Ein Dach über dem Kopf zu haben, zählt zu den existenziellen menschlichen Bedürfnissen. Wohnraum ist zudem ein Menschenrecht – nicht nur in unserem Land. Seit Jahren explodieren die Mietpreise in Berlin und in anderen Großstädten. Doch zeitgleich gibt es stetig wachsende Initiativen, die sich dieser Thematik annehmen und etwas bewegen.

Andreas aus „Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ im Gespräch mit Sein-Redakteurin Lena Grabowski.

Wer hat das Projekt „Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ ins Leben gerufen? Und was ist die Vision?

Vor vielen Jahren wurden „Bündnis Zwangsräumung verhindern“ und „Bündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“ aktiv. Hausgemeinschaften, politisch motivierte Bürger*Innen und andere an diesem Thema Interessierte haben sich zusammen getan. Mittlerweile stehen nahezu 265 Gruppen, Initiativen, Vereine, Verbände, soziale Einrichtungen und Kultureinrichtungen hinter dem Projekt „Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“. Im Frühjahr letzten Jahres haben wir bereits eine große Kundgebung realisiert. Und die findet auch in diesem Jahr wieder statt.

Die Demo wird von allen Gruppen, Verbänden und Co, die hinter diesem Projekt stehen, organisiert. Neben der eigentlichen Demonstration am 6. April gibt es in diesem Jahr Aktionstage mit knapp 40 Aktionsangeboten. Stadtführungen zum Thema „Mietenwahnsinn“, Werktische, an denen Plakate gebastelt werden, Aufklärungen über Wohn- und Mietrecht und vieles mehr werden in diesen Tagen angeboten.

Ein weiteres Ergebnis unseres langjährigen Engagements ist unsere Webseite www.mietenwahnsinn.info sowie andere Presse- und Öffentlichkeitsarbeiten. Die Webseite bietet in mehreren Sprachen detaillierte Informationen rund um das Thema „Wohnen ist ein Menschenrecht“ an. Wir hoffen viele Menschen zu erreichen. Denn wir wissen, dass es nicht nur ein Berlinspezifisches, sondern ein deutschland- und europaweites geworden Problem ist.


Die Demo findet am 6. April 2019 statt. Strecke und Abschlusskundgebung sind bewusst gewählt. Warum?

Die Demo beginnt am Alex und verläuft über die Karl Marx Allee zum Frankfurter Tor. Dann geht es weiter über die Warschauer Brücke zum Schlesischen Tor. Dann biegt die Demo in die Schlesische Strasse ein und mündet – mit einer Abschlusskundgebung und Konzerten – an der Arena. Am 6. und 7. April 2019 findet dort die Berliner Immobilienmesse statt. „Kaufen statt Mieten“ ist eine ihrer Botschaften. Das ist ein guter Ort, um sich für die Bedürfnisse von Mieter*Innen einzusetzen und sich Gehör zu verschaffen.

Im letzten Jahr fand ein Immobilienkongress im Adlon Hotel statt. Der Eintrittspreis für diesen Kongress lag bei 3.150 Euro – pro Teilnehmer*In. „Hochkarätige Leute“ wurden geladen, die sich den Eintritt ganz nebenbei leisten können. Diese Personen gestalten und bestimmen den Immobilienmarkt. „Normale Mieter“ können sich eine Teilnahme an solch einem Kongress nicht leisten. Ihre Interessen werden sicher nicht vertreten. Kaufen, spekulieren, wieder verkaufen, Kosten erhöhen – das ist das gängige Credo auf dem Immobilienmarkt. Also haben wir auch dort eine Kundgebung vor dem Adlon realisiert, um auf das Menschenrecht „Wohnraum“ und die elementaren Bedürfnisse von Mietern aufmerksam zu machen.

Wohnen ist ein Menschenrecht! „Wohnen“ sollte unbedingt aus dem kapitalistischen Kontext herausgelöst werden!


Und wie blickst du dem Zukünftigen entgegen – welche „Prognose“ stellst du der Berliner Wohnraumsituation?

Berlin hat viel Protesterfahrung. Das ist eine starke Ressource. Kundgebungen sind wichtige Elemente in der Protestbewegung, denn sie suchen einerseits nach Kontakt, andererseits setzen sie ein klares Statement. Dass wir „nicht alles mit uns machen lassen“.

Es findet eine deutschlandweite und mittlerweile auch europaweite Vernetzung statt. In diesem Jahr gibt es in weiteren 18 deutschen Städten Aktionstage und Kundgebungen zu diesem Thema. Zeitgleich. Das ist eine neue und gute Entwicklung. Wir können nur gemeinsam etwas bewegen. Gemeinsam für etwas einstehen, das sehr viele Menschen betrifft. Das sehe ich wachsen.

Und im Vergleich zu anderen europäischen Städten ist Berlin in der Wohnraumversorgung immer noch besser dran. Es gibt ja auch sogenannte „Milieuschutzgebiete“. Wenn beispielsweise eine Wohnungsbausgesellschaft ein Haus kauft, muss sie sich für 25 Jahre dazu verpflichten, keine Luxussarnierungen durch zu führen. Sowas gibt den Mietern Sicherheit.

Es ist an der Zeit, Wohnen als natürliches Bedürfnis und Menschenrecht wieder ins kollektive Bewusstsein zu rufen. Gemeinsam können wir das schaffen.

Ich danke euch für eure Offenheit, euer Engagement und das Herzblut, das ihr in dieses Projekt investiert. Das ist nicht selbstverständlich. Weil es Menschen wie euch gibt, kann sich in unserer Gesellschaft, in unserem Bewusstsein etwas bewegen und entwickeln. Danke. (Anm. der Redaktion)


 


Lena Grabowski – Sein Online Redakteurin im Gespräch mit Aktivisten*Innen des Bündnis „Gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn“.

www.mietenwahnsinn.info

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