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In den letzten 40 Jahren haben Frauen und Männer versucht, „aufeinander zuzugehen“, „sich nacheinander zu richten, sich anzugleichen, voneinander zu lernen“, die Rollen zu tauschen oder loszuwerden; an „freie Liebe“ zu glauben, um dann bald wieder keinen Sex vor der Ehe zu wollen; Kompromisse zu finden, Bücher zu lesen, und vor allem: endlos alle Unsicherheiten zu bereden und zu zerreden. Weil das Greifen nach straffen Konzepten, Idealen und modernen Beziehungsformen in Starre und Beziehungsvermeidung führt, gibt es neuere Arbeitsweisen für Paare und Beziehungswillige, die wieder polarisieren, also die Essenz von Mann und Frau unterstützen, denn es braucht zwei solide Ufer, um eine Brücke zu bauen.

Seltsam, dass wir für den Bereich, der uns Menschen am wichtigsten ist, keine „Übe-Phase“ kreieren, in der wir Erfahrungen sammeln können, die uns die innere Sicherheit geben, die wir brauchen, um in der gespannt-spannenden Identität unserer Weiblichkeit/Männlichkeit zu verweilen, anstatt sie zu entschärfen. Strahlende, weibliche Energie und gerichtetes, männliches Bewusstsein sind zwei Pole, die sich nicht dadurch besser verstehen, dass man sie entpolarisiert oder gleichmacht. Weibliche und männliche Energie sind ein Gegensatzpaar, deren Beziehung zueinander verdirbt, wenn ein Pol den anderen unterdrückt oder wenn man seinen weiblichen/ männlichen Wesenskern verlässt, um in Kompromissen zu leben. Was so aussieht, als würde man sich arrangieren, bedeutet meist den Verlust des spannungsgeladenen männlichen oder weiblichen Pols. Bedingungslose Liebe erfreut sich am anderen und versucht nicht, ihn sich gleich zu machen.

Liebe ist blind

Was Beziehung, Liebe und Eros angeht, richten wir uns sehr nach der heutigen modernen Moral, deren Regeln („sei soundso, tue dieses oder lasse jenes…“) aus dem Bedürfnis herrühren, den unverständlichen Partner zu kontrollieren, um eine Sicherheit zu erlangen, die uns bald langweilt und Eros verdirbt. Beziehungsideale und Vorstellungen vom Glück stehen uns oft im Weg.
Ein Beispiel: Mal angenommen, man idealisiert „harmonische Beziehungen“ und glaubt eine Beziehung sei „gut“ oder „funktioniert“ nur, wenn sie harmonisch ist. Wir wollen dann „Konflikte bereinigen“, entspannt miteinander umgehen oder „wir reden mal drüber“, wollen aber bloß keinen Ärger haben. Klingt alles prima. Aber es bleiben (gut gemeinte) Konzepte, die den Umgang regeln, um die Tatsache zu umgehen, dass der Lauf der Liebe und Triebe nicht berechenbar ist, dass Anziehung und Abstoßung da erscheinen, wo sie erscheinen und nicht nur dort, wo unsere Anschauungen sie erlauben.

Es ist unvermeidlich, dass das Weibliche einen Mann anzieht

Mit Hilfe von Eheringen oder Treuegelöbnissen kann man zwar versuchen, die immer wirkende Spannung zwischen Mann und Frau in eine vereinbarte, rigide Form zu zwängen, aber mit der Liebe zur Wahrheit, von der bei der Hochzeitszeremonie noch die Rede war, hat das nichts zu tun.
Die Wahrheit ist, dass es knistert, wenn ein Mann mit einer attraktiven Frau im Fahrstuhl steht. Die Wahrheit ist, was Du in diesem Moment wirklich fühlst, was du wirklich denkst. Deine Hormone und Gefühle passen sich nicht automatisch an Konstrukte wie Ehe, Beziehung und Moral an. Die Wahrheit ist vielleicht, dass sich eine Hippie-Frau ganz unerwartet von einem Polizeibeamten angezogen fühlt, was vielleicht ihr Ego nicht erlauben und ihr Verstand nicht zugeben würde. Wie geht diese Frau damit um? Wird der Mann im Fahrstuhl die Luft anhalten, bis die Situation vorbei ist? Soll ich ins Kloster oder mich jetzt auf jede/n einlassen, der/die mich anzieht? Die Wahrheit ist weder monogam, noch polygam, sondern dass wir noch sehr scheu sind, zu unserer Wahrheit, wie auch immer sie in einem Moment erscheint, zu stehen. Harmonie kommt nicht durch das Verleugnen der Konflikte. Das Dilemma ist nicht, dass wir auf diese Fragen keine Antwort kennen, sondern dass wir versuchen, einen Bereich zu konstruieren und zu regeln, der sich nur durch das Offenbaren unserer Wahrheit klärt. Schon immer hat das kleine Ich (das Ego) versucht, den Lauf der Liebe – in geistiger oder körperlicher Form – zu lenken, regeln oder zu verbieten. Ist es nicht lieblos, uns mehr nach Beziehungsidealen zu richten als mit unseren Gefühlen und Impulsen umzugehen?

Fühlendes Gewahrsein & „Unvorhersehbarkeit“

Wäre es nicht schön, wir könnten lernen und sogar fühlend Erfahrungen machen, dass das Ideal „harmonische Beziehung“ öde wird, weil wir eine Spannung entspannt haben, die zu unserer dualen Natur gehört? Ohne + und – Pole keine Spannung, ohne Spannung kein Strom. Vielleicht scheint es im Alltag einfacher, sich als Frau hinter Kontrolle und Reserviertheit zu verbergen oder sich als Mann harmlos zu geben. Wenn Eros nicht da lebendig sein darf, wo er nun einmal lebt, ist es kein Wunder, dass er auch in unseren Beziehungen nicht lebendig bleibt. Würde eine liebevolle Haltung nicht lieber lernen wollen, sich in der Spannung zu entspannen als die Spannung zu entspannen?

SpiegelHerz

Der Kern der Arbeit in unseren „SpiegelHerz“- Gruppen und -Einzelsitzungen ist, sich aus fühlender Gewahrsamkeit auf sich und andere zu beziehen. Erlernte Methoden und Instrumente stehen zur Verfügung, jedoch aus Respekt vor Individualität nicht im Vordergrund der Arbeit. Wir geben Raum, in dem das energetische Anliegen der Seele hervortritt, sich verkörpern und inszenieren kann. Bewusstseinsarbeit mit dem Energiekörper, heilsame Paar- und Einzelarbeit, Humor und Kontakt stehen im Vordergrund der Gruppenseminare, deren Verlauf sich unvorhersehbar an dem orientiert, was ist („Kontakt-Kunst“).

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