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Schatzsuche – die Kolumne von Sean Grünböck

Letzten Samstag war ich, wie immer, mit meinen zwei Jungs im Bio-Supermarkt. Wir fuhren so mit unserem Einkaufswagen herum, luden lauter Leckereien ein, da ging mir ein Licht auf: „Ist es nicht wundervoll, dass wir nicht auf die Jagd gehen müssen, sondern unser Essen einfach so vom Supermarkt holen können?“

Dieser simple Gedanke hat das Einkaufen und den Rest des Tages für mich freudiger gemacht. Ich finde Einkaufen prinzipiell nicht besonders belastend, aber es gehört auch nicht zu den Tätigkeiten, die ich als besonders erhebend empfinde. Schon spannend also, wie ein einzelner Gedanke diese banale Tätigkeit so transformieren kann…

26 * Komfort & Luxus

Ich denke, wir sollten uns immer wieder mal vor Augen halten, in welch einem Luxus wir eigentlich leben:

  1. Wir haben ein Dach über dem Kopf, müssen im Winter nicht frieren und bleiben trocken, wenn’s regnet.
  2. Wir haben Kleidung für verschiedene Temperaturen und sogar für verschiedene soziale Anlässe.
  3. Wir haben ausreichend zu essen und können uns zu jeder Jahreszeit alle möglichen Leckereien besorgen.
  4. Es herrscht kein Krieg in unserem Land.
  5. Unser Rechtssystem ist relativ gerecht.
  6. Unsere Politiker sind nicht vollkommen korrupt.
  7. Unser Gesundheitssystem funktioniert.
  8. Wir haben Autos, Motorräder, Fahrräder und öffentliche Verkehrsmittel, um uns frei zu bewegen.
  9. Wir haben Geschirrspüler, Waschmaschinen und eine Vielzahl anderer Geräte, die uns das Leben (meistens) einfacher machen.
  10. Wir haben Glühbirnen und Strom, sodass wir selbst nachts noch Blog Artikel schreiben und lesen können.
  11. Wir müssen nicht kilometerweit bis zur nächsten Wasserquelle gehen, sondern brauchen bloß den Wasserhahn aufzudrehen – et voilà: das beste Wasser der Welt.
  12. Wir haben Toiletten und ein funktionierendes Abwassersystem, um unsere Fäkalien loszuwerden, ohne unser Wasser zu verseuchen. (Und neuerdings wird in Wien aus unserem Poop sogar noch Strom gemacht – ist das nicht awesome?!)
  13. Wir brauchen keine 20 Kinder in die Welt zu setzen, damit ein paar überleben.
  14. Und wir sind gebildet und selbstständig genug, um zu wissen, wie wir es uns davor schützen können, unabsichtlich 20 Kinder in die Welt zu setzen.
  15. Wir sind auch gebildet genug, um intelligente Worte zu schreiben, oder aber die Intelligenz von Worten anderer anzuzweifeln.
  16. Und vielleicht sind wir sogar gebildet genug, um die Intelligenz unserer eigenen Worte anzuzweifeln und manchmal auch über uns selber herzhaft zu lachen.
  17. Apropos Lachen – wir können lachen! Na, das ist doch etwas!
  18. Wir müssen nicht 12 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche arbeiten, um zu überleben
  19. Und die meisten von uns machen sich mit ihrer Arbeit nicht ihren Körper kaputt.
  20. Wir haben sogar Freizeit und Urlaub.
  21. Wir sind (meistens) gesund und können Sport machen.
  22. Wir sind gebildet und können uns eine eigene Meinung machen.
  23. Wir haben haben das Internet.
  24. Und wir haben Smartphones, um dauernd und überall ins Internet gehen zu können.
  25. Wir sind nicht alleine – haben Freunde und Familie.
  26. Und last, but not least: Wir wissen über Spiritualität Bescheid und können sie in unser Leben integrieren, auch ohne ins Kloster gehen zu müssen.

Ich könnte die Liste ewig fortführen. Natürlich trifft nicht immer alles auf alle von uns zu. Manchmal ist man nicht so gesund, manchmal geht der Internetzugang nicht und manchmal, ja manchmal da bekommt man einfach keine Erdbeeren im Supermarkt… nicht einmal spanische! Ja – das Leben kann schon sehr hart sein…

Nein, Scherz beiseite! Es geht uns wirklich sehr gut. Wir sind uns dessen aber die meiste Zeit nicht bewusst. Anstatt zu sehen, was alles super läuft, konzentrieren wir uns immer auf die Dinge, die nicht so gut laufen. Und das können durchwegs auch Dinge sein, die objektiv betrachtet wirklich keine Tragödie sein müssten. Aber unser Geist sucht halt immerzu nach irgendetwas, gegen das wir uns auflehnen können. Wir brauchen einen Feind – innerlich oder äußerlich. Wir wollen kämpfen, damit wir uns spüren, um unser Ich-Gefühl zu stärken.
Und vielleicht sind wir auch einfach ein bisschen verwöhnt…

Komfort macht nicht glücklich, aber…

Es stimmt natürlich auch, dass wir durch all den äußerlichen Komfort innerlich nicht wirklich glücklicher werden. Neben dem Gewöhnungseffekt ist das wohl der Hauptgrund, warum wir unseren Komfort nicht wertschätzen. In uns herrscht eine latente Unzufriedenheit, ein dauerndes Jucken, dass wir irgendwie nicht loswerden können, egal mit wieviel Erdbeeren in Schokosauce wir uns kratzen. Wir können unser inneres Loch aber nicht mit äußeren Dingen stopfen. Dafür müssen wir uns an die spirituelle Praxis wagen. Wir sollten uns von den äußeren Dingen etwas abwenden und mehr zu uns finden.

Das bedeutet aber nicht, dass wir unserem ganzen äußeren Komfort entsagen müssen. Die wirklich relevante Entsagung findet im Inneren statt: Wir müssen unsere Denksucht loswerden, wir müssen unsere Unzufriedenheit ablegen, wir müssen uns von unserem falschen Ich verabschieden. Nebenbei können wir auch unser äußeres Leben vereinfachen – das tut uns und auch der Umwelt gut. Aber wenn man sein Leben mit dem Leben eines Menschen in der dritten Welt vergleicht, dann ist ein bisschen einfacher noch immer sehr, sehr luxuriös…

Ich möchte mich bemühen, den Luxus mehr wahrzunehmen und wertzuschätzen. Ich möchte überhaupt wertschätzen, dass ich am Leben bin. Zu wissen, wie gesegnet wir sind, ist eine super Basis, um mit der inneren Arbeit zu beginnen.

Also Zeit für etwas Neues, z. B. eine „Spanische -Erdbeeren-Meditation“…

3 Responses

  1. Pedro Sieiro
    Perturbado

    Ich bin aus einem dritten Weltland und fühle auch das ich viel Luxus habe. Deswegen haben wir (wir die Luxus haben) keinen Grund zu jämmern haha

    Antworten
  2. Jörg

    Wie weit wir spirituell fortgeschritten sind, wird sich in Kürze zeigen, wenn die restlichen 25 Dinge von heute auf morgen nicht mehr vorhanden sind.

    Antworten
    • Jörg

      Ergänzen wollte ich aber noch, dass ich es absolut richtig finde, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge und nicht nur auf die negative Dinge richten. Wenn man positiv denkt, fühlt man sich besser.

      Antworten

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