des Selbst-Seins im Einzelfall Mensch aussieht, kann niemand wissen, bevor er/sie sich nicht selbst bewusst nach innen wendet.

Über den Autor

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ist Diplomphysikern und spirituelle ­Lehrerin.

Mehr Infos

Der Umkehrkurs ist nach intensivem Training in „The Work“ mit Byron Katie im Jahr 2000 entstanden. Er beruht auf dem Willen, die universelle Spiegelung, die das Wesen der Liebe ist, anzuerkennen. Bist du bereit oder beharrst du noch auf dem kindlichen Glauben an Glücklichsein durch Wunscherfüllung?

Mai-September fortlaufend in Seddin bei Potsdam